Leserstimmen zu
Auch Pünktlichkeit kann töten

Agatha Christie

Hercule Poirot (21)

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Ich bin ein riesiger Hercule Poirot-Fan! Angefangen hat meine Zuneigung, wie bei so vielen, mit „Mord im Orientexpress“. Ich wandte mich den Klassikern wie „Tod auf dem Nil“ und „Tod in den Wolken“ zu und war jedes Mal wieder begeistert. Selbst die englische Serie mit David Suchet in der Hauptrolle begeistert mich bis heute. Kurz: Der belgische Detektiv hat es mir angetan. Doch was ich bisher versäumt hatte, war das Medium des Hörbuchs. Ich habe zahlreiche Bücher und Kurzgeschichten, gefüllt mit den spannenden Fällen, gelesen und viele Filme und Episoden gesehen – doch ich hatte nie eine Geschichte lediglich gehört. Das holte ich nun mit einem mir gänzlich unbekannten Fall nach: „Auch Pünktlichkeit kann töten“ aus der Feder der berühmten Agatha Christie. Der Hörverlag hat 2018 eine neue Auflage herausgebracht und zu genau dieser griff ich. Und was soll ich sagen: Es war genau die richtige Entscheidung! Klappentext Sir Gervais ist für zwei Charaktereigenschaften bekannt, für seine Exzentrik und für seine Pünktlichkeit. Er hat Hercule Poirot in einem Brief seine Ermordung angekündigt, kümmere sich aber selbst um seine Sicherheit. Das kann der belgische Meisterdetektiv natürlich nicht auf sich sitzen lassen und fährt auf das Landgut, um mit dem Hausherrn zu sprechen. Doch Sir Gervais erscheint nicht zum Dinner. Für Poirot ist sofort klar: Ein Mörder läuft frei herum! Meinung: Beginnen wir beim Äußeren: Es handelt sich um drei CDs, die alle etwa eine Stunde Laufzeit haben. So kommt das Hörbuch auf eine Gesamtlänge von 2:58 Stunden. Tatsächlich handelt es sich um eine vollständige Lesung, was man sich bei dieser Kürze kaum vorstellen kann. Die äußere Aufmachung ist meines Erachtens sehr ansprechend und passt genau zum Inhalt der Geschichte. Das Cover lehnt sich an die „Agatha-Christie-Serie“ aus dem Randomhouse Verlag an und passt somit sehr gut ins Sortiment. Die Farbe Rot dominiert das Cover, was ebenfalls gut passt. Der abgebildete Spiegel spielt in dem Fall eine Schlüsselrolle, ebenso wie eine davonlaufende Frau, weshalb beide Darstellungen sehr gut passen und gleichzeitig nicht zu viel verraten. Das Cover macht neugierig und das kann man dank der Geschichte auch sein. Das beiliegende Booklet ist übrigens sehr kurz und informativ gehalten. Neben den Kurzbiografien von Agatha Christie und dem Hörbuchsprecher Martin Maria Schwarz lässt sich noch eine Personenübersicht finden, die wahrlich hilfreich sein kann. Denn der Fall ist nicht ganz einfach zu durchblicken. Hinzu kommt, dass der Klappentext die Tatsachen nicht wirklich wiederspiegelt. Denn Sir Gervais schreibt Poirot zwar einen Brief, dieser ist dem Detektiv aber völlig unbekannt. Eine noch größere Anmaßung ist aber, dass Sir Gervais Poirot befiehlt, sich bereit zu halten und zu seinem Gut zu reisen, wenn er es ihm aufträgt. Das ist gar nicht nach dem Geschmack des eitlen Poirot, dennoch reizt ihn etwas an dem Brief. Und das zurecht: Als Poirot zum geforderten Zeitpunkt auf dem Gut ankommt, stellt sich heraus, dass Sir Gervais unpünktlich ist – und das war er seit 20 Jahren nicht. Schnell wird klar: Er ist tot. Die Polizei hält es für Selbstmord, denn dieser ist gut inszeniert. Aber Poirot weiß es besser, schließlich spricht allein die Anwesenheit des belgischen Detektivs gegen einen Selbstmord. Und so beginnt Poirot zu ermitteln. Wie immer mit Feuereifel, Präzision und seinen kleinen grauen Zellen. Das Konzept des Hörbuchs ist sehr einfach. Nachdem der Hörer in das Setting und die Umstände eingeführt wurde, landet Poirot