Leserstimmen zu
Die Schwestern von Marzahn

Christiane Tramitz

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Was heißt es, in Europas größter Plattenbausiedlung nach der Wiedervereinigung zu leben? Der Roman von Christiane Tramitz versucht die Antwort auf diese Frage ausgehend von zwei katholischen Schwestern im Zeitraum von 28 Jahren zu finden. Die Schwestern hatten zuvor ihren Dienst in den Slums von Lima geleistet, bevor sie nach der Wende ihren Dienst in Berlin-Marzahn antraten. Aber ihre Geschichte soll nur die Verbindung zu drei exemplarisch ausgewählten Schicksalen von über 100.000 darstellen. In stark voneinander abgegrenzten Geschichten, die sich spannend lesen, möchte der Leser mehr erfahren, aber dann springt die Handlung im folgenden Kapitel zur nächsten Familie. Der Versuch einer Sozialstudie gelingt sehr gut, wenn auch durch die Kapitelgliederung eine gewisse Abgehacktheit entsteht. Alle, die nie Marzahn gesehen haben, alle die Berlin nur von den Touristenplätzen kennen, alle, die wissen wollen, wie schwer das Leben mit Hartz IV im anonymen Plattenbau verläuft, werden hier Antworten finden.

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Lesenswert

Von: Melly

15.05.2019

Das Buch erzählt die Geschichte der Familie Krüger aus der DDR, die in Berlin Marzahn lebt. Sie wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt (Marie Krüger - die Ehefrau, Fabian Krüger - der Ehemann und von zwei Ordensschwestern, die nach Marzahn kommen, um zu helfen - sie lernen die Krügers kennen, als diese ihren Sohn Thilo verlieren). Das Buch ist sicherlich keine Entspannungslektüre für zwischendurch, sondern regt zum Nachdenken an. Man wird wachgerüttelt, bekommt einen Einblick in das Leben in der DDR und was es bedeutet, im Leben ganz unten angekommen zu sein. Ab und zu waren mir die Sprünge der Perspektiven etwas groß und manche Entwicklungen zwischen den Charakteren hätte ich gerne detaillierter gelesen (z.B. die Beziehung zwischen den Mädchen und Fabian und auch die Gedanken und Gefühle der Mädchen). Trotzdem fand ich das Buch spannend und habe es innerhalb weniger Tage Stück für Stück "verschlungen". Von mir gibt es also eine klare Empfehlung für alle, die nicht nur an Gutwetterlektüre mit happy end interessiert sind.

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Lesenswert!

Von: H.

09.05.2019

Das Buch hat mich als Berliner neugierig gemacht. Der Schreibstil ist gut und es lässt sich flüssig lesen. Die Geschichte lässt einen neue Seiten von Berlin entdecken, der Gesellschaftsschicht, an der man meistens vorbeischaut. Aber Marzahn ist nicht nur arm, düster und beängstigend. Marzahn hat auch seine schönen, charmanten und liebenswerten Seiten und Menschen.

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Das Schöne im Scheitern

Von: Liz Lemon

08.05.2019

Wer beim Lesen von Frau Tramitz kein Mitgefühl entwickelt, der kann einem nur Leid tun. In dieser Geschichte werden verschiedene Charaktere beschrieben, die in Marzahn leben, am Rande der Gesellschaft, zwischen Hochhäusern und Zerfall, weit entfernt vom Trubel der Stadt und auch weit genug entfernt von der Idylle der Einfamilienhäuser. Im Fokus der Geschichte steht Fabian Krüger, dem das Schicksal übel mitgespielt hat. Im Laufe des Buches erfahren wir alles über ihn, seine Kindheit, seine Jugend, die Arbeit, seine Ehe und den Schicksalsschlag, der ihn sein restliches Leben begleiten wird. In einen Ort, in dem das negative Grundgefühl in jedem steckt, zieht es zudem zwei Schwestern der Kirche, die den Menschen helfen wollen, sie wollen Chancen aufzeigen, wo andere nur noch schwarz sehen und auch sie werden beschrieben und für den Leser greifbar gemacht. Doch was haben die Schwestern und das Schicksal des Herrn Krüger miteinander zu tun? Und welche Rolle spielen in dem ganzen Szenario zwei Grundschülerinnen has Platte 13? Darüber möchte ich nicht viel verraten, wünsche aber sehr viel Freude am Lesen.

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Leben auf dem Abstellgleis

Von: Emma

08.05.2019

Ein Buch, das einen mit einem sehr flauen Gefühl im Magen zurück lässt. Ein gigantisches Ghetto mitten in Deutschland: Tristesse, Hoffnungslosigkeit und Resignation schwingen auf jeder Seite mit, eindrücklich und ehrlich beschreibt Christiane Tramnitz das Dasein einiger Bewohner von Marzahn, wobei es ihr gelingt, jedem Charakter seinen eigenen Stempel aufzudrücken, ob schrullig, wütend, resigniert oder mit "höherem Auftrag", man hat beim Lesen Zugang zu allen beschriebenen "Typen". Allerdings ist es mir am Anfang der Kapitel doch immer etwas schwer gefallen mich zu orientieren und zu wissen, in welchem Strang es gerade weiter geht, denn die Geschichten springen ohne erkennbare Struktur hin und her. Vielleicht ist das auch so gewollt, denn Struktur ist nicht gerade die Stärke von Marzahn. In jedem Fall hat das Buch einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, mir war zuvor nicht bewusst, dass es in Deutschland ganze "Städte" gibt, aus denen es scheinbar kein Entkommen gibt. Lesenswert!

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Ein Buch, das zum Nachdenken anregt!

