Leserstimmen zu
Vardo – Nach dem Sturm

Kiran Millwood Hargrave

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Am 24. Dezember 1617 wird die nordnorwegische Insel Vardø von einem Sturm heimgesucht. Die Männer sind aufs Meer hinausgefahren, um zu fischen und kommen alle ums Leben. Die Frauen von Vardø bleiben allein zurück, bis sie einen Kommissar vor die Nase gesetzt bekommen... . Fazit: Ich Depp hab erst geglaubt, die Geschichte wär ausgedacht... bis ich das Nachwort gelesen hab 🙈 ein unglaublich interessantes historisches Event, eine unglaublich tolle Grundlage! Die Autorin hat das Setting und die Charaktere sehr gut rübergebracht, Vardø ist diese triste Insel, auf der es im Winter immer dunkel ist und das ganze Jahr saukalt. Die Stimmung ist sehr bedrückend und authentisch. Ich hab leider sehr lang gebraucht, um in das Buch reinzukommen. Die erste Hälfte spielt sich zu großen Teilen in den Köpfen der Protagonistinnen ab, sehr bedrückend und wenig Handlung... ich bin eine Leserin, die sehr viel Spannung braucht, deswegen wars schwierig. Die zweite Hälfte gibt dann aber ordentlich Gas und hat mich total bei der Stange gehalten. Was ich vermisst hab, waren mehr Infos über eine reine Frauengemeinschaft im 17. Jahrhundert. Das war eigentlich die Prämisse, die mich am meisten interessiert hat. Unterm Strich ein guter historischer Roman, der noch mehr Potenzial hätte: 3,5/5🌟

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Zum Inhalt: Als Weihnachten 1617 ein verheerender Sturm auf die norwegische Insel Vardo zu zieht, sind die Männer gerade beim Fischfang. Gegen das Unwetter haben sie keine Chance. Die Frauen der Insel haben ihre Männer, Väter, Brüder verloren und versinken in gemeinschaftlicher Trauer. Doch das Leben muss weitergehen ... Dann wird ein Kommissar auf die Insel geschickt, der sich in Schottland mit Hexenprozessen einen Namen gemacht hat. Er wird begleitet von seiner jungen, ihm frisch angetrauten Ehefrau ... Meine Meinung: Das Buch hätte ich mir von selbst nie gekauft, da der Klappentext nicht meinen Lesevorlieben entspricht. Auch das Cover hätte mich nicht dazu animiert, mich näher damit zu befassen. Da ist es doch gut, wenn man mal ein Überraschungsbuch erhält. Ich habe etwas mehr als 100 Seiten gebraucht, bis ich in der Geschichte „angekommen“ bin. Und es ist auch keine „leichte“ Lektüre, aber es lohnt sich „dranzubleiben“. Die ausführlichen Schilderungen des Lebens in der damaligen Zeit fand ich sehr beeindruckend. Die Unterschiede zwischen Stadt und Dorf sowie zwischen besser situierten und einfachen Leuten waren schon seinerzeit sehr deutlich. Rückblickend aus heutiger Sicht wirkte jedoch alles recht bedrückend auf mich. Sehr detailliert wird auch auf die Rolle der Frauen eingegangen, die so gut wie keinerlei Rechte und Ansprüche hatten. Und wenn sich doch eine Frau traute, aufzubegehren, lief sie Gefahr als Hexe verurteilt zu werden. Das Leben war für sie somit ständig eine Gratwanderung. Explizit verarbeitet die Story auch die große Palette von menschlichen Verhaltensweisen – sowohl in positiver Hinsicht, als auch in schlechter. Es wird aufgezeigt, wie sich aus Nichtigkeiten und kleinen Eifersüchteleien im Rahmen einer Gruppe Tendenzen ausbreiten können, die im Endeffekt eine Eigendynamik entwickeln und schwer zu stoppen sind. Fazit: eine kraftvolle Geschichte mit viel Dramatik

