Leserstimmen zu
Gott wohnt im Wedding

Regina Scheer

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Dass es sich bei dem Roman „Gott wohnt im Wedding“ von Regina Scheer um keine leichte Lektüre handelt, war mir, nachdem ich die Inhaltsangabe sowie die Leseprobe gelesen hatte, sofort klar. Dies ist nicht nur ein Roman, sondern es wird auch deutsche Geschichte erzählt. Der Roman beginnt mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses und schildert, welch buntes Völkchen in den folgenden Jahren unter seinem Dach beherbergt wird. Bereits der Baubeginn war mit vielen Problemen behaftet. Finanziell übernahmen sich nacheinander die unterschiedlichen Bauherrn und gingen pleite. Die Bauhelfer holte man sich aus der Schrippenkirche. Tagelöhner. Männer die dankbar waren für jeden Verdienst (S.87). Nach der Religion fragte niemand. Oder vielleicht hatte man auch nichts gegen Juden, von denen auch viele Kornhasen, also Obdachlose waren (S.88) Auf der Straße gab es eine ganz eigene Sprache. Wahrlich ein schwieriger Anfang. Doch das Haus stand später fest auf seinen Grundmauern. Überdauerte den schrecklichen Krieg, die vielen Menschen die dort ein- und auch wieder auszogen. Doch die Investoren der Neuzeit gaben ihm keine Chance. Der Wedding, ein Arbeiterviertel. Hierhin zieht es Leo Lehmann aus Israel, als er nach so vielen Jahren Deutschland einen Besuch abstattet, begleitet von seiner Enkelin Nira. Erbschaftsangelegenheiten müssen erledigt werden. Noch einmal will Leo dahin zurück, wo er aufwuchs und während des Krieges mit seinem Freund Manfred als U-Boot leben musste, damit sie in keinem KZ landen würden. Wir treffen auf Simon diese starke Persönlichkeit, der so mutig war und keine Angst zu haben schien den Unterdrückten zur Flucht zu verhelfen. Er, der den Krieg überlebte, aber später im Frieden keine Kraft mehr hatte weiter zu leben. Gerdrud, diese alte Dame, die ihr ganzes Leben in diesem Haus verbrachte, im Krieg Leo und Manfred immer wieder einen Schlafplatz überließ. Es sind schöne, als auch sehr traurige Erinnerungen, die Leo mit dem Leser teilt. Deutsche Geschichte eben, in ihrem Auf und Ab. Doch in dem Haus lebten viele Nationalitäten. Russinnen, die Flauschmäntel nähten und diese zurück ließen, als sie quasi über Nacht wieder verschwanden. Flüchtlinge aus den unterschiedlichsten Ländern, Rumänen und dann Sinti und Roma, die bereits vor dem Krieg hier lebten und auch später wieder. Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung von all den unterschiedlichsten Strömungen bei Sinti und Roma hatte. Sie hatten ihre deutschen Namen und dann ihre Rufnamen in ihrer eigene Sprache. Waren sie Deutsche, später Polen um dann wieder ausgebürgert zu werden um am Ende wieder die deutsche Staatsangehörigkeit zu bekommen. Für den Leser sind diese Kapitel sowohl sehr verwirrend als auch informativ. Äußerst angetan war ich bei der Erwähnung von Django Reinhardt. Vielen Musikliebhabern ist er noch heute ein Begriff. So viele Personen mit all den Namen, den weitreichenden und verschlungenen familiären Verbindungen, die man beim Lesen kaum auseinanderhalten kann. Zwischendrin hat dieses Buch auch einige Längen, so dass ich dachte "nicht noch einen anderen Zweig der Familie erwähnen". Manchmal war es etwas überfrachtet. Und trotzdem zog mich dieses Buch so sehr in seinen Bann, dass ich es zeitweise - insbesondere gegen Ende - nicht mehr aus der Hand legen konnte. Liebe, Wut, Hass und Verrat sowie Gewalt und Erpressung ereigneten sich innerhalb der Mauern dieses Hauses! Ein großes Lob an die Autorin Regina Scheer. Für dieses Buch muss sie eine intensive Recherche betrieben haben. Nur so ist es zu erklären, dass ihr mit diesem Roman eine überzeugende Verknüpfung von Zeitgeschichte und fiktiver Handlung gelang.

