Leserstimmen zu
Die Herzlichkeit der Vernunft

Ferdinand von Schirach, Alexander Kluge

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Geistig anregender Dialog zweier kluger Köpfe

Von: Sigismund von Dobschütz aus Bad Kissingen

28.11.2017

Ich gebe gern zu, dass es mir ohne eine umfassende humanistische Allgemeinbildung nicht immer leicht fiel, diesen beiden klugen Köpfen Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach in ihren fünf Gesprächen über "Die Herzlichkeit der Vernunft", als kleines Büchlein im DIN A6-Format mit nur 187 Seiten im Oktober vom Luchterhand-Verlag veröffentlicht, bis in die letzten Ecken ihrer Gedanken, Überlegungen und Schlussfolgerungen zu folgen. Aber es war in jedem Fall eine literarische Wohltat, in dem sonst überbordenden Angebot leichter und seichter Unterhaltungsliteratur mal wieder ein derart geistig anregendes Werk lesen zu dürfen. Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach, beide Juristen und beide Schriftsteller, tauschen darin ihre Ideen und Gedanken über Sokrates oder das Glück der Bescheidenheit aus, über Voltaire oder die Freiheit durch Toleranz, über Kleist oder das Wissen um den Menschen, über Terror oder die Klugheit des Rechts, über Politik oder das Lob der Langsamkeit. Sie ergänzen sich oft, widersprechen sich auch gelegentlich, werden sich nicht immer einig. Auch wenn man als Leser nicht jedes Zitat aus der Originalschrift kennt, nicht jeden im Gespräch genannten Philosophen oder Schriftsteller gelesen hat, um mit urteilen zu können, ist es doch anregend, den beiden Diskutanten bei ihrem "Kamingespräch" über Grundfragen des Rechts und der Gesellschaft, über Theater und Literatur, über die Gefahren der direkten Demokratie und der sozialen Medien und was den Menschen im eigentlichen Sinn menschlich macht zu folgen. Vielleicht sollte man dieses kleine, äußerlich so unscheinbare Büchlein tatsächlich zwei- oder sogar dreimal lesen, um endlich allen Gedankengängen Kluges und Schirachs wirklich folgen und das Gesagte verstehen zu können. Beim Lesen dieses Buches ist es gewiss keine Schande, für sich den altgriechischen Philosophen Sokrates zu zitieren: "Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß." Zumindest hat man nach der Lektüre etwas dazugelernt.

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Ich gebe gern zu, dass es mir ohne eine umfassende humanistische Allgemeinbildung nicht immer leicht fiel, diesen beiden klugen Köpfen Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach in ihren fünf Gesprächen über "Die Herzlichkeit der Vernunft", als kleines Büchlein im DIN A6-Format mit nur 187 Seiten im Oktober vom Luchterhand-Verlag veröffentlicht, bis in die letzten Ecken ihrer Gedanken, Überlegungen und Schlussfolgerungen zu folgen. Aber es war in jedem Fall eine literarische Wohltat, in dem sonst überbordenden Angebot leichter und seichter Unterhaltungsliteratur mal wieder ein derart geistig anregendes Werk lesen zu dürfen. Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach, beide Juristen und beide Schriftsteller, tauschen darin ihre Ideen und Gedanken über Sokrates oder das Glück der Bescheidenheit aus, über Voltaire oder die Freiheit durch Toleranz, über Kleist oder das Wissen um den Menschen, über Terror oder die Klugheit des Rechts, über Politik oder das Lob der Langsamkeit. Sie ergänzen sich oft, widersprechen sich auch gelegentlich, werden sich nicht immer einig. Auch wenn man als Leser nicht jedes Zitat aus der Originalschrift kennt, nicht jeden im Gespräch genannten Philosophen oder Schriftsteller gelesen hat, um mit urteilen zu können, ist es doch anregend, den beiden Diskutanten bei ihrem "Kamingespräch" über Grundfragen des Rechts und der Gesellschaft, über Theater und Literatur, über die Gefahren der direkten Demokratie und der sozialen Medien und was den Menschen im eigentlichen Sinn menschlich macht zu folgen. Vielleicht sollte man dieses kleine, äußerlich so unscheinbare Büchlein tatsächlich zwei- oder sogar dreimal lesen, um endlich allen Gedankengängen Kluges und Schirachs wirklich folgen und das Gesagte verstehen zu können. Beim Lesen dieses Buches ist es gewiss keine Schande, für sich den altgriechischen Philosophen Sokrates zu zitieren: "Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß." Zumindest hat man nach der Lektüre etwas dazugelernt.

