Leserstimmen zu
Whisper Network

Chandler Baker

(28)
(32)
(21)
(2)
(2)
€ 20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

Inhalt: Sloane, Ardie, Grace und Rosalita leiden seit Jahren unter ihrem Vorgesetzten Ames. Zu seinem Verhalten Frauen gegenüber gab es schon immer Gerüchte. Gerüchte, die die Firmenleitung stets ignorierte oder unter den Teppich kehrte. Aber jetzt soll Ames zum Geschäftsführer befördert werden. Allerdings haben die Zeiten sich geändert, und genug ist genug. Die vier Frauen wissen: Sie müssen Ames‘ Aufstieg unbedingt verhindern. Und wenn ihre Worte wie üblich nicht gehört werden, dann müssen sie eben handeln ... Cover: Das Cover ist auf jeden Fall ein Blickfang - man MUSS einfach auf den Mund und den Zeigefinger schauen. Dadurch wird gleichzeitig symbolisiert, wie sehr die Frauen im Berufsleben unterdrückt werden und still sein sollen. Toll gemacht! Meine Meinung: Das Thema, um das es in "Whisper Network" geht, hat mich bei diesem Buch von Angang an angezogen. Ich habe es ständig angeschaut, bis ich es dann doch lesen MUSSTE. Es geht um Frauen im Berufsleben und deren Benachteiligung, sexuelle Belästigung, die Diskrepanzen bei der Bezahlung, Frauen mit Kindern und postnatale Depressionen. Vielleicht ein bisschen viele Themen, aber auch im Nachhinein bin ich immer noch der Meinung, dass es großartige Themen sind, die unbedingt mehr Beachtung finden müssen. Es war mehr die Umsetzung, mit der ich die meiste Zeit nicht ganz warm geworden bin. Der Schreibstil hat mir von Anfang an nicht zugesagt. Die Geschichte wird aus der Perspektive einer allwissenden Erzählerin in der dritten Person geschildert - so weit, so gut. Allerdings wird bei der Erzählung viel zwischen dem "Wir" (alle Frauen überhaupt?) und den einzelnen Protagonisten hin und her gewechselt. Zum einen war das für den Lesefluss ungeschickt. Zum anderen hat die Verwendung des "wir" allen Frauen auch irgendwie diese eine Meinung bzw. dieses eine Verhalten übergebügelt und das fand ich nicht so schön. Es wird außerdem viel drumherum erzählt. Am Ende haben viele einzelne Momente zum Fall beigetragen, aber trotzdem hat es sich stellenweise gezogen. Erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte nochmal richtig Fahrt auf. Der Fokus wird nur auf den Fall / das Verhör gelegt. Die drei Frauen beweisen wahre Stärke, stehen für ihre Rechte ein und verklagen ihren Chef. Auch wenn ich nicht wirklich warm mit den Protagonistinnen geworden bin, ihre Handlungen sind in diesem Fall mutig und bewundernswert. Durch die Klage wurde es noch einmal wirklich spannend, ein richtiger kleiner Krimi, bei dem man mitfiebern konnte und mitkämpfen wollte. Insgesamt hat das Ende den etwas zähen Anfang aber nicht ganz auffangen können. Fazit: Das Thema der Benachteiligung von Frauen im Berufsalltag konnte mich komplett überzeugen. Die Kritik der Autorin wird in einen kleinen Kriminalfall verpackt, der zum Schluss wirklich spannend und aufregend wird, zu Beginn aber zu zäh wirkte. Auch der Schreibstil hat mir persönlich nicht zugesagt. Sodass ich am Ende das Thema mit 5 Herzen und die Umsetzung mit 3 Herzen bewerten möchte. Insgesamt gibt es allerdings bessere feministische Werke.