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...wenn Häuser erzählen könnten

Von: Martina Hajjam

05.06.2020

Wenn Häuser erzählen könnten - ja, dann kann eine Geschichte wie diese dabei herauskommen. Hier sind es mehrere Geschichten, teils aus der Sicht des Hauses, teils aus der Sicht der Protagonisten erzählt. Es ist mir zunächst schwer gefallen, mich auf den Stil einzulassen, es ist kein leicht nebenbei gelesenes Buch. Aber es ist dennoch interessant, wie sich die Geschichte eines Hauses mit dem ehemaligen und aktuellen Bewohner verbindet und zu sehen, wie deren Geschichten miteinander verwoben sind. Für alle, die jenseits einfacher Unterhaltungsliteratur eine gute Geschichte lesen wollen.

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Regina Scheer hat mit ihrem Buch „Gott wohnt im Wedding“ gleichzeitig ein Stück deutscher Geschichte als auch einen fesselnden Roman verfasst. - Ein heruntergekommenes Haus im ärmlichen Viertel von Berlin, das Leben und die Geschichten vieler Protagonisten...verpackt in einem ganzen Jahrhundert - Es ist keine leichte Kost, zu Beginn recht langatmig und ausufernd. Jedoch wird man nicht enttäuscht, da Regina Scheer bekannt für ihr Einfühlungsvermögen und ihre Detailtreue ist, in der man sich beim Lesen verlieren kann - als wäre man in diesem Haus in Berlin. Ein Roman mit spannenden Episoden, Feingefühl und Genauigkeit in Bezug zu der einstigen, historischen Geschichte des Viertels, eine gelungene Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart mit einem nicht unbedingt vorhersehbaren Ende.

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Das Cover ist weiß, quer über dem Buchrücken sieht man einen Straßenzug. Mittig in blauen Lettern liest man den Namen der Autorin REGINA SCHEER, darunter den Titel "GOTT LEBT IM WEDDING" in schwarz. Das um 1890 in Berlin-Wedding erbaute Mietshaus weiß, dass es mit ihm zu Ende geht. Es soll abgerissen werden. Das Haus resümiert (in der Ich-Form), was es über all die Jahre erlebt hat. Leo Lehmann, ein Jude, der während des 2. Weltkrieges in diesem Haus bei Gertrud Romberg als "U-Boot" untergeschlüpft und später nach Israel ausgewandert war, steht 75 Jahre darauf vor dem Haus. Er hat Angelegenheiten zu regeln, die mit dem Erbe seiner 1998 verstorbenen Ehefrau zusammenhängen. Begleitet wird er von seiner Enkelin Nira. Gertrud Romberg lebt noch immer im Haus, doch er weiß nicht, ob er sie sehen will. Er nimmt an, dass sie ihn und seinen Freund seinerzeit verraten hat. Im Haus haben neben Gertrud auch Russinnen vorübergehend gewohnt und vor allem Szinti und Roma. Die Geschichte der Roma, insbesondere der Familie Fidler und ihrer Nachkommen wird sehr ausführlich im Roman "Gott wohnt im Wedding" behandelt. Überhaupt ist dies der erste Roman, den ich persönlich kenne, der einmal ganz besonders auf die Probleme der Sinti und Roma eingeht. Ständig auf der Flucht, keiner will sie haben, seien wir doch ehrlich! Da ist die studierte Laila, die ihre Abstammung gar anfangs im Wedding verbirgt, doch später, als sie anderen Sinti hilft, dann doch dazu steht. Ein ganz toller Roman, in dem Generationen ums Überleben kämpfen. Wir begleiten zwei Familien durch diese schweren Zeiten in über 100 Jahren. Der Roman ist sehr unterhaltsam, auch wenn er Längen aufweist. Doch er macht auch neugierig, so dass man das Buch nicht so schnell aus der Hand legt. Die Autorin Regina Scheer hat die Protagonisten sehr lebensnah geschildert, man kann sich alles gut vorstellen. Sie malt mit ihren Worten, es ist toll, wenn jemand mit der deutschen Sprache die deutsche Geschichte so bildhaft schildern kann. Das Buch erscheint im Verlag Penguin.