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Beklemmend

Von: oceanloveR

19.04.2020

Hexenverfolgung und Inquisition gehören nicht zu meinen bevorzugten Buchthemen, doch das Setting im hohen Norden Norwegens sowie die angedeutete machten mich neugierig. FAZIT: Beklemmend und eindrucksvoll geschildert aber leider handlungsarm, gewährt das Buch einen tiefen Einblick in eine Spirale aus Misstrauen und Verrat, Freundschaft und Liebe. Zur vollständigen Rezension: https://oceanlove--r.blogspot.com/2020/04/liebe-queer-durch-alle-zeiten.html

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Hallo allerseits! Viele schieben Hexenverbrennungen ins tiefste Mittelalter, doch seinen Höhepunkt hatte diese Grausamkeit im 17. Jahrhundert, als überall, sogar in nach Amerika, Frauen der Hexerei angeklagt und verbrannt worden. Ein Thema, das bei mir gleichermaßen Ehrfurcht, wie auch Interesse weckt. Die Schmerzen, die diese Frauen ertragen haben müssen und die Lächerlichkeit dieser "Verhandlungen" sind heute kaum vorstellbar. Mir war nicht bewusst, dass dieses Thema auch in Skandinavien so heiß gehandelt wurde. Umso interessierter war ich an diesem Roman, der einen Einblick in diese Zeit gewährte. Die Tatsache, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht, ließ mir einen Schauer den Rücken hinunter jagen. Die Geschichte um Maren und Ursa, zwei Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, ist spannend und stimmungsvoll erzählt. Die Entwicklung, die beide Frauen durchlaufen, sind bemerkenswert und doch zu keinem Zeitpunkt überzogen. Es wirkt realistisch und nachvollziehbar. Gut gefallen haben mir auch die norwegischen Begriffe, die immer wieder eingestreut wurden. Diese haben die Stimmung noch dichter gemacht und einen noch mehr in die kalten Nächte auf Vardo gezogen. Der Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die Perspektivsprünge zwischen Maren und Ursa sind teilweise schwierig nachzuvollziehen . Ich muss auch für meinen Teil gestehen, dass ich mich schwer tue, wenn die Bücher im Präsens geschrieben sind. Es fällt mir dann teilweise schwerer, der Geschichte zu folgen. Obwohl die Geschichte spannend ist, weist das Buch teilweise Längen auf, Seitenweise passiert nicht viel und ich musste mich richtiggehend motivieren, weiter zu lesen. Die Charaktere sind gut gelungen. Sei es die stolze Kirsten, die eifersüchtige Toril oder selbst der grausame Absalom, jeder hat seine Momente. Viele Handlungsstränge werden am Ende offen gelassen und doch fühlt es sich nicht so an, als würde der Leser allein gelassen. Viel mehr befeuert es die eigene Fantasie. Und ja, das Ende. Schon ab der Mitte des Buches hat man die ungute Ahnung, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Man kann den Sturm, der sich über der kleinen Insel zusammenbraut, als Leser schon quasi riechen. Und doch fühlt es sich richtig an. Ein Happy End hätte zu dieser Art von Geschichte nicht gepasst. Dafür, dass die Autorin sich sonst nur mit Kinderbüchern beschäftigt hat, ist das ein wirklich düsteres und erwachsenes Buch. Es beleuchtet ziemlich gut die Unmenschlichkeit der Hexenverfolgungen und auch ihre Absurdität. Die Missgunst zwischen den Frauen konnte schließlich ihr friedliches Leben zum Einsturz bringen und hat damit die Hexenjagd erst richtig angefacht, ebenso wie Angst vor dem Fremden. Traurigerweise beides Themen, die uns auch in der heutigen Zeit nicht fremd sind.