Lesen Sie weiter

Ardie, Grace und Sloane arbeiten als Juristinnen bei Truviv, einer Firma für Sportbekleidung in Dallas. Jede der Freundinnen hat schlechte Erfahrungen mit ihrem Vorgesetzten Ames gemacht. Als er für den Posten des neuen CEOs vorgeschlagen wird, wollen sie verhindert, dass er noch mehr Frauen bedrängt. Doch wie, wenn niemand ihnen glaubt? #meetoo ist in der Romanwelt angekommen. Die Protagonistinnen bilden viele verschiedene Facetten eines Frauenlebens ab. Grace ist vor gut einem Jahr Mutter geworden und doch flüchtet sie sich in die Arbeit. Sloanes Teenagertochter Abigail wird in der Schule gemobbt. Ardie ist alleinerziehend. Und die Neue, Katherine, hofft auf einen guten Start im Job. Die Autorin Chandler Baker ist Anwältin und für mich aktuell die Königin der Cliff-Hanger. In einer Mischung aus kurzen Zeugenaussagen und fortlaufender Erzählung entfalten sich langsam die Zusammenhänge, die zu Ames Tod geführt haben. Bis zum Ende wusste ich nicht, ob er Selbstmord begangen hat oder getötet wurde. Dieser knapp 500 Seiten starke Thriller ist rasant, packend, erschreckend realitätsnah und hat mich wirklich gepackt. Geschrieben ist er zwar aus einer übergeordneten Erzählperspektive, aber immer abwechselnd aus der Sicht der Frauen, sowie aus einer, wie soll ich sagen, ganz weit übergeordneten Perspektive. Die Autorin benutzt immer wieder ein erzählerisches „Wir“. Dieses WIR sind aber nicht nur Sloane, Grace und Ardie, sondern das sind WIR – alle Frauen in der Berufswelt, die ähnliche übergriffige Erfahrungen gesammelt haben. Und alle Frauen, die sich den mühseligen Spagat hingeben, Mama und Geschäftsfrau gleichzeitig zu sein. Dieser Roman ist wahrscheinlich nicht jederfraus Sache (oder jedermanns!!), ein Teil des Lesevergnügens rührte bei mir tatsächlich daher, dass ich über ein Jahrzehnt meines Berufslebens selbst im Sales & Marketing eines internationalem Konzerns gearbeitet habe, und als (teilweise) Alleinerziehende diesen Nervenstress nachvollziehen kann, dem die Protagonistinnen sich ausgesetzt fühlen. Wer noch nie in einem Wirtschaftskonzern (oder auch nur in einem Büro) gearbeitet hat, wird vielleicht einige Beschreibungen skurril empfinden, aber ich konnte mir das genauso vorstellen. Haargenau so. Drei Frauen, die an den Punkt gelangen, an dem sie sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen. Als Ames, ihr Vorgesetzter als neuer CEO der Firma ins Gespräch gebracht wird, wissen Ardie, Sloane und Grace, dass es Zeit ist, die Wahrheit zu erzählen. Es gibt eine Liste mit den Namen derer, die bereits übergriffig geworden sind. Und Sloane setzt Ames auf die Liste, die wenig später öffentlich wird. Zusätzlich entscheiden sich die drei Freundinnen zu klagen, da sie glauben genug Material in der Hand zu haben. Doch dann stirbt Ames. Selbstmord , Mord ? Es wird ermittelt. Und plötzlich stehen sie mit dem Rücken zur Wand, da ihre einzige Zeugin zugunsten ihrer eigenen Karriere mit der Firma kooperiert. Doch als alles schon verloren scheint, ergibt sich eine neue Situation. Insgesamt ist so nun ersichtlich, dass ich absolut begeistert von diesem Buch bin und diesem hiermit 5/5 Sternen gebe und es zu einem Jahreshighlight für mich erklären möchte.

Lesen Sie weiter

Mit „Whisper Network“ hat Chandler Baker einen sehr authentischen und schonungslos ehrlichen Roman über ein leider immer noch sehr aktuelles Thema geschrieben. Und zwar handelt das Buch von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Es geht aber auch um Feminismus, Gleichberechtigung, einen Mord und um die Probleme, die Frauen in der heutigen Gesellschaft haben... Trotz des unglaublich wichtigen Themas und der tollen Idee dahinter, habe ich eine sehr zwiegespaltene Meinung zu diesem Buch. Die Handlung ist unglaublich interessant, erschreckend und beim Lesen habe ich eine richtige Wut verspürt, da die im Buch geschilderte Thematik leider bittere Realität ist. Dennoch konnte mich die Geschichte leider nicht fesseln, vor allem die Mitte des Buches hat sich in die Länge gezogen, was vor allem an dem unglaublich langsamen Erzähltempo lag. Erst auf den letzten Seiten wurde es dann nochmal richtig spannend und das Ende hat mich überzeugt. Bakers Schreibstil ist sehr angenehm, flüssig und detailliert und auch die Protagonisten waren mir sehr sympathisch. Wie viele hier schon angesprochen haben, finde ich zudem auch, dass es sich bei dem Buch eher um Belletristik handelt, als um einen Thriller. Fazit: Trotz der fehlenden Spannung ist das Buch ein gesellschaftskritischer, ehrlicher und lesenswerter Roman, der einen wichtigen Beitrag zur #metoo Debatte leistet und zum nachdenken anregt.

