Leserstimmen zu
Schuldig

Kanae Minato

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Schuldig war mein zweites Buch der japanischen Autorin. Aber während mir "Geständnisse" wirklich sehr gut gefallen hat, habe ich ich bei "Schuldig" ein paar Kritikpunkte. Im großen und ganzen kann ich jetzt nach beenden des Buches sagen es war an sich eine gute Geschichte aber diese Geschichte würde auch ein paar Seite weniger vertragen, denn gefühlt 200 Seiten nimmt das Thema Kaffee ein. Kaffe war ein roter Faden in diesem Buch, nicht schlecht wenn es nicht sooo viel gewesen wäre. Dazu kommt noch, dass mir der Hauptprotagonist "Fukase" überhaupt nicht sympathisch war. Er versinkt oft in Selbstmitleid, lässt ab und zu auch Mißgunst anderen gegenüber aufblitzen. Aber durch ihn erfährt man auch was über die japanische Gesellschaft z.B. dass man sich so gibt wie von einem erwartet wird und sein wahres ich vielleicht auch zu oft zurückhält. Das Hauptthema "Schuld" wird hier ganz gut dargestellt. Ab wann ist man schuldig? Kann man schuldig sein ohne etwas getan zu haben? Man darf bei diesem Buch nicht allzu viel Spannung erwarten, diese tritt ab ca. der Hälfte des Buches zwar auf, flaut dann aber auch wieder ab.  Zum Schluss wirds nochmal interessant, denn man rätselt ja ständig mit was es mit dem Tod des Studienkollegen auf sich hat. Wer ist denn nun der Schuldige oder war es doch ein Unfall? und was ist in Wirklichkeit passiert? Die Auflösung fand ich sehr gut - aber diese Verrate ich euch jetzt natürlich nicht, sie hat super zu der Geschichte gepasst und lässt mich persönlich zufrieden zurück.

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Nach dem Bestseller „Geständnisse“ ist nun ein weiterer Roman der japanischen Autorin Kanae Minato auf Deutsch erschienen. Minato gilt in Japan als eine wichtige Vertreterin des „iyamisu“, einer Unterkategorie der Kriminalliteratur. Letztlich ist auch dieser Roman aber mehr als nur ein Krimi… „Schuldig“ ist ähnlich subtil gehalten wie der Erstling und man hat die schöne Möglichkeit in die Kultur und Lebensart Japans einzutauchen. Viele Ereignisse und Begebenheiten erscheinen einem europäischen Leser fremd, die Personen sind eher spröde und nicht unbedingt Sympathieträger. Fukase, der im Mittelpunkt steht, ist ein komplexbeladener, unscheinbarer Typ mit stark angeknackstem Ego, dessen grosse Leidenschaft der Kaffeezubereitung ausgiebig beschrieben wird – interessant, in einem Land, welches man eher mit Tee-Zeremonien in Verbindung bringt. Überhaupt dreht sich bei den meisten beschriebenen Szenen, Handlungen, Ereignissen alles immer irgendwie ums Essen, dies wohl auch zur Verdeutlichung diverser Charakterzüge der einzelnen Personen. Aber nicht nur das macht diesen Roman etwas eintönig, ja fast schon langweilig und nutzt sich irgendwann ab, im Vergleich zum äusserst subtilen und spannenden Romanerstling. Der Plot klingt zunächst interessant und man fragt sich ziemlich lange, worauf es wohl hinauslaufen wird. Ob man sich in einem Horror-Genre à la „Ich weiss, was Du letzten Sommer getan hast“ hinauslaufen wird? Das wäre aber zu einfach für Minato… Die Autorin wechselt zwischen den Personen und Zeitebenen, das macht das Lesevergnügen zwar etwas spannender, in die Pötte kommt dieser Krimi, Thriller, Roman oder welchem Genre auch immer man „Schuldig“ nun zuordnen möchte, leider nicht. Dennoch liest er sich zügig von Anfang bis zum Ende und überrascht natürlich. Es geht um das grosse Thema Schuld und Sühne, Vergebung und Moral und beleuchtet daraus verschiedene Perspektiven, in einer eher schnörkellosen und geradlinigen Sprache. Nicht so gut wie „Geständnisse“, aber trotzdem ein Pageturner.

