Leserstimmen zu
Auf immer verbunden

Domenico Starnone

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Rezension INHALT: Aldo, ein junger Journalist und die junge Vanda heiraten 1962 in Neapel, bekommen zwei Kinder und sind anscheinend glücklich. Bis Aldo die junge, strahlende Lidia kennenlernt, Ehefrau und Kinder verlässt. Er zieht nach Rom, lässt sich aber nicht scheiden. Nach langen, bitteren Jahren für Vanda und ihre Kinder kehrt er reumütig zurück in den Schoss der Familie und übernimmt wieder Verantwortung für alle, finanziell und moralisch. Seine Beziehung zu Lidia führt er allerdings heimlich weiter. Wir begleiten das Drama dieser Ehe bis in das hohe Alter von Aldo und Vanda. Ein einschneidendes Erlebnis schockt das inzwischen gealterte Ehepaar und befreit vor allem die Kinder von den Sünden, Heimlichkeiten und Vorwürfen aus den vergangenen Lebensjahrzehnten ihrer Eltern. MEINE MEINUNG: Der italienische Autor hat in nur einhundertsiebzig Seiten ein ganzes Familiendrama und Eheleben plastisch und bildhaft heraufbeschworen. In drei Teile hat er seinen Roman aufgegliedert und lässt jeweils Szenen aus dieser Eheverbindung, teilweise in Briefform, aus den Sichtweisen von Aldo, Vanda und den Kindern aufleben. Domenico Starnone schreibt ehrlich und schonungslos über das rücksichtslose Verhalten des Ehemannes, seiner Jagd nach dem Glück mit einer jüngeren Partnerin, seine inneren Zweifel an sich und seinem Verhalten und letztendlich auch über die Besinnung auf die Familie. Endlich auch in dem Bewusstsein und der Erkenntnis , welchen Schmerz und Enttäuschungen er sich, seiner Frau, seiner Geliebten und vor allem den Kindern angetan hat. Vanda's Verbitterung, die Sicht auf ihren Ehemann, auf sich selber und ihre Situation mit zwei kleinen Kindern, hat er ebenso aufrichtig, erschütternd und mitfühlend dargestellt. Die Charaktere und Verletzungen der Kinder durch das Verhalten ihrer Eltern lernen wir erst im dritten Teil des Buches besser kennen und sie sorgen für eine Überraschung im emotionalem Bereich. Der fesselnde Schreibstil fasziniert, hat mich nicht losgelassen und so bin ich schnell durch das Buch geflogen. Der Autor hat den Leser in alle menschlichen Höhen und Tiefen des familiären Zusammenlebens mitgenommen und doch hat bei mir die 'Traurigkeit über so viel verpasstes *schönes* Familienleben, vor allem auch ehelicher Partnerschaft, die Oberhand gewonnen. Eine Ehe , in der ein Partner aus Schuldgefühlen das dominante, Racheverhalten seines Gefährten akzeptiert, nur um seine Ruhe zu haben , kann nicht lebenserfüllend und reich sein. Der Autor hat klar und deutlich aufgezeigt, wie sich Charaktere und Verhalten der Menschen durch viele ungünstige Lebensumstände beklemmend verändern können. Eigentlich ein sehr trauriges Buch! Meine Bewertung: VIER **** Sterne! Vielen Dank an den Autor und das Bloggerportal für das ansprechend gebundene Rezensionsexemplar.

