Leserstimmen zu
Das Kino am Jungfernstieg

Micaela Jary

Die Kino-Saga (1)

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Lili will dringend von Berlin nach Hamburg reisen, weil ihre Mutter erkrankt ist. Doch im Jahr 1946 ist dies nicht leicht, weil dafür erst ein Interzonenpass beantragt werden muss. Der charmante britische Offizier John Fontaine hilft ihr schließlich - denn als Film-Cutterin hat Lili Informationen, die ihn brennend interessieren. In Hamburg angekommen, erfährt die junge Frau, dass ihr Schwager das geliebte Lichtspielhaus der Familie schließen lassen will. Lilis Nichte Gesa träumt derweil davon, Schauspielerin zu werden. Und dann ist da noch ein Mann, der sich in Frankreich in Kriegsgefangenschaft befindet … Es hat mir sehr gut gefallen, wie die Autorin Micaela Jary, den Alltag der Nachkriegszeit wieder auferstehen lässt. Mit einer Fülle von Details und der Erwähnung realer Vorkommnisse vermittelt sie einen spannenden Einblick in das Leben von damals. “Cafés, Kinos und Theater mussten um siebzehn Uhr schließen, die Wohnungen in jedem Stadtteil wurden abwechselnd zweimal die Woche vom Netz abgeschnitten, der Verkehr der Hochbahn wurde komplett eingestellt, die Straßenbahnen fuhren nur noch, wenn überhaupt, am frühen Morgen und am späten Nachmittag, Ladengeschäfte durften nur bis fünfzehn Uhr geöffnet haben, Büros zwei Stunden länger. Was für den Strom galt, betraf auch die Gaslieferungen an Privathaushalt.” Zuteilungen für Filmmaterial mussten bei den Briten angefragt werden (Hamburg gehörte damals zur britischen Zone) ebenso wie die Genehmigung einen Film zu drehen. Und der verheerende Feuerstum von ‘43 war im Anblick der Trümmer stets allgegenwärtig. Heutzutage kann man sich diese Umstände kaum vorstellen. Ich stutzte bei einem Satz, in dem es hieß, dass jemand nicht genug Kohle habe. Erst nach einem Moment wurde mir klar, dass damit nicht “Geld” sondern echte Kohle zum Heizen gemeint war. Im “Katastophenwinter” 1946/47 herrschten wochenlang Temperaturen bis zu Minus zwanzig Grad. Das Kino war der Ort, an dem die Menschen für ein paar Stunden die schlimmen Zeiten und ihren Alltag vergessen konnten. Michael Jary, der Vater der Autorin, war Filmkomponist und nach dem Krieg maßgeblich am Aufbau der Filmstadt Hamburg beteiligt. Die Charaktere des Buches sind fiktiv, beruhen jedoch teilweise auf damals tatsächlich lebenden Personen. Die Kino-Saga ist als Trilogie angelegt. Ein anschauliches Stück Zeitgeschichte, mit liebenswerten Protagonisten und einem mitreißenden Plot, der einen Einblick in die Filmwelt bietet! Ich freue mich schon auf den nächsten Band, der im März 2020 erscheinen soll und im Jahr 1952 spielt.

