Leserstimmen zu
Mein Ein und Alles

Gabriel Tallent

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„Mein Ein und Alles“ von Gabriel Tallent – ein Buch, was wohl sehr die Meinungen spaltet. Ein Buch, wie ich finde, das mal wieder sehr an der Komfortzone kratzt und thematisch absolut nicht ohne ist und mich oft den Atem anhalten lies! Und doch... trotz der Schwere der Geschichte und dem nicht immer ganz leichten Erzählstil, ist mir die kleine Turtle sehr ans Herz gewachsen. Ihr Leben verläuft so so anders als es sollte und zwangsläufig gestaltet sich ihr weiterer Weg alles andere als einfach. Woher soll ein kleines Mädchen Richtig von Falsch unterscheiden können, wenn es zu eben diesem Leben, in dem sie steckt aufgezogen wird? Für mich war ihr Kampf raus zukommen aus diesem völlig zerrütteten Leben, dieser Welt, die ihr Vater hier für ihr sie geschaffen hat, einfach bewundernswert! Ich konnte sehr gut nachvollziehen, dass sie so sehr zu kämpfen hatte und immer und immer wieder wurden ihr Steine in den Weg gelegt... ich hätte wohl aufgegeben, Turtle nicht... - bis zum bitteren Ende hat sie für ihre Freiheit und Selbstbestimmung und dem Erkennen ihres Ichs gekämpft.

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Ein Buch, wie ein Sog

Von: Becca

14.02.2020

Die ersten Seiten vielen mir aufgrund der sehr groben Sprache des Protagonisten, der Vater der jungen Heldin Julia, genannt Turtle, sehr schwer. Auch die detaillierten Beschreibungen der Waffen und die Liebe der beiden zu diesen war nicht mein Ding. Doch es steckt auch in dem brutalen Vater eine faszinierende und intelligente Seite. Diese ist auch wohl auch ein Grund für seine Tochter Turtle ihren Vater zu decken, obwohl er sie missbraucht und auch mal ordentlich zuschlägt. Ihre Einstellung zum Vater ändert sich langsam, als sie durch einen Streifzug durch die kalifornischen Wälder einen Jungen kennenlernt. Ab hier nimmt die Handlung Fahrt auf und zieht einen immer weiter ins Geschehen. Was auch an der besonderen Art und Gedanken von Turtle liegt. Faszinierend für mich war die Beschreibung der Flora und Fauna des nordkalifornischen Waldes. Viele Pflanzennamen habe ich noch nie gehört, aber ich konnte ihn mir in meiner Fantasie gut vorstellen. Ein sehr amerikanisch angehauchter Roman, der trotz der beschriebenen Gewalt fesselt.

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Turtle lebt abgeschieden in der Nähe einer Kleinstadt allein mit ihrem Vater Martin in beinahe schon heruntergekommenen Verhältnissen. Nach dem Tod seiner Frau hat er sich voll und ganz auf seine Tochter konzentriert. Aber diese Vaterliebe hat schon obsessive Züge angenommen. Nicht nur, dass er Turtle, außer dass sie zur Schule geht, fast vollständig von der Außenwelt abkoppelt, er lehrt sie den Umgang mit Waffen und missbraucht sie in jeglicher Hinsicht. Erst als Turtle die Bekanntschaft mit Jacob macht, beginnt sie zu realisieren, dass ihr Leben auch anders sein könnte. Aber Martin ist nicht bereit Turtle gehen zu lassen. Es entbrennt ein Kampf ums Überleben. Dieses Buch zu beurteilen fällt mir nicht leicht, obwohl ich ihm volle fünf Sterne zugestehe. Schon vom ersten Kapitel an hat mich dieses Buch mit einer Wucht getroffen, die ich bis dato keinem Buch zugetraut hätte. Der Leser wird hier mit allen Ausformungen der Grausamkeit konfrontiert, die man einem Kind sowohl in physischer als auch psychischer Hinsicht antun kann. Und das alles in einer so bildgewaltigen Sprache, dass es einem beinahe die Luft nimmt. So kam es denn auch, dass ich schon nach dem ersten Kapitel das Buch erst einmal beiseitegelegt und mir überlegt habe, ob ich den Rest wirklich lesen will. Denn der Leser wird ohne große Vorgeschichte oder Einführung direkt in Turtels Leben geworfen. Etwas aufgehoben werden die detaillierten Grausamkeiten dadurch, dass auch die schönen Seiten, wie die Natur, eben auch sehr bildlich ausgearbeitet sind. So kommt man nicht auf den Gedanken, der Autor hätte hier nur einen brutalen und reißerischen Roman schreiben wollen. Beschrieben wird die ganze Situation nicht aus der Sicht von Turtle, wie man vermuten könnte, sondern aus Sicht eines beinahe schon neutralen Beobachters. Man hat wirklich den Eindruck, man wäre mit Turtle und Martin zusammen in dem Haus. Und so kam es denn auch immer wieder vor, dass ich das Bedürfnis hatte Turtle zu sagen: Mensch, Mädel, merkst du nicht, dass das nicht normal ist? Ich war auf jeder Seite hin und her gerissen zwischen Bewunderung Turtle gegenüber, Trauer, Unverständnis und Wut. Ein solches Gefühlserlebnis hatte ich bisher noch nicht bei einem Buch. Es fällt schwer, mehr über dieses Buch zu schreiben ohne zu spoilern. Aber es ist definitiv kein leichtes Buch. Wer nur schwer mit dem Thema Misshandlung und Gewalt umgehen kann, der sollte es vielleicht besser nicht lesen. Wer jedoch damit umgehen kann, der wird ein Leseerlebnis der besonderen Art haben. Mich jedenfalls wird dieses Buch so schnell nicht wieder aus seinen Fängen entlassen.