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Wie viel hält eine Ehe aus? Domenico Starnone aus Neapel ist Lehrer, Journalist und Drehbuchautor. Er lebt in Rom und hat für "Via Gemito" (2005 bei Haymon) den berühmten Premio Strega gewonnen - die höchste Auszeichnung, die man in Italien für ein Buch bekommen kann. Jetzt wurde bei DVA sein Roman "Lacci" von 2014 von Christiane Burkhardt ins Deutsche übertragen. Starnone bietet uns einen großen Lebenskosmos, den er mit sparsamen Worten auf wenigen Seiten großartig entfaltet. Liebe, Schmerz, Hass, Leid und Schuld – ohne jemals kitschig zu werden. Eine ganz große Leistung. Ja, es ist geradezu ein Lehrstück für einen Schreibkurs, ohne jemals danach zu klingen. Starnone ist ein Meister der Auslassung, die sich mit jedem weiteren, nicht geschriebenen Wort in den Köpfen der Leser zu einem vollständigen Bild zusammensetzen. Und mit jedem weiteren, lakonischen Satz wächst unsere Erkenntnis und das Entsetzen. Zum Inhalt Neapel 1962: Aldo und Vanda heiraten. Sie bekommen zwei Kinder, Anna und Sandro. 1974 verliebt sich Aldo in Lidia. Er zieht zu ihr nach Rom, lässt sich aber nicht scheiden. Für ihn ist es in Ordnung, so wie es ist. Als er spürt, dass er die Kinder verliert, zieht er in die eheliche Wohnung zurück. Er unterhält weiterhin die Beziehung zu Lidia, die sich aber ihrerseits mehr und mehr zurückzieht. Aldo und Vanda führen ihre Ehe weiter. Alles „funktioniert“ bestens, solange Aldo tut, was Vanda erwartet. Sie straft ihn für den Betrug an der Familie, indem sie ihn völlig unterwirft. Nach außen und innen leben sie ein normales und angepasstes Eheverhältnis, zusammengehalten von Konvention, Respekt und Gewohnheit. Es funktioniert bis ins hohe Alter. Sie arrangieren sich: Vanda hat heimlich Affairen, ebenso Aldo. Außerdem hält er seine liebevolle Beziehung zu Lidia aufrecht, die mittlerweile verheiratet ist und selbst drei Kinder hat. Der Aufbau Vor uns liegen drei Teile, die in sich wiederum gegliedert sind: Teil 1 hat ein Kapitel, welches neun Briefe von Vanda an Aldo zur Zeit der Trennung zwischen 1974 und 1978 umfasst. Vanda macht Aldo schwere Vorwürfe und beschwört ihn, zurückzukehren. Erst ist sie wütend, dann bettelt sie. Es kommt zum Selbstmordversuch, am Ende bittet sie nur noch für die Kinder. „Ich habe mich umgebracht. Ich weiß, dass es richtig heißen muss, ich habe versucht mich umzubringen, aber das stimmt nicht. Im Grunde bin ich tot.“ Teil 2 besteht aus drei Kapiteln zu acht, elf und fünf Abschnitten. Aldo erzählt: „Alles schön der Reihe nach...“ Fast vierzig Jahre später. Aldo und Vanda sind mittlerweile ein altes Ehepaar. Er merkt, dass er schwierigen Situationen nicht mehr so gewachsen ist, wie früher. Es schmerzt ihn, dass man ihn übers Ohr hauen kann. Dafür findet er einige beunruhigende Beispiele. Die beiden verbringen einen Urlaub in einem Hotel am Meer, den Kater Labes lassen sie in der Wohnung. Die Kinder Anna und Sandro kümmern sich abwechselnd um ihn und die Pflanzen. So ist es abgemacht. „Wir wohnen seit dreißig Jahren in diesem Haus, und immer wenn es woanders hingeht, tut sie so, als kehrten wir nie mehr zurück. Mit den Jahren wird es immer schwieriger, sie dazu zu bringen, mir den einen oder anderen Tapetenwechsel zu gönnen. Vor allem weil sie befürchtet, die Kinder oder Enkel könnten dann zu kurz kommen. Aber in erster Linie will sie Labes nicht allein lassen.“ Der Urlaub verläuft wie die ganze Ehe: unterschwellige Spannungen werden durch Aldos gleichmütige Art abgefedert und ergeben nach außen hin das Bild eines normalen, älteren Ehepaars. Es wird schließlich sogar ganz schön. Als sie nach Hause kommen, ist alles zerstört. Die Wohnung steht offen, alles ist verwüstet, vom Kater keine Spur. Das Ehepaar steht geradezu vor den Trümmern seiner Ehe. Während sich Vanda nach dem Schreck völlig erschöpft ins notdürftig hergerichtete Schlafzimmer zurückzieht, fängt Aldo noch in der Nacht an, aufzuräumen. Beim Sortieren der herumliegenden Fotos und Briefe lässt Aldo die Jahre an sich und uns vorüberziehen. Er findet die Briefe von Vanda an ihn wieder … und beginnt zu erzählen. „Ich empfand Ärger, Verlegenheit und Mitleid und wollte den Umschlag gleich wieder verstecken, bevor meine Frau aufwachte. … Wie erdrückt von etwas, das auf einmal wieder schwer auf mir lastete, setzte ich mich auf den Boden. Ich zog das Gummiband ab und las nach vierzig Jahren noch einmal einige der vergilbten Blätter, ...“ Im zweiten Kapitel des zweiten Teils erfahren wir die ganze Geschichte. Eine Lebensbeichte. Schonungslos und hellsichtig. Im dritten Kapitel bricht der Tag an, beide räumen gemeinsam auf. Es kommt zur ersten echten Aussprache während der ganzen langen Ehe. „Ich hatte nur eine einzige Frage: warum hat sie beschlossen, mir dermaßen brutale Dinge ins Gesicht zu sagen, wieso merkt sie nicht, dass viele davon schlimme Konsequenzen für unsere gemeinsamen letzten Jahre haben können?“ - „Nach dem Mittagessen – vielleicht weil sie ihr Ausbruch innerlich gereinigt hatte – verhielt sich Vanda genau wie vorher.“ Teil 3 ist ein Bericht aus der Sicht der Tochter Anna in zehn kurzen Abschnitten. Auf dreißig kurzen Seiten wird die ganze Geschichte noch einmal vom Kopf auf die Füße gedreht. Fantastisch und mit Knalleffekt. Und diesen werde ich nicht verraten! „Jede Wohnung ist scheinbar aufgeräumt, aber in Wirklichkeit unaufgeräumt.“ „Das musst Du mir erklären.“ „Ich erklär dir gar nichts, ich zeig es dir.“ Quintessenz Ein Leben als klassische Tragödie in drei Aufzügen. Ein Erzähldreieck von Mutter, Vater und Tochter. Dieser Roman ist ein Leseerlebnis, selbst wenn man die handwerkliche schriftstellerische Leistung nicht mitliest oder gar bemerkt. Wahrscheinlich gerade dann. Für mich eines der Bücher, die ich am Ende dieses Jahres zu den Highlights zählen werde! Zur Übersetzung Ich habe das Buch erst auf Deutsch und dann noch mal auf Italienisch gelesen. In beiden Fällen ist es ein toller Text, das muss man der Übersetzerin Christiane Burkhardt lassen. Ich habe mich jedoch manches Mal gewundert, wie die Übersetzung in Feinheiten vom Original abweicht. Da zeigt sich dann das Sprachgefühl einer guten Übersetzerin, die es versteht, die jeweils richtige Bedeutungsebene in der Mentalität beider Sprachen zu berücksichtigen.

