Leserstimmen zu
Kill 'em all

John Niven

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Nachdem uns Altmeister Niven mit "Alte Freunde" in enttäuschenden Tiefschlaf, garniert mit gelegentlichen Sekundenwachphasen, versetzt hatte, erscheint er mit seinem aktuellen Roman wie runderneuert, einer Inspektion unterzogen und frisch über den TÜV gefahren. So als ob er sich beim Vorgänger schreibtechnisch ein wenig locker gemacht hätte, um seine Finger auf das vorzubereiten, was sie dann ausgeruht und mit aller Kraft in "Kill 'em all" zu Papier bringen würden. Die schwache Story und sein vor allem erwartetes lockeres Mundwerk erschöpfte sich bereits auf wenigen Seiten und klang wenig mehr als ein laues Echo seiner selbst. Nunmehr hat er (nicht nur) in der Abteilung Sarkasmus und anderen Unverschämtheiten kräftig ausgemistet und ordentlich durchgewischt. Dergestalt defragmentiert erstrahlt er in neuem, alten Glanz und weiß seine ihm treu ergebene Fangemeinde, also jene "Idioten, die nichts Besseres zu tun haben, als auf ihrem dämlichen Arsch zu sitzen und ein beschissenes Buch zu lesen", Seite für Seite zu begeistern. Steven Stelfox, einst ebenso erfolgreicher wie skrupelloser "A&R-Manager" in der Musikindustrie, befindet sich im Ruhestand. Seine Dienste werden jedoch mehr denn je gebraucht, denn der erfolgreichste Popstar aller Zeiten und sein Gefolge befinden sich in allergrößten Schwierigkeiten. Stelfox muss zurück an Bord, denn nur er scheint in der Lage zu sein, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Leider ist es so, dass der "Dreck" inzwischen ungeahnte Dimensionen angenommen hat, so dass es für alle Beteiligten fast aussichtslos erscheint, sich hier jemals wieder herauszuwinden. Millionenschwere Verbindlichkeiten sind schon Last genug, doch wenn sich zwei "traurige Witzfiguren" und deren abgehalfterter Anwalt dazu entschließen, den "Kaiser des Pop" mit eindeutigem Material zu erpressen, dann kann dies nur zur absoluten Eskalation führen. An jeder verfügbaren Ecke lauert immer derselbe destruktive Geist dieser Welt: Geld. Etwas an der Szenerie hat sich geändert. Das Bühnenbild ist anders. Moderner. Aktualisiert um die "Ära von Trump, Brexit und Fake-News" konzentrieren sich die immer gigantischer gestalteten Geldströme auf einen immer geringer werdenden Personenkreis. Dies zu erhalten ist erklärtes Ziel. Schließlich muss der Rubel rollen, aber bitteschön an die richtigen Stellen. Um diese Thematik gestaltet John Niven eine Geschichte, die einen fast dazu verleitet, einem irgendwie bekannt vorzukommen. Es ist vor allem jener unglückselige "Lucius Du Pre", der weltbekannteste Popstar, "ein etwas zu groß geratenes Kleinkind mit einem Gotteskomplex", der auf einer gigantischen Ranch namens "Narnia" lebt. Dort wimmelt es von Bediensteten, die sich beileibe nicht nur um die erlesene Auswahl von Luxuskarossen aus aller Welt kümmern, sondern u.a. auch um den angrenzenden Vergnügungspark. Auch für seine sprichwörtliche Kinderliebe ist Du Pres bekannt. "Kill 'em all" ist ein fundamentaler Rundumschlag quer durch die gesellschaftlichen und politischen Strukturen des "neuen Amerika". Nivens rotzfreche Tiraden attackieren alles und jeden, der sich nicht sofort in die hintersten Ecken seiner erbärmlichen Existenz zurückzieht, um das infame Spiel des Lebens und ihrer Dirigenten aus einer feigen, aber sicheren Position heraus zu beobachten. Die sich daraus ergebende Erkenntnis, dass Geld die Welt regiert, ist wahrlich nicht neu, doch wie Niven dies zu unterstreichen weiß, lässt sich mit Adjektiven wie "drastisch" nur unzulänglich beschreiben. Klar, die Geschichte ist fiktiv, aber das Gesicht des wahren Kerns ist unzweideutig erkennbar und wieder um einige Facetten hässlicher geworden.