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"mein ein und alles" von Gabriel Tallent ist ein Buch, welches mir sehr nahe geht, mich sprachlos und fassungslos zurück lässt und noch lange beschäftigen wird. In diesem Buch geht es um das Mädchen Turtel, welche alleine und sehr abgeschieden mit ihrem Vater aufwächst. Der Vater hat einen sehr eigenen und für uns verzährten Blick auf die Welt. Turtel wächst mit Waffen auf und ihr wird von klein auf beigebracht, dass eine Frau nichts wert und schlecht ist. Dieses Denken hat sie so verinnerlicht, dass es erschreckend war, immer wieder zu lesen, wie sie über sich und andere weibliche Personen in ihrer Umgebung denkt. Eines Tages trifft sie allerdings auf den Jungen Jacob und ihr Blick auf ihr Leben fängt an sich zu wandeln. Doch ihr besitzergreifender und schwer gestörter Vater will sie natürlich nicht gehen lassen. Das Buch zeigt sehr deutlich, wie prägend die Erziehung ist. Turtel erlebt die grausamste körperliche und psychische Gewalt, empfindet dies aber als normal. Ihr ganzes Denken und Handeln war bis zum Schluss so verstörend, aber für mich trotzdem nachvollziehbar. In dieser Geschichte sieht man deutlich, dass das wichtigste für Kinder die Liebe der Eltern ist. Turtel weiß, dass es nicht richtig ist, was ihr Vater mit ihr macht, sehnt sich teilweise aber danach, da dies für sie ein Zeichen seiner Liebe ist. Das Buch hat einen monotonen und einfachen Schreibstil, so dass die ganze Geschichte sehr realistisch, wie ein Erfahrungsbericht rüber kommt. Und genau deswegen hat mich das Buch so mitgenommen und es weiter lesen lassen, da ich sonst bei so einer Thematik an meine Grenzen komme und es nicht lesen möchte.