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„Alles um sie herum funkelte und glitzerte wie in einem Palast. Lili meinte, nie einen schöneren Raum gesehen zu haben als diesen Saal.“ (Zitat S. 7) Gemeint ist „Das Kino am Jungfernstieg“, dessen Geschichte Buchautorin Micaela Jary in ihrer gleichnamigen Familiensaga erzählt. Der Roman ist am 15.07.2019 bei Goldmann erschienen. Film-Cutterin Lili Paal erfährt, dass ihre Mutter schwer erkrankt ist und versucht von Berlin nach Hamburg zu kommen. Dies gelingt ihr mithilfe des englischen Offiziers John Fontaine, der in der Filmabteilung arbeitet und stellt Lili als seine Sekretärin ausgibt. Gemeinsam reisen sie in die Hansestadt und begeben sich von dort auf die Suche nach einem im Krieg verschollenen Steifen des Filmregisseurs Leon Caspari. Die Dreharbeiten waren damals von einem mysteriösen Todesfall überschattet. Was ist geschehen? Micaela Jary hat einen mitreißenden Schreibstil, der mich durch die Seiten fliegen lässt. Sie fängt die Stimmung der Nachkriegszeit in Hamburg beeindruckend ein. Ich fühle mich in die Geschichte hineinversetzt, sehe Bilder der Belagerung, der Zerstörung, des Wiederaufbaus, erfahre viel über das Leben in den Besatzungszonen. Imposantes Kopfkino! Es ist interessant zu lesen, wie sich die Filmszene nach dem Krieg langsam wieder zusammenfindet. Hamburg als Schauplatz gefällt mir. Spannung kommt mit der Suche nach den verschwundenen Filmrollen auf. Ich möchte herausfinden, welches dunkle Geheimnis in der Vergangenheit lauert. Micaela Jarys Charaktere sind lebendig ausgearbeitet und geklungen in Szene gesetzt. Lily ist ein Sonnenschein, freundlich, mutig und fleißig. So liebenswert wie ich sie finde, so abstoßend erscheint mit ihre Halbschwester Hilde. Sie ist das Böse in Person. Nette Züge sucht man bei ihr vergebens. Ich habe mich während des Lesens ständig gefragt, wie man so einen Hass auf die eigene Schwester empfinden kann. Mit Captain John Fontaine kommt ein charmanter Mann in die Szenerie und ich spüre das Prickeln zwischen ihm und Lili. Ob sie ein Paar werden? Am Ende des Romans bleiben einige Fragen offen. Es sind fiese kleine Cliffhanger aus denen ich schlussfolgere, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Mit Spannung und Neugier warte ich auf eine Fortsetzung. 5 Sterne Leseempfehlung!