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Ein sehr aktuelles Buch. In Zeiten wie diesen, mit unsicheren Idolen, Stars und korrupten Politikern ist der dargestellte Plot absolut realistisch und nachvollziehbar. Steven Stelfox hat sich aus dem Business zurückgezogen, nachdem er seine Anteile am Musikbusiness für mehrere 100 Millionen verkauft hat. Allerdings kommt seine ehemaliger Partner nach Jahren mit der Bitte um Unterstützung bei Schwierigkeiten mit dem größten Star der Company auf ihn zu. Dieser hat einen derart aufwendigen Lebensstil, dass unbedingt einen neue Platte und vor allem eine Tour auf die Beine gestellt werden muss, um die notwendigen finanziellen Mittel zu erlösen. Der Star hat sich allerdings in ein Traumland aus Drogen und gesellschaftlich untolerierbarem Verhalten zurückgezogen und es braucht dafür neue Ansätze. Diese liefert Stelfox auf seine recht unkonventionelle Art. Dass der Start der Tournee am Ende als Endziel nicht aus den Augen verloren geht, liegt im Wesentlichen daran, dass Steven sehr eigennützige Motive hat. Alles zusammen ein etwas blutiger, aber glaubhafter Roman. Menschen haben gefälligst hinter wirtschaftlichen Interessen zurückzustehen - das Werk ist unmoralisch, verwerflich und gemein. Wie so oft auch das richtige Leben.

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Genial

Von: Buchwelt1984

25.03.2019

Meine Meinung: Erstmal für mich die wichtigste Information ist, dass das Buch ohne Vorwissen zu "Kill your friends" zu lesen ist. Ich kannte Teil 1 nicht, doch konnte alles bestens nachvollziehen. Das Cover von diesem Buch finde ich ganz besonders toll. Es ist eine Papiercover. Also so nenne ich jetzt mal die Machart, da ich den offiziellen Begriff nicht kenne. Ihr dürft mich aber gerne in den Kommentaren unter diesem Beitrag behelligen. Auch besonders schön, finde ich die Farbigen roten Ränder. Im Gesamtbild ein echter Hingucker. Dieses Buch ist gefüllt mit schwarzem Humor der feinsten Klasse. Sämtliche Figuren sind unsympathisch und doch schreckte ich nicht vor dem Lesen zurück. Ganz im Gegenteil. Ich habe es verschlungen. Auch Reale Figuren werden hier thematisiert wie z. B. Donald Trump. Und auch welchen Star der Sänger darstellen soll, war mir sehr schnell und ohne großes Rätseln bewusst bewusst. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal die Übersetzung loben. Stephan Glietsch hat hier echt sein bestes gegeben. Aber auch eine Warnung an dieser Stelle. Der Humor dieses Buches ist gewiss nicht für jeden etwas. Man erlebt hier Regelrecht eine Achterbahnfahrt der Gefühle, bis einem zuletzt das Lachen im Halse stecken bleibt. Und doch habe ich mich perfekt unterhalten gefühlt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Auch den Schreibstil fand ich klasse. Flüssig, bildlich, packend und lustig. Top. Und das Ende setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Fazit: Zynisch, schwarzer Humor, unterhaltsam. Ein tolles Buch, jedoch nicht für jedermann geeignet.

