Leserstimmen zu
Mein Ein und Alles

Gabriel Tallent

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Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich immer wieder zu Büchern mit Thematiken greife, von denen ich schon im Vorfeld weiß, dass sie mich enorm triggern werden. Bei MEIN EIN UND ALLES war dies auch der Fall. Ich habe auf einem Blog eine Rezension gelesen, die mich aber trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Themen, so angefixt und neugierig gemacht hat, dass ich das Buch einfach lesen wollte. Und ja klar, es hat mich getriggert, heftig. Immer wieder musste ich es zur Seite legen, aber letzten Ende finde ich, das es ein unglaublich starkes Buch ist, das unbedingt mehr Aufmerksamkeit braucht und mehr gelesen werden muss. Diese Geschichte um die 14-jährige Turtle ist wirklich harte und krasse Kost, denn es geht darin um physischen wie psychischen Missbrauch, Gewalt und sogar um Inzest. Auf den Inhalt möchte ich gar nicht explizit eingehen, sondern mich lieber auf mein Empfinden beim Lesen konzentrieren. Zunächst tat ich mir mit dem Buch nämlich etwas schwer, da die Autorin einen sehr eigenen Schreibstil hat, an den man sich wirklich gewöhnen muss. Hat man dies erstmal getan, dann hat einen die Geschichte recht schnell komplett im Griff und es ist wie dieser "obligatorische Verkehrsunfall", bei dem man nicht hinsehen will, aber auch nicht wegsehen kann. Turtles Alltag ist geprägt von Gewalt. Mit Waffen und in der Natur kennt sie sich besser aus als mit zwischenmenschlichen Beziehungen und überhaupt wirkt sie ziemlich hinterwäldlerisch und der Welt irgendwie entrückt. Ihr Verhalten habe ich mir im Verlauf der Geschichte irgendwann so erklärt, dass sie durch all die schrecklichen Dinge, die ihr Vater ihr angetan hat, einfach komplett abgestumpft ist. Völlig normale Reaktion für mich. Sie wirkt sehr nüchtern, was sich in der Erzählweise widerspiegelt und manchmal auch sehr kindlich und naiv. Diese Geschichte ist so unendlich tragisch und herzzerreißend, hat mich so an meine eigenen Grenzen des Aushaltens getrieben, aber ich konnte nicht aufhören zu lesen. Es ist alles andere als eine leichte Geschichte, keine Lektüre, die man mal eben wegliest, sondern eine die man mitnimmt und die einen lange Zeit beschäftigt und die trotz ihrer Härte absolut lesenswert ist.