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Deutschland im Jahr 1946, der 2. Weltkrieg ist vorbei und Deutschland steht unter dem Einfluss der Besatzungsmächte. In der britischen Zone Berlins lebt Lilli Paal, die Cutterin beim Film ist und sich als solche auch bereits einen Namen gemacht hat. Als ihre Mutter schwer erkrankt, sucht Lilli einen Weg in ihre Heimatstadt Hamburg reisen zu können, um ihrer Mutter beizustehen. Der britische Offizier John Fontaine, der bei der für Filme zuständigen Stelle arbeitet, bietet ihr die Möglichkeit, getarnt als seine Sekretärin, mit ihm nach Hamburg zu reisen. Dafür sagt Lilli ihm ihre Hilfe bei der Suche nach verstecktem Filmmaterial zu, denn sie weiß zufällig, wo der letzte skandalumwitterte Film der berühmten Schauspielerin Thea von Middendorff, bei dessen Dreh Theas Mann ums Leben kam, versteckt sein soll. In Hamburg findet Lilli schlimme Verhältnisse vor. Die Innenstadt ist zerbombt, es herrscht Armut und ihre Mutter ist offenbar ziemlich verwahrlost, denn niemand kümmert sich richtig um sie. Lillis Halbschwester Hilde hat die Pflege der Mutter auf ihre noch junge Tochter übertragen und ansonsten nur sich selbst und ihr Ansehen in der Gesellschaft im Kopf. Und so vegetiert die Mutter Sophie nur noch vor sich hin, bis Lilli sich um sie kümmert. Aber Halbschwester Hilde spekuliert auf das baldige Ableben der Mutter, denn der gehört das Lichtspielhaus der Familie. Hilde und ihr Mann wollen es schließen und einen Tanzsaal daraus machen. Das kann Lilli unter keinen Umständen zulassen … Dieser Roman ist der Auftakt einer Trilogie um das Lichtspielhaus der Familie Wartenberg am Jungfernstieg in Hamburg. Micaela Jary zeigt in ihrem Werk bildhaft das zerbombte Berlin und Hamburg in der Nachkriegszeit und beschreibt eindrucksvoll die Sorgen und Nöte der Menschen, die mit Lebensmittelknappheit und fehlendem Heizmaterial besonders schlimm im Winter 1946/47 kämpfen müssen. Aber sie zeigt auch, wie sich die Filmwelt langsam wieder aufbaut, denn die Filmemacher möchten den sorgengeplagten Menschen wieder eine schöne Ablenkung bieten. Die Liebe zum Kino und Film wird ganz besonders deutlich in der Figur der Lilli und der Familie Wartenberg. Wie die Autorin in ihrem Nachwort schreibt, ist dies die Welt ihrer Kindheit, denn ihr Vater, der Filmkomponist Michael Jary war an dem Wiederaufbau der deutschen Filmwirtschaft maßgeblich beteiligt. Und so erleben wir hier praktisch zwei Handlungen, den Wiederaufbau des zerstörten Hamburgs und der Filmindustrie. Beides hat mich gleichermaßen gefesselt, denn die Autorin kann beide Themen sehr gut und interessant vermitteln. Lilli als Protagonistin ist authentisch und sympathisch, den sie versucht wirklich alles, um ihrer Mutter zu helfen und kommt auch ihren Verpflichtungen gegenüber dem britischen Filmoffizier John Fontaine nach. Es war ein bisschen zu erahnen, dass sich die beiden näher kommen würden. Doch Lilli ist verheiratet und ihr Mann noch in Kriegsgefangenschaft. Lillis Halbschwester samt Ehemann bilden hier die „Gegenspieler“ und machen es dem Leser leicht, sie nicht zu mögen. Herzerwärmend war deren Tochter Gesa, die ihre Oma liebt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles für sie tut. Die Geschichte verläuft anfangs relativ ruhig und unspektakulär wobei das Geschehen durchaus zu fesseln weiß. Als heraus kommt, dass der Film, nachdem Lilli und John suchen, skandalumwittert ist, kommt Spannung auf, denn der Fund könnte so einiges ans Tageslicht bringen. Man könnte fast sagen, dass dieser letzte Teil der Geschichte Krimi-Elemente enthält. Insgesamt ist der Roman gute und vor allem auch interessante Unterhaltung und bietet dem Leser die Möglichkeit, das Geschehen wie ein Zeitzeuge mitzuerleben. Das Ende lässt einiges offen, wie man es bei einem Auftakt zu einer Trilogie erwarten kann. Mir hat diese Zeitreise ins Hamburg der Nachkriegszeit gefallen und ich freue mich auf die weiteren Teile! Fazit: 4 von 5 Sternen

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"Das Kino am Jungfernstieg" aus der Feder der Autorin Micaela Jary ist der fulminante Auftakt einer großen Familiesaga bei der sich alles um einen Kono-Dynastie im Hamburg der Nachkriegszeit dreht. Wir befinden uns im Jahr 1946. Lili Paal, geborene Wartenberg, ist gelernte Film-Cutterin und lebt nun in Berlin. Ihre Leidenschaft zum Film wurde durch ihre Eltern geweckt, die 1926 in Hamburg ein erfolgreiches und glamouröses Kino betrieben. Nach dem Tod ihres Vaters hat Lilis Halbschwester Hilde das Kino geerbt und will es nun verkaufen. Ein britischer Offizier namens Johan Fontaine ermöglicht es ihr nach Hamburg zu ihrer schwerkranken Mutter zu reisen. Gleichzeitig möchte Lili ihren Aufenthalt in Hamburg dazu nutzen nach alten Filmrollen zu suchen, die während des Krieges verschwunden sind. Hier in ihrer Heimatstaddt lernt Lili auch den charismatischen Regisseur Leon Caspari kennen...... Für mich ist der Autorin mit diesem tollen Roman wieder ein Meisterwerk gelungen. Diese Geschichte, die mit einem herrlichen Prolog beginnt, hat mich von Anfang an begeistert und in ihren Bann gezogen. Ich bin vollständig in die Welt des Films und Kinos eingetaucht. Und man merkt sofort, dass die Autorin eine ganz besondere Bindung zu dieser Materie hat. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich dieses prunkvolle Kino vor mir und genieße ganz besondere Filmabende. Aber nach Ende des Krieges und der Aufteilung Berlins ist alles anders. Uns wird auch in dieser interessanten Lektüre auch vergangene Geschichte nahe gebracht. Wie glücklich war Lili, als sie nach Hamburg in ihre Heimatstadt reisen konnte. Ich kann mir ihr entsetztes Gesicht vorstellen, als sie das ganze Elend vor sich sieht. Alle Charaktere, allen voran Lili sind so wunderbar beschrieben. Sie werden vor meinem inneren Auge lebendig. Begeistert habe ich mich mit Lili auf die Suche nach diesen alten Filmrollen gemacht. Die Spannung steigt von Seite zu Seite und dann ist etwas passiert, das für Gänsehautfeeling gesorgt hat und dessen Ausmaße mich tief berührt haben. Und dann das Ende, das förmlich nach einer Fortsetzung schreit. Aber ich mache mir einstweilen selbst so meine Gedanken, wie diese herausragende Geschichte weitergehen könnte. Für mich ist diese atemberaubende Lektüre eine Lesevergnügen der Extraklasse. Und auch das Nachwort berührt mit tief. Was für eine schlimme Zeit. Für mich ist dieses Buch wirklich ein packendes Lesevergnügen, das für unterhaltsame und nachdenkliche Lesestunden gesorgt hat. Für mich ein Lesehighlight, für das ich gerne 5 Sterne vergebe. Das Cover ist übrigens auch ein echter Hingucker.

