Leserstimmen zu
Mein Ein und Alles

Gabriel Tallent

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Die 14jährige Protagonistin Julia, die sich selbst Turtle nennt, lebt mit ihrem heißgeliebten und ebenso gehassten Vater ziemlich einsam in Nordkalifornien zwischen Wäldern und Küsten. Der Vater ist ein Waffennarr, der überzeugt ist, dass die Welt demnächst untergehen wird. Vielleicht sind amerikanische LeserInnen nicht ganz so schockiert wie ich, wenn sie von einer Vierzehnjährigen lesen, die sich mit allen möglichen Waffen in Theorie und Praxis bestens auskennt, sich täglich mit Schießübungen und dem Reinigen und Auseinandernehmen ihrer Waffen beschäftigt und einige davon auch in die Schule mitnimmt, ohne dass irgendjemand es bemerkt. In weiterer Folge wird es schlimmer. Langsam kristallisiert sich heraus, dass es um extreme Gewalt, um sexuellen und psychischen Missbrauch geht. Der Text ist nicht leicht zu lesen, vor allem die Selbstgespräche von Turtle, die sich selbst als Schlampe, Fotze, Spalte beschimpft, muss man aushalten, wie auch die ebenso bedrückende wie schriftstellerisch hervorragende Charakterisierung der Personen. Die Interaktion und das Ineinandergreifen der Persönlichkeiten von Vater, Tochter und Großvater sind erschreckend realistisch beschrieben. Auch die anderen Personen der Handlung: Nachbarn und deren Kinder, eine Lehrerin handeln völlig plausibel. Es geht um Vernachlässigung und Gewalt , es geht auch um Liebe und ihre Pervertierung. Die sehr einleuchtende Beschreibung der gegenseitigen Abhängigkeit von Vater und Tochter, der Mechanismen der Verschleierung der Gewalt und der Hassliebe der Tochter für den Vater hat mich sehr beeindruckt. Sowohl, was die literarische Qualität als auch was die glaubwürdige psychologische Charakterisierung betrifft. Es war mir aber auch etwas zu viel Gewalt dabei. Die seitenlange, in allen Details geschilderte Schießerei zwischen Turtle und ihrem Vater wäre auf ein Zehntel der Länge und der Details reduziert immer noch sehr brutal gewesen. Gefallen hat mir wiederum, dass das Ende offen bleibt. Es scheint mir sehr einleuchtend, dass solch eine Situation nicht innerhalb von ein paar Wochen in Normalität übergehen kann, auch bei noch so gutem Willen aller Beteiligten. Insgesamt hat für mich die Qualität des Textes über die manchmal unnötig breitgetretenen Gewaltszenen deutlich überwogen

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Mein Ein und Alles ist ein wahnsinnig intensives Debut, dass einiges vom Leser abverlangt. Es ist definitiv für mich eine Überwindung gewesen, weiterzulesen, nicht abzubrechen und mich weiterhin dieser exzessiven Gewalt, die das Erträgliche teilweise übersteigt, auszusetzen. Und doch wurde man belohnt. Ich habe das Buch in einem Lesekreis gelesen, nachdem es ewig auf dem SuB lag und ich mich einfach nicht an das Thema rangetraut habe, und dieser Austausch hat mir sehr geholfen. Unbedingt darüber reden! Zur Story: der Autor erzählt die Befreiungsgeschichte der 14-jährigen Julia Alveston, genannt Turtle, die seit dem frühen Tod ihrer Mutter allein mit ihrem waffenvernarrten Vater tief in der nordkalifornischen Natur lebt. Sie wächst in einem heruntergekommenen Männerhaushalt auf, und wird stark von ihrem Vater beeinflusst, der ihre einzige Bezugsperson ist. Tägliche Waffenübungen, das Herumstreifen in der Natur, ihrem Vater jeden morgen das erste Bier zuwerfen, all das gehört genauso zu Turtles Alltag wie die periodisch auftretenden Gewaltausbrüche ihres Vaters, die Vergewaltigungen, die Erniedrigungen. Auch in der Schule kommt sie nicht klar, sie grenzt sich von den anderen Mitschülern ab und kann auch mit ihren Leistungen nicht überzeugen. Scheinbar ausweglos ist ihre Situation: ihr Vater versteht es, mit Brutalität und psychischem Druck seine Tochter so an sich zu binden, dass sie ihm allein hörig ist. Als Turtle dann den jungen Jakob kennen lernt, scheint sich Turtles enge Welt etwas zu öffnen… Ich will nicht allzu viel verraten von diesem Buch, dass sehr unter die Haut geht und dass man so schnell nicht vergessen wird. In seiner Intensität strahlt es wahnsinnig lange weiter. Ich habe es bereits einige Monate zuvor beendet und jetzt, beim Schreiben der Rezension, habe ich die Story wieder so glasklar vor Augen, deutlicher wie bei den meisten Büchern, direkt nachdem ich sie gelesen habe. Es hat auch einige Schwächen; so war das Ende für meinen Geschmack viel zu überzogen. Insgesamt aber ein mit Wucht und Zartheit geschriebenes Debut, dass neben der Brutalität auch eine zärtliche Schönheit aufweist. Wem Gewalt beim Lesen erträglich ist, unbedingt lesen!

