Leserstimmen zu
Kleines Zuhause ─ große Freiheit

Julia Seidl

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Die Journalistin Julia Seidl hat über Jahre hinweg Menschen besucht, die sich, aus verschiedensten Motiven für ein minimalistisches Lebenskonzept entschieden haben. In vielen, sehr unterschiedlichen Gesprächen hat sie die Geschichten und Beweggründe gehört, die diese Menschen dazu bewogen haben, auf Raum und meistens auch auf Komfort zu verzichten. Sie selbst, alleinerziehende Mutter von zwei fast erwachsenen Töchtern hat dadurch auch ihre eigenen Intentionen und Wünsche hinterfragt. Dies endete mit einem sehr interessanten Selbstversuch in einem Tiny House in der Nähe des Tegernsees. Was mir so besonders gefallen hat an diesem Buch, war die stets einfühlsame Art der Autorin, die nie den Fehler gemacht hat, die Lebensmodelle zu verklären und ins naive und idealistische ab zu triften. Sie betrachtet sie, ohne zu werten und lässt so dem Leser Raum für eigene Überlegungen. Ein bisschen war ich erinnert an "Gernstl unterwegs", dessen Reisen ich mir immer gerne ansehe. Ausgezeichnet und sehr realistisch und ehrlich auch die Fotografien von Stefan Rosenboom, die die Geschichten eindrucksvoll ergänzen.

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Ein Buch, das mich Kapitel für Kapitel aus dem Alltag geholt hat. Die Autorin schreibt tiegründig und detailliert über 10 Menschen, die ihren Weg zum minimalistischen Leben gefunden haben - mal mehr, mal weniger freiwillig, mal langfristig und mal vorübergehend. Dafür hat sie die Menschen (meist häufiger) besucht und beschreibt ihre Geschichten, Gedanken, Hoffnungen und Sorgen. Nebenbei kann man etwas über die Geschichte von Tiny Houses erfahren, darüber, wie schwierig es ist, dafür in Deutschland eine Genehmigung zu bekommen, über Modul-Häuser und den ganzheitlichen Ansatz der Permakultur sowie die Nachteile des Wohnens in kleinen Häusern. Beeindruckt haben mich vor allem die Geschichte von Bettina, die in einem Schiffscontainer wohnt und ganz alleine ein kleines Häuserdorf gebaut hat, das sie vermietet sowie die Geschichte von den Studentinnen Corinna und Theresa, die unfreiwillig in einem Mini-Wohnwürfel untergekommen sind. Zu den einzelnen Portraits gibt es jeweils beeindruckende Schwarz-weiß-Bilder.

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Seit einigen Jahren kann man immer wieder und in letzter Zeit sehr verstärkt von Tiny Houses, Minimalismus und Selbstversorgung lesen. Es werden oft die Vorzüge, jedoch weniger die Nachteile beschrieben. Teilweise mit stark verklärtem Blick und wenig Bezug zur Realität. Das Buch von Julia Seidl hebt sich davon ab. Sie stellt 10 verschiedene Menschen und deren Wohnsituation vor. Die wilde Romantik sucht man hier tatsächlich vergebens, dafür gibt es einen guten Blick hinter die Kulissen. Die Kälte in der kleinen unbeheizbaren Hütte, der Mäusedreck in der Scheune, die Akrobatikkünste im Wohnwürfel, der Verzicht auf ein eigenes Bad und der Hunger, wenn kein Geld mehr vorhanden ist. Die zehn Beispiele haben ihren Lebensstil selbst gewählt und worden nicht gezwungen auf so vieles zu verzichten. Für sie stellt es auch keinen Verzicht, sondern eine Erhöhung an Freizeit, Freiheit und Selbstbestimmung dar. Die Autorin erklärt innerhalb der Geschichten auch die typischen Schlagwörter, deren Entstehung bzw. deren Ursprung und streut auch ab und an ein paar Zahlen zur Umwelt, Nachhaltigkeit und der Wohnsituation in Deutschland ein. Es waren interessante und kurzweilige Geschichten, die man mal mehr und mal weniger nachvollziehen kann. Bei manchen Wohnmodellen fühlte man sich angesprochen und kam ins Überlegen, andere konnte ich direkt für mich ausschließen. Aber am Ende des Buches bleibt der Gedanke im Kopf, einfach mal zu reflektieren, wie man lebt und ob man nicht doch etwas zugunsten der Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit ändern kann. Und nein, man muss deswegen nicht direkt in einen Wohnwagen ziehen und nur noch Löwenzahn essen.

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