Leserstimmen zu
Das Haus meiner Eltern hat viele Räume

Ursula Ott

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Hardcover
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Der Titel hat mich neugierig gemacht – stehen doch viele von uns einmal vor der Aufgabe, unser Elternhaus auszuräumen. Beschreibung des Buches: „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume“ ist 2019 als Hardcover im btb-Verlag erschienen. Das Buch hat 189 Seiten. Auf dem Titelbild sieht man eine Umzugskiste, gepackt mit Kinderspielzeug. Kurze Zusammenfassung: Die Autorin Ursula Ott muss ihr Elternhaus räumen. Gemeinsam mit Schwester und Mutter hat sie entschieden, dass die Mutter in „Betreutes Wohnen“ in die Nähe der Schwester zieht und das Elternhaus verkauft wird. Über ihre Erfahrungen beim Ausräumen berichtet sie in diesem Buch. Mein Leseeindruck: Das Buch ist in 13 Kapitel unterteilt, dazu gibt es einen Epilog und einen Anhang mit nützlichen Tipps (von A – Z), wie und wo man am besten Möbel und andere Dinge entsorgen, verkaufen oder abgeben kann. Die Kapitel sind in sich abgeschlossen und behandeln meist ein Thema, wie z.B. „Von alten Bäumen und neuen Wurzeln“, „Aufstand in der Puppenstube“ oder „Ich tus für meine Kinder“. Das Buch ist somit nicht chronologisch aufgebaut, was mich zunächst etwas gestört hat. Die Autorin beschreibt ganz unerschrocken ihre Erlebnisse während des Ausräumens, Sortierens und ihre Eindrücke bei den Gesprächen mit ihrer Mutter. Ursula Ott erzählt nicht nur von ihren Fundstücken, sondern auch von Begegnungen mit Gleichaltrigen, die ähnliche Erfahrungen beim Sortieren von Erinnerungsstücken gemacht haben, aber auch von Bekannten und Freunden, die so gar nicht verstehen konnten, warum sie ihr Elternhaus verkauft. Es sind die kleinen Geschichten rund um Gegenstände/Erinnerungen, die einen beim Lesen an eigene Erinnerungsstücke denken lassen. Ich habe dieses Buch komplett an einem Sonntagmorgen gelesen (es hat ja nicht ganz so viele Seiten ;-) ). Mit den Tipps am Ende des Buches hat man schon eine gute Grundlage, um sich in einem akuten Fall Hilfe zu holen bzw. zu wissen, wo man aufhebenswerte Dinge gut unterbringen kann. Fazit: Das Buch animiert, schon zu Lebzeiten ordentlich auszumisten, damit das nicht an den Nachkommen/erben hängen bleibt. Die Tipps am Ende des Buches sind hilfreich. Ich hätte mir gewünscht, das Buch wäre etwas chronologischer aufgebaut.

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Passt in die Zeit

Von: hiclaire aus bad kreuznach

09.04.2019

Ursula Ott greift hier ein Thema auf, das auf die ein oder andere Weise viele Menschen beschäftigt oder irgendwann beschäftigen wird, nicht nur die „Babyboomer“, zu denen sich die Autorin selbst zählt und die sich zum großen Teil vor ähnliche Probleme bzw. Aufgaben gestellt sehen. In ihrem Fall hat die Mutter im Alter von über 80 Jahren gemeinsam mit ihren Töchtern entschieden, das Elternhaus aufzugeben und mit allen Konsequenzen - „Was muss weg und was kann bleiben“. Leicht ist so etwas nie, aber wenn es so laufen kann wie hier beschrieben, dann scheint es mir für alle Beteiligten trotz der Mühen und Abschiede wie ein Geschenk. Und dass die Mutter es schafft, mit 88 Jahren neue Wege zu gehen, trotz aller Schwierigkeiten ihr Leben auszufüllen – chapeau. Was und wie die Autorin berichtet, liest sich sehr angenehm, mal heiter, mal ernst, in manchen Situationen findet man sich wieder, bei anderen denkt man vielleicht, gut, dass es gerade das bei uns nicht gibt. Indessen geht es nicht nur um persönliche Erfahrungen in Bezug auf das Ausräumen des Hauses, den Umzug usw. So interessant die Berichte und Tipps auch sind, haben mir doch gerade die vermeintlichen „Abschweifungen“ vom eigentlichen Thema ausnehmend gut gefallen. Ursula Ott schreibt u. a. über die psychologische Aufarbeitung „dunkler Ecken“, wenn die Familie z.B. entdeckt, dass der Opa wohl doch ein Nazi gewesen ist. Für mich glücklicherweise einer der Momente, in denen ich mich nicht wiederfinden konnte bzw. musste. Aber auch statistische Fakten und wissenschaftliche Aspekte kommen zur Sprache, wie z.B. die Auswirkungen von Kriegstraumata auf die Folgegeneration. „Transgenerational“, ein Begriff, von dem ich bislang noch nicht gehört hatte. Hirnforscher konnten inzwischen erstmals beweisen, „dass traumatische Erfahrungen den Stoffwechsel beeinträchtigen und diese Veränderungen erblich sind.“ Auch wird so manche gesellschaftliche Entwicklung aus Vergangenheit und Gegenwart aufgegriffen. Für mich kaum zu glauben, dass noch bis 1977 tatsächlich der Ehemann zustimmen musste, wenn seine Frau arbeiten gehen wollte – krass. Durchaus nachvollziehbar, dass sich in der Folgegeneration eine Art „Hausfrauenallergie“ ausgebreitet hat, viele Frauen mit kochen, backen, handarbeiten… erst mal nix mehr zu tun haben wollten. Für mich war dieses Buch eine gute Mischung aus persönlichem Erleben, weiterführenden Information und konkreten Tipps. Gelangweilt habe ich mich zu keinem Zeitpunkt, und das ist bei einem eher sporadischen Sachbuchleser wie mir durchaus als Kompliment zu verstehen.