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INHALT: Sokrates oder das Glück der Bescheidenheit, Voltaire oder die Freiheit durch Toleranz, Kleist oder das Wissen um den Menschen, Terror oder die Klugheit des Rechts, Politik oder das Lob der Langsamkeit: Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge unterhalten sich über Grundfragen des Rechts und der Gesellschaft, über Theater und Literatur, über die Gefahren der direkten Demokratie und der sozialen Medien und darüber, was den Menschen im eigentlichen Sinn menschlich macht. MEINUNG: Auf das Buch bin ich natürlich wieder gestoßen, weil der Ferdinand von Schirach wieder als Autor dabei war und ich alles von ihm lese. "Die Herzlichkeit der Vernunft" ist ein sehr persönlicher Dialog zwischen den beiden Schriftstellern Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge, von dem ich vorher aber noch nie etwas gehört habe. Man sollte vorweg wissen, dass dieses Buch nicht wie von Schirachs sonstige Texte sind. Beide unterhalten sich über Sokrates, Voltaire, Kleist, Terror und Politik. Das Buch ist damit auch genau in fünf Abschnitte unterteilt. Es ist nicht wie ein Interview aufgebaut, sondern wirklich wie ein Gespräch. Der Sprachstil ist sehr gehoben und man merkt, dass beide sehr belesen sind und viel Wissen aufweisen. Einige Sachen und Begriffe musste ich nebenbei nachschauen, um dem Gesagten folgen zu können. Der Text ist auf einem sehr hohen Niveau und ließ mich oft an den einen oder anderen Text von Philosophen aus meiner Schulzeit denken. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht immer folgen konnte. Dennoch waren wieder einige gute Gedanken dabei, die ich mir rausgeschrieben habe. Der Zusatz „sehr persönlich“ bezieht sich sicher darauf, dass Kluge auch nach von Schirachs Kindheit fragt und dieser ihm ausführlich antwortet. Ich macht auch aus der NS-Vergangenheit seines Großvaters, Baldur von Schirach, kein Geheimnis. Viele Informationen waren hier nicht neu für mich, das sie bereits in anderen Texten von von Schirach zur Sprache kamen. Von Kluge dagegen erfährt man nichts. Möglicherweise weil von Schirach im Gegenzug nicht fragt und das obwohl die Vergangenheit des in den 1930er Jahren geborenen Kluge sicher auch interessant gewesen wäre. FAZIT: Ein sehr interessanter Dialog, der sicher seine Fans findet. Für mich als Fan von von Schirach musste es natürlich gelesen, aber ich habe mich doch schwer getan den beiden immer folgen zu können. Ein gewisses Vorwissen wäre sicher von Vorteil gewesen. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

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Die Linie dieses Gesprächsausschnitts führt in die Irre. Der Schaden des falsch entscheidenden Herrschenden entsteht nicht durch EINE prägnante falsche Entscheidung. Diese könnte durch die „Vernunft der Institutionen“ oder die „Wächter der Demokratie“ beschränkt werden. Aber er entsteht durch die Summe lauter relativ unbedeutender und gerade „noch erträglicher“ Entscheidungen, die sämtlich knapp unterhalb einer „roten Linie“ sind. Der Herrscher cancelt ein Gesetz des Vorgängers, das nicht die Bevölkerung insgesamt betrifft, er erlässt eine Verfügung, die wieder einen anderen Teil der Bevölkerung erfasst, er demonstriert seine Machtinteressen durch einen kleinen Auftritt des Militärs. Alle diese relativ kleinen Entscheidungen werden vom demokratischen Apparat separat beurteilt und allein aus der jeweiligen Sicht bekämpft. An einem nicht mit Sicherheit, aber möglicherweise entstehenden neuralgischen Punkt in der Geschichte ergänzen sich aber diese Fehlentscheidungen fatalerweise zur Katastrophe, die dann neue und irreversible Bedingungen schafft. Das ist ein in der Quantenphysik beobachteter und im Leben ständig wiederholter Prozess. In Hegels Zeit wurde er „Dialektik“ genannt. Eine solche Differenzierung im Gespräch hätte ich von diesen beiden denkenden Menschen schon erwartet. Mit besten Grüßen: Sven Severin

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