schnell im Haus der Familie Gervais. Dort tummeln sich verschiedene Charaktere, zehn an der Zahl und hinzu kommt noch der Tote. Als Hörer ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Der Sprecher Martin Maria Schwarz versucht aber jedem Charakter eine andere Stimme zu verleihen, was durchaus gelingt. Nachdem Poirot auf die verschiedenen Personen getroffen ist und herauskam, dass der Hausherr ermordet wurde, ermittelt er gemeinsam mit dem leitenden Polizeibeamten. Hierfür gehen die beiden in einen Raum des Hauses und lassen nach und nach die Personen, die sich im Haus befinden, kommen. Sie werden verhört, Poirot zieht seine Schlüsse, ermittelt noch einmal auf eigene Faust und präsentiert einen Tag später den Täter in versammelter Runde. Also: ein absolut klassischer Poirot. Das bekannte Konzept kommt hier besonders gut zum Tragen und man kann als Hörer sehr gut folgen. Die Fülle an Figuren macht es dennoch ein wenig kompliziert. Daher ist das Booklet mit der Personenübersicht überaus hilfreich. Nach und nach versteht man allerdings die Beziehungsgeflechte und die Motive vieler Personen. Ich selbst bin zu keinem Zeitpunkt auf des Rätsels Lösung gekommen. Die Auflösung gefiel mir aber überaus gut, denn sie ist clever und logisch. Außerdem gibt es am Ende zusätzlich eine moralische Komponente, die mir gut gefiel. Die Personenvielfalt ist erstaunlich und sehr abwechslungsreich. Ich will gar nicht jede Figur vorstellen, doch es sei erwähnt, dass die Bandbreite wirklich groß ist. Da wäre die Ehefrau, die dümmlich scheint und sich selbst für die Wiedergeburt der ägyptischen Pharaonin Hatschepsut hält, dann die emanzipierte Adoptivtochter, die scheinbar nicht in Trauer verfällt oder der geldgierige Neffe, der durchaus bereit wäre eben diese reiche Adoptivtochter zu ehelichen. Dann wären da noch zwei ehemalige Männer vom Militär, ein Anwalt, ein junger Captain der Polizei und zwei überaus merkwürdige Frauen. All diese Figuren ergeben ein tolles Ensemble für ein tolles Stück. Der Schreibstil von Agatha Christie ist bemerkenswert, sehr mündlich und absolut flüssig. Man fühlt sich sofort wie ein Beteiligter und fühlt sich in der Geschichte wohl. Dazu trägt auch der Sprecher bei. Martin Maria Schwarz hat eine angenehme Stimme, die sehr variantenreich ist. Er gibt den verschiedenen Figuren viele verschiedene, aber charakterstarke Stimmen. Lediglich den Detektiv selbst spricht er etwas merkwürdig. Er betont Poirots französischen Akzent etwas zu stark, was das Zuhören erschwert. Tatsächlich ist das meine einzige Kritik am ganzen Hörbuch. Und deswegen habe ich nochmal überlegt, warum mich der Akzent sonst nie gestört hat. Es mag daran liegen, dass wenn man Episoden und Filme im Fernsehen sieht, man eben auch die Figur dazu sieht und die Stimme deswegen in den Hintergrund gerät. Das geht bei einem Hörbuch natürlich nicht und deswegen komme ich zu dem Schluss, dass der aufgesetzte Akzent trotz erschwertem Zuhören sehr authentisch ist. Fazit Authentisch ist insgesamt ein gutes Stichwort, denn es passt hervorragend zu diesem Hörbuch. „Auch Pünktlichkeit kann töten“ ist eine sehr spannende Geschichte, in der der berühmte Detektiv wieder zu Höchstformen aufläuft. Die Spannung liegt in den Verhören und der Entwicklung verschiedener Figuren, wie Beziehungen. Ich habe Martin Maria Schwarz sehr gern zugehört, denn er bringt die Geschichte toll rüber. Zu kritisieren bleibt lediglich, dass das Hörbuch viel zu kurzweilig ist. Doch andererseits ist genau das toll. Ich vergebe 5 von 5 Spitzenschuhen für das Hörbuch, denn es ist ein wahrer Hörgenuss gewesen, den ich gern empfehle.

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