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"Schuldig" ist - nach "Geständisse - der zweite Roman der japanischen Autorin Kanae Minato, Fünf Studenten, die eigentlich nur ein Wochenende in den Bergen verbringen wollen. Einer kann nicht direkt mit den anderen vieren aufbrechen, er reist mit der Bahn nach und kommt unverhofft früher an als erwartet. Ein Unwetter tobt. Einer muss ihn abholen. Der, der ihn abholen muss, kommt nie am Bahnhof an. Er verunglückt auf der kurvigen Strecke tödlich. Wer hat Schuld? Die vier Studienkollegen bewahren jahrelang ein Geheimnis.... Sie haben die Jahre danach nur noch sporadisch Kontakt zueinander. Doch dann tauchen anonyme Drohbriefe auf, Mordandrohungen. Sind diese ernst zu nehmen? Minato schildert die Geschichte aus Sicht des eher schüchternen Einzelgängers Kazuhisa Fukase. Die Geschichte beginnt ruhig und auch der Erzählfluss während des Aufrollens der Ereignisse und der Suche nach einer Wahrheit bleibt konstant ruhig. Dennoch ist sie fesselnd. Auch als Leser möchte man mehr herausfinden, mehr über die Personen erfahren und ob es einfach nur Schicksal, ein böser Unfall oder ob mehr dahinter steckt. Nach und nach lernt man die Einzelnen mehr kennen. Besonders natürlich Fukase, aber auch den toten Hirosawa. Fukase begibt sich auf Spurensuche, erfährt dabei auch selbst mehr über seinen toten Freund und dessen Vergangenheit. Schuld- Trauer- aber auch das nicht aussprechen von Wahrheiten, das Vertuschen, das Verdrängen und auch das alle erst aktiv werden, als es an ihren eigenen "Kragen" geht, sind zentrale Themen. Minato zeigt uns gekonnt die Schwächen ihrer Protagonisten. Man fühlt sich beim Lesen hineinversetzt in Fukase, man begibt sich mit ihm auf die Suche. Man möchte ihn das ein oder andere mal schütteln. Das ruhige Fahrwasser der Erzählung, an das man sich gewöhnen konnte, da Minato interessant zu erzählen vermag, endet mit - ja, überraschenden Wendungen am Ende, die den Leser auch nach dem Zuklappen über Tragik und Schuld weiter sinnieren lassen. Auch wenn meines Erachtens "Geständnisse" ihr bisher bestes Buch war, kann ich auch Minatos neuesten Roman für alle, die subtile Erzählungen mögen, sehr gerne weiter empfehlen.

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“Kazuhisa Fukase ist ein Mörder!” (Buchbeginn) Fukase ist dezent schockiert, als er diesen Satz liest. Er steht auf einem Blatt Papier, welches er von seiner Freundin überreicht bekommt. Da sie sich keinen Reim daraus machen konnte, hat sie ihn direkt kontaktiert und damit ungewollt einen Strudel der Zweifel, Ängste und Erinnerungen in dem jungen Mann in Gang gesetzt. Er weiß nämlich ganz genau, auf wen sich dieser Satz bezieht. Es ist tatsächlich jemand gestorben. Vor drei Jahren. Nur war er nicht der Mörder. Was will der Schreiberling also damit bezwecken? Fukase lässt die Beschuldigung keine Ruhe. Gerade war er an einem Punkt angekommen, wo er sich getraut hat, auf Menschen zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Auch zu Frauen. Und nun ist da diese Mauer. Also fängt er an zu recherchieren. Knüpft alte Kontakte neu und besucht unter anderem die Eltern des Verstorbenen. Schließlich war dieser ein Studienkollege von ihm gewesen. Ein Freund. “Ich machte einen Kaffee. Damit kann ich uns etwas Gutes tun, Das Allerbeste, was ich vermag. Der einzige Lichtblick in der finsteren Welt der Schuldgefühle.” (S.63) Was einem sofort auffällt, ist die Liebe zu Kaffee. Fukase hat ein Faible für besonders hochwertige und aromatische Bohnen. Das macht ihn in seinem Bekanntenkreis äußerst beliebt und so mancher