Leserstimmen zu
Das Haus meiner Eltern hat viele Räume

Ursula Ott

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Wie kann es uns gelingen, respektvoll Abschied vom Haus unserer Kindheit zu nehmen? Uns zu befreien von Dingen, die nicht zu uns gehören, aber Teil von uns sind? Dieser spannenden Frage geht die Autorin nach. Schreibstil: Stell‘ dir vor, du geht mit einer alten Freundin aus Kindheitstagen wandern. An einer erhabenen Stelle macht Ihr Rast. Ihr nehmt schweigend nebeneinander Platz und genießt den Blick in die Weite. In die Stille hinein fängst du an zu reden. Mehr zu dir selbst als zu deiner Freundin. Du sprichst über das Haus deiner Eltern. Über das Leben dort. In deiner Kindheit. In deiner Jugend. Und über die Lebensspuren, die es in dir hinterlassen hat. Und wie es dir ergangen ist, als dieses Haus nun verkauft wurde. Genauso fühlt sich der Schreibstil der Autorin an. Es fühlt sich an, als ob zwei Freundinnen nebeneinander auf einer Bank sitzen und eine davon in Gedanken redet und die andere ihr zuhört. Ihr gerne zuhört und hin und wieder eine Frage stellt. Diesen Schreibstil liebe ich. Und so habe ich die 149 Seiten in einem Rutsch gelesen. Okay, eigentlich sind es 188 Seiten. Aber der Rest ist für mich Anhang. Das Spannende befindet sich im ersten Teil. Ursula steht wie ich in der Mitte des Lebens. Sie wurde 1963 in Ravensburg geboren. Das liegt bei mir um’s Eck. Zumindest gefühlt. Einzugsgebiet Bodensee, Schwaben. Ihr Lebenslauf liest sich beeindruckend. Aber tatsächlich ist es erleichternd, wenn du im Buch liest, dass auch sie mal ‚pleite‘ war, in größter finanzieller Not. Auch ich kenne das. Und du vielleicht auch. Und so hast du beim Lesen des Buches niemals nur annähernd das Gefühl, dass Ursula vom hohen Ross der wissenden Journalistin schreibt. Sie ist auf Augenhöhe mit dem Leser. Und schreibt über sich und ihre Erfahrungen. Und an diesen lässt sie uns teilhaben. Bringt uns in Dialog mit uns selbst. Wie ist’s bei mir? Wie wird es sein? Auch Ursula gehört der Generation der Kriegsenkel an. Ihre Eltern waren zum Zeitpunkt des 2. Weltkrieges Kinder. Und diese Kinder haben ganz spezifische Erfahrungen gemacht, die sie über den sogenannten Generationentransfer an uns weitergegeben haben. Oftmals ohne es zu wissen. Ich nenne das 'Unsichtbare Staffelstäbe'. Und so kann man sA Buch der Kriegsenkel-Literatur zuordnen. Allerdings eher der Einsteiger-Literatur. Aber auch für fortgeschrittene Leser zu diesem Thema ist das Buch lesenswert. Es sortiert unser bestehendes Wissen in den Kontext des endgültigen Abschiednehmens ein. „Ausräumen ist Schwerstarbeit für die Seele“, mit dieser Aussage trifft Ursula einen wesentlichen Punkt. Wenn wir ans Ausräumen denken, dann zumeist an harte körperliche Arbeit. Auch ich habe den Umzug meiner Oma gestemmt. 4,1 Tonnen (!) sind damals 1988 auf der Müllhalde im hessischen Dillenburg gelangt. Diese Zahl weiß ich nur noch, weil das Erlebnis für mich irgendwie traumatisch gewesen ist. Immer, wenn ich in die Müllhalde gefahren bin, bin ich samt meinem damaligen kleinen blauen Fiat Tipo gewogen worden. Und wieder, als ich das Gelände verlassen habe. Das Differenzgewicht musste ich am Schluss bezahlen. 4,1 Tonnen! Mit jeder Fahrt baute sich eine Art Beziehung zum Müllhalden-Wächter auf. Ich erzählte ihm vom Umzug meiner Oma und bei meiner letzten Fahrt fragte er mich: „Und in welchem der vielen Säcke liegt nun Ihre Oma?“ Makaber. Und trotzdem musste ich lachen. Humor hilft bei schweren Situationen. Und so gibt’s auch in Ursulas Buch Stellen, die zum Schmunzeln anregen. Wenn ich heute noch die Gelegenheit hätte, dann würde ich mich gerne bei meiner Oma für mein rabiates Vorgehen entschuldigen. Ursula stellt es klar: Habt Respekt vor den Dingen Eurer Eltern (und auch Großeltern)! Auch wenn’s nicht immer leicht fällt. Mein persönliches Fazit: Respekt vor dem Besitz der Eltern bedeutet Respekt vor sich selbst zu haben. DANKE, liebe Ursula Ott für dieses wertvolle Buch. Übrigens: meine Mutter (Jahrgang 1939) hat mir dein Buch geschenkt. Eine glatte 5-Sterne-Empfehlung von mir!

