Leserstimmen zu
Die Hütte des Schäfers

Tim Winton

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Meine Meinung: „Ich sagte mir, das ist der beste Tag meines Lebens. Und dachte, dass ich es bis morgen früh vielleicht sogar glauben würde.“ Mit seinem Roman „Die Hütte des Schäfers“ hat mich der australische Bestsellerautor Tim Winton dazu eingeladen, den fünfzehnjährigen Protagonisten Jaxie Clackton auf dessen nicht ganz freiwilligen Road-Trip durch die australische Steppe zu begleiten, der es an Wasser und möglichen Zufluchtsorten mangelt. Tim Winton hat sich hervorragend in die aussichts- bzw. hoffnungslose Situation Jaxies hinein gefühlt und lässt diesen mit einer durchdringenden authentischen Stimme seine Geschichte erzählen. Der darin aufgestaute Schmerz und die Wut spiegeln sich im „rotzigen“ Klang sehr passend wider und dennoch lässt der Autor auch eine spürbare Hoffnungswolke mit wandern, die in mir die begleitende Erwartungshaltung ausgelöst hat, mit Jaxie an einen „glücklichen“ Wendepunkt gelangen zu dürfen. Dieser scheint mit Erreichen der titelgebenden Hütte zunächst gefunden zu sein, allerdings weiß man auch als Leser nicht, inwieweit dessen Bewohner Fintan, ein älterer Priester, vertrauenswürdig erscheint. Im Laufe ihrer Beziehung wird der oft unbewusste/stille Wunsch nach dem Gefühl von Zuflucht/Familie aber auch das Verlangen nach Buße/Vergebung großartig dargestellt bzw. transportiert. Lebt die Handlung lange Zeit durch eine eher ruhigere und sehr bildliche Sprache, entsteht im letzten Drittel ein mit Gewalt dosierter und sehr fesselnder Spannungsbogen, der in ein Ende mündet, das für Nachklang und Interpretationsspielraum sorgt. Fazit: Ein sehr authentisch verfasster Coming-of-Age-Roman und bildgewaltiger Roadtrip! Ganz klare Leseempfehlung!

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Der Weg

Von: KB-B

01.11.2019

„Und ich dachte, ich sehe nicht richtig……..Aber ich wusste noch immer nicht, was ich da vor mir hatte…..“ Da lag er, sein Vater, zerquetscht vom Auto, mausetot. Der Wagenheber hat seinen Geist aufgegeben. Einerseits fühlte Jaxie Erleichterung, andererseits hatte er Angst. Wird man ihn beschuldigen? Alle im Dorf wussten von der Brutalität seines Vaters. Jaxie hat in der Vergangenheit oft Verletzungen und blaue Flecke gehabt. Da seine Mutter auch kürzlich verstarb, war er nun auf sich allein gestellt und sah keinen anderen Ausweg als die Flucht. Er packte die notwendigen Dinge zusammen und lief, geradewegs ins Outback, fernab von allen Straßen und Wegen. Er lief und lief, Tage, Wochen…. Irgendwann sieht er eine Hütte…… Tim Winton hat einen fantastischen Roman geschrieben und ein perfektes Cover gewählt. Er beschreibt die beschwerliche Reise des fünfzehnjährigen Jaxie in der Landschaft Westaustraliens. Es geht um Glauben, Vertrauen, Vergebung und Identität. Jaxie sucht einen Weg nicht nur durchs Outback.