Teetrinker wurde von seinem Kaffee verführt. Das geht soweit, dass man als Leser ebenfalls das schwarze Getränk von ihm haben möchte und bereits die gemahlenen Bohnen riechen kann, wenn man seinen Handgriffen folgt. Gleiches gilt für Buchweizennudeln und Curry und und. Die Liebe zu Speis und Trank ist deutlich spürbar. Im harten Kontras dazu stehen die Anschuldigungen, die kontinuierlich an dem Gewissen von Fukase nagen. Er will unbedingt wissen, wer ihm so etwas an den Kopf wirft und warum. Verständlich, man möchte schließlich nicht grundlos als Mörder hingestellt werden. Oder ist er etwa doch nicht so unschuldig, wie er einen glauben lässt? Dass er ein Geheimnis hat, was bisher niemand gelüftet hat? “Fukase sprang ruckartig aus und schüttelte energisch den Kopf. Er ging in die Küche, nahm eine Plastikflasche Wasser aus dem Kühlschrank und trank direkt daraus. Dann klatschte er sich im Spülbecken Wasser ins Gesicht, um die absurden Gedanken zu vertreiben.” (S.167) Im Vergleich zu “Geständnisse” sind die Perspektivwechsel nicht sonderlich extrem. Man wechselt lediglich zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her. Der besondere Touch ist nur, dass Fukase in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive berichtet und man somit eine besondere Beziehung zu ihm aufbaut. Man überlegt ständig ob man ihm glauben kann oder nicht. Was stetig für kleine Gefühlschwankungen sorgt. Ansonsten bleibt die Geschichte recht ruhig. Was sicher den ein oder anderen verschrecken mag. Das Hauptaugenmerk liegt wirklich auf der Entwicklung und den Gedanken von Fukase. Erst das Ende. Das haut nochmal ordentlich rein. Dieser Plottwist ist der Autorin perfekt gelungen und hat dafür gesorgt, dass das Buch nicht als Schwächling hinter Geständnisse zurückbleibt. Hinzukommt der Schreibstil von Kanae Minato, den ich einfach wunderbar finde. Daher hoffe ich auch, dass bald noch mehr Werke von ihr nach Deutschland kommen. Abschließend kann ich das Buch jedem Liebhaber japanischer Literatur empfehlen. Wer den Stil der Japaner mag, wird auch mit diesem Buch glücklich werden. Wer allerdings Spannung und spektakuläre Wendungen erwartet, der wird hier nicht zufrieden sein.

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Nachdem “Geständnisse” von Kanae Minto so beliebt war, wurde ich schon hellhörig, als ihr neues Buch “Schuldig” nun auf den Markt kam. Die Cover sind beide sehr einnehmend und heben sich wirklich von den vielen anderen Cover in der Krimi- und Thriller-Ecke ab. Der Inhalt lockte mich auch an. Denn es klingt sehr nach “Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast”. Ich erahnte dunkle Geheimnisse und hinterlistige Intrigen. Ich erwartete, gefesselt zu sein von der Geschichte und ich hoffte, dass ich auch über den Schauplatz Japan mehr lernen würde. Tja, leider erfüllten sich meine Erwartungen nicht. Asiatische Literatur und ich pflegen eine Hassliebe. Nur wenige Romane können mich wirklich überzeugen, meist gefällt mir dieses seichte und ungreifbare Flair einfach nicht. Und das war leider auch bei “Schuldig” der Fall. Die Erzählung war langweilig. Wirklich. Schon die ersten Seiten ödeten mich regelrecht an. Dabei könnte es so spannend sein – das Potential ist da! Es gab einen Tod, wo es unklar ist, ob es ein Mord hätte sein können. Es gab nur die vier Freunde, die dabei waren. Und jemand bezeichnet sie nun als Killer. Aber die Autorin verbrachte mehr Zeit damit, die Charaktere intensiv darzustellen. Vor allem unsere Hauptperson Fukase und den verstorbenen Hirosawa. Geheimnisse werden aufgedeckt, wobei die Geheimnisse