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Vanda und Aldo sind viele Jahre verheiratet und haben zwei Kinder. Die Ehe plätschert eher vor sich dahin, als dass große Gefühle noch eine Rolle spielen. Eines Tages verlässt Aldo Vanda für die jüngere Lidia. Nach Jahrzenten der Getrenntheit kehrt Aldo zu Vanda zurück. Nicht aber, weil er sie liebt oder vermisst hat, sondern eher aus dem Grund, weil Lidia sich von ihm getrennt hat. Der Romanaufbau ist in 3 Teile gesplittet, in denen verschiedene Lebensphasen sowie nacheinander die Betroffenen Familienmitglieder zu Wort kommen. Im ersten Teil erzählt Vanda, die, nachdem sich Aldo von ihr getrennt hat, und sie die Fehler bei sich sucht. Dann wird aus der Sicht von Aldo erzählt, der Lidia immer noch zu lieben scheint und eigentlich mit ihr zusammen sein möchte, als mit seiner Frau Vanda. Der letzte Teil, geschildert von den beiden Kindern, war für mich der einschneidenste. Die ganze Wut der Kinder kommt nun zum Ausdruck, die ihre Eltern dafür verachten, was sie mit ihrer Trennung bei ihnen ausgelöst haben. Sie verwüsten am Ende in ihrer ganzen Wut die Wohnung der Eltern. In diesem Roman wird erzählt, wie Eheleute an ihrer Ehe krampfhaft festhalten, obwohl keine Liebe mehr vorhanden ist. Sie verletzen und kränken nicht nur sich gegenseitig, sondern auch ihre Kinder bekommen alles ab und mit. Dadurch bekommen sie einen regelrechten Hass auf ihre Eltern und verwüsten am Ende die ganze Wohnung. Domenico Starnone’s Roman „Auf immer verbunden“ ist ein leises, aber eindringliches Werk mit tollem Schreibstil und einer fordernden und direkten Sprache, die einen durch dieses Buch zieht. Mir hat der Erzählstil sehr gut gefallen, das Verständnis hat mir dennoch gefehlt, wie manche Menschen mit allem Zwang versuchen, ihre Ehe aufrecht zu erhalten, obwohl sie längst vorbei und am Ende ist. Und die Leidtragenden dabei sind wie so oft die Kinder, an die diese Eltern nicht gedacht haben. Fazit: Eine eindringliche Geschichte mit tollem Schreib-und Erzählstil. Für alle die Familiengeschichten mögen, sehr zu empfehlen.

