Leserstimmen zu
Die Schwestern von Marzahn

Christiane Tramitz

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Fabian Krüger hat alles verloren. Seinen Sohn, seinen Job, seine Frau. Mit dem Untergang der DDR ging sein Leben zugrunde. Seitdem sitzt er in den Plattenbauten von Marzahn. Versäuft sein weniges Geld, hadert mit seinem Schicksal. Bis er eines Tages die Töchter einer Nachbarin kennen lernt, die sich um den Haushalt alleine kümmern müssen. Aus anfänglicher Ablehnung wird eine seltsame Freundschaft. Marzahn, kein Ort, der berühmt für wohlbehütet aufwachsende Kinder und niedrige Arbeitslosenzahlen ist. Wer hier lebt, ist ganz unten angekommen – und doch hat man Stolz, manche haben eine Beschäftigung, der sie nachgehen und zwischen all der gegenseitigen Ablehnung zwischen den Menschen, die hier leben, gibt es Bekanntschaften und zarte Freundschaften. Für die meisten ist der Weg zur Tafel wie ein Spießrutenlauf; wer zum ersten Mal dorthin geht, weint, schämt sich, hofft, nicht erkannt zu werden. So ergeht es auch Fabian Krüger. Der Mann hat außer seinen Saufkumpanen nichts mehr, woran sein Herz hängt. Sein Sohn starb vor vielen Jahren, er verlor seinen Job, als die Grenze geöffnet und alles durch moderne Technik ersetzt wurde. Dann verließ ihn seine Frau, die Liebe seines Lebens. Krüger wohnt alleine in der Platte, seit über 30 Jahren in der gleichen Wohnung, die einmal so teuer und wertvoll gewesen ist und nun verwaist nur noch einen einzigen Bewohner beheimatet. Er ist verbittert, was vollkommen verständlich ist, und schichtet die Münzen auf kleine Türmchen auf, so viel hat er noch, so viel kann er in Bier investieren. Doch dann sitzen eines Tages die zwei Mädchen aus dem achten Stock auf der Treppe, morgens, mittags und abends und Krüger hat tief in sich ein Herz, Mitgefühl, Empathie. Die Mutter ist ins Krankenhaus gekommen, die Mädchen haben keinen Schlüssel, Krüger öffnet die Wohnungstür. Der Beginn einer Freundschaft. Sie lassen Drachen fliegen, sie lernen und spielen zusammen, sie kochen. Langsam heilen jahrzehntealte Wunden – und doch ist keine Freude von Dauer. Gleichzeitig gibt es zwei Ordensschwestern, die sich in Marzahn um die hungernden Seelen kümmern, auch um Krügers Frau, die nach langer Zeit, nach vielen Tränen, Schreien, Wut und Enttäuschung endlich ihre Geschichte erzählen kann. Die Geschichte ihrer Ehe, ihres Sohnes, ihres Lebens davor und danach. Die Schwestern von Marzahn ist ein empathisches Werk, das Hoffnungslosigkeit spürbar werden lässt. Perspektiven gibt es keine, zu eingefahren ist man im Trott aus Geld zählen und über die Runden kommen, dass man den Blick nicht heben kann – wohin auch? Gleichzeitig ist der eigene Kummer zu groß, die Enttäuschungen und Wunden sind tief, so dass man nicht auf andere achtet, weil man es einfach nicht kann – und es ist immer besser, sich nicht einzumischen. Wie es an anderer Stelle heißt: „Marzahn ist überall„, das gilt auch hier, denn die Botschaft ist klar: Aufeinander zu achten, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, damit Wunden heilen können – und manches gar nicht erst passiert. Statt die Nase zu rümpfen und wegzuschauen, ist die (Lebens-)Geschichte hinter den Menschen ausschlaggebend. Das Buch ist flüssig geschrieben und nimmt den Leser mit nach Marzahn, in die trostlose Siedlung der Hoffnungslosigkeit.

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Tolles Buch

Von: Susanne

12.06.2019

Sehr beeindruckend und spannend, aber stimmt den Leser auch sehr nachdenklich. Ich bin sehr schockiert, dass es solche Schicksale in einer Stadt des Überflusses (Berlin) gibt

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Was heißt es, in Europas größter Plattenbausiedlung nach der Wiedervereinigung zu leben? Der Roman von Christiane Tramitz versucht die Antwort auf diese Frage ausgehend von zwei katholischen Schwestern im Zeitraum von 28 Jahren zu finden. Die Schwestern hatten zuvor ihren Dienst in den Slums von Lima geleistet, bevor sie nach der Wende ihren Dienst in Berlin-Marzahn antraten. Aber ihre Geschichte soll nur die Verbindung zu drei exemplarisch ausgewählten Schicksalen von über 100.000 darstellen. In stark voneinander abgegrenzten Geschichten, die sich spannend lesen, möchte der Leser mehr erfahren, aber dann springt die Handlung im folgenden Kapitel zur nächsten Familie. Der Versuch einer Sozialstudie gelingt sehr gut, wenn auch durch die Kapitelgliederung eine gewisse Abgehacktheit entsteht. Alle, die nie Marzahn gesehen haben, alle die Berlin nur von den Touristenplätzen kennen, alle, die wissen wollen, wie schwer das Leben mit Hartz IV im anonymen Plattenbau verläuft, werden hier Antworten finden.

