Leserstimmen zu
ICH ist manchmal ein anderer

Cordt Winkler

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Cordt Winkler erhält mit Anfang zwanzig die erschütternde Diagnose: paranoide Schizophrenie. Schon sein Vater litt sein Leben lang darunter und nun hatte diese Krankheit auch ihn befallen. In Ich ist manchmal ein anderer schildert er seinen Weg von der ersten psychischen Episode bis heute, einem beinahe freien Leben. Rezension Schizophren. Dieses Wort ist so negativ behaftet, dass ich mir bisher kaum Gedanken über dessen Bedeutung gemacht habe. Schizophren, das sind doch die Menschen, die völlig wahnhaft handeln. Oder nicht? Doch, auch. Aber nicht nur. Dank seiner Geschichte lernte ich Cordt Winkler kennen, einen jungen Mann, der schon früh an Schizophrenie erkrankt. Von seinem Vater kennt er die Symptome und erschreckt umso mehr, als er ähnliches bei sich feststellen muss. Er verliert in manchen Situationen komplett den Überblick, wird von wirren Gedanken befallen und tut Dinge, die er sonst womöglich nicht tun würde. Immer wenn er eine Tüdelüt-Episode (so nennt er diese Zeiten) durchlebte, warf er zum Beispiel sein Handy weg. Er legte es auf einen Stein, auf ein Fenstersims, egal wohin, und ging davon. Auch mit Kleidung verhielt es sich so. Ebenso bestimmen Zwangshandlungen diese Phasen. Wenn er nicht tanzte, würde er sterben. Wenn er aufhören würde zu schreiben, würde er sterben. Einmal strandet er in Italien, läuft tagelang in reinster Verwirrung durch die Straßen und steigt in Züge ein und wieder aus, bis er endlich in ein Krankenhaus kommt. Cordt Winkler beschreibt sein Leben von der Diagnose bis zum heutigen Tag, zeigt die Wege die er allein ging, und die, die er mit Freunden und Therapeuten bestritt. Er erzählt von der ständigen müde machenden Medikation und wie er sie immer wieder abzusetzen versuchte. Die Einblicke in sein Leben und die Psychosen sind tief, und es ist umso erstaunlicher an wie viel er sich rückblickend erinnern kann. Auch ist der Tonfall ein beschwingter, kein betrübter. Teilweise sehr lakonisch erinnert er sich an so manchen Zwischenfall. Es ist ein wirklich interessantes Buch, das über eine Krankheit Aufschluss gibt, wo Fachliteratur scheitert – es zeigt den Menschen dahinter. Und ich freue mich, dass er einen Weg gefunden hat, um diese Krankheit, wenn schon nicht zu besiegen, dann zumindest einzudämmen. Und dass er Freunde hat, die zu ihm halten, auch in schweren Zeiten. Fazit Fernab der Klischees, die das Wort Schizophrenie in den Köpfen der Menschen hervorruft, steckt dahinter eine hinterhältige Krankheit, die möglicherweise nicht komplett heilbar, aber doch zumindest eindämmbar ist. Und die, das sieht man an Cordt Winkler, nicht dazu führen muss, dass diese Menschen vom Leben ausgeschlossen werden sollten.

