Leserstimmen zu
Das Internet muss weg

Schlecky Silberstein

(3)
(0)
(0)
(0)
(0)

Mein Fazit: Das Internet muss nicht weg, aber wir sollten die Fallstricke im Social Media kennen und bewußter mit Facebook, Google usw. umgehen, ist die Botschaft von diesem wertvollen Buch. Fleißig war er, der Autor Christian Brandes, der als Schlecky Silberstein bekannt ist, hat sorgfältig recherchiert, erklärt uns die Bedeutung von Algorithmen im Internet, die Dopamin Ausschüttung bei Facebook Like Buttons, Online Sucht, Advertorials, eine Werbeanzeige in der Aufmachung eines redaktionellen Beitrags, ein Artikel den der Autor im Auftrag des Werbenden verfasst, der ihn dafür bezahlt, erklärt uns den Datenkapitalismus der uns zum gläsernen Menschen macht, mit dem sich gut Geld verdienen lässt, erklärt den hohen Suchtfaktor durch das Belohnungssystem via Likes, dass uns zu Internet Yunkies werden lässt, ohne das wir es merken. Die Internet Nutzung bedeutet eine Verhaltensbedingte Abhängigkeit, der wir auf den Leim gehen sobald wir Facebook aufrufen. Das Buch ist so emphatisch geschrieben, dass der Leser das Gefühl hat vom Autor an die Hand genommen zu werden, der ihn durch die Tücken des Internets führt und Warnungen ausspricht. Wenn man auf der letzten Seite 261 angekommen ist, will man sich bei einem Sportverein anmelden, wieder Augenkontakt mit einem Gesprächspartner haben und schwört sich längere Internet Pausen einlegen zu wollen. Ich war schockiert, obwohl ich glaubte, Bescheid zu wissen. Gerade im Lichte der aktuellen Zeit verschafft dieses Buch einen unerwartet tiefen und stringenten Einblick in die Prozesse und Funktionsweisen der modernen Digitalwirtschaft. Kein Popanz, kein Klamauk, sondern ausrecherchiert und kompakt zusammengeschrieben. Ich hab's im Garten, bei Sonnenschein und Bier, angefangen zu lesen und und fand mich später wieder, wie ich es meiner Familie laut vorlas. Weil alle wissen wollten was da drinsteht. Wir hatten im Anschluss eine wirklich angeregte Diskussion - das war klasse. Kann das nur sehr empfehlen!

Lesen Sie weiter

‚Das Internet muss weg‘ von einem meiner Lieblingsblogger Schlecky Silberstein ist das Buch der Stunde (und länger dauert die Lektüre auch nicht). Fast schon ist es ein Manifest, das sich der Autor von der Seele geschrieben hat. Ein Aufruf zum Handeln, zum Zurückerobern der Selbstbestimmung in sozialen Medien. Das Internet hat viel versprochen und niemand, auch Schlecky Silberstein nicht, möchte ernsthaft die nützlichen Seiten der Technologie, den freien Austausch von Information, in Frage stellen. Aber mittlerweile ist dieser Austausch pervertiert. Besonders deutlich sieht man an uns like-süchtigen Instagrammern und auch an dem heuchlerischen Empörttun in der aktuellen sog. Datenleak bzw. der Facebook/Cambridge Analytica Affäre. Wer die AGBs nicht liest, darf sich nicht aufregen, wenn Facebook tut, wozu man Facebook ermächtigt hat. Wir müssen uns zurück erobern, was gut am Internet ist, und das gelingt nur, wenn wir wissen, wie Social Media funktioniert. Wer sind die Profiteure und wer das Schlachtvieh. Wer von euch sich schon immer mal gefragt hat, warum man dem Thema Hassposting in den Kommentaren und Online-Artikeln nicht einfach beikommt, indem man die Kommentarfunktion löscht, dem fällt es bei der Lektüre wie Schuppen von den Augen. Um der eigenen Filterbubble zu entkommen und nachhaltigen Content zu konsumieren, empfehle ich Schleckys Buch und hin und wieder das Handy auszuschalten.