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Lesenswert

Von: Melly

15.05.2019

Das Buch erzählt die Geschichte der Familie Krüger aus der DDR, die in Berlin Marzahn lebt. Sie wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt (Marie Krüger - die Ehefrau, Fabian Krüger - der Ehemann und von zwei Ordensschwestern, die nach Marzahn kommen, um zu helfen - sie lernen die Krügers kennen, als diese ihren Sohn Thilo verlieren). Das Buch ist sicherlich keine Entspannungslektüre für zwischendurch, sondern regt zum Nachdenken an. Man wird wachgerüttelt, bekommt einen Einblick in das Leben in der DDR und was es bedeutet, im Leben ganz unten angekommen zu sein. Ab und zu waren mir die Sprünge der Perspektiven etwas groß und manche Entwicklungen zwischen den Charakteren hätte ich gerne detaillierter gelesen (z.B. die Beziehung zwischen den Mädchen und Fabian und auch die Gedanken und Gefühle der Mädchen). Trotzdem fand ich das Buch spannend und habe es innerhalb weniger Tage Stück für Stück "verschlungen". Von mir gibt es also eine klare Empfehlung für alle, die nicht nur an Gutwetterlektüre mit happy end interessiert sind.

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Nostalgie

Von: Margarita

09.05.2019

Das Buch ist in einer reinen Sprache verfasst. Der Alltag der Protagonisten ist sehr detailliert, bis auf die letzte Münze beschrieben. Das Buch erinnerte mich an die sozialistische Literatur.

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Ein Buch das unter die Haut geht

Von: Beatrix Michaela

09.05.2019

Die Schwestern von Marzahn Ein Roman von Christiane Tramitz, im März 2019 im Ludwig Verlag erschienen. Die Geschichte erzählt vom Leben des Fabian Krüger. Er lebt in einem Plattenbau in Berlin Marzahn und hat durch die Umstrukturierung nach der Wende seinen Arbeitsplatz, seine Frau und daraus resultierend auch seinen Lebensinhalt verloren. Durch Zufall lernt er 2 kleine Mädchen, die in dem Haus wohnen, kennen. Dadurch, dass er ihnen hilft, zuerst widerwillig aber dann immer mehr aus eigenem Antrieb, findet er wieder ins Leben zurück, bis die Mädchen plötzlich verschwunden sind. Auf seiner Recherche nach dem Verbleib der Mädchen kommt er der traurigen Wahrheit auf die Spur. In ihrem Roman beleuchtet die Autorin die Lebensgeschichte mehrerer Personen. Diese sind: Fabian Krüger, seine Frau, seine Kumpels (Arbeitskollegen von früher, die auch ihre Arbeit verloren haben), Nachbarn vom Plattenbau und die Geschichte zweier Ordensschwestern, die nach der Wende nach Marzahn gezogen sind um dort im sozialen Brennpunkt, unter den vielen Menschen die ihre Hoffnung verloren haben, Hoffnung zu geben. Sie haben dort im Jahr 1992 eine Lebensberatungsstelle aufgebaut. Die Geschichte all dieser Menschen sind miteinander verwoben. Die einzelnen Kapiteln sind aus der Sicht des Fabian Krügers, seiner Frau und den Ordensschwestern geschrieben. Sie spielen in der Gegenwart sowie in der Vergangenheit. Gewisse Verhaltensmuster erklären sich durch den Blick zurück in seine Kindheit. Es zeigt auch Einblicke in das Leben unter dem Regime der DDR. Die ungeschönte Erzählung über das Leben ganz unten stimmt einen sehr nachdenklich, aber es zeigt auch auf, dass es auch ganz unten wieder Hoffnung geben kann. Anfangs ist das Buch etwas schwierig zu lesen, da es zwischen den einzelnen Figuren und der Zeit (Gegenwart/Vergangenheit) wechselt. Das wird aber besser, wenn man die Personen besser kennt. Für mich ein Buch, dessen Handlungsweise der Personen ich erst nach dem Lesen des Buches, unter Berücksichtigung des Ganzen, verstanden habe. Es ist ein Buch, das unter die Haut geht , und dessen Geschichte einem auch nach dem Lesen nicht loslässt.

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Lesenswert!

Von: H.

09.05.2019

Das Buch hat mich als Berliner neugierig gemacht. Der Schreibstil ist gut und es lässt sich flüssig lesen. Die Geschichte lässt einen neue Seiten von Berlin entdecken, der Gesellschaftsschicht, an der man meistens vorbeischaut. Aber Marzahn ist nicht nur arm, düster und beängstigend. Marzahn hat auch seine schönen, charmanten und liebenswerten Seiten und Menschen.

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Weit draußen

Von: Fiona9to3

08.05.2019

Berlin-Marzahn: Wer sich mit S-Bahn und Bus auf den langen Weg zu den "Gärten der Welt" macht und an Europas größter Plattenbausiedlung vorbeifährt, ahnt nicht, welche Geschichten sich hinter den grauen Hochhäuserblocks, hier:Platte 13, verbergen. Christiane Tramitz schaut hinter die Fenster. Gleich mehrere Schicksale verwebt sie zu einer eindrücklichen Geschichte, die noch zu Zeiten der DDR ihre Anfänge hat und bis heute nachwirkt. Absolute Leseempfehlung!

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