Lesen Sie weiter

Whisper Network hat mich neugierig gemacht, als es zum Erscheinen häufig auf Social Media auftauchte und viele begeisterte Stimmen laut wurden, wie wichtig und aktuell dieses Buch doch sei. Ich dachte mir, es könnte interessant sein, und wollte vor allem mitreden und mir meine eigene Meinung bilden können. Allerdings bin ich etwas zwiegespalten. Im Verlauf des Buches hatte ich bald nach Startschwierigkeiten eine relativ klare und positive Meinung zur Geschichte, die jedoch nach diesem Ende ins Wanken kam. Die genannten Startschwierigkeiten, die sich teils durch das ganze Buch zogen, waren die Art und Weise, wie die Kapitel eingeleitet wurde. Es wird zunächst aus einer allumfassenden Wir-Perspektive berichtet, die wohl (plump und ganz grob zusammengefasst gesagt) die arbeitende weibliche Bevölkerung darstellen soll. Mich haben diese Absätze zu Beginn des Buches noch verwirrt, dann fasziniert, irgendwann aber genervt, weil ich einfach keinen Mehrwert in ihnen erkennen konnte. Gefühlt war es jedes Mal das Gleiche, was darin stand, (es waren größtenteils auf sarkastische und leicht verbittert anmutende aber auch schonungslos ehrliche Art und Weise verfasste Berichte und Fakten über das Arbeitsleben als Frau oder auch Mutter) sodass ich sie irgendwann teils überflogen habe, bis dann später im Kapitel die Schilderung über eine der Protagonistinnen losging. Ich will nicht sagen, dass diese Abschnitte nicht wichtig sind, zweifelsohne sind sie das. Aber mich hat das konkrete Geschehen, der Plot, der Fortgang der eigentlichen Handlung einfach viel mehr interessiert, ich wollte trotz dieser manchmal zähen Anfänge des Kapitels unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ich für meinen Teil kann weder nachvollziehen, wie es als Mutter, noch wie es als arbeitende Frau ist. Aber ich finde, dass durch den relativ nüchternen und abgeklärten Schreibstil der Autorin die Gefühle, Handlungsmotive und Gedanken der Figuren deutlich geworden sind, selbst wenn ich sie nicht immer zu 100% verstehen konnte. Man bekommt zudem leider von keiner der Hauptfiguren Erzählungen aus der Ich-Perspektive zu lesen, was dafür gesorgt hat, dass ich emotional etwas außen vor geblieben bin und ich mich, vielleicht auch aufgrund des Alters und der fortgeschrittenen Lebensplanung der Frauen, nicht mit ihnen identifizieren konnte und wollte. Interessant war es jedoch, dass viele verschiedene Arbeiterinnen zu Wort kommen, sodass man die unterschiedlichsten Schicksale und Leben präsentiert bekommt, die jedoch alle auf eine Art und Weise miteinander verbunden sind. In diesem Buch werden in der Tat wichtige Themen zur Sprache gebracht, es geht zum einen um Gleichberechtigung und zum anderen um sexuelle Übergriffe an Frauen am Arbeitsplatz oder im Arbeitsleben. Es geht darum, dass Frauen sich nicht alles gefallen lassen müssen, nur weil sie jemandem unterstellt sind, von dessen Beziehung zu ihnen ihre Karriere abhängt. Es geht darum, dass man aufstehen und sich wehren kann, sollte, muss. Es geht darum, dass man, wenn man Seite an Seite steht, mehr erreichen kann, als wenn man allein mit einem übermächtigen Gegner konfrontiert ist. Doch gerade im Bezug auf all diese wichtigen Messages, die zumindest ich aus dem Buch herausgelesen zu haben glaube, verstehe ich das Ende der Geschichte nicht. Oder ich verstehe es, aber finde es nicht komplett passend. Ich kann ehrlich gesagt auch gar nicht genau benennen, was ich stattdessen lieber gehabt hätte, aber für mich fühlte sich die Geschichte nicht rund an. Mein Fazit: Ein Buch mit an und für sich wichtigen Themen, die auch stark umgesetzt wurden, mit dessen Ende ich jedoch nicht auf einen grünen Zweig komme. Gelegentlich zähe Stellen in der Erzählung und fehlende Sympathie zu den Protagonisten bringen das Buch leider nur auf 2,5 bzw. gerundet 3 Sterne, obwohl ich die Geschichte im Grunde genommen spannend fand.

