Leserstimmen zu
Der Einzelgänger

Lee Child

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Jack Reacher ist neben James Bond, Jason Bourne und John McClane mit Sicherheit der coolste Actionheld der Film-, aber vor allem der Literaturgeschichte. Seit 1997 legt Lee Child alljährlich ein neues Abenteuer des hochdekorierten Veteranen der Militärpolizei vor, der nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst meist per Anhalter oder Bus das Land erkundet, von dem er dank seiner militärischen Familiengeschichte bislang wenig zu sehen bekam. Dabei gerät er immer wieder in Situationen, in denen seine Fähigkeiten als begnadeter Ermittler gefragt sind. Seit 2011 hat Lee Child neben den Jack-Reacher-Romanen auch immer wieder mal eine Kurzgeschichte zu seinem charismatischen Helden verfasst, die dann in Magazinen oder Anthologien wie „Esquire“, „Manhattan Mayhem“, „Country Life“ oder „Stylist“ bzw. als e-only veröffentlicht wurden. Mit „Der Einzelgänger“ werden diese elf Einzelstorys erstmals zusammengefasst und um die bislang unveröffentlichte Eröffnungsgeschichte „Zu viel Zeit“ ergänzt. Darin wird Reacher in einer Kleinstadt in Maine Zeuge, wie in einer sehr belebten Fußgängerzone ein Junge auf eine etwa zwanzigjährige Frau zuläuft, ihr die Stofftasche von der Schulter reißt und mit der Beute flüchtet – genau auf Reacher zu. Der bringt den Jungen souverän zu Fall. Während die junge Frau überraschenderweise flüchtet, wurde die Szene auch von zwei Cops in Zivil beobachtet, die sich bei Reacher für seine Hilfe bedanken und ihn zur Aufnahme seiner Aussage ins Revier bitten. Doch aus den veranschlagten zehn Minuten wird plötzlich eine Anklage, die Reacher eine Beteiligung an dem Coup vorwirft. Die unerfahrene Pflichtverteidigerin ist ihm keine große Hilfe, aber Reacher weiß sich natürlich auch diesmal aus der Klemme zu befreien. Mit „Der zweite Sohn“ lernen wir Reacher als jungen Burschen kennen, der 1974 als dreizehnjähriger Sohn eines Verbindungsoffiziers beim Marine Corps zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Joe nach Okinawa gehen muss, wo die beiden Jungen erstmals in ihrer abwechslungsreichen Schulkarriere einen Einstufungstest ablegen müssen. Während Joe versucht, in der Schule an die Fragen zu kommen, bekommt Reacher Ärger mit einem Nachbarsjungen und freundet sich mit Helen an, die auch erst seit einer Woche in Okinawa ist. Den fetten Jungen mit dem Geschwür am Hals besiegt Reacher leicht, schwerer wiegt das Problem, dass seinem Vater das Codebuch gestohlen wurde … Drei Jahre später begibt sich Reacher während der Schulferien nach New York City, wo er in eine regelrechte „Hitzewelle“ gerät und eine Auseinandersetzung zwischen einem Mann und einer Frau auf der Straße beendet. Wie sich herausstellt, hat sich Reacher diesmal mit dem Mafioso Croselli angelegt, der sich die Demütigung, von einem gerade mal fünfzehnjährigen, wenn auch hünenhaften Jungen zurechtgestutzt zu werden, nicht auf sich beruhen lassen wird. Die Frau, der Croselli gegenüber handgreiflich geworden ist, erweist sich als suspendierte FBI-Agentin, die hofft, durch Beweise für Crosellis kriminelle Machenschaften wieder Karriere beim FBI machen zu können. In den übrigen Geschichten ist Reacher allerdings als erwachsener Ermittler zu erleben, der nicht nur einen ausgeprägten Sinn für wichtige Details und die großen Zusammenhänge unter Beweis stellt, sondern in den entscheidenden Momenten auch nicht zögert, seinem Gegner bei einer Auseinandersetzung zuvorzukommen. „Ein kluger Mann fragte: Wann ist die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen? Ein kluger Mann antwortete: vor fünfzig Jahren. Und wann ist die beste Zeit, eine Entscheidung zu treffen? Ein kluger Mann antwortete: fünf Sekunden vor dem ersten Schlag.“ (S. 248) Die Qualität der Geschichten fällt dabei unterschiedlich aus. So erhellend beispielsweise die Hintergründe sind, unter denen Reacher als Sohn eines Captains des United States Marine Corps in der ganzen Welt herumgekommen ist, so nimmt man ihm doch schwer ab, dass er schon in Teenagerjahren so versiert informiert und couragiert unterwegs gewesen ist, wie Lee Child ihn in „Zweiter Sohn“ oder „Hitzewelle“ beschreibt. In „James Penneys neue Identität“ taucht Reacher sogar erst am Ende in einer Nebenrolle auf. Die kürzeren Geschichten zum Ende hin – manchmal keine zehn Seiten lang – wirken wie kleine Momentaufnahmen, die leidlich unterhaltsam sind, weil sie weder Spannung noch Stimmung aufbauen können. Dagegen bieten „Zu viel Zeit“, „Tief drinnen“ und „Kleinkriege“ genau die Art von vertrackten Rätseln, die Jack-Reacher-Fans erwarten und die ihr Held natürlich am Ende geschickt aufzulösen versteht. Auch wenn nicht alle Storys das Qualitätsniveau eines Reacher-Romans erreichen, rechtfertigen die richtig guten unter die Lektüre von „Der Einzelgänger“.