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Lilli ist Cutterin beim Film. Im Jahre 1946 nicht gerade ein krisensicherer Job. Nur langsam kommt in Deutschland das Filmgewerbe wieder auf die Beine. Als ihre Mutter in Hamburg schwer erkrankt kehrt Lilli von Berlin nach Hamburg zurück. Um die nötige Reiseerlaubnis zu erhalten macht sie einen Deal mit dem britischen Filmoffizier John Fontaine. Er besorgt ihr die Reise- und Aufenthaltserlaubnis und sie hilft ihm verschollenes Filmmaterial wiederzufinden. In Hamburg angekommen, muss Lilli feststellen, dass ihre Schwester Hilde sich nicht nur nicht ausreichend um die Mutter sondern auch nicht um deren Kino kümmert. Im Gegenteil, Lillis Schwager versucht das Kino zu schließen und sich an der Technik zu vergreifen. Lilli ist für ihre Zeit eine sehr eigenständige und eigenwillige Person. Im Gegensatz zu ihrer Schwester und deren Mann hält sie nichts von den Nazis, im Gegenteil, sie war in ihrer Jugend Teil der Swing Jugend Hamburgs. In Hamburg werden die ersten Gehversuche der neuen deutschen Filmindustrie gemacht. Leon Caspari dreht dort gerade einen Film. Er ist auch der Regisseur des verschwundenen Films, den Lilli und John Fontaine suchen. Ich war von Anfang an sofort mitten in der Geschichte. Micaela Jary gelingt es wirklich meisterhaft das Nachkriegshamburg und die Sorgen und Nöte der damaligen Zeit dem Leser nahe zu bringen. Die Charaktere sind toll ausgearbeitet, gerade bei Lillis Schwester Hilde wird das deutlich, die immer zwischen Zustimmung zu ihrem Mann und eigener Entscheidung hin und her wankt. Die Geschichte ist anfangs eher unspektakulär, allerdings zeichnet sich im Laufe des Buches ab, dass hinter dem verschwundenen Film und den Personen, den er betrifft, noch viel mehr steckt. Im letzten Viertel des Buches wird es dann noch einmal dramatisch und was man vorher als gesetzt ansah, wird komplett über den Haufen geworfen. Das Buch endet dann auch relativ offen und macht Lust auf den nächsten Teil, der dann wohl einige Jahre später spielen wird. Ich freue mich hier auf jeden Fall auf die Fortsetzung und möchte eine dicke Leseempfehlung aussprechen!