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Mein ein und alles

Von: Mara

18.05.2019

Es handelt von der 14-jährige Julia namens Turtle und ihrem Vater Martin. Turtles Mutter ist vor langer Zeit weggelaufen. Und da ist ihr Großvater, der in der Nähe lebt, aber hauptsächlich getrennt bleibt. Ihr Vater liebt sie, mehr als alles andere auf der Welt, sie kann es fühlen, trotz seiner seltsamen Art, seine Zuneigung zu zeigen. Er tut ihr manchmal weh, aber nur, weil sie nicht nett war und ihn provozierte. Und er liebt sie, wie ein Mann eine Frau liebt. Sie mag es, ihm nahe zu sein, aber als Turtle älter wird, wachsen irgendwo tief in ihrem Inneren Zweifel. Ist das alles richtig? Als sie Jacob trifft und ihn immer mehr mag, bedroht dies die fragile Familienstruktur von Martin und Turtle. Noch mehr, als Martin das kleine Mädchen Cayenne zu sich nach Hause bringt. Turtle hat endlich gemerkt, dass sie etwas tun muss, weil nichts in ihrem Haus stimmt. Gabriel Tallents Debütroman hat eine seltsame Faszination wie ein Unfall. Einerseits möchte man nicht hinschauen (oder in diesem Fall: weiterlesen bzw. anhören), weil es alles zu schrecklich ist. Auf der anderen Seite möchte der Leser erfahren, was gerade passiert, und dies zieht einen immer wieder in den Roman zurück. Für hochsensible Leser ist dies sicherlich nichts. Es geht um Kindesmisshandlung, Gewalt und psychischen Druck der schlimmsten Art. Obwohl dies aus der Sicht eines Außenstehenden schrecklich und unerträglich ist, schafft es Gabriel Tallent auch, eine andere Perspektive zu vermitteln, die, wie zu befürchten bleibt, nur zu real ist und bei vielen Opfern anzutreffen ist. Julia liebt ihren Vater, sie liebt seine Zärtlichkeit und Wärme und auch der körperliche Kontakt ist nichts, was sie hasst, ganz im Gegenteil. Wenn sie etwas dagegen unternimmt, verliert sie ihn und muss daher sehr genau überlegen, was sie tut. Dies ist in einem Roman nicht leicht zu verstehen und noch schlimmer zu unterstützen, aber aus einer realistischen Sicht könnte dies eine recht häufige Interpretation der Situation sein. Die Hörbuch Sprechstimme fand ich ganz in Ordnung am Anfang musste ich mich aber wetwas anfreunden wie sie die Art und Weise diese Geschichte einem übermitteln wollte, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ich empfehle jedoch diese Geschichte an jene weiter, die sich für eine Thematik interessieren, die eine interessante Perspektive einnimmt und möglicherweise zu unserem Verständnis beiträgt.

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Wo bleibt der zweite Teil

Von: Andrea Lemmermann aus Buxtehude

08.05.2019

Das Hörbuch ist so toll, die Kinderstimmen grandios, aber das Ende... wie geht es weiter, schafft sie es zurück ins richtige Leben und was wird aus Jacob, das Jahr ist doch bald rum... Fragen über Fragen.... 😦

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Starke Emotionen

Von: Sevenup65 aus Gütersloh

17.04.2019

Ein Buch dass fesselt und den Atem anhalten lässt. Wer sich für Hintergründe und Verständnis , für Geschichten ohne Make-up und das wahre Amerika interessiert, kann erfahren wie es sein kann. Mit turtle leidet und hofft man, ohne dass der Autor bewertet. Nur wie ein Beobachter wiedergibt. Ein Buch dass ich verschlungen habe.

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Heute habe ich "Mein Ein und Alles" von Gabriel Tallent aus dem Penguin Verlag beendet. Dabei geht es um Turtle, die im Wald mit ihrem Vater lebt. Dabei spielt insgesamt die krankhafte Vater-Tochter-Beziehung sowie Turtles Wunsch nach Eigenständigkeit und ihre Entwicklung eine wichtige Rolle. Bei diesem Buch hat mich die Story sehr interessiert, da es mal etwas anderes war und es auch ein wichtiges Thema ist. In dem Punkt konnte mich das Buch überzeugen. Was mir persönlich nicht so gefallen hat, ist der Schreibstil. Zwar ist das meistens Geschmackssache, aber dieses Mal hat es mir echt das Lesen erschwert. Auch hat mir die Erzählung aus der dritten Person nicht so gefallen, da ich dadurch emotional nicht ganz nah an Turtle war und sie auch nicht immer verstehen konnte. Dennoch ist die Geschichte sehr interessant und man hofft das Buch über einfach, dass Turtle sich von ihrem Vater lösen kann. Das Ende fand ich dann auch gut und gelungen. Daher gibt es ingesamt 3,5 Sterne. Die Story konnte mich überzeugen, aber leider nicht der Schreibstil. Dennoch interessant zu lesen, da es mal etwas anderes war.