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Diese Geschichte ist keine einfache etwaige denn lustiges Lesestoff. Das sollte jedem klar sein, der dieses Buch lesen möchte. Das Buch verbirgt so viel Gewalt seitens des Vaters, dass es teils unmöglich war für mich einfach weiterzulesen. Es fiel mir sehr schwer das Buch bis zu Ende zu lesen, denn ich habe so dermaßen mit der Protagonistin gelitten. Der Autor beeindruckt durch einen fließenden Schreibstil und einer phänomenalen Bildhaftigkeit der Natur und auch der Handlung selbst, jedoch finde ich die Darstellung und die intensive Rolle von Gewalt und Waffen in diesem Buch doch eher bedenklich.

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Inhalt: Dieser Roman über ein junges Mädchen hat Amerikas Leserschaft überwältigt und gespalten. Denn Turtle Alveston, so verletzlich wie stark, ist eine der unvergesslichsten Heldinnen der zeitgenössischen Literatur. Sie wächst weltabgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern auf, wo sie jede Pflanze und jede Kreatur kennt. Auf tagelangen Streifzügen in der Natur sucht sie Zuflucht vor der besitzergreifenden Liebe ihres charismatischen und schwer gestörten Vaters. Erst als sie ihren Mitschüler Jacob näher kennenlernt und wahre Freundschaft erfährt, beginnt die Befreiung aus seinen Klauen. Gabriel Tallents Debut ist von eindringlicher Wucht und zugleich Zartheit, eine neue Stimme, die niemanden kalt lässt. Meinung: Anfangen möchte ich mit dem Äußeren des Buches, welches auf den ersten Blick vielleicht nicht sehr viel aussagt, wenn man allerdings den Inhalt des Buches kennt, erkennt man eine Verbindung zwischen dem Cover und der Story, was mir bei Büchern immer überaus gut gefällt. Wir werden hier mit einer düsteren Geschichte eines jungen Mädchens konfrontiert, die von ihrem Vater eine besondere Erziehung genießt und deswegen in der Schule als Außenseiterin abgestempelt wird. Der Grund, wieso Turtle so anders als andere Kinder in ihrem Alter erzogen wird, ist die tiefe Liebe, die ihr Vater für sie empfindet. Doch diese Liebe geht so tief, dass sie gefährlich für alle werden könnte, die an der Zweisamkeit zwischen Turtle und ihrem Vater etwas ändern wollen. Sogar wenn Turtle selbst diese Person ist... Ich habe immer noch eine Gänsehaut am ganzen Körper, wenn ich an diese unglaublich Geschichte denken muss, die mich fassungslos zurückgelassen hat. Selten hat mich ein Buch derart in seinen Bann gezogen, weswegen ich jetzt schon sagen kann, dass es eines meiner Jahreshighlights für dieses Jahr werden wird. Fazit: Ein grandioser Roman, der die Schattenseiten elterlicher Weise auf eine abgründige Art und Weise beschreibt.

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Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich immer wieder zu Büchern mit Thematiken greife, von denen ich schon im Vorfeld weiß, dass sie mich enorm triggern werden. Bei MEIN EIN UND ALLES war dies auch der Fall. Ich habe auf einem Blog eine Rezension gelesen, die mich aber trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Themen, so angefixt und neugierig gemacht hat, dass ich das Buch einfach lesen wollte. Und ja klar, es hat mich getriggert, heftig. Immer wieder musste ich es zur Seite legen, aber letzten Ende finde ich, das es ein unglaublich starkes Buch ist, das unbedingt mehr Aufmerksamkeit braucht und mehr gelesen werden muss. Diese Geschichte um die 14-jährige Turtle ist wirklich harte und krasse Kost, denn es geht darin um physischen wie psychischen Missbrauch, Gewalt und sogar um Inzest. Auf den Inhalt möchte ich gar nicht explizit eingehen, sondern mich lieber auf mein Empfinden beim Lesen konzentrieren. Zunächst tat ich mir mit dem Buch nämlich etwas schwer, da die Autorin einen sehr eigenen Schreibstil hat, an den man sich wirklich gewöhnen muss. Hat man dies erstmal getan, dann hat einen die Geschichte recht schnell komplett im Griff und es ist wie dieser "obligatorische Verkehrsunfall", bei dem man nicht hinsehen will, aber auch nicht wegsehen kann. Turtles Alltag ist geprägt von Gewalt. Mit Waffen und in der Natur kennt sie sich besser aus als mit zwischenmenschlichen Beziehungen und überhaupt wirkt sie ziemlich hinterwäldlerisch und der Welt irgendwie entrückt. Ihr Verhalten habe ich mir im Verlauf der Geschichte irgendwann so erklärt, dass sie durch all die schrecklichen Dinge, die ihr Vater ihr angetan hat, einfach komplett abgestumpft ist. Völlig normale Reaktion für mich. Sie wirkt sehr nüchtern, was sich in der Erzählweise widerspiegelt und manchmal auch sehr kindlich und naiv. Diese Geschichte ist so unendlich tragisch und herzzerreißend, hat mich so an meine eigenen Grenzen des Aushaltens getrieben, aber ich konnte nicht aufhören zu lesen. Es ist alles andere als eine leichte Geschichte, keine Lektüre, die man mal eben wegliest, sondern eine die man mitnimmt und die einen lange Zeit beschäftigt und die trotz ihrer Härte absolut lesenswert ist.