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2017 – die Ära von Trump, Brexit und Fake-News. Zwanzig Jahre sind seit Steven Stelfoxs mörderischem Rundumschlag in Kill Your Friends vergangen. In Gott bewahre trat er noch einmal als unerbittlicher Juror der größten amerikanischen Casting-Show in Erscheinung. Nun, mit siebenundvierzig Jahren genießt er ein geruhsames Jetset-Leben. Wenn er Langeweile hat, verdingt er sich als Berater in der Musikindustrie. Und löst Probleme. Und sein alter Freund James Trellick, mittlerweile CEO der größten amerikanischen Plattenfirma, hat ein massives Problem: Sein Künstler Lucius Du Pre ist der erfolgreichste Popstar auf Erden. Nun ja, er war der erfolgreichste Popstar auf Erden. Inzwischen ist er ein hoffnungsloser Junkie und unberechenbares Sexmonster. Um die irrsinnigen Vorschüsse wieder einzuspielen, ist eine weltweite Comeback-Tour geplant. Doch dafür müsste er erst wieder in Form kommen. Und es gilt einen Erpressungsversuch abzuwenden - ein Video mit kompromittierenden Szenen, das nie an die Öffentlichkeit gelangen darf.... (Klappentext) ♫♫♫♫♫ "Falls ihr euch in den letzten fünfzehn Jahren den Taliban angeschlossen, in einer Höhle gehaust, Nagelbomben gebaut und Bergziegen penetriert haben solltet, stelle ich mich gerne noch mal kurz vor...." (S. 10) Trigger: Sexismus, Rassismus, Pädophilie, Drogen- und Alkoholmissbrauch Der Oberarsch ist wieder da! Noch geld- und machtgeiler, mit einer Arroganz, die einem regelrecht entgegen springt, mit einem ausgeprägten sexistischem Arschlochgehabe und narzisstischer als Trump. Die Rede ist von Steven Stelfox. In den 90ern Musik-Manager der über Leichen ging ("Kill your Friends"), 2003 wollte er bei einer Castingshow Jesus persönlich übern Tisch ziehen ("Gott bewahre") und nun, mit 47, genießt er sein Leben mit seinen, mehr oder weniger, hart erarbeiteten Millionen. Doch Geld kann man ja bekanntlich nie genug haben und daher verdient er sich hin und wieder ein kleines Taschengeld hinzu (unter einem sechsstelligen Betrag läuft da natürlich gar nichts). Als Problemlöser, besser gesagt als "Consultant", wenn Deals an Land gezogen werden müssen oder jemand im Showbiz abgesägt werden soll, dann ruft man Stelfox an. Wo Stelfox ist, ist James Trellick nicht weit - Rechtsverdreher und Geschäftsführer eines Musiklabels und dieser benötigt nun genau solche Art von Hilfe. Sein Star ist der erfolgreichste Popstar ever, quasi "The Emperor of Pop". Dieser hat ein massives Drogenproblem, hat abstoßende sexuelle Vorlieben und wird nun erpresst. Das alles gerade kurz vor seiner Comeback-Tour und völlig pleite ist der auch noch. Keine Frage, hier muss einer her der keine Moral kennt und keine Skrupel hat - einer wie Stelfox und dieser hat eine ganz eigene Art mit Problemen dieses Kalibers umzugehen und diese auch zu beseitigen. Wir lesen hier aus mehreren Perspektiven. Allen voran natürlich aus Stevens Sicht, weiters aus die des problem- und medikamenten-durchgebeutelten Popstar, der Erpresser und aus der Sicht des Anwalts der Erpresser. Man ist also immer auf dem Laufenden. Beim Popstar wird schnell klar auf wen sich Niven hier eingeschossen hat. Auch wenn klar ist, dass es sich hier nicht um Michael Jackson handelt, so entdeckt man doch sehr viele Parallelen, auch wenn diese völlig gegenteilig sind. "Lucius hatte - das bekam er schon seit Kindheitstagen zu hören - den Gang eines Schwarzen. Er tanzte wie ein Schwarzer. Er sang wie ein Schwarzer. Unglücklicherweise und zu seiner unendlichen Frustration war er von Geburt an weiß. In den letzten zwanzig Jahren hatte er eine Reihe kostspieliger, gewagter und - in einigen Fällen - überaus unbedachte Operationen über sich ergehen lassen, um diesen Zustand zu korrigieren." (S. 32) Das Lucius Du Pre, der besagte Popstar, völlig im Eckt steht, wird ebenso schnell klar. Zu Mißbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten und minderjährigen Jungen, kommt noch ein völlig verkorkstes und vor allem pathologisches Selbstbild hinzu. Stelfox ist das alles egal. Ihm geht es nur darum, das Problem in den Griff zu bekommen, eine Lösung zu finden und daraus natürlich auch ordentlich Kapital zu schlagen. Doch alles läuft aus dem Ruder und die einzige Frage die er sich dann stellt ist: "Über wieviel Leichen muss ich diesmal gehen?" "...Ich meine aber auch, dass diese Idioten genau das sind, worauf die Millionen von hirnverbrannten, inzüchtigen, hinterwäldlerischen, arschgesichtigen Yankee-Raver stehen, die Woche für Woche die Clubs von Las Vegas bevölkern, um bei den Sets von Dj Rektalkrebs und MC Kacke-ich-hab-mich-eingeschissen den Verstand zu verlieren." (S. 48) Steven ist noch immer der gleiche Arsch so wie wir ihn aus "Kill your friends" und "Gott bewahre" kennen - ein Unsympathler und geldgeiler Wichser ohne Gewissen. Political Correctness - Fehlanzeige und aufgrund der oben genannten Triggerwarnung sind manche Szenen wirklich harter Stoff. Zwischen mir und diesem Protagonisten besteht so etwas wie eine Hass-Liebe. Ich hasse ihn als Mensch, aber liebe ihn als Protagonisten. Vor allem liebe ich jedoch die populistische Art des Autors uns den Kapitalismus, nicht nur in der Musikindustrie, vor Augen zu halten und das auf seine unvergleichliche Art und Weise - direkt, derb, schockierend, aber auch mit verdammt viel schwarzen Humor und Sarkasmus. "Lucius Du Pre ist pleite. Aber nicht so pleite, wie ihr das kennt. Ihr Idioten, die ihr nichts besseres zu tun habt, als auf eurem dämlichen Arsch zu sitzen und ein beschissenes Buch zu lesen." (S. 53) Beim Lesen wechseln sich Abscheu und Entsetzen mit Lachen und Spannung mit einem unglaublichen Tempo ab. Unzählige Wendungen halten einem auf Trab, während einem die heutige Gesellschaft und deren Sucht nach Fame und Geld vor die Nase geknallt wird. Das Ende ist absolut abgefahren, lässt einem böse grinsen und gleichzeitig auf eine Fortsetzung hoffen. Dies ist übrigens der 3. Teil der Stelfox-Reihe, wenn man so will. Jeder Band kann aber durchaus eigenständig gelesen werden. Ich empfehle jedoch zumindest "Kill your Friends" vor dem vorliegenden Buch zu lesen, um in die Stelfox-Welt einzutauchen. Fazit: Und wieder lässt mich ein Niven begeistert zurück und wieder kann ich mich nur wiederholen, indem ich sage, dass dieser Autor es einfach drauf hat die Leser zu schockieren, zum Lachen zu bringen und gleichzeitig über unsere kapitalistische Gesellschaft nachzudenken. © Pink Anemone

