Leserstimmen zu
Liebeserklärungen

Wladimir Kaminer

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Man, man, man – was für eine Ausstrahlung! Welch Witz! Welch Charme! Wladimir Kaminer bezirzte mich. Als ich ihn letztes Jahr bei der lit.Love erleben durfte, schmolz ich dahin. Auf dem Lesefestival der Verlagsgruppe Random House las er aus seinen neuen Büchern: „Tolstois Bart und Tschechows Schuhe“ und „Liebeserklärungen“. Kaminer live ist ein Fest. Ein großer Spaß. Ihm zuhören und zusehen wie er aus den „Liebeserklärungen“ liest war ein kurzweiliger Rausch. Doch ohne seine Präsenz konnte mich das Buch nicht überzeugen. Die ausgeschmückten Anekdoten haben mit Liebeserklärungen nicht viel am Hut. Vielmehr sind es Beobachtungen und Gedanken zu mehr oder weniger peinlichen zwischenmenschlichen Beziehungen. Frauen wollen heiraten, Männer wollen Sex. Männer möchten Frauen glücklich machen, Frauen möchten Sex. Meist um Beziehungen zu retten. Das alles durchaus mit Schalk erzählt. Doch war es mir zu viel Altherrenwitz, zu viel Kneipenphilosophie. Die Geschichten sind kurz und laden ein, sie in kleinen Happen zu verzehren. Perfekt als Klolektüre. Was absolut nicht als Abwertung zu verstehen ist. Die Kategorie wertet das Buch für mich eher auf. Denn gute Bücher für unsere Toiletten-Bibliothek sind gar nicht so leicht zu finden. Ein paar Randbemerkungen über russisches Leben und osteuropäische Gesellschaft behalte ich vielleicht im Hinterkopf. Doch keine der „Liebeserklären“ wird mir in Erinnerung bleiben. Die meisten habe ich jetzt schon vergessen. Kaminers kleine Geschichtchen sind Lese-Quickies, die nicht weh tun. Deren Eindruck nach dem Händewaschen aber auch schnell verfliegt.

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Casanova war nie um eine verlegen, Cyrano de Bergerac legte die Messlatte für Geschriebenes sehr hoch und auch Goethe und Schiller beeindruckten mit ihnen: Die Liebeserklärungen. Von daher wurde es Zeit, dass auch Wladimir Kaminer mal über dieses innige Gefühl sinniert. Die Bücher werden zum Erlebnis, wenn der Autor sie selbst vorträgt. Sein russischer Akzent und der augenzwinkernde Humor entfachen immer Gelächter und wirken somit entspannend. Das Hörbuch enthält 16 Geschichten verteilt auf 140 Minute. Das sind zwar nur rund die Hälfte der Geschichten aus dem Buch, aber eben vom Autor selbst gelesen. In seiner aktuellen Sammlung von Kurzgeschichten dreht es sich häufig um die Suche nach dem richtigen Partner, zu denen er auch gleich noch einige Anekdoten weiß, aber auch um die Liebe zu einem Haustier oder zu einem Popstar. Kaminers Tochter ist mit ihrer Freundin zu einem Konzert gegangen, in dem die Freundin den Hut des Sängers auffing. Niemals wieder wollte sie ihn absetzen. Die Liebe erlischt allerdings sehr schnell, wenn man sich in der Apotheke ein Mittel gegen Läusebefall holen muss. In gewohnter Manier werden so mehr oder weniger glückliche Beziehungen geschildert. Jede hat etwas Bemerkenswertes an sich, an die man sich noch länger erinnert. Manche Charaktere sind schon bekannt wie die Schwiegermutter oder Schwägerin Raisa, andere kommen neu hinzu. Bei manchen ahnt man, dass man sie nie wiedertreffen wird. Die Geschichten sind gespickt mit Weisheiten und Lebenserfahrungen. „Der Klassenkampf fordert Entbehrungen vom Volk“, erklärt eine Mutter ihrer Tochter, die unglücklich in ihren viel älteren Professor verliebt ist. Dabei spielt der Autor mit den unterschiedlichen Mentalitäten. Die knappen, aber prägnanten Bezeichnungen tragen zur Auflockerung bei. Man hat sowohl die Beteiligten als auch die Situation sofort vor Augen. Manchmal braucht es keine weitere Ausführung als einen Schalkefan, dessen Mannschaft 4:0 gegen Dortmund verloren hat. Kaminers Vergleiche sind so treffend wie überraschend. Er schafft es, humorvoll über Stärken und Schwächen der Menschen zu plaudern, ohne sich über sie lustig zu machen. Auch seine eigene Verwandtschaft bleibt nicht verschont. Das Hörbuch ist als Ergänzung zum Buch wie die Sahne auf den Erdbeeren, oder das Glas Wodka nach dem Essen. Manche Ausführungen hören sich mit der passenden Stimmlage noch perfekter an als würde man sie selber lesen. Die romantischen Liebeserklärungen an das Leben und die Liebe hört man sich sowieso mehrmals an.

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