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Abschied vom Haus

Von: buchleserin

31.03.2019

Ursula Ott schreibt hier über ein sehr emotionales Thema. Das Haus ihrer Eltern soll verkauft werden. Alle in der Familie wissen, der Hausverkauf ist besser für die Mutter, doch alle hängen an dem Haus. Auch für die Kinder ist es sehr schwer, diese alte Heimat aufzugeben. Ein Jahr lang wurde aufgeräumt. Frau Ott und ihre Schwester haben der Mutter beim Umzug und beim Aussortieren geholfen. Einiges aus der Beschreibung der Einrichtung kam mir doch sehr bekannt vor. Einige Sachen stehen auch im Haus meiner Eltern. In unserer Familie wird auch nach und nach schon aussortiert und sich bereits schon von einigen Dingen verabschiedet. Was kann man loslassen und ausräumen und was sollte man aufbewahren? Mein Mann hat das Ganze schon mitgemacht. Ihm ist alles sehr schwer gefallen. Auf mich wird das Thema wohl auch noch zukommen. Loslassen, ausräumen, behalten, das ist ja nicht für jeden so einfach. Ein paar Tipps fand ich ganz hilfreich. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es sammelt sich wirklich viel zu viel Zeug an im Leben und man sollte immer mal etwas aussortieren. Oft fehlt jedoch die Zeit, Sachen in Ruhe durchzusehen. Man will ja nicht alles einfach wegschmeißen. Das sorgfältige Sortieren, manches verkaufen, spenden, wegwerfen und von Dingen Abschied nehmen, nimmt viel Zeit in Anspruch. Man sollte sich jedoch immer mal die Zeit nehmen, nach und nach etwas auszusortieren, damit die Kinder sich später nicht mit so viel Krempel befassen müssen. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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Ursula Ott, unter anderem Redakteurin und Autorin, geboren 1963, läßt den Lesenden sie und ihre Mutter ein Jahr lang begleiten, in dem das Elternhaus leergeräumt und ein neuer Lebensabschnitt für die Mutter geplant und begonnen wird. Zwischendurch gibt die Autorin jede Menge Büchertipps um sich mit dem Loslassen, Ausräumen, Bewahren und auch dem Umgang mit beim Ausräumen zu Tage geförderten Familiengeheimnissen umzugehen, beispielsweise Aufräumratgeber von Maria Kondo oder Bücher wie „Kriegsenkel“, die aufzeigen, wie Kriegserlebnisse „vererbt“ werden. Ursula Ott gehört den geburtenstarken Jahrgängen an und durchleuchtet auch die Kindheit dieser Generation, bei der die Mädchen Karriere machen sollten, aber doch erstmal „Haushalt“ lernen mussten, von den Erziehungsmethoden und zwiespältigen Eindrücken, denen diese Jahrgänge ausgesetzt waren, von den Erstgeboreen und denm kleinen Geschwisterkind. Ich fand sowohl diese Betrachtungen als auch jene zum Entrümpeln und der Aufgabe samt Verkauf des Elternhauses sehr spannend zu lesen. Für mich ist die Auflösung meines Elternhauses bereits einige Jahre her und völlig anders gelaufen als es hier im Buch beschrieben wird. Die Möglichkeit, sich kleiner zu setzen und näher bei seinen Kindern einen neuen Lebensabschnitt im betreuten Wohnen, jedoch in eigener Wohnung mit ausgewählten, geretteten Möbeln, zu beginnen, dort eigene Kontakte zu knüpfen und wieder, ganz im Gegensatz zu den Jahren davor, die umliegende Welt samt neuer Kontakte zu erobern, fand ich ausgesprochen ermutigend. Aber auch den Kindern fordert der Abschied, das Loslassen des Elternhauses und der Kindheitserinnerungen einiges ab. Dieses Buch würde ich nicht nur empfehlen, wenn man sich bereits in der Situation befindet, sein Elternhaus auszuräumen und aufzulösen. Mit einigem Vorlauf läßt sich durch eine gute Reflektion und Planung eine viel leichtere Lösung finden, bei der zusätzlich auch noch ein Austausch über gefundene Dinge und Geheimnisse möglich ist – und, vor allem auch – trennt man sich beizeiten leichter von Familien-/Schätzen, bürdet dieses nicht den eigenen Kindern auf. „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume“ vermittelt sehr offen und ehrlich, an welche Grenzen man stoßen kann, bietet aber auch eine bereichernde Vielzahl an Überlegungen und Hilfestellungen. Für mich bietet dieses Buch insgesamt eine gute Auseinandersetzung mit dem Thema und einen guten Weg zur Lösung auf.

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