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Steven Stelfox ist zurück und das noch skrupelloser und intriganter als im Vorgängerroman Kill your Friends. 20 Jahre sind vergangen seit Steven die Musikindustrie richtig aufgemischt hat. Nachdem er eine der größten Musik Casting Show auf die Beine gestellt hat verabschiedet sich Stelfox in den Ruhestand. Hier beginnt die Geschichte von Kill em all. Steven wird langweilig und es reicht ihm nicht nur mit seiner Luxusyacht durch die Welt zu segeln. Er braucht mehr einen neuen Kick und vor allem mehr Geld. Deshalb kann er auch kaum Nein sagen als sein alter Freund James Trellick ihn bittet ihm bei seinem Klienten Lucius Du Pre zu helfen. Du Pre ist einer der bekanntesten Popstars der Welt, der gerne schwarz wäre und einen Hang zu kleinen Kindern hat und auf seiner Ranch Narnia lebt. Und damit beginnt der nächste abgefahrene Trip auf dem wir Steven begleiten bestehend aus Erpessung, Entführung, Manipulation und vor allem, wie könnte es bei Stelfox anders sein, ganz viel Gewalt und Blut. Als ich gelesen hab das es eine Fortsetzung zu Kill your Friends geben wird war ich total aus dem Häuschen. Meine Lieblingsekel bekommt, nach einem kurzem Auftritt in Nivens "Gott bewahre" eine zweites Buch gewidmet. Und wie auch in Nivens anderen Büchern trieft es wieder nur so vor schwarzem Humor, Zynismus und Anspielungen auf die aktuelle politische Lage. Ob es nun der Brexit ist Fake News oder #metoo nichts bleibt verschont. Damit kommt nicht jeder Leser klar ich fand es wieder großartig. Und wenn ich ehrlich bin hat mich die Michael Jackson Parodie von Lucius Du Pre am meisten begeistern können. Die Geschichte ist so grandios konstruiert, sie wendet und dreht sich und am Ende wenn man denkt man hat alles durch kommt nochmal der große Knall. John Niven hat in diesem Buch mit Überraschungen nicht gespart. Die Figuren sind alle so messerscharf gezeichne tdas man gar nicht genug von ihnen bekommen kann. Im Prinzip ist jeder ein Arschloch aber man mag sie trotzdem irgendwie allen voran Steven Stelfox. Aber auch wenn in dem Buch vieles überspitzt dargestellt wird darf man nicht vergessen das vieles so schon in unserrer Welt existiert und John Nivens hier direkt mit dem Finger draufzeigt. Nivens Schreibstil konnte mich auch bei diesem Buch wieder an die Seiten fesseln. Er zieht einen in die Geschichte und am liebsten würde man erst am Ende wieder auftauchen. Für mich zählt Kill em all schon jetzt zu meinen Jahres Highlights und damit ist John Niven endgültig in die Riege meiner Lieblingsautoren aufgestiegen.