mich nur müde gähnen ließen. Für japanische Verhältnisse sind es vielleicht erschreckende Wendungen, für mich war es aber tatsächlich ziemlich mau. Es geht viel um Fukases Unsicherheiten und wie er zu anderen steht. Ihn konnte ich einfach nicht richtig greifen – ich baute keine Beziehung zu ihm auf, er war mir nicht sympathisch. Das hilft natürlich auch nicht beim Lesen. Wer einen Thriller erwartet, ist hier falsch. Es geht um Beziehungen und um das Leben. Dass jemand gestorben ist, ist zwar der Aufhänger der Geschichte, aber nicht das, worüber Kanae Minato schreibt. Da passt die sehr späte Auflösung der Geschichte auch ins Bild. Diese gefiel mir tatsächlich ziemlich gut, weil ich sie überhaupt nicht erwartet hätte. Allerdings war sie leider auch etwas weit hergeholt und simpel. Obwohl mich “Schuldig” nicht überzeugen konnte, liegt “Geständnisse” weiterhin auf meiner Wunschliste. Der Vorgänger soll um einiges spannender und intensiver sein. Also genau das, was ich mir wünsche. Fazit: Für mich leider eine Enttäuschung. Ich erwartete Spannung, überraschende Wendungen und sympathische Charaktere. Leider war die gesamte Geschichte eher langweilig und trat gefühlt auf der Stelle. Die Auflösung kam zu spät und obwohl sie mir gefiel, rettet es leider nicht meinen Gesamteindruck von dem Roman.

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Fukase ist mehr oder weniger ein Einzelgänger. Sein Leben lang war er eher unscheinbar. Nur wenn er Kaffee kocht bekommt er Aufmerksamkeit. Auch als er mit seinem Freund Hirosawa zusammen war, fühlte er sich beachtet. Doch was ist damals in der Nacht passiert, als Hirosawa einen Autounfall hatte? Das Cover ist gut, wobei auf den ersten Blick kann man den Zusammenhang nicht so gut verstehen. Aber nach und nach erklärt sich die Wahl dieses Covers. Grundsätzlich ist das Buch sehr gut geschrieben, denn die Autorin hat einen Stil der einen fesselt und man fragt sich einfach die ganze Zeit, was hat Fukase getan? Bzw. was ist genau in dieser Nacht passiert, als Fukase mit Hirosawa und drei anderen Freunden einen Ausflug gemacht hat? Es bleibt ziemlich ungewiss, obwohl man mit einigen Rückblicken doch etwas erfährt, aber es wird nie zu viel verraten. Man tappt lange Zeit einfach im Dunkeln. Denn genau hier kommt man zu Fukases furchtbarer Eigenschaft, nie alles direkt heraus zu sagen. Klar, das ist in Japan halt so, aber das hat mich schon sehr genervt. Aber nicht nur Fukase hält mit vielem hinter dem Berg, auch einige der anderen Charaktere halten lieber den Mund bevor sie noch jemandem vor dem Kopf stoßen könnten. Dazu kommt, dass Fukase ziemlich häufig in Selbstmitleid badet und sehr oft betont, wie einsam er doch ist und wie gerne er mehr Zeit mit seinen Freunden verbringen würde. Aber er ist das selber schuld, denn wenn man nicht mit den anderen redet, kann der andere auch nicht wissen was in einem vorgeht. Und so wird schnell klar, wie wenig Fukase auch über seinen angeblich besten Freund Hirosawa wusste. Um den sich vieles im Buch dreht, denn er hatte diesen tödlichen Unfall vor drei Jahren und jetzt erhalten Fukase und die drei anderen anonyme Briefe, dass sie Mörder seien. Doch was ist wirklich passiert damals? Kann der schüchterne, zurückhaltende Fukase wirklich ein Mörder sein? Oder gilt die Anschuldigung eher der Unterlassung von Hilfe? Nach und nach erfährt man dann was damals passiert war und wer schuldig ist. Aber dann endet das Buch noch nicht, denn es gilt ja noch herauszufinden, wer diese Briefe an die vier geschickt hat. So begibt sich Fukase auf eine Suche und findet immer mehr heraus, wie