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Ein Junge allein auf der Flucht vor einem Verbrechen, das er gar nicht begangen hat. Die Zuflucht in einer Hütte, bewohnt von einem greisen Priester. Zwei Außenseiter, zwei zerbrochene Leben, zweimal die Hoffnung auf Erlösung. „Alles hat sich geändert. Ich bin nicht mehr, wer ich war. Jetzt bin ich nichts anderes als eine frische Idee, die über den Highway in den Norden rast, wo es heiß und sicher und geheim ist. Es ist wohl mehr als nur ein außergewöhnlicher Coming-Of-Age-Roman, den Tim Winton uns mit "Die Hütte des Schäfers" präsentiert. Jaxie ist erst 15, die Mutter tot, der Vater gewalttätig, Alkoholiker, schlägt seinen Sohn manchmal bis zur Bewusstlosigkeit. Durch einen Unfall löst sich ein Wagenheber, der Vater stirbt, die Flucht scheint für Jaxie unausweichlich, zu sehr überwiegt seine Angst, als Mörder zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ab diesem Zeitpunkt wird für Jaxie jeder Tag zu einem nackten Kampf ums Überleben. Das Leben in der rohen Wildnis, die Sorge um Nahrung, um Schutz, all das zermürbt den Jungen Tag um Tag mehr - bis er eine Hütte entdeckt und bei einem alten Priester Zuflucht findet. Tim Winton schafft mit seinem Roman Großes - auf eindrucksvolle Weise verbindet er das Leben in der Hütte, den Kampf mit den Temperaturen, Wetterumschwünge, mit dem Innenleben der Protagonisten. Einfühlsam zeichnet er seine Charaktere, lässt sie sich auseinandersetzen, mit ihren Problemen, ihren Ängsten und ihrer Vergangenheit. Dabei ist die Atmosphäre des Romans durchweg düster, Hoffnungsschimmer finden sich selten. Jaxies Suche nach seiner Identität, die Abgrenzung zu seinem Vater, all das schildet der Autor vollkommen nüchtern und direkt. Er lässt Jaxie, und damit auch den Leser, durch die Hölle gehen. Dabei ist Wintons Sprache einschneidend und klar, er kommt ohne viele Metaphern aus, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche, ohne jedoch seine literarische Form zu verlieren - er schafft mit wenigen Worten brillante Bilder. "Die Hütte des Schäfers" ist kein leichtes Buch, man muss ihn durchaus zu nehmen wissen, diesen Roman, der an einigen Stellen vor Spannung beinahe zu explodieren scheint. Und dennoch: Winton gelingt ein eindringliches Buch, das den Leser auch nach dem Lesen noch beschäftigt - aufwühlend, intensiv, hart und dennoch so voller Mitgefühl.

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Jaxie Clackton ist auf der Flucht. Dabei ist er kein Krimineller, sondern nur ein ängstlicher 15jähriger Junge. Sein Vater liegt tot in der Einfahrt unter seinem Auto. Der Wagenheber hat sich gelöst und jetzt ist er tot, der Vater. Obwohl, diese Bezeichnung verdient er eigentlich nicht. Er ist ein Säufer und Schläger, kein liebender Vater. Als Jaxies inzwischen an Krebs verstorbene Mutter noch lebte, hat er diese regelmäßig verprügelt. Inzwischen muss der Junge die Schläge einstecken. Mehr als einmal hat er dem Vater den Tod gewünscht, aber als er ihn da liegen sieht, befürchtet er nur, dass man ihn verantwortlich machen könnte. Flucht scheint der einzige Ausweg. Und er zieht los, Richtung Salzwüste im Norden. Allein auf sich gestellt, ist jeder Tag eine Herausforderung, ein Kampf ums Überleben in unwirtlicher Landschaft. Bis er auf eine kleine Hütte stößt, bewohnt von dem alten Priester Fintan, der dort Zuflucht und Vergessen gesucht hat. Obwohl anfangs voller Misstrauen, bleibt er. Wintons Beschreibungen von Außenwelt und Innenwelt beeindrucken. Roh und abweisend. Die Menschen und die Umgebung. Die Landschaft Australiens, die Gewalt und Zerstörung von Menschenhand erfahren musste. Wie auch der Junge und der Priester, die sich beide ebenfalls mit ihrer Geschichte und ihren Verletzungen auseinandersetzen müssen. Die sich annähern, zögerlich zuerst, und damit einen Heilungsprozess einleiten. Auf der Suche nach Erlösung. Außenseiter, beide zerbrechlich. Mit mehr Fragen als Antworten. Eine Geschichte, die den Leser über das Ende hinaus beschäftigt.