Lesen Sie weiter

Die Freundinnen Sloane, Ardie und Grace haben als Juristinnen bei „Truviv“ - dem Weltmarktführer für Sportbekleidung und Sponsor für Spitzenathleten – Karriere gemacht. Sie hoffen, dort noch weiter aufzusteigen. Als der Geschäftsführer des Unternehmens plötzlich stirbt, soll Ames Garrett, Chefjurist und Vorgesetzter der drei Frauen, dessen Nachfolge antreten. Doch das wollen sie unbedingt verhindern, denn Ames gilt als sexuell übergriffig. Auch die drei Frauen haben diesbezüglich mit ihm bereits Erfahrungen gemacht; Beschwerden darüber hat die Firmenleitung jedoch stets verharmlost und nicht weiter verfolgt. Sloane setzt Ames daher nun auf die BaD-Liste, die „Begrapscher aus Dallas“-Liste. In sie können ohne juristische Konsequenzen die Männer eingetragen werden, die am Arbeitsplatz sexuell aggressives Verhalten zeigen. Die Absicht dieses „Whisper Network“ ist es, andere Frauen durch das heimliche Weiterreichen des Verzeichnisses vor diesen Männern zu warnen. Doch nicht lange nach Sloanes Aktion gelangt die Liste an die Öffentlichkeit, und kurz darauf ist Ames Garrett tot. War es Selbstmord, weil er die Anschuldigungen nicht ertragen konnte, oder Mord aus Rache? Haben Sloane, Ardie und Grace etwas mit seinem Ableben zu tun? Welche Rollen spielen die neue, ehrgeizige Kollegin Katherine und die Reinigungskraft Rosalita? Resümee: Die Protagonistinnen sind drei Karriere-Frauen, die seit Langem bei „Truviv“ arbeiten und miteinander befreundet sind: Ardie Valdez ist Mutter eines 4-jährigen Jungen, geschieden, aber auf der Suche nach einem neuen Partner. Grace Stanton ist erst vor Kurzem Mutter geworden. Während ihr Mann in Elternzeit ist, flüchtet sie sich lieber in die Arbeit – auch wenn das bedeutet, dass sie immer wieder Pausen zum Abpumpen der Muttermilch einlegen muss. Die verheiratete Sloane Glover hat eine Tochter im Teenager-Alter, die in der Schule von Jungs gemobbt wird. Der Rektor allerdings ist der Ansicht, sie solle das einfach ignorieren und sich nicht wehren – Sloane und ihr Mann sehen das anders. Alle drei haben nicht nur privat ihr „Päckchen“ zu tragen und am Arbeitsplatz aufgrund ihres Geschlechts Nachteile in Kauf zu nehmen, sondern auch Erfahrungen mit Ames Garretts sexueller Zudringlichkeit gemacht. Alle Bereiche beeinflussen sich gegenseitig, besonders herausgestellt werden die Doppelbelastung von Familie und Beruf sowie der – vor allem auch mentale – Umgang mit den sexuellen Avancen. Ich hatte am Anfang Probleme, die genannten Charaktere und ihre jeweiligen privaten und beruflichen Verhältnisse zu unterscheiden – trotz ihrer unter-schiedlichen Situationen stach keiner besonders hervor. Möglicherweise ist dies von der Autorin gewollt, um zu zeigen, dass alle Frauen trotz sich unterscheidender Hintergründe ein vergleichbares Schicksal tragen. Als die junge, ehrgeizige Havard-Absolventin Katherine Bell neu in die Firma kommt und Sloanes Abteilung zugeordnet wird, wird sie Ames nächstes Opfer. Dies ist der Zeitpunkt, an dem Sloane Ames Garrett auf die BaD-Liste setzt. Eine weitere