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Abschied vom Haus

Von: buchleserin

31.03.2019

Ursula Ott schreibt hier über ein sehr emotionales Thema. Das Haus ihrer Eltern soll verkauft werden. Alle in der Familie wissen, der Hausverkauf ist besser für die Mutter, doch alle hängen an dem Haus. Auch für die Kinder ist es sehr schwer, diese alte Heimat aufzugeben. Ein Jahr lang wurde aufgeräumt. Frau Ott und ihre Schwester haben der Mutter beim Umzug und beim Aussortieren geholfen. Einiges aus der Beschreibung der Einrichtung kam mir doch sehr bekannt vor. Einige Sachen stehen auch im Haus meiner Eltern. In unserer Familie wird auch nach und nach schon aussortiert und sich bereits schon von einigen Dingen verabschiedet. Was kann man loslassen und ausräumen und was sollte man aufbewahren? Mein Mann hat das Ganze schon mitgemacht. Ihm ist alles sehr schwer gefallen. Auf mich wird das Thema wohl auch noch zukommen. Loslassen, ausräumen, behalten, das ist ja nicht für jeden so einfach. Ein paar Tipps fand ich ganz hilfreich. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es sammelt sich wirklich viel zu viel Zeug an im Leben und man sollte immer mal etwas aussortieren. Oft fehlt jedoch die Zeit, Sachen in Ruhe durchzusehen. Man will ja nicht alles einfach wegschmeißen. Das sorgfältige Sortieren, manches verkaufen, spenden, wegwerfen und von Dingen Abschied nehmen, nimmt viel Zeit in Anspruch. Man sollte sich jedoch immer mal die Zeit nehmen, nach und nach etwas auszusortieren, damit die Kinder sich später nicht mit so viel Krempel befassen müssen. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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Ursula Ott, unter anderem Redakteurin und Autorin, geboren 1963, läßt den Lesenden sie und ihre Mutter ein Jahr lang begleiten, in dem das Elternhaus leergeräumt und ein neuer Lebensabschnitt für die Mutter geplant und begonnen wird. Zwischendurch gibt die Autorin jede Menge Büchertipps um sich mit dem Loslassen, Ausräumen, Bewahren und auch dem Umgang mit beim Ausräumen zu Tage geförderten Familiengeheimnissen umzugehen, beispielsweise Aufräumratgeber von Maria Kondo oder Bücher wie „Kriegsenkel“, die aufzeigen, wie Kriegserlebnisse „vererbt“ werden. Ursula Ott gehört den geburtenstarken Jahrgängen an und durchleuchtet auch die Kindheit dieser Generation, bei der die Mädchen Karriere machen sollten, aber doch erstmal „Haushalt“ lernen mussten, von den Erziehungsmethoden und zwiespältigen Eindrücken, denen diese Jahrgänge ausgesetzt waren, von den Erstgeboreen und denm kleinen Geschwisterkind. Ich fand sowohl diese Betrachtungen als auch jene zum Entrümpeln und der Aufgabe samt Verkauf des Elternhauses sehr spannend zu lesen. Für mich ist die Auflösung meines Elternhauses bereits einige Jahre her und völlig anders gelaufen als es hier im Buch beschrieben wird. Die Möglichkeit, sich kleiner zu setzen und näher bei seinen Kindern einen neuen Lebensabschnitt im betreuten Wohnen, jedoch in eigener Wohnung mit ausgewählten, geretteten Möbeln, zu beginnen, dort eigene Kontakte zu knüpfen und wieder, ganz im Gegensatz zu den Jahren davor, die umliegende Welt samt neuer Kontakte zu erobern, fand ich ausgesprochen ermutigend. Aber auch den Kindern fordert der Abschied, das Loslassen des Elternhauses und der Kindheitserinnerungen einiges ab. Dieses Buch würde ich nicht nur empfehlen, wenn man sich bereits in der Situation befindet, sein Elternhaus auszuräumen und aufzulösen. Mit einigem Vorlauf läßt sich durch eine gute Reflektion und Planung eine viel leichtere Lösung finden, bei der zusätzlich auch noch ein Austausch über gefundene Dinge und Geheimnisse möglich ist – und, vor allem auch – trennt man sich beizeiten leichter von Familien-/Schätzen, bürdet dieses nicht den eigenen Kindern auf. „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume“ vermittelt sehr offen und ehrlich, an welche Grenzen man stoßen kann, bietet aber auch eine bereichernde Vielzahl an Überlegungen und Hilfestellungen. Für mich bietet dieses Buch insgesamt eine gute Auseinandersetzung mit dem Thema und einen guten Weg zur Lösung auf.

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