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Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – so scheint der Konsens, wenn es um das Schicksal der Roma und Sinti in Deutschland geht. Regina Scheer bricht in ihrem Buch das Schweigen, denn in dem alten Haus in der Utrechter Straße in Berlin-Wedding wohnt nicht nur Gertrud (und das schon ihr ganzes Leben lang), sondern haben seit geraumer Zeit auch Sinti-Familien Unterschlupf gefunden. Dass diese an einer Stelle im Roman erst nach der Umnistung von Vögeln aus einer zum Abriss bestimmten Gartenanlage vertrieben werden und generell auch heute noch empörender Diskriminierung ausgesetzt sind, wird ebenso wenig verschwiegen wie der erst 1982 anerkannte Völkermord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit. „Der Mord an den Juden ist inzwischen im Gedächtnis der Deutschen angekommen, der an unseren Leuten nicht‟ legt die Autorin (auf S. 386) einer ihrer Figuren in den Mund – ohne jedoch das Schicksal der Juden zu verharmlosen oder zu umgehen, denn einen weiteren Erzählstrang nimmt die Geschichte von Leo ein, der der Judenverfolgung während der Nazizeit entgehen konnte und aus seinem Leben in Israel nun zurückkehrt in den Wedding – und mit ihm die Erinnerungen. Geschickt verknüpft Regina Scheer hier die Schicksale verschiedener Menschen und Personengruppen und thematisiert nebenbei die Frage danach, was Erinnerungsliteratur überhaupt ist und kann. Während ich anfangs noch meine Schwierigkeiten hatte, der aus verschiedenen Perspektiven erzählten Geschichte mit ganzer Aufmerksamkeit zu folgen, ertappte ich mich nach einer Weile dabei, wie ich daran dachte, was Oma Gertrud wohl so ganz allein in ihrer alten Wohnung macht. Dass die Protagonisten so dermaßen zum Leben erweckt werden, liegt vor allem daran, dass Scheer ihre Geschichte entweder aus tiefgehenden persönlichen Einblicken heraus schildert oder umfangreiche Recherchearbeiten geleistet hat. Obwohl sich am Ende alles ganz romanhaft und im Sinne des Plots zusammenfügt, fühlte es sich für mich so an, als ob hier aus dem echten Leben erzählt wird. Dass ich dabei anfangs manchmal abgeschweift bin (ganz so, als ob meine Oma mir aus alten Tagen erzählt und mein Interesse dabei hin und wieder schwindet, nur um dann an besonders interessanten Stellen - inklusive schlechtem Gewissen, weil es ja eigentlich so wichtig ist, zuzuhören - zurückzukehren), tut der Tatsache keinen Abbruch, dass dieses Buch mich nachhaltig beschäftigt und irgendwann dann auch emotional gepackt hat. Fazit: Eine enorm authentische Geschichte, die langsam, aber stetig ihre Wirkung entfaltet, und sich vor allem wegen der kenntnisreichen Schilderung des Lebens als Sinti und Roma in Deutschland im Gedächtnis verhaftet.

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"Gott wohnt im Wedding" ist nicht einfach, nicht leicht und kann schon den einen oder anderen nachdenklich zurücklassen. Ich war schon von Regina Scheers „Machandel“ begeistert und bin auch von diesem Hörbuch ein Fan. Ich habe mir die Geschichte erzählen lassen und saß so manches Mal länger im Auto und hörte nur noch den einen Track und dann noch einen an. Es gab so viel zu entdecken und so viele geschichtliche Fakten und Ausschweifungen, dass man kaum aufhören konnte. Anfangs dachte ich, es geht größtenteils um die Lebenssituation von Sinti und Roma, aber das Netz wurde immer größer und band so viele mit ein, dass man zwischenzeitlich etwas Angst hatte, die Übersicht zu verlieren. Ich muss zugeben, dass ich manchmal die Wechsel zwischen den Perspektiven als zu ruckartig empfand. Auch die Einschübe, wo das Haus aus seiner Sicht sprach, fand ich etwas merkwürdig, aber nichtsdestotrotz, war es spannend und informativ und traurig. Es gibt mehr dunkle als helle Momente, mehr Trauer und Verlust, mehr Melancholie und Wut als Freude, Fröhlichkeit und Zufriedenheit. Die Charaktere waren wütend, tief verletzt, resigniert oder einfach nur emotional am Tiefpunkt angekommen. Es gibt viele erschreckende Szenen, die man kaum verstehen kann und doch weiß man, dass es stimmt, denn sie stehen in den Geschichtsbüchern. Das Hörbuch geht fast 12 Stunden und wahrscheinlich hätte Regina Scheer noch viel mehr schreiben können, aber mich haben die 12 Stunden schon mitgenommen und sehr nachdenklich zurückgelassen. Es ist kein Hörbuch, welches man schnell mal austauscht oder „runterhört“. Ich musste immer wieder eine Pause einlegen und darüber nachdenken. Und nicht selten tauchten Gedanken dann auf, dass man schon sehr privilegiert aufgewachsen ist - Ohne Krieg, ohne Hetze und Angst und ohne Verfolgung. Ich kann es nur empfehlen…Zeit nehmen, reinhören und dranbleiben, auch wenn es manchmal weh tut.