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Als das Buch 2018 im Penguin Verlag erschien, spaltete es daraufhin weitestgehend die Leserschaft und die Meinungen derer gingen und gehen immer noch in die unterschiedlichsten Richtungen aufgrund der Thematiken, die hier behandelt werden: Gewalt und psychische sowie physische Misshandlung von Kindern, einhergehend mit einem derben Schreibstil. Eine Triggerwarnung zu Beginn des Buches wäre hier definitiv angebracht gewesen (denn diese ist nicht vorhanden!), sodass ich euch hiermit gewarnt habe: Lest nicht dieses Buch, wenn euch die oben genannten Themen triggern. Es hat Leser an ihre Grenzen getrieben und erschüttert. Genau deshalb wollte ich die Geschichte der 14-jährigen Julia, auch Turtle genannt, selbst entdecken. Ich erwartete ein Buch, welches mich herausfordert, an meine literarischen Grenzen bringt, bewegt und letztens Endes schockiert und fassungslos zurück lässt. Und ich kann euch schonmal soviel verraten, dass die Geschichte nicht in irgendeiner kitschigen und klischeehaften 0-8-15 Story endet. Der Schauplatz von Gabriel Tallents viel diskutiertem Debütroman ist Kalifornien, um genauer zu sein Mendocino. Turtle verlor bereits in früher Kindheit ihre Mutter bei einem schrecklichen Unfall und so bewohnt sie mit ihrem obsessiven Vater Martin, inmitten von Redwoodbäumen, eine kleine, von der restlichen Kleinstadt abgeschiedene, Hütte. Nebenan wohnen ihr Grandpa und dessen Hündin Rosy in einem heruntergekommenen Wohnwagen. Außer diese zwei bzw. drei Individuen (wenn man Rosy mitzählt) hat Turtle kaum soziale Kontakte, obwohl sie wie alle anderen Teenager zur Schule geht. Die Lebensumstände, unter denen Turtle haust (denn „leben“ möchte ich das nicht nennen), sind alles andere als einfach oder angenehm. Sie wächst in einer Art und Weise auf, wie ein 14-jähriges Kind definitiv nicht aufwachsen sollte. Martin ist der festen Überzeugung, dass er Turtle mit seiner unglaublich harten, abartigen und extremen Erziehung einen Gefallen tut und sie damit auf die grausame Welt und den, seiner Meinung nach, bevorstehenden Weltuntergang vorbereitet. Zwar lassen Turtles soziale sowie schulische Leitungen mehr als zu wünschen übrig, aber mit einer Sache kennt sie sich exzellent aus: Waffen. Denn Schießübungen mit den unterschiedlichsten Waffentypen stehen in Martins Erziehungsmaßnahmen genauso an der Tagesordnung wie psychische sowie physische Misshandlung an der eigenen Tochter. Doch als Jacob in Turtles Leben tritt entwickelt sie langsam eine Ambivalenz gegenüber Martin und sie muss feststellen, dass Freundschaft und Liebe auch anders funktionieren können und nicht mit der für sie bisher bekannten Gewalt verbunden sein müssen. Mit Julia Alveston aka Turtle hat Tallent eine Protagonistin geschaffen, die zwar auf der einen Seite eine kleine Heldin mit poetisch, assoziativer Intelligenz ist, im Grunde aber alles andere als einen liebenswürdigen und sympathischen Eindruck auf mich hinterlässt. Auch wenn ich mich in gewissen Situationen in sie hineinversetzen konnte, warum sie z.B. trotz der ganzen sexuellen Misshandlungen so lang bei ihrem Vater geblieben ist, obwohl sie doch eine kleine Überlebenskämpferin ist und mit mehr Selbstbewusstsein und Hilfe (die ihr praktisch vor die Füße geworfen, aber nicht von ihr angenommen wurde) den Absprung in eine bessere Zukunft sicherlich geschafft hätte. Turtle und Martin sind für den jeweils anderen eben sein Ein und Alles. Was Martin betrifft muss ich gestehen, dass ich ihn trotz seiner seltsamen, und verkehrten Lebensauffassung nicht zu 100% hassen und verabscheuen konnte. Man spürt beim Lesen, dass er weiß, dass diese Dinge falsch sind, die er seiner Tochter antut, er aber auch nicht anders kann. Dass er innerlich einen Kampf mit sich selbst austragen muss, überaus sensibel ist und auch kein Sadist ist. Der Autor bringt viele philosophische Dinge zur Sprache, die Martin, trotz seiner schlimme Dinge, die er Turtle antut, auf eine Art sympathisch macht und das ist, was mir beim Lesen selbst Angst gemacht hat. Dass man dessen Vaterrolle in gewissen Situationen selbst ausgeblendet hat, denn es gibt in diesem Buch auch Momente, wo man als Leser dem Charme von Martin in gewisser Weise erliegt. Und dann muss man sich selbst erstmal wieder wachrütteln und sich dran erinnern, dass das grad ihr Vater ist und nicht irgendein Mann. Dadurch lernt man, dass man die unterschiedlichsten Dinge immer aus einem anderen Blickwinkel betrachten sollte. Dass man einen fiktionalen Charakter, trotz der schlimmen Dinge, die er tut, dennoch sympathisch finden kann und einen immer wieder dran erinnert, dass auch eben diese Figur ein Mensch wie jeder andere ist, der gute und schlechte Seiten an sich hat. Ich empfehle euch vor dem Kauf des Buches auf jeden Fall die Leseprobe. Denn den auktorialen Schreibstil würde ich schon als anspruchsvoll und sehr speziell bezeichnen und hat mir persönlich den Einstieg und den Zugang zum Buch nicht leicht gemacht. Die Sätze sind unglaublich lang, teilweise ein Satz über eine halbe Seite, und oft musste ich manche Stellen zweimal lesen, weil mich das schon sehr herausgefordert hat. Man muss auch dazu sagen, dass Tallents Schreibstil sehr detailreich ist und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich nun um gefühlt endlos lange Naturbeschreibungen wie Tier- oder Pflanzenarten handelt (Google war mein bester Freund während des Leseprozesses, weil ich gefühlt alles nachschauen musste xD) oder um die Vater-Tochter-Beziehung, wo keine Grausamkeit ausgelassen wird und einem an die eigene Substanz gehen kann. „Leider“ trat dieser Fall für mich nur ein einziges Mal ein und zwar ziemlich am Anfang. Alle anderen Gewaltszenen haben mich zwar erschrocken, aber doch eher kalt gelassen und nicht in dem Maße schockiert wie ich es aus den bisherigen Rezensionen erwartet habe. Ich habe auf diese von anderen Lesern besagten schlimmen Szenen regelrecht gewartet. Sie aber nicht bekommen. Vielleicht waren meine Erwartungen da einfach etwas zu hoch. Dennoch fängt die Erzählweise des Autors sehr gut die düstere und bedrückende Harmonie, sowie die fremdartigen Gedanken von Turtle ein. Man sollte sich auf jeden Fall auf diesen sehr extravaganten Schreibstil mit einhergehender wilder, derber Sprache einlassen können, denn dies macht den Großteil des Buches einfach aus und ist eben die Sichtweise, wie Turtle die Welt, ihre Umgebung und Mitmenschen wahrnimmt. Etwas leichter fiel es mir, als ich anfing das Hörbuch beim Lesen zu hören. Wenn Anna Thalbach, die Sprecherin, nicht wäre, hätte ich das Buch wahrscheinlich immer noch nicht beendet xD. Fazit: Der Debütroman ‘Mein Ein und Alles’ von Gabriel Tallent ist nichts für schwache Nerven und hat es wirklich in sich. Wer beim Lesen eine wirklich extreme Art der Grenzerfahrung möchte, sollte zu diesem Roman greifen. Bedingungslose Liebe und abgrundtiefer Hass zwischen Vater und Tochter prallen hier aufeinander und zeigen dem Leser die Tiefen seiner eigenen Seele und den Reiz des Bösen, welches in jedem von uns Menschen schlummert. Der Effekt des Entsetzens oder der Fassungslosigkeit, welche bei der Mehrheit der Leser dieses Buches aufgetreten ist, hat sich bei mir allerdings in Grenzen gehalten. Es ist trotzdem ein intensives Leseerlebnis und wird euch zum Nachdenken bringen, gerade wenn du an den Punkt kommst, wo du eventuell anfängst, Turtle zu verstehen und dich selber fragst: „Was ist eigentlich grad falsch mit dir?“. Ich bin also nicht völlig begeistert von der Geschichte, aber kalt gelassen hat sie mich definitiv ebenso wenig. Und ein Autor muss es erstmal schaffen, seine Leser in solch einen Zwiespalt der eigenen Emotionen zu bringen, dass er in dem Punkt meinen Respekt verdient. Dennoch kann und möchte ich nur eine bedingte Leseempfehlung aussprechen, denn jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er zu dieser Thematik, deren Dunkelziffer nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, sehr sehr hoch und Realität ist, lesen möchte.