Rolle – welche bleibt für den Leser bis zum Schluss im Dunkeln – spielt auch Rosalita, die ihre Tätigkeit als Reinigungskraft bei „Truviv“ sehr genau nimmt. Sie ist alleinerziehend und will ihrem Sohn eine möglichst gute Schulausbildung ermöglichen. Erzählt werden die aktuellen Ereignisse aus der Sicht von Ardie, Grace und Sloane, und zwar meist in der erzählenden Er-Perspektive, die aber gelegentlich in die auktorial-kommentierende Wir-Form wechselt. Dies ist insofern ein geschicktes Mittel, um die Leserinnen direkt anzusprechen und so mit einzubeziehen - im Sinne eines solidarischen „Wir Frauen“. Eingeflochten in den Handlungsverlauf werden immer wieder Zeugen-befragungen, die nach Ames Garretts Tod stattfinden. Dadurch bekommt das Geschehen eine gewisse Spannung, denn der Leser kann vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse bis zum Schluss miträtseln, ob sein Ableben Selbstmord oder Mord war und wer in diesem Fall der Täter / die Täterin ist. Der Roman ist ein Beitrag zur #MeToo-Bewegung, bei der betroffene Frauen ermutigt werden sollen, sexuelle Übergriffe und Gewalt durch Männer öffentlich zu machen – ein heikles Thema, wie die Autorin deutlich herausgearbeitet hat. Mich haben vor dem Hintergrund der Handlung vor allem folgende Punkte nachdenklich gemacht: • Ist sexuelle Belästigung eigentlich objektivierbar oder wird sie allein durch die subjektive Beurteilung der jeweiligen Frau in ihrem individuellen Fall definiert? Mehr noch: Ist es möglich, dass eine Frau sich durch die Avancen eines Mannes geschmeichelt, ein anderes Mal jedoch in vergleichbarer Situation vom selben Mann sexuell genötigt fühlt? Damit hängen unmittelbar folgende Fragen zusammen: • Ist es moralisch und juristisch gerechtfertigt, wenn eine Frau zunächst einvernehmlichen Sex mit einem Mann hatte, nach Beendigung der Affäre aber von sexueller Nötigung redet? • Gibt es eine klare Trennlinie, bei der mehr oder weniger plumper Annäherungsversuch, ungeschicktes oder unüberlegtes Verhalten, nett gemeintes, charmantes Kompliment aufhören und sexuelle Anmache beginnt? Ist der Mann hier nicht manchmal überfordert, was die mögliche Interpretation seines jeweiligen weiblichen Gegenübers anbelangt? • Welche anderen Motive als verletzte Gefühle spielen bei einer Anklage wegen sexueller Aggression evtl. eine Rolle? Und was sagt der gewählte Zeitpunkt darüber aus? Ist er im wahrsten Sinne des Wortes manchmal „Berechnung“ - ebenso wie das (lukrative) Schweigen in einigen Fällen? • Welche Rolle spielt Frauensolidarität bei der Etikettierung eines Mannes als „Begrapscher“? Bei der Beantwortung einiger dieser Fragen wird in dem Buch auch eine gewisse Doppelmoral deutlich. Um einer schlüssigen Beantwortung zumindest näher zu kommen, müsste man allerdings auch die männliche Perspektive stärker einbeziehen. Da dies in diesem Roman nicht gegeben ist, handelt es sich um reine Frauenliteratur. Fazit: ein feministischer Roman, der trotz gelegentlicher Klischeehaftigkeit noch einmal zum Nachdenken über das Geschlechterbild in unserer Gesellschaft anregt.