wenig er über Hirosawa wusste. Mit wem er befreundet war und was er in seiner Freizeit gemacht hat. Aber das passiert einfach, wenn man nicht nachfragt. Fukase tat mir zunächst leid, weil er in diese Außenseiterrolle gerutscht ist, aber so nach und nach habe ich gemerkt, dass er diese Rolle scheinbar selbst gewählt hat und kaum etwas unternimmt um da raus zu kommen. Im Grunde ist die Geschichte recht geradlinig und man kann schon vieles im Vorfeld erahnen. Mir hat so ein bisschen das geheimnisvolle gefehlt, was Kanae Minato in Geständnisse zum Beispiel so wunderbar gelungen ist. Allerdings muss ich zugeben, dass mich das Ende wieder total überrascht hat und so wurde noch einiges wieder gut gemacht. Mein Fazit: Schuldig ist nicht ganz so gut wie Geständnisse finde ich, aber trotzdem wird man hier gut unterhalten und wenn man bis zum Ende durchhält, wird man da mit einer richtig guten Lösung überrascht. Ich hatte damit gar nicht gerechnet. Ich kann das Buch empfehlen, wenn man einen etwas jammernden Protagonisten aushalten kann.

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Kanae Minato hat mich mit ihrem ersten in Deutschland erschienen Buch „Geständnisse“ begeistert. Besonders fasziniert hat mich die ungewöhnliche Erzählweise, die unterschiedliche Texttypen so zusammenfügt, dass daraus aus verschiedenen Perspektiven auf ein und denselben Vorfall geblickt wird und so am Ende die Wahrheit ans Licht kommt. Insofern hatte ich recht hohe Erwartungen, als ich mich ihrem zweiten Buch „Schuldig“ widmete. Auch in diesem steht der Tod eines Menschen in Vordergrund. Hirosawa verunglückt tödlich mit dem Auto, als er auf dem Weg ist, einen Freund vom Bahnhof abzuholen. Das allein ist tragisch genug, jedoch werden seine Freunde, die mit ihm ein langes Wochenende auf einer Berghütte verbringen wollten, von Schuldgefühlen heimgesucht, weil sie Hirosawa losgeschickt haben, obwohl er zuvor Alkohol getrunken hatte. Als sie Jahre später in anonymen Briefen des Mordes bezichtigt werden, macht sich Fukase auf, um die Wahrheit hinter dem Unfall herauszufinden. Die Figur des Fukase ist für westliche Gemüter nur sehr schwer nachzuvollziehen. Er verkörpert gesellschaftliche Umstände Japans, die für uns fremd sind, weil er mit nur geringem Selbstbewusstsein gesegnet wurde und sich allein deswegen innerhalb seines Umfeldes, das auf Leistung und Status getrimmt ist, minderwertig fühlt. In seinem Empfinden ist er es kaum wert, gesehen zu werden, geschweige denn Freundschaft oder Liebe zu verdienen. Diese Gefühle ziehen sich durch die gesamte Handlung, da Fukase unser Erzähler ist, und das andauernde Nachdenken über seine Minderwertigkeitskomplexe ist kaum zu ertragen. Allein das macht „Schuldig“ zu einer eher anstrengenden Lektüre. Hinzu kommt, dass die Aufklärung des Falls vom sozialen Geflechts Hirosawas geprägt ist. Wer - wie ich - einen mysteriösen Komplott erwartet, wird am Ende vielleicht enttäuscht sein. Dennoch spiegelt dieser Roman erneut für mich faszinierende Besonderheiten japanischen Zusammenlebens wieder und nicht zuletzt eine große Liebe für Kaffee - und Honig. Fazit: Die gesellschaftlichen Gepflogenheiten sind gut eingefangen, jedoch für uns schwer nachzuvollziehen. Sich in Fukases Figur hineinzuversetzen, erweist sich als schier unmöglich. Der Spannungsaufbau wird von diesen beiden Faktoren dermaßen überlagert, dass der Roman streckenweise eher zähflüssig wie Honig ist. Aber die Lektüre tut auch nicht weh und wer sich für Japan interessiert, wird eine weitere Facette hinzufügen können. Für mich bleibt es letztlich bei drei Sternen.

