Leserstimmen zu
Die Isartürkin

Deniz Aykanat

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Wenn die Vorfahren aus verschiedenen Ländern stammen und die Kindheit in den jeweiligen Ländern stattfindet, zu welchem gehört man? Für Deniz Aykanat ist es eindeutig: In beide Länder! Und das zeigt sie mit ihrer Kolumnenreihe und ihrem Buch. Beide Länder und Kulturen haben ihre positiven und negativen Seiten. Deutlich wird, dass wir alle Menschen sind und als diese respektiert werden sollten, was leider nicht immer der Fall – auch nicht in der eigenen Verwandtschaft. Die sprachliche Ebene ist locker leicht, wodurch der Humor und Witz im Leben ihrer Familie verdeutlicht wird. Dennoch zeigt er auch ihre Zugehörigkeit zum Journalismus. Diese Zugehörigkeit bzw. der Grundgedanke einer Kolumne spiegelt sich auch im Aufbau wieder. Jedes Kapitel für sich kann einzeln betrachet werden, bestimmte Merkmale und Situationen werden immer wieder kurz erwähnt a’la „wissen Sie noch?“ bzw. „erinnern Sie sich?“ wie zum Beispiel, dass der Vater zwar fließend und relativ akzentfrei hochdeutsch spricht, aber alles „verdingstet“ oder die Erinnerung an die strengkatholische Familie mütterlicherseits, die ist schlimmer fand, dass ein Protestant in die Familie geheiratet hat als ein Muslim. Für mich ist das ein Buch für zwischendurch, für den Sommer und den Urlaub – zu der Zeit, wo man was leichtes braucht. Gelacht habe ich viel, aber auch nachgedacht. Denn einige Geschichten und Vorkomnisse sind so absurd lustig, aber leider Wirklichkeit, wodurch es eher traurig wird, wie grausam unsere Welt manchmal ist. Der Vermerk auf die immergleichen Situationen/Merkmale war mir jedoch zu oft, was den Gesamteindruck schmälert.

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Die SZ-Journalistin Deniz Aykanat hat aus ihrer Kolumne „Die Isartürkin“ ein Buch gemacht. Liebevoll, lustig und ein bisschen nostalgisch erzählt sie von ihrer Kindheit in München und Marmaris, wie es ist, als weißes, blondes Mädchen in der Türkei zu leben und als Frau mit türkischem Namen in Deutschland auf Wohnungssuche zu sein. Sie beschreibt die kulturellen Unterschiede zwischen Bayern, Deutschland und der Türkei und vor allem die unendlich vielen Ähnlichkeiten. Mit dem Buch liefert die Autorin außerdem eine Liebeserklärung an die türkische Sprache, die mit ihren blumigen Ausdrücken und bildhaften Sprichwörtern zu unausweichlich brüllend komischen Situationen führt, wenn sie eins zu eins ins Deutsche übersetzt werden. So wechseln auch die Kapitelüberschriften zwischen bayrischen und türkischen Sprichwörtern, und wärmen damit ein bisschen das Herz. Ein wunderbares Buch für alle, die mehr über Türk*innen in Bayern und Bayer*innen in der Türkei erfahren wollen. Für mich als im fernen Berlin lebende gebürtige Münchnerin waren die Erzählungen ein tolles Mittel gegen die Sehnsucht nach Butterbrezn, Obazda und der Verwendung des Wortes „Schmarrn“, gleichzeitig konnte ich viel Neues dazulernen (zum Beispiel, dass das Wort meiner Jugend „Oida lan“ ein bayrisch-türkischer Fusionsausdruck ist). Es ist natürlich keine tiefgründige Abhandlung über Islamphobie oder Rassismus in Deutschland, die Themen werden aber durchaus angesprochen und sind dank des leichten Schreibstils und des gemächlichen Tempos auch für die zugänglich, die sich sonst wenig damit befassen. Aufklärungsarbeit ist aber auch nicht unbedingt Ziel der Geschichten. Es ist in erster Linie ein schönes, unterhaltsames Buch, das Lust macht auf Meer, Olivenöl und Wiesn.

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Zum Inhalt: Was passiert, wenn ein Mann der Enge einer zentralanatolischen Beamtenstadt, und eine Frau der Enge der zentralkatholischen Oberpfalz entflieht, und sie sich im Deutschland der 70er Jahre über den Weg laufen? Dann entsteht eine multikulturelle Liebe, aus der eine Isartürkin wie die Journalistin Deniz Aykanat hervorgeht. Ihre Kindheit verlief zwischen Marmaris und Bayern und zwischen deutsch, türkisch und der Dingssprache ihres Vaters, worüber sie uns mit Witz und Begeisterung erzählt und uns das Beste aus beiden Kulturen aufzeigt. Meine Lesererfahrung: Ich kannte die SZ-Kolumne der Autorin, worauf dieses Buch basiert, nicht, als ich mit dem Lesen begann. Deniz Aykanat schreibt witzig und voller Selbstironie über ihre Erlebnisse als Tochter eines Türken und einer Deutschen, die mir als Deutschtürkin viele amüsante Lesemomente beschert und eigene ähnliche oder sogar haargenau gleiche Erinnerungen in mir wachgerufen haben.  Sei es die Qual mit dem ewig falsch ausgesprochenen Namen, die Fragen um die eigene Identität und Zugehörigkeit oder einfach die Sommerurlaube in der Türkei, die immer mit einer tagelangen Fahrt im Auto mit rauchenden Eltern begonnen haben, ich hatte viele amüsante Lesemomente, die mich in meine eigene Kindheit getragen haben. Besonders lustig fand ich die Lausbubgeschichten über den Bruder der Autorin und die schönen Kindheitserinnerungen in Marmaris sowie die sprachliche Kreativität des Vaters alles mit nur einem "Dingswort" umschreiben zu können. Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich an einigen Stellen laut aufgelacht habe. Es war definitiv eine gute Idee, die Beiträge der SZ-Kolumne in einem Buch zusammen zu fassen. Ebenfalls war es eine gute Idee, überhaupt über die Kindheit als ein deutschtürkischer Mischling zu schreiben und uns an den Anekdoten voller garantierter Lacher teilhaben zu lassen.  Fazit: Aus der höchst amüsanten Kolumne der Journalistin ist ein absolut tolles und lesenswertes Buch entstanden, das einerseits zum Nachdenken über Vorurteile gegenüber Fremdartigem und andererseits zur Selbstkritik der eigenen Kultur betreffend anregt. 

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