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Das Gegenteil eines Wohlfühl-Romans

Von: JulisTeestübchen

28.03.2019

Mit dem Buch habe ich es mir nicht so leicht gemacht. Die Nähe zur Natur, die schon der Klappentext suggeriert hat, wird in den Schatten gestellt von der knallharten Erzählweise des Autors der Grausamkeiten an Turtle. Ich bin wohl zu zartbesaitet für solche Geschichten. Dennoch habe ich bis zur letzten Seite mitgehofft, dass Turtle von ihrem Leid befreit wird, auch wenn dies leider nicht gelingt ohne mit der Protagonistin mitzuleiden. Die Charaktere des Buchs waren interessant und vielschichtig, besonders interessant fand ich dabei Turtles Entwicklung. Auch die Spannung kommt hier nicht zu kurz. Eine Leseempfehlung kann ich jedoch nur für diejenigen aussprechen, die sich beim Lesen auch gerne mal außerhalb der Wohlfühlzone begeben.

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Wenn Literatur auch immer ein Spiegel ist, in dem gesellschaftliche wie politische Diskurse und Probleme erkennbar werden, dann scheinen das Thema Waffen und Gewalt sowie das Leben der „Abgehängten“ noch immer brisant in den USA zu sein. Denn gleich zwei aktuelle wie auch viel besprochene Romane beschäftigen sich damit – vor allem mit Blick auf die Jugend und die Auswirkungen auf die jüngere Generation. Das sind Jennifer Clements Werk „Gun Love“ sowie das Debüt „Mein Ein und Alles“ des Amerikaners Gabriel Tallent, der dafür sehr viel Anerkennung sowohl in seinem Heimatland als auch hierzulande erhalten hat; für mein Befinden zu viel. Denn noch nie habe ich innerlich bei der Lektüre eines Buches so geflucht und gehadert wie bei Tallents Erstling, war ich so in meiner Haltung zerrissen, da ich die Geschichte von Julia alias Turtle und ihrem Vater Martin, einem sadistischen Ungeheuer, wie in einem Rausch gelesen habe und zugleich von einigen Szenen regelrecht angewidert war. Wie viel Gewalt kann, sollte ein Leser ertragen – das habe ich mich oft gefragt. Dabei geht es mir nicht darum, dass ich generell Gewaltszenen in der Literatur infrage stelle; ich lese oft Krimis und Bücher, in denen die fürchterlichen Ausmaße beider Weltkriege aufgearbeitet werden. Für mich ist das Wie, der Stil der Schilderungen, entscheidend. Allzu sehr detailreich, über mehrere Passagen und manchmal auch einige Seiten hinweg – als Leserin fühlte ich mich an einigen Stellen an einen popcorn-reifen Thriller als an ein seelisches Drama erinnert – berichtet der Erzähler, wie Turtle von ihrem Vater, mit dem sie zurückgezogen in einem heruntergekommenen Haus lebt, missbraucht wird – körperlich wie seelisch. Das 14-jährige Mädchen, das sich besser mit Waffen und der umgebenden Wildnis auskennt als mit dem Schulstoff, ist seine Tochter, seine Geliebte und das Ziel seiner perfiden Gewaltausbrüche, die sich steigern, als Turtle den etwas älteren Jacob kennengelernt. Nur Turtles Großvater ahnt die Ausmaße dieser grausamen Macht seines Sohnes, der seine Tochter als „Luder“, als „Krümel“ und eben als „Mein Ein und Alles“ bezeichnet und in seinem Glauben an den Weltuntergang und Verschwörungstheorien gefangen zu sein scheint. Hätte er seine Tochter nicht, würde er sich wohl an Fremden vergreifen. Bei Psychiatern und Profilern der Polizei ließe dieses grausame und rohe Verhalten die Alarm-Glocken schrillen. Doch weder der Großvater, der nahe dem Haus in einem Wohnmobil lebt, noch die Lehrer können dem Mädchen helfen, das seine innerlichen wie äußerlichen Wunden und Narben versteckt. Es muss selbst seinen Weg suchen. Die Erkenntnis dazu reift, als Turtles Vater nach mehreren Monaten Abwesenheit mit einem Kind auftaucht. In der kleinen Cayenne sieht Turtle wohl ihr jüngeres Ich, das es zu beschützen gilt. Dabei schwankt die Heldin zwischen ihrer Zuneigung zum Vater – die Mutter ist vor Jahren gestorben -, einer düsteren Todessehnsucht sowie dem Wissen und die Hoffnung, dass es ein anderes Leben als ihres geben könnte. Die Familie Jacobs zeigt es ihr. Wie Tallent die Gedankenwelt und die zerrissene Person seiner Heldin schildert, verlangt indes höchsten Respekt ein. Turtle ist eine ungewöhnliche Protagonistin, deren Schwächen, aber auch Stärken deutlich werden, die Kind und Erwachsene in sich vereint. Mit nur wenigen Charakteren, die im Laufe des Geschehens ihren Auftritt haben, liegt der Fokus voll und ganz auf dem Mädchen und der gestörten Vater-Tochter-Beziehung, die sich teils in einer vulgären Sprache äußert. Doch auch in anderer Hinsicht beweist Tallent eine große Erzähler-Gabe: Er lässt die wilde, kraft- wie eindrucksvolle Natur im Westen der USA rund um die Stadt Mendocino, nahe San Francisco gelegen, im Kopf des Lesers entstehen, wenngleich man den Eindruck gewinnen kann, der Autor hatte das Ziel, nahezu jeder Pflanze aus einem Botanik-Buch in seinem Roman einen Platz zu geben. Der raue und weite Pazifik ist nah, die Wälder sind dicht und oftmals undurchdringlich. Wer sich in der Umgebung nicht auskennt oder einen leichtsinnigen Fehler macht, begibt sich in große Gefahr. Zweimal sollen das Turtle und Jacob selbst erfahren. Es sind Szenen wie diese, die dem Roman auch auf einer anderen inhaltlichen Ebene Spannung verleihen. So bleibt am Ende ein recht zwiespältiges Gefühl und die Frage, ob ein Roman über Gewalt auch immer Gewaltszenen in solch einer Präsenz und bildhaften Detailfreude wirklich beinhalten sollte. Auch ohne die brutalen Exzesse hätte Tallents Debüt nichts von seiner Kraft und Besonderheit eingebüßt. Im Gegenteil. Es hätte vielleicht sogar Raum für ganz andere Facetten und Gedanken bieten können. Leider leidet darunter auch der Anspruch, dieses ernste und vielschichtige Thema auf eine nicht-effektheischende Art und Weise zu verarbeiten. Seine Leser, ob nun mit einer ähnlich kritischen Einstellung oder ohne diese, wird das Buch trotzdem finden; und das sagt wiederum viel über den herben Glanz dieses Romans aus.