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Ein einzigartiges und beglückendes Leseerlebnis - Eine Perle im Meer der Neuerscheinungen

Von: Brigitta Gerig-Wildermuth aus Aadorf (Schweiz)

21.03.2018

„Auf immer verbunden“ ist für mich das absolute Highlight dieses Frühlings. Selten habe ich ein so faszinierendes, packendes und mit Überraschungsschlaufen gewürztes Buch über die Institution Ehe gelesen. Ein Leseerlebnis wie eine Achterbahn, mit einer tänzerischen Leichtigkeit psychologisch raffiniert aufgebaut, glaubhafte Figuren, lebensnah und mit einem fulminanter Schluss. Gestrafft, mit Tiefgang und dank der fein dosierten Prise schwarzen Humors beschwerdefrei zu verdauen, ja zum Schluss sogar ein Schmunzeln auf das Gesicht zaubernd. Und dies alles mit einem italienischen Nimbus. Was will man mehr. Ein Lob auch an die Übersetzerin. Sie bringt unspektakulär mit bewährt gekonnter Hand und sorgfältig ausgewählter Wortwahl die Essenz italienischen Literatur in die deutsche Übersetzung. Blendend gelungen. Und last but not least eine Hommage an die Liebe! An die italienische…

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„Auf immer verbunden“ trotz seiner Kürze, ein unglaublich gehaltvolles Buch ist. Sehr dicht und berührend. Diese in Schuld, Rache und Unglück vereinten alten Leute … er, der nicht vergessen und sie, die nicht verzeihen kann, kommen dem Leser so nah. Ihre Gespräche hört man förmlich, so exakt sind die Dialoge. Sehr geschickt auch, die Briefe von Vanda aus der prekären Zeit voran zu setzen und Aldo später im Buch, die Gelegenheit geben, sich im inneren Monolog mit ihren Vorwürfen auseinander zu setzen.

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