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12 Geschichten um Jack Reacher, den wortkargen, harten Kerl herum, der im literarischen Universum seit Jahren frei und nur mit dem nötigsten „bewaffnet“ sich durch die Welt, vor allem durch Amerika, treiben lässt. Geschichten, die durchweg um die physische Härte und die unprätentiöse ausgestaltete Gabe der „Deduktion“ Reachers drehen. Da kommt der Mann schon nahe an einen Sherlock Holmes heran, macht aber nicht so ein Gewese um seine Beobachtungsgabe, sondern achtet mehr darauf, die Dinge praktisch und handfest zu lösen. Ob im Wald mit zwei vermeintlich einfachen, naturbegeisterten Wanderern. Ob im Anblick einer auf einer Seitenstraße hingerichteten „Karrierefrau“ der Army (eine Geschichte, in der Reachers Broder Joe wichtige Anteile hat und damit dem Leser auch der familiäre Hintergrund der nicht immer leicht zu verstehenden Person Reachers nähergebracht wird). Erzählungen, die ab der zweiten Geschichte auch ein stückweit chronologisch vorgehen und den Weg Reachers vom Jugendlichen (mit Vater und Bruder auf irgendeiner fernen Militärbasis) in die Army und aus dieser wieder heraus auf die Straße Schritt für Schritt dem Leser naheführen. Mit einem kleinen, detektivischen Abstecher nach England (Reacher und die Frauen spielen hier eine Rolle) oder einer hochrangigen Ermittlung zur Enttarnung eines russischen Informanten durch den Major der Militärpolizei. All das bewohnt trocken und cool erzählt, jederzeit spannend und klar erkennbar in der Ausrichtung Reachers. Wobei gerade die etwas längeren Geschichten zwar nicht vom Umfang, aber von der Struktur her fast vollwertige Reacher-Romane darstellen. Geschichten, bei denen zwar das schmückende Beiwerk in der Breite ausgelassen wird, wohl aber Beginn, Entwicklung, Ermittlungen, Kämpfe und je das Ende alle Elemente der „echten“ Romane enthalten. Ergänzt durch einige kürzere Geschichten, in denen sich Child auf ein konkretes Element, eine Frage, eine (kleinere) Ermittlung konzentriert. Dennoch kann man sich durchweg bei allen Geschichten leicht vorstellen, wie diese aussehen würden, würde die Kernidee in erweiterter Romanform erscheinen. Der einzige Wehrmutstropfen bei der Lektüre ist gerade diese Fülle an Ideen und Geschichten. Denn da Child doch in gewisser Weise seine Romane um Jack Reacher einander ähnelnd aufbaut und nun das Gefühl entsteht, nicht hier und da einen, sondern auf einen Schlag 5,6 der Romane im Kern vor sich zu haben, wird es doch hier und da ein wenig zu vorhersehbar. Da trifft es sich gut, dass manche der Geschichten (wie gerade der Abstecher nach England) die gewohnten Muster überraschend durchbrechen. So dass, alles in allem, eine rasante, anregende und bestens in Szene gesetzte Unterhaltung mit den 12 Geschichten des Buches geliefert wird.

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Kurz und gut !

Von: Bookman

08.12.2018

Lee Child kann auch in kurz ! Gerne folgt man Jack Reacher in den Romanen, aber auch in der Kurzgeschichte überzeugt er total. Das ist ja eigentlich auch die größere Kunst, auch in der kurzen Form zu punkten. Und man wird nicht enttäuscht, und kann die Wartezeit bis zum nächsten Roman damit gut überbrücken. Also: A guy walks into a bar...

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Um es in Abwandlung eines Zitates von Forrest Gump zu sagen: Eine Sammlung von Short Storys ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt. Diese Aussage trifft auch bei der neuesten Veröffentlichung aus dem Jack Reacher Universum den Nagel auf den Kopf. „Der Einzelgänger“, unter dem Titel „No middle name“ im Original 2017 erschienen, ist eine Sammlung von zwölf kürzeren und längeren Erzählungen, die Lee Child im Lauf der Jahre geschrieben hat. Wer die Reacher-Reihe kennt, weiß was ihn erwartet, allerdings gibt es auch eine Überraschung. „Der zweite Sohn“ führt zurück in Reachers Kindheit auf einem Stützpunkt in Okinawa, wohin die Familie versetzt wurde und man in Grundzügen bereits erkennen kann, wie und warum sich der Teenager entwickeln wird. Für mich eine der stärksten Storys der Sammlung. Ansonsten gibt es wenig neue Aspekte, aber das ist ja auch das Schöne daran. Der einsame Wolf stromert ziellos durch die amerikanischen Bundesstaaten, wird mehr oder weniger zufällig in mehr oder weniger kriminelle Ereignisse hineingezogen und hilft diese, mit mehr oder weniger Köpfchen und /oder brachialer Gewalt aufzuklären. Was das Niveau der einzelnen Erzählungen angeht, habe ich mir deutlich mehr erwartet. Höchstens die Hälfte ist qualitativ den Romanen ebenbürtig. Vieles wirkt unrund, extrem konstruiert, ist langatmig, noch nicht auf den Punkt gebracht. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass diese Storys die Ideen des Autors sammeln, Grundgerüste und/oder Exposés für künftige Reacher Geschichten sind. Das wird besonders bei „Zu viel Zeit“ deutlich, von Child in „The midnight line“ (der 22. Reacher, 2017, noch nicht übersetzt) fortgeführt und ausgearbeitet. Dennoch ist „Der Einzelgänger“ gerade wegen seiner Themenvielfalt die perfekte Wahl für Neueinsteiger ins Reacher-Universum, kann aber auch den Fans empfohlen werden, die sich die Wartezeit auf den zwanzigsten Band der Reihe „Keine Kompromisse“ verkürzen möchten. Erscheint im Juni 2019 bei Blanvalet.

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