Leserstimmen zu
Das Kino am Jungfernstieg

Micaela Jary

Die Kino-Saga (1)

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Der neue Roman von Micaela Jary stand schon lange auf meiner Leseliste, sodass es endlich Zeit wurde für diese Story. Das Cover zeigt sich sowohl in Farbe als auch in schwarz-weiß Darstellung. Im farbigen Vordergrund ist eine junge Frau mit Hut abgebildet, welche verheißungsvoll in die Kamera hineinblickt. Im farblosen Hintergrund zeigt sich eine Straßenszene mit einer typischen Großstädtischen Häuserreihe an deren oberen Spitze ein heller Schriftzug Kino hervorsticht. Der Klappentext beschreibt in wenigen Sätzen die Handlung und schafft es mit kurzen aber prägnanten Hinweisen Interesse und Spannung beim Leser zu wecken. Wesentliche inhaltliche Themen des Romans sind: Deutschland in der Nachkriegszeit, Verzweiflung, Hoffnung sowie Liebe. Dabei steht die Film-Cutterin Lili Paal im Vordergrund, welche versucht das Kino ihrer kranken Mutter vor dem Ruin zu bewahren. Durch die detailgetreue Beschreibung der Nachkriegsprobleme im zerstörten Hamburg fällt die zeitliche Einordnung dem Leser nicht schwer. Mit den beiden Hauptprotagonisten Lili Paal, sowie dem britischen Offizier John Fontaine hat das Buch zwei sehr interessante Persönlichkeiten. Auf der einen Seite steht eine junge Frau, welche trotz ihrer aussichtslosen Situation nicht den Lebensmut verliert, obwohl nahezu alles gegen sie zu laufen scheint. Ihr männlicher Gegenpart ist ein junger britischer Offizier, welcher eine immer mehr intensivere Beziehung zu Lili entwickelt. Dies wird vor Allem gegen Ende des Romans deutlich, als die Handlung eine dramatische Entwicklung nimmt. Beachtlich zu erwähnen sind die Nebenfiguren des Romans. Mir persönlich haben es dabei Lilis Nichte Gesa (Tochter von Lilis Schwester Hilde und ihrem Mann Peter Westphal), sowie der Kinovorführer Hans Seifert angetan. Wirklich informativ, aber leider auch sehr bedrückend sind die bildhaften Schilderungen des ausgebombten Deutschlands in der Nachkriegszeit. Der Leser bekommt dabei einen sehr guten Eindruck über die Verzweiflung und Entbehrungen der Menschen in dieser tragischen Epoche. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, informativ und gut und verständlich zu lesen. Dabei schafft es die Autorin durch kleine Nebengeschichten das Tempo des Romans hoch zu halten und durch die verschiedenen Schauplätze die Facettenhaftigkeit der Handlungsorte aufzuzeigen. Am Ende des Romans wird durch eine nicht vorhersehbare Wendung der Ereignisse die Grundlage für eine Weitererzählung der Geschichte gelegt. Zielgruppe des Romans sind Leser deutscher Nachkriegsgeschichte sowie Anhänger des deutschen Film- und Kinowesens. Sowohl für Männer als auch Frauen jeden Alters eignet sich der Roman als guter Einblick in das Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Mir persönlich hat der Roman gut gefallen und ich bin gespannt auf den zweiten Teil der Kino-Saga. Ich bedanke mich recht herzlich beim Goldmann Verlag und der Verlagsgruppe Random House für die Bereitstellung des Romans. Mein Dank gilt natürlich auch Micaela Jary für diese bezaubernde Geschichte auf dessen Fortsetzung ich mich schon sehr freue.