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Vier Freunde, ein tragisches Unglück und die Frage nach der Schuld. Fünf Studenten aus Tokio wollen in einem abgelegenen Dorf zusammen ein paar Ferientage verbringen. Einer von ihnen, Hirosawa, kommt bei einem Autounfall auf einer kurvenreichen Bergstraße ums Leben. Drei Jahre später holt das schreckliche Ereignis die ehemaligen Studienkollegen ein. Sie erhalten anonyme Briefe, in denen sie des Mordes an ihrem Freund beschuldigt werden. Raffiniert erzählt die japanische Erfolgsautorin Kanae Minato von den zahlreichen Verkettungen, die zu dem tödlichen Unfall geführt haben, lockt den Leser gekonnt auf falsche Fährten, bis schließlich die tragische Wahrheit ans Licht kommt... (Klappentext) 🐝🐝🐝🐝🐝 "FUKASE KAZUHISA IST EIN MÖRDER [...] Diese Worte kommen nicht unerwartet. In diesem einen Satz verdichtet sich alles: meine Kommilitonen, das Alumnitreffen, West-Pop, Regen, Kaffee, Honig..." (S. 59) Erzählt wird aus der Sicht von Fukase, einem kleinen Angestellten in einer Firma für Bürobedarf. Fukase war immer schon in gewisser Weise Außenseiter und daran auch nicht ganz unschuldig. In seiner Studienzeit lernte er Hirosawa kennen und dieser war sein bester und auch einziger Freund, bis er bei einem Wochenendausflug tödlich verunglückte. Doch war es wirklich nur ein tragischer Unfall oder hatte hier einer der teilnehmenden Studenten, inklusive Fukase, seine Finger im Spiel? Diese Frage zieht sich als roter Faden durch das gesamte Buch, ebenso die Außenseiterrolle von Fukase, sein ständiges Gejammere, aber auch Kaffee, Honig und Essen. Fukase ist nicht glücklich und war es auch nie. Er ist eher unscheinbar und sehr unsicher, außer wenn er seinen Kollegen auf seine spezielle Art Kaffee brüht. Kaffee war schon immer seine Leidenschaft und der einzige Weg Aufmerksamkeit von anderen zu bekommen. In diesen Kaffee-Momenten drehte sich dann endlich alles um ihn und er genießt es. Doch plötzlich wendet sich das Blatt. Fukase lernt ein Mädchen kennen, es entwickelt sich eine Beziehung und alles scheint hervorragend zu laufen ... bis seine Freundin Mihoko einen Brief erhält und in diesem steht nur ein Satz: "Fukase Kazuhisa ist ein Mörder." Die Vergangenheit holt Fukase ein und somit auch die Schuldgefühle, welche er jahrelang verdrängte. Schuldgefühle, die mit diesem Wochenendausflug und dem Tod seines besten Freundes begannen. "Ich mache einen Kaffee. Damit kann ich uns etwas Gutes tun. Das Allerbeste, was ich vermag. Der einzige Lichtblick in der finsteren Welt der Schuldgefühle." (S. 63) Man darf hier keineswegs einen Roman voller Spannung erwarten. Die Story schleicht regelrecht dahin. Vor allem Kaffee und Essen nehmen sehr... sehr...viel Raum ein. Ja, auch der Kaffee ist hier ein roter Faden. Als Kaffeeliebhaberin störte mich das jedoch keineswegs. Mich umgab während des Lesens immer eine wohlige Kaffee-Atmosphäre und ich fühlte mich, vor allem Anfangs, in der Story wohl und heimelig, roch den Duft von frisch geröstetem Kaffee und habe sicher noch nie so viel Kaffee getrunken wie während des Lesens von "Schuldig". Die Story beginnt damit, dass Fukase von seinem Job, seinem Leben und vor allem von