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Die 14jährige Protagonistin Julia, die sich selbst Turtle nennt, lebt mit ihrem heißgeliebten und ebenso gehassten Vater ziemlich einsam in Nordkalifornien zwischen Wäldern und Küsten. Der Vater ist ein Waffennarr, der überzeugt ist, dass die Welt demnächst untergehen wird. Vielleicht sind amerikanische LeserInnen nicht ganz so schockiert wie ich, wenn sie von einer Vierzehnjährigen lesen, die sich mit allen möglichen Waffen in Theorie und Praxis bestens auskennt, sich täglich mit Schießübungen und dem Reinigen und Auseinandernehmen ihrer Waffen beschäftigt und einige davon auch in die Schule mitnimmt, ohne dass irgendjemand es bemerkt. In weiterer Folge wird es schlimmer. Langsam kristallisiert sich heraus, dass es um extreme Gewalt, um sexuellen und psychischen Missbrauch geht. Der Text ist nicht leicht zu lesen, vor allem die Selbstgespräche von Turtle, die sich selbst als Schlampe, Fotze, Spalte beschimpft, muss man aushalten, wie auch die ebenso bedrückende wie schriftstellerisch hervorragende Charakterisierung der Personen. Die Interaktion und das Ineinandergreifen der Persönlichkeiten von Vater, Tochter und Großvater sind erschreckend realistisch beschrieben. Auch die anderen Personen der Handlung: Nachbarn und deren Kinder, eine Lehrerin handeln völlig plausibel. Es geht um Vernachlässigung und Gewalt , es geht auch um Liebe und ihre Pervertierung. Die sehr einleuchtende Beschreibung der gegenseitigen Abhängigkeit von Vater und Tochter, der Mechanismen der Verschleierung der Gewalt und der Hassliebe der Tochter für den Vater hat mich sehr beeindruckt. Sowohl, was die literarische Qualität als auch was die glaubwürdige psychologische Charakterisierung betrifft. Es war mir aber auch etwas zu viel Gewalt dabei. Die seitenlange, in allen Details geschilderte Schießerei zwischen Turtle und ihrem Vater wäre auf ein Zehntel der Länge und der Details reduziert immer noch sehr brutal gewesen. Gefallen hat mir wiederum, dass das Ende offen bleibt. Es scheint mir sehr einleuchtend, dass solch eine Situation nicht innerhalb von ein paar Wochen in Normalität übergehen kann, auch bei noch so gutem Willen aller Beteiligten. Insgesamt hat für mich die Qualität des Textes über die manchmal unnötig breitgetretenen Gewaltszenen deutlich überwogen