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Als die Film-Cutterin Lili Paal erfährt, dass ihre Mutter schwer erkrankt ist, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um sie besuchen zu können. Im Jahre 1946 ist das allerdings keine Selbstverständlichkeit. Im Nachkriegsdeutschland wird dafür ein Interzonenpass benötigt. Reisen sind nur mit Sondergenehmigung möglich. Lili lernt jedoch den britischen Offizier John Fontaine kennen. Er gibt sie kurzerhand als seine Sekretärin aus. So kann auch Lili von Berlin nach Hamburg zu ihrer Familie reisen. Fontaine verlangt jedoch von Lili, dass sie mit ihm zusammen nach einer im Krieg verschollenen Filmrolle sucht. Es ist der letzte Film, den der Regisseur Leon Caspari mit der bekannten Schauspielerin Thea von Middendorf gedreht hat. Der Film könnte zudem helfen, einen Todesfall aufzuklären. Als Lili bei ihrer Familie unterkommt, muss sie mit Entsetzen feststellen, dass sich ihre Halbschwester Hilde und deren Mann nur unzureichend um die schwerkranke Mutter gekümmert haben. Die Pflege hat Lilis Nichte Gesa übernommen, die damit jedoch völlig überfordert ist. Hilde und ihr Mann warten nur auf den Tag, an dem die Mutter endlich stirbt. Aus dem Lichtspielhaus der Familie wollen sie einen Tanzsaal machen. Während Lili und John sich auf die Suche nach der verloren gegangenen Filmrolle machen und sich dabei sogar näher kommen, kehrt Lilis Ehemann aus französischer Kriegsgefangenschaft zurück, ein Ehemann, mit dem sie eigentlich nichts verbindet. "Das Kino am Jungfernstieg" - ein mitreißender Roman aus der Welt des Kinos. Unterhaltsam, geheimnisvoll und zudem sehr spannend. Was hat es mit der verschwundenen Filmrolle auf sich? Wie geht es mit Lili und John weiter? Wird das Kino wirklich geschlossen? Micaela Jary schafft es wieder einmal hervorragend, den Leser in eine andere Zeit zu versetzen und diese wiederaufleben zu lassen. Man liest, ist begeistert und möchte nicht mehr aufhören. Ein ganz wundervoller erster Teil! Sehnsüchtig warte ich nun auf Teil 2. "Das Kino am Jungfernstieg" - absolute Lese-Empfehlung!

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Im November 1946 geht die Filmcutterin Lili Paar aus Berlin zurück in ihre Heimatstadt Hamburg. Ihre Familie besitzt dort ein Kino, das sie nach dem verhängnisvollen Zweiten Weltkrieg schließen wollen, doch Lili setzt alles daran, den Ort ihrer Kindheit und damit Geburtsstätte ihrer Leidenschaft zum Lichtspiel zu erhalten. Bei der Suche nach verlorenen Filmstreifen triffst sie den britischen Offizier John Fontaine und den Regisseur Leon Caspari, mit denen sie gemeinsam die Vergangenheit erkundet. Eindrucksvoll erzählt Micaela Jary die Geschichte der jungen Lili Paal, die aufgrund der Nachricht ihrer Halbschwester von Berlin nach Hamburg reist, um dort nach ihrer im Sterben liegenden Mutter zu sehen. Mithilfe des britischen Offiziers gelingt ihr die Überfahrt und im Verlauf entwickelt sie starke Gefühle für ihn, die bei einem gemeinsamen Ausflug auf der Suche nach den Negativen in größter Intimität endet. Die Kulisse ist sehr bildhaft beschrieben und führen dem Leser die Gefahren und die Schwere der Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs vor Augen. Trotz einiger spannenden Passagen wirkt der Roman nun allein stehend sehr unfertig, ist er schließlich der Beginn einer Trilogie und umreißt den Beginn der unterschiedlichen Handlungen nicht bis zur Gänze. Dadurch wird allerdings auch die Freude auf die kommenden Bände geschürt. Vielen Dank an den Goldmann-Verlag für das kostenfreie Rezensionsexemplar!

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Inhalt: November 1946: Die junge Film-Cutterin Lili Paal kehrt mit der Hilfe des britischen Offiziers John Fontaine in ihre Heimatstadt Hamburg zurück, denn ihre Mutter hat nach dem Tod ihres Mannes allen Lebensmut verloren und liegt im Sterben. Für seine Hilfe erwartet Fontaine, dass Lili ihm bei der Suche nach den Negativen eines im Krieg verschollenen Filmstreifens hilft. Der Film könnte Licht in einen mysteriösen Todesfall bringen, der während der Dreharbeiten geschehen ist. Gleichzeitig möchte Lili verhindern, dass ihre Halbschwester Hilde und deren Mann das Kino am Jungfernstieg, das ihrer Mutter gehört, schließen lässt. Meine Meinung: „Das Kino am Jungfernstieg“ ist der Auftakt einer Trilogie. Aufgrund der vielen überschwänglichen Rezensionen hatte ich große Erwartungen an das Buch, die aber leider nicht erfüllt wurden. Es liegt sicher nicht am Schreibstil der Autorin, denn der ist sehr bildhaft und lässt sich flüssig lesen. Auch der Einstieg in das Buch fiel mir leicht und die Protagonistin Lili mochte ich ganz gerne. Aber die Handlung der Geschichte konnte mich nicht so richtig fesseln. Es geht hauptsächlich um den Aufbau der deutschen Filmindustrie in der Nachkriegszeit. Ich habe wesentlich mehr Spannung erwartet und auf die im Klappentext angekündigte geheimnisvolle Filmszene habe ich vergeblich gewartet… . Aber auch die kleine Liebesgeschichte und das Ende konnten mich nicht überzeugen. Sehr interessant und lebendig fand ich dagegen die Beschreibungen des zerstörten Hamburg und des Lebens, bzw. Überlebens der Menschen in der Nachkriegszeit. Und wieder einmal bin ich froh, dass ich diese Zeit nicht erleben musste. Fazit: Wer an der Geschichte des deutschen Films in der Nachkriegszeit interessiert ist, dem möchte ich diesen Roman ans Herz legen. Mich konnte das Thema leider nicht fesseln. Manchmal ist es auch einfach nur die falsche Zeit für ein Buch 🤷‍♀️