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In „Mein Ein und Alles“ zeichnet Gabriel Tallent ein zutiefst erschreckendes Bild einer ungesunden Vater-Tochter-Beziehung. Nur auf sich beide gestellt, klammert sich der Vater krankhaft an sein Kind, abgeschottet von der Wirklichkeit, ausgerüstet für den schlimmsten Fall des Weltuntergangs. Ein Schüren von großer Angst, körperliche und schwer zu ertragene sexuelle Misshandlungen verbunden mit der hoffnungsvollen Stärke dieses wilden Mädchens. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Ganz plastisch hat mich Tallent in seine Urwaldähnliche Welt hineingezogen, in die Zerrissenheit von Liebe und Hass und eine trostlose Brutalität. Diese holprige Gefühlswelt der Protagonistin hat mich so mitgenommen, dass ich mich noch immer mit ihr verbunden fühle und meine Gedanken oft zurück zu dem Buch wandern. Scham und Selbsthass, Minderwertigkeitsgefühle und der Wunsch nach Befreiung im Kontrast zu der Angewiesenheit und der natürlichen Liebe zu ihrem Vater. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ „-und es gibt immer wieder stille, einsame Moment, in denen sich dieser Teil von ihr zu öffnen scheint wie eine nächtlich blühende Blume, um die kalte Luft zu trinken, und sie liebt diesen Augenblick, auch wenn sie sich dafür schämt, denn sie liebt auch ihn…“ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Ein krasses und gutes Buch!

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