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Inhalt: 2017 – die Ära von Trump, Brexit und Fake-News. Zwanzig Jahre sind seit Steven Stelfoxs mörderischem Rundumschlag in Kill Your Friends vergangen. In Gott bewahre trat er noch einmal als unerbittlicher Juror der größten amerikanischen Casting-Show in Erscheinung. Nun, mit siebenundvierzig Jahren genießt er ein geruhsames Jetset-Leben. Wenn er Langeweile hat, verdingt er sich als Berater in der Musikindustrie. Und löst Probleme. Und sein alter Freund James Trellick, mittlerweile CEO der größten amerikanischen Plattenfirma, hat ein massives Problem: Sein Künstler Lucius Du Pre ist der erfolgreichste Popstar auf Erden. Nun ja, er war der erfolgreichste Popstar auf Erden. Inzwischen ist er ein hoffnungsloser Junkie und unberechenbares Sexmonster. Um die irrsinnigen Vorschüsse wieder einzuspielen, ist eine weltweite Comeback-Tour geplant. Doch dafür müsste er erst wieder in Form kommen. Und es gilt einen Erpressungsversuch abzuwenden – ein Video mit kompromittierenden Szenen, das nie an die Öffentlichkeit gelangen darf. Welcome back, Steven Stelfox. Er kennt keine moralischen Bedenken und geht bekanntlich über Leichen. Und das Klima des »amerikanischen Gemetzels« – des Populismus, der puren Gier und der großen Lügen – spielt ihm zu. Aber in dieser Zeit der Unsicherheit weiß man natürlich nie, was als Nächstes geschieht. Meine Meinung: John Nivens Vorgänger-Romane zu „Kill em all“ habe ich nicht gelesen. Aber ich hatte nicht das Gefühl irgendetwas zu vermissen. In die Geschichte konnte ich sofort einsteigen. Worum geht´s? Der Brite Steven Stelfox hat in den 90ern mit der Musikindustrie Millionen verdient und sich mit Ende 40 zur Ruhe gesetzt. Das Leben als Privatier wird ihm allerdings zu Langweilig und so nimmt er einen Berater-Job für einen seiner ehemaligen Kollegen an. Die Geschichte nimmt ihren Lauf und ein absurder -gleichzeitig erschreckend realitätsnaher- Ablauf an Ereignissen wird gestartet. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es strotzt nur so von pechschwarzem Humor und Zynismus. Stelfox kennt weder Skrupel noch Moral. Er dient nur einem Herren und das ist Steven Stelfox. Aber auch alle anderen Figuren, von denen einige auf realen Personen basieren, rühmen sich nicht mit gerade mit moralischem Anstand. Eine bitterböse Betrachtung der Gesellschaft, von Politik, der Konsum- und Musikindustrie, die unterhaltender und auch spannender nicht geschrieben sein könnte! Hier werden Seitenhieb zu allen Seiten ausgeteilt, der einen alles andere als kalt lässt.

