Leserstimmen zu
Nichts als die Nacht

John Williams

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"Die Angst, die dir die Kehle schnürt, soll haben keine Macht; wohin der längste Weg auch führt, da ist nichts als die Nacht." (A.E. Housman) "Er spürte heftige Enttäuschung, als er den Hörer zurück auf die Gabel legte. Er hatte sich vor der Stimme seines Vaters gefürchtet. Als er sie dann aber nicht hörte, war er enttäuscht. Und mit der Enttäuschung kam die Angst." Die Novelle ‚Nichts als die Nacht‘ erschien bereits 1948 im englischsprachigen Original, wurde aber erst jetzt - nach den großen Erfolgen von John Williams Romanen ‚Stoner‘, ‚Butcher‘s Crossing‘ und ‚Augustus‘ - ins Deutsche übersetzt. Es handelt sich bei ‚Nichts als die Nacht‘ um Williams‘ Debüt, das er mit Anfang 20 geschrieben hatte und das initial von mehreren Verlagen abgelehnt wurde. Im Mittelpunkt der Novelle steht Arthur Maxley, der ein schwermütiger Mensch ist und noch immer von einem Trauma aus seiner Kindheit geplagt wird. Maxley scheint weder zu arbeiten noch zu studieren und versucht, sein Leben durch tägliche Spaziergänge zu strukturieren. Dann reißt ihn ein Brief seines verhassten Vaters aus der Lethargie und aus seinem lähmenden Alltag, und nach einem anfänglichen Widerstreben, den Vater zu treffen, durchströmt Maxley eine seltsame Wärme beim Gedanken an seinen Vater, mit dem er lange keinen Kontakt hatte, und er greift zum Telefon. Am selben Abend treffen sich Vater und Sohn im Speisesaal des Regency-Hotels, und was als unterkühlte und bedrückende Verabredung begann, wird im Verlauf zu einer Zusammenkunft, die der Vater nutzt, um sich Arthur gegenüber zu offenbaren, um ihm zu zeigen, wer er wirklich ist, wie er wirklich fühlt und wirklich denkt, und endet schließlich erneut in schmerzvollen Erinnerungen und Hass. Ich empfand die Geschichte um Maxley anfangs als sehr sperrig und habe nur schwer in das Hörbuch hinein gefunden. Im Verlauf hat mich Williams‘ Novelle aber ebenso packen können wie seine Romane, auch wenn man ‚Nichts als die Nacht‘ durchaus anmerkt, dass Williams seine Novelle in sehr jungen Jahren geschrieben hat. Auch wenn man Williams‘ Schreibtalent auch in ‚Nichts als die Nacht‘ auf jeder Seite spürt, bemerkt man beim Lesen einige holprige Stellen, die sich in den späteren Romanen des Autors nicht finden, der seinen Schreibstil im Laufe der folgenden Jahre somit noch stark ausfeilen konnte. Trotz kleinerer Minuspunkte empfand ich ‚Nichts als die Nacht‘ als sehr intensiv erzählt und psychologisch überzeugend. Vor allem die Vater-Sohn-Geschichte wurde detailliert beobachtet und eindrucksvoll erzählt, doch auch die Geschehnisse nach dem Treffen mit dem Vater haben mich fesseln und begeistern können. Das Hörbuch wird von Alexander Fehling sehr ansprechend gelesen. Er gibt der Geschichte die passende Intonation und hat mich durch seine angenehme Lesung dazu gebracht, das Hörbuch gleich zwei Mal hintereinander anzuhören. Es handelt sich übrigens um eine vollständige Lesung der Novelle, allerdings fehlt beim Hörbuch das Nachwort von Simon Strauß. John Williams: Nichts als die Nacht. Aus dem amerikanischen Englisch von Bernhard Robben. Gelesen von Alexander Fehling. der Hörverlag, 2017; 18,99 Euro.

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