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Mein ein und alles

Von: Mara

18.05.2019

Es handelt von der 14-jährige Julia namens Turtle und ihrem Vater Martin. Turtles Mutter ist vor langer Zeit weggelaufen. Und da ist ihr Großvater, der in der Nähe lebt, aber hauptsächlich getrennt bleibt. Ihr Vater liebt sie, mehr als alles andere auf der Welt, sie kann es fühlen, trotz seiner seltsamen Art, seine Zuneigung zu zeigen. Er tut ihr manchmal weh, aber nur, weil sie nicht nett war und ihn provozierte. Und er liebt sie, wie ein Mann eine Frau liebt. Sie mag es, ihm nahe zu sein, aber als Turtle älter wird, wachsen irgendwo tief in ihrem Inneren Zweifel. Ist das alles richtig? Als sie Jacob trifft und ihn immer mehr mag, bedroht dies die fragile Familienstruktur von Martin und Turtle. Noch mehr, als Martin das kleine Mädchen Cayenne zu sich nach Hause bringt. Turtle hat endlich gemerkt, dass sie etwas tun muss, weil nichts in ihrem Haus stimmt. Gabriel Tallents Debütroman hat eine seltsame Faszination wie ein Unfall. Einerseits möchte man nicht hinschauen (oder in diesem Fall: weiterlesen bzw. anhören), weil es alles zu schrecklich ist. Auf der anderen Seite möchte der Leser erfahren, was gerade passiert, und dies zieht einen immer wieder in den Roman zurück. Für hochsensible Leser ist dies sicherlich nichts. Es geht um Kindesmisshandlung, Gewalt und psychischen Druck der schlimmsten Art. Obwohl dies aus der Sicht eines Außenstehenden schrecklich und unerträglich ist, schafft es Gabriel Tallent auch, eine andere Perspektive zu vermitteln, die, wie zu befürchten bleibt, nur zu real ist und bei vielen Opfern anzutreffen ist. Julia liebt ihren Vater, sie liebt seine Zärtlichkeit und Wärme und auch der körperliche Kontakt ist nichts, was sie hasst, ganz im Gegenteil. Wenn sie etwas dagegen unternimmt, verliert sie ihn und muss daher sehr genau überlegen, was sie tut. Dies ist in einem Roman nicht leicht zu verstehen und noch schlimmer zu unterstützen, aber aus einer realistischen Sicht könnte dies eine recht häufige Interpretation der Situation sein. Die Hörbuch Sprechstimme fand ich ganz in Ordnung am Anfang musste ich mich aber wetwas anfreunden wie sie die Art und Weise diese Geschichte einem übermitteln wollte, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ich empfehle jedoch diese Geschichte an jene weiter, die sich für eine Thematik interessieren, die eine interessante Perspektive einnimmt und möglicherweise zu unserem Verständnis beiträgt.

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Wo bleibt der zweite Teil

Von: Andrea Lemmermann aus Buxtehude

08.05.2019

Das Hörbuch ist so toll, die Kinderstimmen grandios, aber das Ende... wie geht es weiter, schafft sie es zurück ins richtige Leben und was wird aus Jacob, das Jahr ist doch bald rum... Fragen über Fragen.... 😦

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Starke Emotionen

Von: Sevenup65 aus Gütersloh

17.04.2019

Ein Buch dass fesselt und den Atem anhalten lässt. Wer sich für Hintergründe und Verständnis , für Geschichten ohne Make-up und das wahre Amerika interessiert, kann erfahren wie es sein kann. Mit turtle leidet und hofft man, ohne dass der Autor bewertet. Nur wie ein Beobachter wiedergibt. Ein Buch dass ich verschlungen habe.

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