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Seit Steven Stelfox 1994 seine Karriere als A&R-Scout bei Unigram begonnen hat und als ausführender Produzent der Talent-Show „American Pop Star“ seinen Reichtum vervielfachen konnte, genießt der 47-Jährige den beruhigenden Wohlstand, der mit einem 300-Millionen-Dollar-Vermögen einhergeht und stellt sich nur noch sporadisch für fürstliche Honorare als Berater zur Verfügung. Gerade als Unigrams Aktien weiter zu fallen drohen, muss Stelfox seinem alten Freund James Trellick, mittlerweile CEO bei Unigram, aus der Patsche helfen. Sein erfolgreichster Künstler Lucius Du Pre, der gerade einen Marathon von zwanzig Konzerten im New Yorker Madison Square Garden und ebenso vielen in der Londoner O2-Arena vorbereitet, um seine immensen Schulden wieder einzuspielen, hat eine Vorliebe für kleine Jungs. Mit denen tobt er nicht nur in seinem Vergnügungspark herum und guckt mit ihnen seine Lieblings-DVD „Fantasia“, sondern stellt mit ihnen Sachen an, die besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Das denken sich auch die Eltern von Connor, als sie eine blutbefleckte Unterhose unter dem Bett ihres Sohnes finden, denn statt mit ihrem Verdacht zur Polizei zu gehen verstecken sie eine Kamera in Connors Mütze und filmen so den nächsten sexuellen Übergriff des drogenverseuchten und abgehalfterten Pop-Stars. Natürlich denken Stelfox und die Leute bei Unigram nicht daran, auf die absurd hohen Forderungen von Connors Eltern und ihrem Anwalt einzugehen. Stattdessen entwickelt Stelfox einen teuflischen Plan, bei dem zumindest er selbst am Ende als der große Gewinner dastehen wird. Aber da droht ihm ausgerechnet Du Prez einen Strich durch die Rechnung zu machen … „Bis jetzt hatte ich nie wirklich verstanden, was es heißt, ,die Medikamente abgesetzt‘ zu haben. Fraglos erfüllten die atemberaubenden Mengen pharmazeutischer Aufputsch- und Beruhigungsmittel, die Lucius über Jahre genommen hat, die Funktion einer Art Sicherungsschraube … oder von einem Sperrkreis zur Unterdrückung störender Frequenzen. Von ihnen befreit, ist der Wichser durchgeknallter geworden als ein Plattenbau voller Scheißhausratten.“ (S. 311f.) Nach „Kill Your Friends“ und „Gott bewahre“ hält uns der schottische Schriftsteller John Niven einmal mehr in Gestalt des großkotzigen Selfmade-Arschlochs Steven Stelfox der Welt das ungetrübte Spiegelbild vor Augen, in dem Donald Trump wie eine Karikatur die Geschicke des mächtigsten Landes der Welt lenkt und junge Frauen, die sich für ihren Traum von einer Karriere in Hollywood als menschliche Toilette missbrauchen lassen, wie ein Hohn auf die #MeToo-Debatte wirken. Wer in diesem Roman eine sympathische Identifikationsfigur sucht, wird bitterlich enttäuscht, denn der Großteil von „Kill ´em all“ ist aus der Perspektive von Steven Stelfox geschrieben, der von Beginn keinen Hehl daraus macht, was er von den „Losern“ hält, die es in ihrem Leben zu nichts bringen. Aus der gesicherten Position seines Reichtums heraus hält es Stelfox wie Präsident Trump: Er versucht gar nicht erst, bei den Minderheiten zu punkten, sondern nur seine ureigenen Interessen durchzusetzen – weil er es kann, ohne für seine Rücksichtslosigkeit belangt werden zu können. Wer sich auf den sehr zynischen Blick auf eine Welt, in der Musikfans selbst den billigst produzierten Scheiß zu Hits machen, einlassen kann, wird auf höchst unterhaltsame Weise auch mit den Schattenseiten des Reichtums vertraut, wenn es immer nur noch darum geht, mehr Geld zu scheffeln, größere Yachten zu besitzen als David Geffen und seinen Fuhrpark um imposantere Luxus-Karossen zu erweitern. Das wirkt auf der einen Seite extrem oberflächlich und klischeebeladen, aber hinter den großkotzigen Sprüchen und Gedanken, die Stelfox hier reihenweise vom Stapel lässt, liegt immer mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.