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In dem Haus in der Utrechter Straße im Berliner Wedding lebt Gertrud seid ihrer Geburt im Jahr 1918. Sie gewährte den jüdischen Nachbarjungen Leo und Manfred während des zweiten Weltkrieges Unterschlupf. Leo, der inzwischen in Israel lebt, kommt nach 70 Jahren zurück nach Deutschland um eine Erbsache zu klären. Zwischenzeitlich leben außer Gertrud auch einige Sinti-Familien in dem Haus in der Utrechter Straße. Die Sinti erfuhren während des Krieges ein ähnliches Schicksal wie die jüdische Bevölkerung. Die Autorin hat mich mit ihrer Recherchearbeit überzeugt. Mir war nicht bewusst, wie es den Sinti (ehemals Zigeuner genannt) damals (und heute) erging. „Wir sind nun mal Roma, wir haben kein Land, es ist unser Schicksal, nirgends willkommen zu sein.“ „Aber Roma heißt Mensch, und Menschen sind wir alle.“ „Der Ausdruck … Sinti und Roma ist Unsinn … Sinti sind auch Roma. Man sagt doch auch nicht: Menschen und Frauen.“ Sie beschreibt auch, wie jüdische Bürger während des Krieges untergetaucht sind und sich versteckt haben (U-Boote genannt). Sehr interessant fand ich auch die Beschreibungen aus Sicht des Hauses selbst. Das Haus erzählt u.a. von seiner hundertjährigen Geschichte und deren Bewohner. Tolle Idee und sehr informativ. Auch die Ansicht von Leos jüdischer Enkelin Nira hat mir sehr imponiert. Sie will in Berlin bleiben und nicht mit ihrem Großvater zurück nach Israel. „… Israel … mit einer Regierung, die den Konflikt nicht mehr lösen will und sich Palästina Stück für Stück einverleibt. Ein Land, das sich ausdehnt in ein anderes, eine Demokratie, die ein anderes Volk beherrscht. … Wer zweitausend Jahre nicht dort war, darf ins Land, wenn er Jude ist, aber wer seit zweitausend Jahren dort lebt, bekommt nicht das volle Bürgerrecht, wenn er kein Jude ist.“ Ein Buch über Judenverfolgung, Vertreibung, Verrat, Fremdenfeindlichkeit, Immobilienhaie aber auch Hilfsbereitschaft. Brandaktuell also! Der Schreibstil war für mich etwas gewöhnungsbedürftig und holprig. Auch die vielen Personen und Namen haben mich zeitweise etwas überfordert. Allerdings war für mich das Personenregister am Ende des Buches sehr hilfreich. Gott wohnt im Wedding bekommt von mir 4 Sterne.

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Spannender Roman durch Generation

Von: Monal

07.05.2019

Man kann dank Regina Scheer fast die Blumensträuße riechen die in der "SCHÖNE FLORA" gebunden werden. Ein fesselndes aber doch politisches Buch über Generationen hinweg, dass einen in die Geschichte mit ihnen / um sie herum hinein zieht und man mit Spannung dem Geschehen im Jetzt folgt... Einen Stern Abzug, da teilweise wirklich schwer zu lesen. Gott sei dank ist am Buchende eine kleine Übersicht und Geschichte zu den jeweiligen Charakteren zu finden.

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