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Lili Paal muss dringend nach Hamburg, denn ihrer alten Mutter geht es sehr schlecht. Jeder Tag könnte der letzte sein. Doch 1946 ist es fast unmöglich, schnell von Berlin nach Hamburg zu gelangen. Eine glückliche Fügung lässt sie den britischen Offizier John Fontaine kennen lernen, der sehr interessiert an einer Geschichte über alte Filmrollen ist, die Lilli ihm erzählt. Er gibt sie als seine Sekretärin aus und ermöglicht ihr so die Reise zusammen mit ihm nach Hamburg. Dort warten aufregende Ereignisse auf Lili. Ihre Schwester, bei der sie unterkommen muss, hasst sie und so wird es schwierig, richtig für die Mutter zu sorgen. Ihre Schwester will außerdem das Kino am Jungfernstieg schließen, was Lili verhindern möchte, und John erwartet, dass sie das Versprechen einlöst und die alten Filmrollen besorgt. Dabei werden einige Geheimnisse aufgedeckt. Was hatte ihre Mutter mit dem berühmten Regisseur Leon Caspari zu tun? Bei einer gemeinsamen Reise kommen Lili und John sich näher, obwohl Lili mit dem Kriegsgefangenen Albert Paal verheiratet ist. Ein schwerer Unfall verändert allerdings alles. Das war mein erstes Buch von Micaela Jary, der Schreibstil gefällt mir. Die Charaktere sind allesamt sehr interessant. Lili und John sind sympathische Protagonisten und man kann sich gut in sie hineinversetzen und ihre Gefühle füreinander nachvollziehen. Der Schwager und die Schwester sind eine Gattung für sich, egoistisch, geizig und missgünstig. Die Geschichte um das Kino, die verschwundenen Filmrollen und die verbotene Liebe hat mir gut gefallen, allerdings fand ich das abrupte Ende sehr gewöhnungsbedürftig. Natürlich wird es eine Forstsetzung geben, auf die die Leser aber ein Jahr warten müssen. Da hätte ich mir einen anderen Schluss gewünscht, das Ende hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen.