Von: Leonie

06.05.2019

In einer Plattenbausiedlung in Marzahn lebt Fabian Krüger- ein arbeitsloser Mann, von seiner Frau verlassen, der sich regelmäßig betrinkt und in seinem Leben nicht viel erreicht hat. Er lässt sich ziemlich gehen – bis er eines Tages zwei kleine Schwestern trifft, die ebenfalls in seinem Haus wohnen. Es ist sehr spannend zu verfolgen, wie sich Fabian Krüger aufgrund dieser Geschichte verändert. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass dies nicht die einzigen Schwestern von Marzahn sind, die einem in dem Buch begegnen. Krügers Frau trifft auf zwei Ordensschwestern, sodass die tragische Geschichte vom gemeinsamen Leben der Krügers aus zwei verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet wird. Nebenbei erhält man einen erschreckenden Einblick in den Berliner Stadtteil Marzahn, der mit dem Berlin, was man sich sonst so vorstellt, überhaupt nicht zu tun hat. Statt hipper junger Leute trifft man hier auf arbeitslose, verzweifelte Männer und Frauen, die am Ende des Monats jeden Cent umdrehen müssen. Mich hat das Buch dazu gebracht, mich noch mehr damit zu beschäftigen, wie das Leben und die Sozialstruktur in Marzahn so ist. Auch wenn es mir bei dem Buch anfangs etwas schwer gefallen ist, mich an den Schreibstil zu gewöhnen, habe ich das Buch, nachdem ich einmal reingekommen bin, geradezu verschlungen. Es ist super spannend und hat mich auf eine erschreckende Art zum Nachdenken gebracht.

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Vom Leben ganz unten

Von: Tanjushka86

05.05.2019

Ich hatte einen holprigen Start mit dem Buch, mit Herrn Krüger und seinem trostlosen Leben in der Platte. Früher war alles besser, früher war er mal wer. Dies zieht sich durch die ersten Kapitel. Fast hätte es mich davon abgehalten, das Buch weiter zu lesen. Sein einziger Lichtblick ist das Paradies. Seine Stammkneipe, die er trotz des knappen Geldes täglich besucht. Seine Zeit verbringt er mit seinen drei Freunden. Ebenfalls gescheiterte Existenzen wie er. Trotz allem hat er sich zumindest ein bisschen Disziplin bewahrt. Er achtet auf saubere Kleidung und bringt täglich den Müll raus. Der Wendepunkt für Herrn Krüger kommt, als er die zwei Schwestern aus dem 8. Stock trifft. Sie Freunden sich an, er kümmert sich, wird gebraucht. Langsam beginnt ein Wandel. In Rückblenden erfährt man mehr über Fabian Krügers Leben und die Zeit in der DDR. Durch die Schilderungen der missionsärztlichen Schwestern, die schon vor Jahrzehnten nach Marzahn gezogen sind, um dort den Menschen seelischen Beistand und Hilfe an zu bieten, werden die Lebensumstände und Verhaltensweisen der Menschen dort begreifbar gemacht. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen. Es ist kein Buch, dass man mal ebenso zwischendurch als nette Lektüre lesen kann.

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Der Blick von ganz oben

Von: Miriam Z.

02.05.2019

"Die Schwestern von Marzahn" ist unterhaltsam und angenehm zu lesen. Christiane Tramitz nimmt ihre Leser direkt mit, mitten nach Marzahn, heute trostlose Plattenbausiedlung und Heimat derer, die es sich woanders nicht mehr leisten können. Früher war es mal der Traum der jungen Leute, denn dort gab es Wohnungen mit Heizung und Bad, und die allerersten packten sogar selbst mit auf der Baustelle an, um das Viertel fertig zu stellen und endlich die eigenen vier Wände zugeteilt zu bekommen. Ihr Protagonist Fabian Krüger ist einer von ihnen, vom 11. Stock in einer Platte aus blickt er auf das Leben seiner Nachbarn und Mitbewohner im Viertel. Niemals jedoch blickt er von oben auf sie herab - obwohl es immer einen gibt, der noch weiter unten gelandet ist als er selbst. Ein Mindestmaß an Würde hat er sich immer behalten, aber so richtig Arbeit hat hier schon lange keiner mehr. Fabian trifft zwei kleine Mädchen, die ein paar Stockwerke unter ihm leben, und beginnt, sich um sie zu kümmern. So werden sie immer wichtiger für ihn, und der Leser merkt viel schneller als er selbst, warum auch er für die beiden so wichtig wird. Man begleitet Fabian durch Höhen und Tiefen und fühlt mit ihm, in seinem Selbstverständnis als einer mit gutem Kern trotz aller Rückschläge und Fehltritte, in seinen Beobachtungen oder in seiner Rolle als Saufkumpan der früheren Kollegen. Christiane Tramitz' Buch handelt von Fürsorge und Bedürfnissen, von der Verantwortung der Eltern für ihre Kinder, von Gefühl und Mitgefühl, Anstand und Würde, gerade wenn kein Wohlstand mehr übrig ist. Ein paar Umstände erschließen sich dem Leser nicht so recht, zum Beispiel wie die Märklin-Eisenbahn aus Fabians Kindheit so vollständig in die DDR gekommen sein mag, gut situiertes Elternhaus hin oder her, und wie die Eltern von Fabian im beschriebenen Umfeld überhaupt die Eigentümer ihrer Villa in der DDR geworden sind. Alles in allem aber ein sehr nahbarer Schreibstil, man erlebt das Heute und die Vergangenheit aus verschiedenen Perspektiven, ein Buch, das sich auf jeden Fall lohnt.

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