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„Alle Imperien sind aus Feuer und Blut erbaut.“ Pablo Escobar Der 47 Jahre alte Steven Stelfox genießt sein luxuriöses Leben im Vorruhestand, als ihn der Anruf seines ehemaligen Weggefährten James Trellick zurück an die Front holt. Sein Künstler Lucius Du Pre galt als der erfolgreichste Musiker, der jedoch gleichzeitig einem extravaganten Lebensstil auf seiner Ranch Narnia mit einem eigenen Vergnügungspark frönte. Soweit nicht dramatisch, wäre da nicht die unangenehme Vorliebe des Künstlers für kleine Jungs. Und nun existiert auch noch ein Video, welches die Gerüchte auf widerwärtige Weise unterstreicht. Ein Fall für den skrupellosen Problemlöser Steven Stelfox, der einen perfiden Plan verfolgt… Wer befürchtet hat, dass John Niven seinen Biss verloren hat, der kann sich auf Kill 'em all freuen. Denn hier zeigt Niven, ein Kriegsberichterstatter der modernen Wohlstandsgesellschaft, dass er es wie nur wenige andere Autoren beherrscht, ohne jegliche eigene Wertung ein bissiges, zynisches und immer treffsicheres Bild unserer Gesellschaft zu skizzieren und dies dabei so bitterböse zu formulieren, dass es sich einem durch die Netzhaut ins Hirn frisst. Und wer ist dazu besser geeignet, eine unangenehme Bestandaufnahme der Gegenwart zu liefern? Natürlich Steven Stelfox, der ehemalige A&R-Manager, spätere Produzent und Juror der Fernsehshow American Pop Star und jetzige millionenschwere Lebemann im Vorruhestand, der nur noch punktuell gegen ein fürstliches Honorar als freiberuflicher Berater tätig ist. Zuerst begegnete man ihm in dem 1997 spielenden Roman Kill your friends, später trat er in Gott bewahre in Erscheinung, hier nun erleben wir ihn erneut als Hauptprotagonisten des im Jahr 2017 angesiedelten Kill 'em all. Dabei scheint es, als bekomme jedes Jahrzehnt den Beobachter, den es verdient und so haben wir eben für die Zeit der letzten zwei Jahrzehnte einen menschenverachtenden, geldgeilen Zyniker, der diese in allen Belangen unruhige Zeit bissig kommentiert und jede Gelegenheit nutzt, seinen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen. Dabei glänzt John Niven mit einem detaillierten Hintergrundwissen und zeigt uns die schmutzige Seite des Business, die jeder erahnt hat, aber immer hoffte, dass es so nicht sei. Parallelen zu bekannten Größen der Kunstszene sind dabei natürlich völlig unbeabsichtigt. Kill 'em all (Originaltitel: Kill 'em all, Großbritannien 2018) erscheint in einer Übersetzung aus dem Englischen von Stephan Glietsch als Hardcover mit rot eingefärbten Seitenschnitt bei Heyne Hardcore (384 Seiten, €20). Kill 'em all ist ein bissiger, unglaublich zynischer Roman, der einem mit seinen schwarzhumorigen Inhalt oftmals das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. Wer meint, der Autor übertreibe in seiner Figurenskizzierung, der schaue nur einmal kurz in die aktuellen Nachrichten und treffe dort auf Menschen, denen jegliche Moral und Ethik fremd sind und die für den höchstmöglichen Gewinn bereit sind, alles zu tun, was nötig ist. Der fiktive Steven Stelfox ist nur ein Abziehbild zahlreicher realer Vorbilder, die ihre Macht tagtäglich auf Kosten anderer ausleben… Wie gesagt, bei der Lektüre von Kill 'em all bleibt einem nicht nur einmal das Lachen im Hals stecken! Christian Funke

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