Lesen Sie weiter

Sloane, Ardie, Grace und Rosalita arbeiten in verschiedenen Positionen in einer großen Firma. Unter der Hand geht dort eine Liste herum über Männer, vor denen man sich als Frau in Acht nehmen sollte. Als der Posten des CEO neu zu besetzen ist, soll ausgerechnet Ames, der unangenehme Chef, befördert werden. Doch dann taucht sein Name auf der Liste auf – und kurze Zeit später ist er tot ... Whisper Network ist ein spannender Roman, der aktueller wohl kaum sein könnte. Wir beide haben bislang keine Erfahrungen in großen Firmen gesammelt – und nach dieser Lektüre kann man wohl sagen zum Glück, auch wenn vielleicht in den USA das eine oder andere Thema noch krasser gehandhabt wird als hierzulande. Nichtsdestotrotz gibt es genug Berichte und Erzählungen, die belegen, dass Bakers Romaninhalte keinesfalls Fiktion sind. Dabei weist Baker gleich auf mehrere problematische Muster der Arbeitswelt hin: Zum einen die permanente Gefahr sexueller Belästigung, egal an welchem Punkt ihrer Karriere sich eine Frau befindet, zum anderen die Unmöglichkeit, neben einer Karrierefrau auch Mutter zu sein. Das Bild der großen Firmen, die absurde Ansprüche an ihre Mitarbeiter*innen stellen und in denen eine angemessene Work-Life-Balance unmöglich ist, ist uns zwar aus den Medien bekannt, jedoch lässt es uns auch immer wieder fassungslos zurück. In Whisper Network kommt es schließlich zu einem Todesfall – und natürlich Ermittlungen, die wir mittels Zeugenbefragungsprotokollen verschiedener Angestellter mitverfolgen können. Zusammen mit einer sauber konzipierten, sich nur langsam enthüllenden Hintergrundgeschichte erfahren wir immer mehr aus dem Leben der Frauen und ihres Chefs. Interessant war auch die generelle Auseinandersetzung mit der "Warnungsliste". Auch wenn diese nach unserem Empfinden gar keine so ausschlaggebende Rolle in dem ganzen Geschehen gespielt hat, wurde ihr Für und Wider verständlich beleuchtet. Das größte Manko an dem Buch war für uns – neben der eher spannungsarmen Auflösung der Umstände von Ames' Tod – die Darstellung der "Freundschaft" von Grace, Sloane und Ardie. Obwohl diese seit Jahren befreundet zu sein scheinen, hat uns die Geschichte kein Gefühl von Vertrautheit, Verbundenheit oder gar echter Zuneigung vermittelt. Das wäre auch ok gewesen, wenn die drei als Bekannte oder Kolleginnen bezeichnet worden wären. Da sie aber explizit als enge Freundinnen vorgestellt wurden, stießen uns die Unehrlicheit und Verhaltensweisen, die man umgangssprachlich gerne als "Stutenbissigkeit" bezeichnet, sauer auf. In Anbetracht des Themas kam uns das besonders absurd und irritierend vor. Auch das Element des "Chors" hat uns nicht ganz überzeugt und stellenweise eher irritiert. Hierbei handelt es sich um kurze eingeschobene Textpassagen, welche nicht im Zusammenhang mit der Handlung stehen, in denen vielen Frauen gemeine Probleme reflektiert bzw. vorgetragen werden. Äußerst lesenswert ist übrigens das Nachwort, in dem die Autorin ihre eigenen Erfahrungen sowie ihre Motivation für den Roman schildert. Ein wichtiges Buch, aber auch anstrengend zu lesen und mit einer für uns nicht ganz befriedigenden Auflösung und einigen Schwächen. Daher gibts von uns 3 1/2 Sterne und eine Empfehlung für thematisch Interessierte.