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Mein Ein und Alles ist ein wahnsinnig intensives Debut, dass einiges vom Leser abverlangt. Es ist definitiv für mich eine Überwindung gewesen, weiterzulesen, nicht abzubrechen und mich weiterhin dieser exzessiven Gewalt, die das Erträgliche teilweise übersteigt, auszusetzen. Und doch wurde man belohnt. Ich habe das Buch in einem Lesekreis gelesen, nachdem es ewig auf dem SuB lag und ich mich einfach nicht an das Thema rangetraut habe, und dieser Austausch hat mir sehr geholfen. Unbedingt darüber reden! Zur Story: der Autor erzählt die Befreiungsgeschichte der 14-jährigen Julia Alveston, genannt Turtle, die seit dem frühen Tod ihrer Mutter allein mit ihrem waffenvernarrten Vater tief in der nordkalifornischen Natur lebt. Sie wächst in einem heruntergekommenen Männerhaushalt auf, und wird stark von ihrem Vater beeinflusst, der ihre einzige Bezugsperson ist. Tägliche Waffenübungen, das Herumstreifen in der Natur, ihrem Vater jeden morgen das erste Bier zuwerfen, all das gehört genauso zu Turtles Alltag wie die periodisch auftretenden Gewaltausbrüche ihres Vaters, die Vergewaltigungen, die Erniedrigungen. Auch in der Schule kommt sie nicht klar, sie grenzt sich von den anderen Mitschülern ab und kann auch mit ihren Leistungen nicht überzeugen. Scheinbar ausweglos ist ihre Situation: ihr Vater versteht es, mit Brutalität und psychischem Druck seine Tochter so an sich zu binden, dass sie ihm allein hörig ist. Als Turtle dann den jungen Jakob kennen lernt, scheint sich Turtles enge Welt etwas zu öffnen… Ich will nicht allzu viel verraten von diesem Buch, dass sehr unter die Haut geht und dass man so schnell nicht vergessen wird. In seiner Intensität strahlt es wahnsinnig lange weiter. Ich habe es bereits einige Monate zuvor beendet und jetzt, beim Schreiben der Rezension, habe ich die Story wieder so glasklar vor Augen, deutlicher wie bei den meisten Büchern, direkt nachdem ich sie gelesen habe. Es hat auch einige Schwächen; so war das Ende für meinen Geschmack viel zu überzogen. Insgesamt aber ein mit Wucht und Zartheit geschriebenes Debut, dass neben der Brutalität auch eine zärtliche Schönheit aufweist. Wem Gewalt beim Lesen erträglich ist, unbedingt lesen!

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Diese Geschichte ist keine einfache etwaige denn lustiges Lesestoff. Das sollte jedem klar sein, der dieses Buch lesen möchte. Das Buch verbirgt so viel Gewalt seitens des Vaters, dass es teils unmöglich war für mich einfach weiterzulesen. Es fiel mir sehr schwer das Buch bis zu Ende zu lesen, denn ich habe so dermaßen mit der Protagonistin gelitten. Der Autor beeindruckt durch einen fließenden Schreibstil und einer phänomenalen Bildhaftigkeit der Natur und auch der Handlung selbst, jedoch finde ich die Darstellung und die intensive Rolle von Gewalt und Waffen in diesem Buch doch eher bedenklich.

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