Leserstimmen zu
Das dritte Hotel

Laura van den Berg

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Claire hat vor kurzem bei einem Unfall ihren Mann Richard verloren. Richard war Professor der Filmwissenschaften, sein Spezialgebiet der Horrorfilm. Nun befindet sich Claire in Havanna, bei einem Filmfestival, das eigentlich Richard besuchen wollte. In der flirrenden Hitze Kubas beginnt Claire an ihrem Verstand zu zweifeln, als sie plötzlich Richard begegnet. Das dritte Hotel von Laura van den Berg ist ein Werk voller Rätsel und Fragen. Hypnotisch, wie in einem Traum zieht es einen in diese Geschichte über Trauer und Verlust. Was machte Claire in Havanna? Auf diese Frage hätte sie keine Antwort. „Sie könnte sagen: Ich bin nicht die, für die du mich hältst. Sie könnte sagen: Ich erlebe gerade eine Realitätsverschiebung.“ Sie will erledigen, was ihr Mann tun wollte, aber nicht mehr dazu kam. Sie ist ein „final girl“, die Überlebende einer Beziehung, die nicht mehr viel Nähe, dafür sehr viel Gewohnheit beherbergte. Claire war „in ihrem früheren Leben“, einer Zeit vor Havanna; Handlungsreisende, sehr viel unterwegs. In vielen Rückblenden erfahren wir von Claires Reisen, ihren eigentümlichen Vorlieben, aber auch ihrer Kindheit. Ihre Eltern betrieben Hotels, zunächst eines in Georgia, später ein zweites in Florida. Das Hotel, das Claire in Havanna bewohnte, nannte sie „das dritte Hotel, weil sie im Flughafentaxi die Adresse falsch angegeben hatte, im verkehrten Stadtteil abgesetzt worden war und in zwei Hotels nacheinander die Portiers beknien musste, ihr den Weg zu ihrem eigentlichen Ziel zu beschreiben.“ Claire bezeichnet sich selbst als unscheinbar. „..eine weiße Frau von mittlerem Aussehen und Alter in beigen Hosenanzügen und unmodischen Pumps….“ Wo ihre äußere Erscheinung unauffällig ist, hat sie ein sehr intensives und außergewöhnliches Innenleben. Ihre Fähigkeit nicht aufzufallen, macht sie sich zu Nutze, als sie den Mann zu verfolgen beginnt, den sie für Richard hält. Kann es sein, dass Richard noch lebt? Jagt sie einem Gespenst nach? Ist es ein Doppelgänger, Betrüger, ein Untoter? “Revolución Zombi” heißt der Film, den Richard bei dem kubanischen Filmfestival begutachten wollte. Hat sich gleich der Angst, die beim Horrorfilm erzeugt wird, eine bislang unsichtbare Realität aufgetan, in der Claire, Richard, sie beide, verschoben wurden? Je mehr Fragen sie sich stellt umso größer wird das Labyrinth der Möglichkeiten. Laura van den Berg spielt sehr gekonnt mit Realität, Fantasie und Einbildung, dass ich beim Lesen schon auch an Claires physischer Präsenz zu zweifeln begann, dass gar nicht Richard tot war, sondern Claire in einer Zwischenwelt existierte. „Das dritte Hotel“ ist unglaublich bildhaft, eine Hommage an den Film. Der Horrorfilm „lässt neue Wahrheiten wie Aale unter der Haut wimmeln“. Ein unangenehmes, unwirkliches Gefühl, das beim Lesen enormes Unbehagen bereitet. Für mich waren viele Szenen in Schwarzweiß zu sehen, verschwommen, schemenhaft, gleich einem Schwindelgefühl. Der junge Richard „liebte Sonnenaufgänge und Hitchcock…“ – merkbar. Nicht alle Fragen in diesem Buch werden beantwortet. Der Schluss fühlt sich an wie das Aufwachen nach einen Traum, den man beim nächsten Wimpernschlag schon nicht mehr beschreiben kann.

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