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Die Psyche des Menschen ist faszinierend; ganz gleich ob wir uns mit dem "Normalmodell" einer Person befassen, oder die Vielfältigkeit an psychischen Erkrankungen in Augenschein nehmen - zu sehen, zu lernen, zu reflektieren finden wir immer genug Stoff. Ich finde es spannend und lehrreich mich mit dieser Thematik auseinander zu setzen, und so kam es, dass ich zu Cordt Winklers "Ich ist manchmal ein anderer" griff: Ein Buch, eine Geschichte, teilweise ein Ratgeber zum Thema Schizophrenie. Wir begleiten den Verfasser ab seiner Jugend, in der er unter der schizophrenen Erkrankung seines Vaters leidet, über seine ersten eigenen psychotischen Episoden bis hin zu seinem Weg, mit dem Krankheitsbild vertraut zu werden und seinen Weg zu meistern. Für diesen Werdegang und darauffolgende Offenlegung bringe ich den größten Respekt entgegen! Ich bedanke mich bei Herrn Winkler, den ich nach all diesen intimen Einblicken seines Lebens im Grunde sehr gerne beim Vornamen nennen würde, für das Schreiben dieses Buches. Mein Interesse an der Erkrankung Schizophrenie wurde vor ein paar Jahren geweckt und mit dem Lesen dieser Lebensgeschichte wurde auch meine laienhafte Neugier befriedigt. Die authentische Erzählweise über das Kennenlernen seiner selbst und der Erkrankung, die man mit sich trägt hat mich nahezu von der ersten Seite an gefesselt, so dass ich mich fast schon ein wenig voyeuristisch fühle, doch spricht das meiner Meinung nach einfach nur für das Buch. Der schmale Grat zwischen Fachchinesisch und emotionaler Erzählung wurde perfekt getroffen. Für all jene, die gerne mal über den Tellerrand hinausschauen oder gar selbst in irgendeiner Art und Weise betroffen sind, ist "Ich ist manchmal ein anderer" die perfekte Lektüre.

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Ich bin selbst psychisch krank und habe während meinen Aufenthalten in der Psychiatrie einige Mitpatienten kennengelernt, die an Schoziphrenie erkrankt waren. Ich habe sie aber leider nur während ihrer akuten Phasen gesehen und nicht danach bzw. dazwischen. Ich habe mich oft gefragt, wie und was diese Menschen denken und fühlen und wie sie ihre Krankheit erleben. Das konnte ich hier zumindest aus Cordts Sicht erfahren und dafür bin ich sehr dankbar, denn diese Krankheit war und ist für mich noch immer sehr mysteriös, weil das unkontrollierte Abgleiten von Denken und Wahrnehmung so schwer zu begreifen sind. Was ich aus Cordts Erfahrungsbericht hauptsächlich mitnehme, ist, dass es wichtig ist, die Psychopharmaka nicht eigenmächtig absetzen, weil einen die Gewichtszunahme und/oder die Lethargie stören. Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen, denn auch ich habe in der früheren Vergangenheit des Öfteren die Medikamente abgesetzt und deswegen böse Krisen durchleben müssen. Das hätte nicht sein müssen, leider habe ich das spät erkannt. Eine seiner Ärztinnen hat einmal gesagt, dass wenn man Schizophrenie gut im Griff hat, ist sie ungefähr mit einer Diabeteserkrankung vergleichbar, das deckt sich so auch mit meiner Borderline-Erkrankung. Aber dann muss man auch eben danach leben. Die Medikation regelmäßig einnehmen, eine regelmäßige Tagesstruktur haben, auf sich selbst aufpassen und sich nicht in unnötige, traumatische Situationen begeben. Dann kann man tatsächlich gut leben und einem geregelten Alltag nachgehen, sofern man dass denn möchte. Der Schreibstil von Cordt ist etwas nüchtern, aber flüssig und leicht verständlich. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und kann nun die Krankheit ein bisschen besser verstehen. Was mich ein bisschen gestört hat, war, dass es keine Art Vorwort oder Nachwort, bzw. Rückblick gibt, das Buch fängt mittendrin an und hört irgendwann einfach auf. Man klappt dann als Leser verdutzt das Buch zu und weiß im ersten Moment gar nicht, woran man gerade ist. Aber das Buch hat ja auch nicht den Anspruch, ein literarisches Meisterwerk zu sein, sondern eben ein Erfahrungsbericht. Fazit: Für jeden geeignet, der die Schizophrenie aus der Sicht eines Betroffenen kennenlernen möchte. Kein Wissenschaftler der Welt kann einem das besser nahebringen als jemand, der das selbst durchmachen muss. Danke an Cordt dafür!

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