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„Wandel ist schwer und Hoffnung ist brutal “ (Liam Rector, »Song Years«) Dieses Zitat geht Tim Wintons Roman Die Hütte des Schäfers voran und es gibt wohl kaum ein geeigneteren Satz, um diese aufwühlende und zugleich herzerwärmende Geschichte eines jungen Ausreißers zu beschreiben, der in der unbarmherzigen aber zugleich wunderschönen Wildnis Australiens auf der Suche nach sich selbst ist. Wer sich entschließt, diese Geschichte zu lesen, der ist bald hin und her gerissen zwischen tiefster Resignation über eine Welt, die scheinbar alles Gute eingebüßt hat und naiver, lebensbejahender Hoffnung, aus der ein Wagemut erwächst, wie nur junge Menschen ihn haben können und der vielleicht doch noch alles zum Besseren wendet. „Alles hat sich geändert. Ich bin nicht mehr, wer ich war. Jetzt bin ich nichts anderes als eine frische Idee, die über den Highway in den Norden rast, wo es heiß und sicher und geheim ist.“ Nur wenige Menschen würden den Tag, an dem der eigene Vater stirbt, als den besten ihres Lebens bezeichnen, doch in Jaxie Clacktons Fall trifft es zu. Nachdem Jaxies Mutter nach langer Krankheit verstorben ist, rutscht der ohnehin schon alkoholsüchtige und gewalttätige Vater völlig ab, so dass Jaxie sich kaum noch nach Hause traut. Dabei erscheint er auf den ersten Blick überhaupt nicht ängstlich. Nein, er verkörpert vielmehr den klassischen Schlägertyp. Doch Winton ist es mit Jaxie gelungen, einen psychologisch sehr ausgefeilten und komplexen Hauptprotagonisten zu schaffen, der an der Oberfläche unnahbar und cool erscheint, doch innerlich zutiefst zerrissen ist und Angst hat, eines Tages genau so gewalttätig wie sein Vater zu werden. Er weiß einfach nicht, woran er noch glauben kann. Jedenfalls nicht an andere Menschen und seinen Glauben an einen Gott hat er, falls er jemals wirklich vorhanden war, nach unerhörten Gebeten verloren. „Ich ging einfach. Setzte mich in Bewegung und blieb in Bewegung. Tagelang war ich nichts anderes, nur dieses verrückte, sich bewegende Ding. Das vorwärtsdrängte, sich schleppte, ging.“ Doch plötzlich scheinen seine Gebete auf eine seltsame Weise erhört zu werden, so kommt es Jaxie zumindest vor. Als er eines Tages nach Hause kommt, findet er seinen Vater im Schuppen, erschlagen von seinem Auto. Aus Angst, wegen Mordes an ihm bezichtigt zu werden, packt Jaxie in aller Eile ein paar Sachen zusammen und verschwindet. Sein Ziel: Der Norden, wo seine Cousine Lee wohnt, in die er sich verliebt hat. Fernab von seiner grausamen Vergangenheit, will er mit ihr ein neues Leben beginnen. Doch zunächst muss er die 300 km bis zu ihr irgendwie zurücklegen. Als er losgeht ahnt er nichts von den Gefahren, denen er auf seinem Weg begegnen wird und er ahnt auch nichts von dem Hunger und der sengenden Sonne über der australischen Salzwüste. Seine Naivität muss er beinahe mit dem Leben bezahlen. „Dieser Ort, an den ich verbannt wurde. Die Hitze und das Salz und die Fliegen. Ein Ort, der so leer ist, dass die Gedanken wie Echos zu einem zurückkommen.“ Winton, der selbst in Australien geboren wurde und auch heute noch dort lebt, schafft es, diesen Kontinent der Extreme facettenreich und detailliert zu beschreiben. In einfachsten Worten schildert er einerseits die Schönheit der Wildnis, andererseits aber auch die Gluthitze der Wüstenhölle, der Jaxie sich plötzlich ausgeliefert sieht. Er muss erkennen, dass wahre Freiheit wohl anders aussieht und dass er hier draußen nichts weiter ist als ein „Gefangener in Freiheit.“ Auch seiner Vergangenheit kann er nicht entkommen, denn in seinem Kopf verfolgt ihn seine Familie weiterhin und so wird diese Reise nicht nur zum Kampf um das eigene Überleben, sondern auch zu einem Kampf gegen die Geister der Vergangenheit. Große Teile des Buches sind darum Rückblenden, die der Rahmenhandlung aber keineswegs die Spannung entziehen, sonder vielmehr immer feinere psychologische Facetten des Protagonisten herausarbeiten und so Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf geschickte Weise miteinander verweben. „Er war einer von diesen Knaben, die so lange allein waren, dass sie den ganzen Tag mit sich selber redeten, sich sagten, was sie gleich tun würden, was sie tun sollten, was sie zu tun vergessen hatten. Er redete so verdammt viel, dass es sich anfühlte, als würde er einen mit Schrott bewerfen.“ Am Ende seiner Kräfte stößt Jaxie auf eine heruntergekommene Schäferhütte, in der ein alter Mann schon seit vielen Jahren lebt. Da Jaxie keine andere Wahl hat, kommt er bei ihm unter. Die beiden begegnen sich mit viel Misstrauen, denn wer hier draußen unterwegs ist, der muss entweder verrückt oder auf der Flucht sein. Doch nach und nach nähern sich die beiden an und es entwickelt sich fast so etwas wie eine Freundschaft zwischen ihnen. Mit Hilfe des alten Mannes, der sich als Priester herausstellt, lernt Jaxie einige wichtige Lektionen in Sachen Vertrauen und Moral und er stellt fest, dass er ein eigenständiger Mensch und kein bisschen wie sein Vater ist. Am Ende machen plötzlich all die erlittenen Qualen einen Sinn und Jaxie kann mit Sicherheit sagen, wer er nicht ist bzw. nicht sein will. Erst jetzt ist er wirklich bereit, seiner großen Liebe gegenüber zu treten… Mit Die Hütte des Schäfers ist Winton ein Meisterwerk der psychologischen Zwischentöne gelungen, eine wunderbare Geschichte übers Erwachsenwerden, über Identität und nicht zuletzt über den Glauben an eine bessere Zukunft, die ein jeder selbst in seinen Händen hält.