seiner Liebe zum Kaffee erzählt. Dieses Buch sollte man auch nicht unbedingt mit leerem Magen lesen, denn auch das Essen ist hier ein wichtiges Thema. Mir knurrte permanent der Magen und genauso oft lief mir das Wasser im Mund zusammen. Ich esse normalerweise maximal 2-3 Mal im Jahr asiatisch, während ich "Schuldig" gelesen habe, hatte ich permanent Lust auf japanisches Essen und ich gab nur zu oft dem Drang danach nach. Dies ist auch ein Grund, weshalb es zu diesem Buch auf meinem Blog auch gleich zwei "Rezepte zum Buch" gibt. Doch auch wenn dies durchaus schön zu lesen war, bremste dieser Kaffee und all dieses Essen die Story. Ich schätze ohne diese beiden Elemente wäre das Buch nur halb so dich, sprich - es hätte dann wohl nur 150 Seiten. Es war einfach zu viel des Guten. Zudem war mir auch Fukase nicht wirklich sympathisch. Selbstmitleid und Jammerei am laufenden Band. Zwischendurch blitzen auch immer wieder Neid und Mißgunst gegenüber anderen auf, während er sich für andere jedoch überhaupt nicht interessiert. Ich hätte ihn am liebsten mehrmals durchschütteln wollen, ihm das Curry in das Gesicht klatschen oder ihn mit Soba-Nudeln erwürgen mögen. Er nervte mich von Anfang bis Ende. Doch auch wenn er dies tat, so kann man gleichzeitig an ihm erkennen wie die japanische Gesellschaft und Kultur funktioniert und was sie aus einem macht, wenn man nicht in dieses Bild passt. Wenn man meint man MUSS so sein, wie es erwünscht wird, um in das Gesamtbild zu passen es jedoch nicht schafft diesem Bild zu entsprechen, während alle anderen perfekt sind. "Die anderen vier hatte etwas verbunden, bei dem er außen vor geblieben war. Beinahe hätte sich Fukase gewünscht, als Hirosawas bester Freund verdächtigt zu werden, die anonymen Briefe geschrieben zu haben..." (S. 156) Die Story selbst ist durchaus interessant und lässt durch Fukase tief in die japanische Gesellschaft blicken, welche schon Kindern ein festes Bild einprägt wie man zu sein hat. Die Story regt auch zum Spekulieren an - was ist nun wirklich an diesem Wochenende passiert und ich hatte im Verlauf wirklich jeden der 4 Studenten im Visier. Die Auflösung selbst war dann wieder so gar nicht mein Fall, während andere LeserInnen gerade davon sehr begeistert sind. Mir entlockte das Ende jedoch nur ein gelangweiltes "Aha" mit einem enttäuschen Seufzer hinterher. Vom Schreibstil der Autorin bin ich aber nach wie vor begeistert und auch der eher ruhige Erzählstil einer Story, die so viel Message zwischen den Zeilen enthält gefiel mir. Leider jedoch zu wenig für mich, um am Ende begeistert das Buch zuzuschlagen. Fazit: Nachdem ich von Kanae Minato "Geständnisse" gelesen habe und mich dies absolut begeistert zurück ließ, hatte ich hohe Erwartungen an "Schuldig"....vielleicht waren diese jedoch zu hoch. "Schuldig" ist ein Roman über Freundschaft, Trauer, das Leben mit Schuld und vor allem über die japanisches Gesellschaft. Ein philosophischer und typisch japanischer Roman, der mich trotzdem nicht ganz von sich überzeugen konnte. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: © Pink Anemone (mit Leseprobe, Autoren-Info und zwei Rezepten zum Buch)

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