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Lili will dringend von Berlin nach Hamburg reisen, weil ihre Mutter erkrankt ist. Doch im Jahr 1946 ist dies nicht leicht, weil dafür erst ein Interzonenpass beantragt werden muss. Der charmante britische Offizier John Fontaine hilft ihr schließlich - denn als Film-Cutterin hat Lili Informationen, die ihn brennend interessieren. In Hamburg angekommen, erfährt die junge Frau, dass ihr Schwager das geliebte Lichtspielhaus der Familie schließen lassen will. Lilis Nichte Gesa träumt derweil davon, Schauspielerin zu werden. Und dann ist da noch ein Mann, der sich in Frankreich in Kriegsgefangenschaft befindet … Es hat mir sehr gut gefallen, wie die Autorin Micaela Jary, den Alltag der Nachkriegszeit wieder auferstehen lässt. Mit einer Fülle von Details und der Erwähnung realer Vorkommnisse vermittelt sie einen spannenden Einblick in das Leben von damals. “Cafés, Kinos und Theater mussten um siebzehn Uhr schließen, die Wohnungen in jedem Stadtteil wurden abwechselnd zweimal die Woche vom Netz abgeschnitten, der Verkehr der Hochbahn wurde komplett eingestellt, die Straßenbahnen fuhren nur noch, wenn überhaupt, am frühen Morgen und am späten Nachmittag, Ladengeschäfte durften nur bis fünfzehn Uhr geöffnet haben, Büros zwei Stunden länger. Was für den Strom galt, betraf auch die Gaslieferungen an Privathaushalt.” Zuteilungen für Filmmaterial mussten bei den Briten angefragt werden (Hamburg gehörte damals zur britischen Zone) ebenso wie die Genehmigung einen Film zu drehen. Und der verheerende Feuerstum von ‘43 war im Anblick der Trümmer stets allgegenwärtig. Heutzutage kann man sich diese Umstände kaum vorstellen. Ich stutzte bei einem Satz, in dem es hieß, dass jemand nicht genug Kohle habe. Erst nach einem Moment wurde mir klar, dass damit nicht “Geld” sondern echte Kohle zum Heizen gemeint war. Im “Katastophenwinter” 1946/47 herrschten wochenlang Temperaturen bis zu Minus zwanzig Grad. Das Kino war der Ort, an dem die Menschen für ein paar Stunden die schlimmen Zeiten und ihren Alltag vergessen konnten. Michael Jary, der Vater der Autorin, war Filmkomponist und nach dem Krieg maßgeblich am Aufbau der Filmstadt Hamburg beteiligt. Die Charaktere des Buches sind fiktiv, beruhen jedoch teilweise auf damals tatsächlich lebenden Personen. Die Kino-Saga ist als Trilogie angelegt. Ein anschauliches Stück Zeitgeschichte, mit liebenswerten Protagonisten und einem mitreißenden Plot, der einen Einblick in die Filmwelt bietet! Ich freue mich schon auf den nächsten Band, der im März 2020 erscheinen soll und im Jahr 1952 spielt.

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„Alles um sie herum funkelte und glitzerte wie in einem Palast. Lili meinte, nie einen schöneren Raum gesehen zu haben als diesen Saal.“ (Zitat S. 7) Gemeint ist „Das Kino am Jungfernstieg“, dessen Geschichte Buchautorin Micaela Jary in ihrer gleichnamigen Familiensaga erzählt. Der Roman ist am 15.07.2019 bei Goldmann erschienen. Film-Cutterin Lili Paal erfährt, dass ihre Mutter schwer erkrankt ist und versucht von Berlin nach Hamburg zu kommen. Dies gelingt ihr mithilfe des englischen Offiziers John Fontaine, der in der Filmabteilung arbeitet und stellt Lili als seine Sekretärin ausgibt. Gemeinsam reisen sie in die Hansestadt und begeben sich von dort auf die Suche nach einem im Krieg verschollenen Steifen des Filmregisseurs Leon Caspari. Die Dreharbeiten waren damals von einem mysteriösen Todesfall überschattet. Was ist geschehen? Micaela Jary hat einen mitreißenden Schreibstil, der mich durch die Seiten fliegen lässt. Sie fängt die Stimmung der Nachkriegszeit in Hamburg beeindruckend ein. Ich fühle mich in die Geschichte hineinversetzt, sehe Bilder der Belagerung, der Zerstörung, des Wiederaufbaus, erfahre viel über das Leben in den Besatzungszonen. Imposantes Kopfkino! Es ist interessant zu lesen, wie sich die Filmszene nach dem Krieg langsam wieder zusammenfindet. Hamburg als Schauplatz gefällt mir. Spannung kommt mit der Suche nach den verschwundenen Filmrollen auf. Ich möchte herausfinden, welches dunkle Geheimnis in der Vergangenheit lauert. Micaela Jarys Charaktere sind lebendig ausgearbeitet und geklungen in Szene gesetzt. Lily ist ein Sonnenschein, freundlich, mutig und fleißig. So liebenswert wie ich sie finde, so abstoßend erscheint mit ihre Halbschwester Hilde. Sie ist das Böse in Person. Nette Züge sucht man bei ihr vergebens. Ich habe mich während des Lesens ständig gefragt, wie man so einen Hass auf die eigene Schwester empfinden kann. Mit Captain John Fontaine kommt ein charmanter Mann in die Szenerie und ich spüre das Prickeln zwischen ihm und Lili. Ob sie ein Paar werden? Am Ende des Romans bleiben einige Fragen offen. Es sind fiese kleine Cliffhanger aus denen ich schlussfolgere, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Mit Spannung und Neugier warte ich auf eine Fortsetzung. 5 Sterne Leseempfehlung!