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In this book, Winton writes like an Australian version of Cormac McCarthy who decided to tackle the topic of toxic masculinity - yes, you heard that right, and the result is absolutely astounding. The story is told from the perspective of protagonist and antihero Jaxie Clackton (who speaks in strong Australian slang), a teenage boy who grew up with a violent, alcoholic father and a mother who stood by and failed to protect him, until she finally died from cancer. When his father dies by accident, Jaxie fears that he will be blamed because everybody knew that he hated his dad (thus inferring that the whole community must have known about his situation, but nobody stepped in). As a consequence, Jaxie decides to run away and goes on a journey through the Australian wilderness in order to pick up his cousin Lee, whom he loves, and ultimately build a better life with her. When he comes across an old shepherd's hut which is inhabited by a mysterious former priest, this encounter will change Jaxie's life forever. This novel is not for the faint of heart: There is a lot of blood and slaughtering (literal and metaphorical) going on, and Jaxie, who has never been protected and cared for by his parents, is shockingly brutal and caught up in his idea that he needs to show disaffection and what he perceives as strength at all times. His disconnection and alienation becomes almost unbearable to read when he talks about his cruelty against animals. Pain, killing and death are major themes in the book, and the questions what differentiates dead meat from a living creature and whether there is something like a "good death" lead directly to the existential challenge to find something to live for. As you might expect in a novel that stars an Irish-Catholic ex-priest and a teenager from Monkton (Monk-ton, got it?) hanging out in a shepherd's (!) hut near a salt (!) lake, the author contemplates questions of spirituality, using biblical themes and letting his characters meditate on pantheism in the Australian wilderness. But the question whether there is a God or not is not the main concern here; rather, it's the question how to overcome alienation and loneliness, how to learn empathy and to feel connected to nature and other people. Ultimately, it's also the question of how we can feel ourselves. I really enjoyed how Winton managed to convey the inner workings of Jaxie, and how is whole persona is challenged and questioned by someone who simply sees him and listens to him. This is a terribly disturbing and brutal story of redemption, and it is equally cruel and beautiful.

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