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Meine Meinung: Ich musste nicht lange überlegen, ob ich dieses Buch lesen wollte. Es sprach so vieles dafür. Ich mag die Bücher der Autorin, ich fahre gerne nach Hamburg und freue mich, wenn ich mit Hilfe von Büchern noch mehr über die Stadt erfahren kann. Außerdem machte mich die Kurzbeschreibung neugierig. Es gibt so vieles, was ich nicht weiß und worüber ich mir bisher auch noch keine Gedanken gemacht hatte. Klar, mir ist bewusst, dass nach Kriegsende vieles wieder aufgebaut werden musste und es nicht immer leicht war. Manches mögen jetzt denken, es gab wohl wichtigeres als ein Kino wieder in Betrieb zu nehmen. Das mag bedingt stimmen, aber gab den Menschen auch wieder Hoffnung und sie konnten träumen und für ein paar Stunden in eine andere, heilere Welt abtauchen. Auf jeden Fall fand ich es sehr interessant zu erfahren, wie das Alltagsleben ablief. Konnte man einfach mal eben von Berlin nach Hamburg reisen, um die kranke Mutter zu besuchen? Dufte man den Ort wechseln, sich andere Arbeit suchen und so weiter. Ganz nebenbei habe ich alles erfahren und durfte Lili kennen lernen und bei ihren Vorhaben begleiten. Wie es nun mal in Büchern so ist, wenn sie über vergangene Zeiten berichten, dann passieren auch Sachen, die ich als Leserin nicht so toll finde, aber so war nun mal das wahre Leben, ich musste mich mit dem Ende zufrieden geben. Manchem hätte ich etwas anderes gewünscht und vor allem hätte ich zu gerne weiter gelesen. Zu meiner Freude weiß ich allerdings, dass es ein weiteres Buch geben wird, schade finde ich es, dass ich noch eine Weile darauf warten muss, wo ich doch so neugierig bin. Was sagt uns das alles? Das Buch hat mir gefallen, die Autorin hat mich mit der Geschichte gepackt und ich bin begeistert, was ich nun alles erfahren habe. Dank der guten Recherchearbeit von Micaela Jary. Fazit: Ein sehr unterhaltsames und informatives Buch, mich hat es gefesselt und ich empfehle es gerne weiter. Obwohl ich nun noch eine Weile warten muss, freue ich mich schon auf das nächste Buch.

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Dies war mein erster Roman der Autorin. Das Cover finde ich wunderschön und hat mich gleich begeistert. Da ich sehr gerne Romane der (Nach-)kriegszeit lese, machte ich mich wegen des ansprechenden Klappentextes gleich an die Geschichte. Die Hauptprotagonisten waren sehr authentisch dargestellt, die Entwicklung des Kinos war sehr bildhaft und interessant und gab der Geschichte einen spannenden Inhalt. Der Schreibstil ist mitreissend, flüssig und sehr lebendig. Die kriminalistischen Inhalte haben mir auch sehr gut gefallen und ich konnte den Roman zeitweise kaum aus der Hand legen. Die Kapitel haben eine angenehme Länge. Es werden noch zwei weitere Teile folgen, auf die ich mich freue. Fazit: Ein sehr gut recherchierter, historischer Roman, der mir gut gefallen hat. Ich freue ich auf Teil 2 im März 2020 und vergebe 4/5 ⭐

