Leserstimmen zu
Free the Tipple

Jennifer Croll

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Während betrunkene Frauen eigentlich immer als peinlich gelten, drückt man da bei Männern doch viel leichter mal beide Augen zu. Aber warum? Finde ich eigentlich unfair, denn in meinen Augen haben beide die gleiche Verantwortung ihren Konsum sinn- und maßvoll zu gestalten. Umso mehr freue ich mich über „Cheers, Ladies. Berühmte Frauen und ihre Cocktails“ von Jennifer Croll und Kelly Shami aus dem Hause Prestel. Laut Autorin Croll, selbst Barkeeperin, eine „Hommage an 60 herausragende Frauen, die das kulturelle Erscheinungsbild unserer Welt verändert haben." Über Grundausstattung und Gläser begeben wir uns zu Spirituosen, anderen Zutaten, Garnituren und Krusten, womit die Basics für einen gelungenen Cocktail schon mal gesetzt wären. Und dann steht auch das erste Getränk namens „Frida Kahlo“ bereit. Inn diesem Fall Hibiskussirup, Limettensaft, Tequila, und essbare Blüten. Überschaubar, nette Farbe und die perfekte Wahl für die Künstlerin mit den markanten Augenbrauen, weil Hibiskus und Tequila nach Mexiko gehören, die starken Farben hingegen zur Malerin selbst. Neben dem Rezept und der Zubereitung erhalten wir immer eine kurze Biografie der Person sowie eine Erklärung, warum der Drink in dieser Form zusammengestellt wurde und wo die Verbindung zur namensgebenden Dame liegt. Für Beyoncé landen Limo, Bourbon und Zitronen im Glas, für Joan Didion hingegen lieblicher Wermut, Bourbon, Angostura und Maraska-Kirschen. Zwar kenne ich letztere nicht, aber dank der kurzen Bio kann ich diese Wissenslücke nebenbei ganz schnell schließen. Weitere Rezepte wurden unter anderem für „Sofia Coppola“, „Virginia Woolf“, „Missy Elliott“, „Josephine Baker“, „Daryl Hannah“, „Cindy Sherman“, „Beth Ditto“, „Meryl Streep“, „Simone de Beauvoir“, „Edith Piaf“, „Dolly Parton“, „Coco Chanel“, „Cher“, „Yoko Ono“, „Angelina Jolie“ und „Iris Apfel“ kreiert. So in Summe sind die Kreationen schon alle nicht ganz ohne, nüchtern geht da definitiv keiner nach Hause. Für meinen Geschmack wird da ein bisschen zu viel Bourbon und Whiskey verarbeitet, aber über den Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Besonders originell finde ich den gelierten Champagner mit mit Zuckerstreuseln bei „Yayoi Kusama“ und wenn ich mir einen Drink aussuchen dürfte, wäre es wohl „Rihanna“ mit Rum, Kokoswasser, Limettensaft, Ananassaft und Agavensirup. Klingt schon verdammt lecker. Die einzige Deutsche Grade Dame, die ich entdecken kann, ist „Marlene Dietrich“. Wobei man schon deutlich merkt, dass es ein amerikanisches Werk ist, denn neben den oben genannten Frauen, die mir ein Begriff sind, kann ich mit „Margaret Cho“, „Alison Bechdel“, „Tanya Tagaq“, „Rupi Kaur“, „Hari Nef“, „Rei Kawakubo“, „Kathleen Hanna“ oder auch „Selena“ so gar nichts anfangen. Ein guter Grund natürlich, auch diese Unkenntnis zu beenden und sich vor dem Genuss der Cocktails ausgiebig der Lektüre hinzugeben. Man könnte quasi sagen, dass man sich Wissen antrinkt 😉 da bekommt Wissensdurst doch gleich ganz andere Dimensionen, oder?

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