Lesen Sie weiter

Reingefallen. Der Rezensent hat sich ordentlich vertan. Der Titel "Das Internet muss weg" kann ja wohl nicht ernst gemeint sein, dachte er. Das muss eine Satire sein, dachte er. Das wird sicher lustig werden, dachte er. Alles falsch gedacht. So ist das wohl, wenn man sich im Internet nicht wirklich auskennt ... Der Blogger mit dem lustigen Künstlernamen wird sicherlich den ganzen Internetkram ordentlich auf die Schippe nehmen. Zumal er ja als Comedy-Autor bekannt ist. Diese Vermutung wurde noch zusätzlich durch den Klappentext "Das Internet ist die größte Verarschungsmaschine aller Zeiten" genährt. Na klar, weiß doch jeder. Trotzdem, das wird DIE Gaudi! Na dann eher nicht. Denn der Mann meint das ernst. Wobei er den reißerischen Titel (doch nicht etwa ein Lockmittel?) dann am Ende doch wieder relativiert. Er meint damit die "aktuelle Version des Internets". Und genau das untermauert er in seinem Buch, indem er beispielsweise den Kaiser aller sozialen Medien, "Facebook", Stück für Stück zerlegt. Die Enthüllungen der letzten Wochen und Monate geben ihm Recht und unterstreichen das, was er recherchiert hat und ausführlich beschreibt. Die Vernetzung, Verbreitung und Verwendung privater Daten ist unglaublich. Fast liest sich das Buch wie ein spannender Wirtschaftskrimi. Ob man den oder die Täter wirklich dingfest machen kann, bleibt allerdings fraglich. Unfassbar auch die Zahlen, mit welchen schlaue Köpfe hier hantieren. Für Otto Normalsurfer ist es kaum noch nachzuvollziehen, dass man für den Kauf von Instagram eine Milliarde und für WhatsApp gar 19 Milliarden Dollar ausgeben kann. Und wenn man vom Teufel spricht: Jetzt platzt doch tatsächlich der Herr Zuckerberg selbst und dann auch noch persönlich mit seiner Entschuldigung mitten in diese Rezension. Man könnte fast meinen, dass er nun einer ganzen Menge Systemkritikern reichlich Wind aus den aufgeblähten Segeln nimmt. Man wird sehen. Silbersteins Buch verleiht er damit jedenfalls eine bemerkenswerte Aktualität. Volltreffer. Auch wenn die Menge der abgegriffenen Daten dem Konzern nicht unbedingt neu sein dürfte. Schließlich leben "Facebook, Google und Snapchat" davon, "uns immer mehr Anreize zur Interaktion zu liefern und damit den Abbau von Nutzerdaten zu verfeinern". Facebooks Chef müsste sein eigenes Unternehmen nicht nur in Frage stellen, sondern gar abschalten ... ... was nicht passieren wird. Es kann jedoch nicht schaden, sich über die Mechanismen des Netzes zu informieren, denn nicht jeder ahnt, was er mit einem schlichten "Like" auslöst und anrichtet, und nicht jeder weiß, was ein "Marketing-Tool" ist, wie "AdSense" funktioniert, was ein "Troll" wirklich im Schilde führt, oder was mit "Adobe VoCo", "Face2Face" oder "Social Bots" möglich ist. Oder wie wäre es mit einem weiteren Beitrag zur Kontroverse um die Filterblasen-These (filter bubbles)? Bleibt dem staunenden Laien und Gelegenheitssurfer nur noch die Frage, wie er sich dem Einfluss der immerwährenden und scheinbar übermächtigen Werbetrommeln entziehen kann, ohne gleich das ganze Netz abzuschalten. Der Rezensent hat für sich und seine Familie eine vorläufige Lösung gefunden: Werbung interessiert uns nicht (Hey Mark, bitte weitersagen. Danke!). Alle Produkte, für die geworben wird, wenn wir doch einmal versehentlich etwas (bewusst) aufschnappen, werden aus Prinzip nicht gekauft. Werbung für dieses Buch macht der Rezensent hingegen gerne. Das Internet im Desinformationszeitalter auf dem Seziertisch. Tatsächlich eine gnadenlose Abrechnung. Ob diese die richtigen Leute erreichen wird, ist jedoch fraglich. Schlecky Silberstein wird ganz sicher dranbleiben. Die vernetzte Welt verändert sich rasend schnell. Wie er selbst schreibt, wird es schon 2022 wieder völlig anders aussehen. Spätestens dann wird auch sein nächstes Buch erscheinen. Vielleicht heißt es dann: "Das Internet ist weg."

Lesen Sie weiter