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„Dieser Streifen war wichtig - und sie meinte, ihn für immer zu verlieren, wenn sie ihn aus den Händen gab.“ (S. 138). November 1946: Lili Paal (geb. Wartenberg) arbeitet als Cutterin für die neugegründete DEFA in Berlin, als sie von ihrer Halbschwester Hilde erfährt, dass es ihrer Mutter Sophie in Hamburg von Tag zu Tag schlechter geht. Um zu ihr zu reisen, benötigt Lili einen Interzonenpass – den sie sich vom britischen Filmoffizier John Fontaine erhofft. Capitain Fontaine bietet ihr einen Deal an: Lili hat schon einmal einen im Krieg nicht fertiggestellten Film gefunden und geschnitten. Wenn sie ihm das Versteck eines weiteren Films verrät und ihm hilft, diesen aufzustöbern, nimmt er sie mit nach Hamburg. Zufällig hat Lili gehört, dass in Travemünde der letzte Film mit der berühmten Thea von Middendorff versteckt sein soll. Dieser Film ist berüchtigt, weil Theas Mann beim Dreh ums Leben kam und die Todesumstände nie öffentlich gemacht wurden. Und der damalige Regisseur, Leon Caspari, dreht zufällig gerade den ersten Nachkriegsfilm – mitten in Hamburg ... „Das Kino am Jungfernstieg“ von Micaela Jary ist der Auftakt einer neuen Reihe um die Entwicklung des Kinos nach dem Krieg und beleuchtet dabei die Geschichte der fiktiven Familie Wartenberg. Lilis Vater hatte das Kino in den 30er Jahren gegründet und ihre Mutter Sophie hattte es all die Jahre geleitet. Als Lilis Vater kurz vor Ende des Krieges erschossen und ihr Haus bei einem Bombenangriff zerstört wurde, musste sie zu ihrer älteren Tochter Hilde und deren Mann ziehen. Lili ist geschockt, als sie im völlig zerstörten Hamburg ankommt und kaum etwas wiedererkennt. Das Lichtspielhaus der Familie steht zwar noch, hat aber im Krieg gelitten: „Es kam ihr vor, als wäre das Lichtspielhaus ein Sinnbild des Zustands ihrer Mutter – noch war nicht alles verloren, aber der Patient war schwer krank und lag im Sterben.“ (S. 105). Ihre Mutter vegetiert nur noch vor sich hin, ist nur selten bei Bewusstsein und spricht nicht mehr. Sie hat allen Lebenswillen verloren. „Ich erkenne sie nicht mehr... Ich weiß nicht mehr, wer meine Mutter wirklich ist.“ (S. 149) Von ihrer Halbschwester ist Lili sehr enttäuscht. Statt sich um die Mutter zu kümmern, spekuliert Hilde auf deren baldigen Tod, damit sie das Lichtspielhaus endlich schließen können. Hildes Mann hat einen florierenden Schwarzhandel aufgebaut, es fehlt ihnen an nichts, aber Lili muss um jede Scheibe trockenes Brot und jeden Tee für Sophie betteln. Zum Glück gibt es Hildes 16jährige Tochter Gesa, die ihre Oma über alles liebt und bisher für sie gesorgt hat „Wie sollte sie erwachsen werden mit dem Gedanken, zu wenig für ihre Großmutter getan zu haben, wenn diese starb?“ (S. 273) Während der Suche nach den Filmrollen kommen sich Lili und Capitain Fontaine näher. Er ist charmant und zuvorkommend, macht ihr Komplimente. Es funkt zwischen ihnen, aber Lili ist verheiratet, auch wenn sich ihr Mann noch in Kriegsgefangenschaft befindet. Zudem stellen sie bei ihren Nachforschungen fest, dass auch Lilis Mutter irgendwie in den Skandal um den Tod von Theas Mann verwickelt gewesen sein muss. Man merkt dem Buch an, dass Micaela Jary über eine Epoche und Thematik schreibt, die sie von klein auf kennt und liebt, denn ihr Vater war der berühmte Filmkomponist Michael Jary. Sehr bildlich schildert sie das zerstörte Hamburg, wie die Menschen ums Überleben kämpfen und was der Hungerwinter 1946/47 anrichtete. Sie beschreibt, wie die Besatzer das Gebiet verwalteten und u.a. eben auch die Filmindustrie langsam wieder aufbauten. Die Zustände in Hildes Familie haben mich erschüttert. Wie können sie und ihr Mann nur so herzlos sein und nur an ihr eigenes Vorankommen denken. Ich hoffe, dass sie im nächsten Band die Strafe dafür bekommen! Die Suche nach den Filmrollen und die dabei gefundenen Erkenntnisse gestalten sich so spannend, dass es fast schon wie ein Krimi anmutet. Ich bin extrem gespannt, wie es nächstes Jahr in „Der Filmpalast“ weitergeht. 5 Sterne und meine unbedingte Leseempfehlung!

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