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Deutschland im Jahr 1946, der 2. Weltkrieg ist vorbei und Deutschland steht unter dem Einfluss der Besatzungsmächte. In der britischen Zone Berlins lebt Lilli Paal, die Cutterin beim Film ist und sich als solche auch bereits einen Namen gemacht hat. Als ihre Mutter schwer erkrankt, sucht Lilli einen Weg in ihre Heimatstadt Hamburg reisen zu können, um ihrer Mutter beizustehen. Der britische Offizier John Fontaine, der bei der für Filme zuständigen Stelle arbeitet, bietet ihr die Möglichkeit, getarnt als seine Sekretärin, mit ihm nach Hamburg zu reisen. Dafür sagt Lilli ihm ihre Hilfe bei der Suche nach verstecktem Filmmaterial zu, denn sie weiß zufällig, wo der letzte skandalumwitterte Film der berühmten Schauspielerin Thea von Middendorff, bei dessen Dreh Theas Mann ums Leben kam, versteckt sein soll. In Hamburg findet Lilli schlimme Verhältnisse vor. Die Innenstadt ist zerbombt, es herrscht Armut und ihre Mutter ist offenbar ziemlich verwahrlost, denn niemand kümmert sich richtig um sie. Lillis Halbschwester Hilde hat die Pflege der Mutter auf ihre noch junge Tochter übertragen und ansonsten nur sich selbst und ihr Ansehen in der Gesellschaft im Kopf. Und so vegetiert die Mutter Sophie nur noch vor sich hin, bis Lilli sich um sie kümmert. Aber Halbschwester Hilde spekuliert auf das baldige Ableben der Mutter, denn der gehört das Lichtspielhaus der Familie. Hilde und ihr Mann wollen es schließen und einen Tanzsaal daraus machen. Das kann Lilli unter keinen Umständen zulassen … Dieser Roman ist der Auftakt einer Trilogie um das Lichtspielhaus der Familie Wartenberg am Jungfernstieg in Hamburg. Micaela Jary zeigt in ihrem Werk bildhaft das zerbombte Berlin und Hamburg in der Nachkriegszeit und beschreibt eindrucksvoll die Sorgen und Nöte der Menschen, die mit Lebensmittelknappheit und fehlendem Heizmaterial besonders schlimm im Winter 1946/47 kämpfen müssen. Aber sie zeigt auch, wie sich die Filmwelt langsam wieder aufbaut, denn die Filmemacher möchten den sorgengeplagten Menschen wieder eine schöne Ablenkung bieten. Die Liebe zum Kino und Film wird ganz besonders deutlich in der Figur der Lilli und der Familie Wartenberg. Wie die Autorin in ihrem Nachwort schreibt, ist dies die Welt ihrer Kindheit, denn ihr Vater, der Filmkomponist Michael Jary war an dem Wiederaufbau der deutschen Filmwirtschaft maßgeblich beteiligt. Und so erleben wir hier praktisch zwei Handlungen, den Wiederaufbau des zerstörten Hamburgs und der Filmindustrie. Beides hat mich gleichermaßen gefesselt, denn die Autorin kann beide Themen sehr gut und interessant vermitteln. Lilli als Protagonistin ist authentisch und sympathisch, den sie versucht wirklich alles, um ihrer Mutter zu helfen und kommt auch ihren Verpflichtungen gegenüber dem britischen Filmoffizier John Fontaine nach. Es war ein bisschen zu erahnen, dass sich die beiden näher kommen würden. Doch Lilli ist verheiratet und ihr Mann noch in Kriegsgefangenschaft. Lillis Halbschwester samt Ehemann bilden hier die „Gegenspieler“ und machen es dem Leser leicht, sie nicht zu mögen. Herzerwärmend war deren Tochter Gesa, die ihre Oma liebt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles für sie tut. Die Geschichte verläuft anfangs relativ ruhig und unspektakulär wobei das Geschehen durchaus zu fesseln weiß. Als heraus kommt, dass der Film, nachdem Lilli und John suchen, skandalumwittert ist, kommt Spannung auf, denn der Fund könnte so einiges ans Tageslicht bringen. Man könnte fast sagen, dass dieser letzte Teil der Geschichte Krimi-Elemente enthält. Insgesamt ist der Roman gute und vor allem auch interessante Unterhaltung und bietet dem Leser die Möglichkeit, das Geschehen wie ein Zeitzeuge mitzuerleben. Das Ende lässt einiges offen, wie man es bei einem Auftakt zu einer Trilogie erwarten kann. Mir hat diese Zeitreise ins Hamburg der Nachkriegszeit gefallen und ich freue mich auf die weiteren Teile! Fazit: 4 von 5 Sternen

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