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Die Kuba-Saga (1)

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Liebe in den Zeiten der Revolution

Von: Mawgan

18.07.2019

Elisa Perez erlebt die Umwälzungen in Kuba in den 50er Jahren aus einer sehr privilegierten Sichtweise, bis ihre Familie aufgrund von politischen Verstrickungen aus dem Land fliehen muss. Zwei Generationen später macht sich ihre Enkelin Marisol auf die Spurensuche ihrer Großmutter und reist zum ersten Mal in die alte Heimat der Familie. Beide Frauen begegnen einem Mann, der politisch auf der anderen Seite steht, sie verlieben sich in einen Revolutionär, entdecken eine andere Seite der kubanischen Heimat und müssen einigen unerwünschten Tatsachen ins Auge sehen. So weit, so gut. Was ein Generationen umspannendes, historisches Drama hätte werden können, versagt auf allen Ebenen. Die Erzählform ist denkbar ungeeignet, um ein Gefühl für die Epoche zu gewinnen. Die Autorin wählt für beide Erzählstränge nicht nur die Ich-Erzählerin, sondern zudem auch noch das Präsens. Man gewöhnt sich das ganze Buch hindurch nicht daran. Es verhindert außerdem, dass man eine andere Sichtweise als die der beiden Hauptfiguren kennenlernt. Das ist zwar konsequent, aber leider auch furchtbar langweilig, denn alle anderen Figuren bleiben dadurch vollkommen farblos. Beide Frauen erleben eine Romanze mit einem Revolutionär, aber die Parallelen wirken erzwungen und unglaubwürdig. Ein wenig befremdlich wirkt der ständige Hinweis, dass die beiden Männer eine dunklere Hautfarbe haben als die beiden Frauen. Dies scheint dem alltäglichen Rassismus in Amerika geschuldet zu sein. Überhaupt gelangt man zu dem Schluss, dass dieses Buch sich als Zielgruppe in erster Linie an die Exil-Kubaner in Florida richtet. Die ständigen inneren Kommentare und Überlegungen der beiden Hauptfiguren verhindern das Zustandekommen von interessanten Dialogen. Zwischen jeder noch so banalen Frage und der ebenso banalen Antwort steht eine halbe Seite Kommentar. Auch der wiederholt sich auf jeder Seite inhaltlich. Ein klassischer Fehler in Debütromanen. Die Autorin möchte sicherstellen, dass auch der dümmste Leser verstanden hat, was in den beiden Frauen vorgeht. Was allerdings leider nicht viel ist und sich auf mehreren hundert Seiten ständig wiederholt. Die Sprachstil ist einfach schlecht. Klischees, vor allem was die äußere Erscheinung und die Romanzen mit den Männern angeht, werden abgehakt wie Einkaufslisten. Formulierungen werden wie Satzbausteine aus ähnlichen Romanen zusammengefügt. Es wird nie etwas gezeigt, sondern ausschließlich erzählt. Wir lesen zwar, dass Kuba so toll ist, aber wir sehen es nicht. Es reicht einfach nicht, ein paar lokale Gerichte aufzulisten und zu erwähnen, wie sehr die alten Autos stinken. Auch hier hätte eine andere Erzählperspektive helfen können. Wer eine Romanze vor exotisch-karibischer Kulisse sucht, wird bitter enttäuscht, diese Art von Insta-Love ist leider inzwischen üblich in solchen Romanen, das macht es aber nicht besser. Es ist absolut nicht erkennbar, warum die Paare sich ineinander verlieben, außer aufgrund reiner Äußerlichkeiten. Und die Kulisse hat nicht mehr Tiefgang als eine Urlaubspostkarte. Wer einen historischen Roman sucht über die aufregende Zeit der Revolution in Kuba, wird ebenfalls enttäuscht, die politische Sichtweise der Autorin als Florida-Exil-Kubanerin ist nicht zu überlesen und ihr schlechter Schreibstil bremst auch das kleinste bisschen Spannung und Drama leider aus. Wer sich jedoch mit sehr oberflächlicher, leichter Kost am Strand vergnügen möchte und Inspiration zum Salsa-Tanzen an der abendlichen Strandbar sucht, der wird hier vielleicht fündig. Dazu einen Cuba Libre und kubanischen Son auf den mp3-Player, das könnte das Lesevergnügen sicher verbessern.

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