Lesen Sie weiter

Truviv – eine Marke für Sportbekleidung, ein Unternehmen aus Dallas, der Arbeitgeber von Sloane, Ardie und Gracie, welche sich seit Jahren im Schatten ihres übergriffigen Vorgesetzten Ames Garrett bewegen. Als eine neue Kollegin eingestellt wird, glauben die Freundinnen, ein Muster zu beobachten, das sie selbst kennengelernt haben. Damals haben sie nichts getan, haben geschwiegen, bis heute. Aber die Umstände haben sich geändert – erst recht, als das Gerücht in Umlauf kommt, Ames könnte zum neuen Geschäftsführer ernannt werden. Und als ein Körper auf dem Bürgersteig landet, ändern sie sich noch einmal. Ich habe nie viele Thriller gelesen, weil ich dachte, diese müssten allzeit mit der detaillierten Darstellung starker physischer Schmerzen einhergehen – weit gefehlt, wie mir nun auch durch „Whisper Network“ nochmal bewusst geworden ist. Primär bedeutet Thriller doch nur eins: Nervenkitzel. Am besten solch ein Nervenkitzel, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. „Whisper Network“ hat das bei mir definitiv geschafft. Zwar nicht direkt, sondern erst ab knapp der Hälfte, aber dann mit solch einer Intensität, dass ich sogar beim Aussteigen aus dem Zug und auf dem Weg zum Auto weitergelesen habe (peinliche Stolperpanne inklusive). Schließlich saß ich bei sengenden 36 Grad Außentemperatur im Auto und konnte mich nicht dazu überreden, nach Hause zu fahren, musste stattdessen weiterlesen, weiterlesen, weiterlesen. Nur mit größter eigener Überzeugungsarbeit habe ich es geschafft, das Buch schließlich kurzzeitig wegzulegen und nach Hause zu fahren – wo es aber direkt wieder in die Hand genommen und auf der Couch atemlos beendet wurde.„Whisper Network“ ist ein absolut zeitgemäßer, emotionsgeladener und unverblümt ehrlicher Thriller, der es schafft, viele Gedankengänge rund um Sexismus und sexuelle Belästigung in Worte zu fassen. Gedankengänge, die womöglich jeder von uns schon einmal hatte – und die einem gegebenenfalls erst beim Lesen dieses Buchs wirklich bewusst werden. Schon von Seite eins an hat mich das Buch unterhalten, doch musste der Spannungsbogen zunächst aufgebaut werden, sodass ich eine Weile brauchte, um wirklich vollends in der Geschichte zu versinken. Aber plötzlich haben sich die Seiten aufgetan, mich mit Haut und Haaren verschlungen und ich war mittendrin. Das Buch besteht einerseits aus gegenwärtigen Erzählungen und zeitweise kleineren Rückblicken, andererseits aber auch aus regelmäßigen Zeitsprüngen zu den Befragungen diverser Personen nach einem Todesfall. So wurde ich kontinuierlich dazu angehalten, die Verbindungen zwischen den drei Zeitebenen zu suchen, um zu verstehen, was wirklich passiert ist – aber am Ende doch nur mit mäßigem Erfolg, weil einiges ganz anders kam, als ich es erwartet hätte. „Whisper Network“ hat mich mit seinen Erzählungen wütend gemacht, mit seinen Wendungen aus den Socken gehauen. Und ganz zum Schluss habe ich fast schon Dankbarkeit für diese Geschichte empfunden, weil sie so packend, ergreifend und wahr ist, dass wohl jeder von uns etwas daraus für sich und sein Leben mitnehmen kann. Vor allem eins: Nutze deine Stimme. Für dich und für andere. 4,5 Sterne.

Lesen Sie weiter

Inhalt: Es geht um Ardie, Sloane und Grace, die alle in einer großen Firma als Justiziarinnen arbeiten. Sie alle haben auf die eine oder andere Weise sexuelle Belästigung erfahren und als ihr Chef verstirbt und Ames Garrett ihr neuer Chef werden soll, möchten sie sich nun gemeinsam dagegen wehren. Alles beginnt relativ harmlos, mit einer anonymen Liste von Männern, die Frauen am Arbeitsplatz belästigt haben. Allerdings spitzen sich die Geschehnisse sehr schnell zu und bald haben alle Beteiligten die Kontrolle darüber verloren und es gibt kein Zurück mehr. Charaktere: Die Hauptcharaktere sind anfangs vor allem Ardie, Grace und Sloane. Später werden auch Katherine, eine weitere Justiziarin, und Rosalita, eine Putzfrau, wichtiger. Die Charaktere haben mir alle sehr gut gefallen. Sie hatten alle ihre Stärken und Schwächen, ihre sympathischen und unsympathischeren Seiten. Auch die Nebenrollen, wie die Familien der Protagonistinnen, wurden sehr authentisch dargestellt. Ames Garrett war mir anfangs gar nicht so unsympathisch, ist es aber im Verlauf der Geschichte, während immer mehr Geheimnisse ans Licht kamen, zunehmend geworden. Schreibstil: Der Schreibstil war sehr locker und angenehm zu lesen. Die Geschichte wurde in einer Art "Wir-Perspektive" geschrieben, so als würden die Frauen, um die es geht, die Geschichte alle gemeinsam erzählen. Außerdem geht es in den Kapiteln abwechselnd um Ardie, Grace, Sloane oder Rosalita. Unterbrochen wird die Geschichte von eingefügten Zeugenberichten und Verhörprotokollen, die man als Leser erst im Verlauf des Buches einordnen kann. Meine Meinung: Mir hat das Buch, der Schreibstil und die Thematik wahnsinnig gut gefallen. Ich fand das Buch spannend, wenn auch zum Teil vorhersehbar, aber trotzdem mit unerwarteten Wendungen. Außerdem glaube ich, dass es der Autorin sehr gut gelungen ist, auf ein, auch im wirklichen Leben bestehendes und sehr ernstzunehmendes, gesellschaftliches Problem hinzuweisen. Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen!

Lesen Sie weiter