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Das Buch Vardo Nach dem Sturm

Von: Karsten

16.04.2020

Wenn man das Buch in der Hand hält, ist man erstmal gespannt, was einen erwartet. Über die Informationen des Einbandes geht man erwartungsvoll an das Lesevergnügen heran. Das Buch zeigt anfänglich, langatmige Strecken auf, danach wird es spannender. Man möchte einfach wissen wie es weitergeht. Man fühlt sich in die damalige Zeit zurückversetzt und erwartet jedes neue Detail mi Spannung. "Vorsichtig Spoiler" Das die Frauen auf der Insel nach dem Unglück am Heiligen Abend 1617 versucht haben allein zu überleben war schon schwer genug, dabei mussten Sie hautnah miterleben wie andre Frauen im Dorf als Hexen gefoltert und verbrannt wurden. Das Buch und der Inhalt beschäftigt noch nach, nachdem man es ausgelesen hat.

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Recht interessant

Von: Soronja Bert

14.04.2020

Der Roman basiert zum Teil auf wahren Begebenheiten und spielt im 17. Jahrhundert: Nach einem schweren Sturm, in dem fast alle Männer des Fischerdorfes Vardo auf See umgekommen sind, sind die Frauen auf sich allein gestellt. Doch es ist die Zeit der Hexenverfolgungen und allzu selbständige Frauen sind "gefährlich". Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der jungen Dorfbewohnerin Maren und Ursula, genannt Ursa, der Ehefrau des in das Dorf gesandten extrem religiösen Ordnungshüters Absalom Cornet. Im Prinzip stößt das Buch interessante und auch heute noch relevante Fragen an, im Vordergrund steht v.a. die Gender-Problematik. Aber auch die Theodizee-Frage stellt sich, zumindest ansatzweise: Wie kann es sein, dass ein guter Gott unsere Welt erschaffen hat, aber in ihr so viel Unglück herrscht? Und, aus der historischen Perspektive: Ist ein so großes Unglück wie der Sturm nicht ein Beweis dafür, dass Vardo ein gottloser Ort ist? Wie kann jedoch im Namen Gottes Menschen so viel Leid entgegen aller Vernunft zugefügt werden, wie es bei den Hexenverfolgungen geschehen ist? Allerdings bleiben die Fragen eher an der Oberfläche, was vielleicht auch mit der Erzählperspektive zusammenhängt - das Erzählte geht eben nie über den Horizont der beiden Figuren Maren oder Ursa hinaus. Das Erzählen aus der Perspektive mehrerer Figuren ist ein in der zeitgenössischen Literatur sehr übliches Mittel, führt hier aber nicht dazu, dass man wirklich verschiedene Einblicke in die Geschichte bekommt, da beide Frauen zu ähnlich denken und sich auch zu nahe stehen. Beide sind einerseits naiv und unbedarft, auch zum Teil in ihren Gefühlen sehr beeinflussbar und lenkbar, andererseit dann wieder sehr vernunftbegabt und eigenständig. Dass die Figuren nicht so konsequent gezeichnet wurden, führt dann auch dazu, dass man ihnen nicht richtig nahekommt/ sich nicht gut identifizieren kann. Fazit: Eine spannende, insgesamt eher traurige und erschütternde Geschichte, die aber leider zu oft an der Oberfläche "wabert".

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Gute Idee mit zu vielen Längen

Von: ginisbooktown

12.04.2020

Ausgangspunkt des Buches ist ein Sturm, bei welchem, bis auf ein paar Alte, alle Männer umkommen. Überraschend war für mich, dass dieses Ereignis auch direkt gezeigt wird. Ich war davon ausgegangen, dass es nur in Rückblenden zu sehen sein wird. Nach diesem Unglück sind die Frauen auf sich allein gestellt. Die Geschehnisse in dem kleinen Ort Vado werden aus der Sicht jungen Maren geschildert, welche zusammen mit Anderen die Aufgaben der verstorbenen übernimmt, um das Dorf am Leben zu erhalten. Ich fand es gut, wie sich die Hinterbliebenen organisieren. Verwundert hat mich nur, wie sie den Pfarrer übergehen, dadurch wirkte er auf mich seltsam lächerlich. Stattdessen übernehmen andere Frauen die Führung. Das soll aber nicht lange so bleiben, denn eine männliche Führung von außerhalb soll in dem Ort eingesetzt werden. Bald wechselt die Szeniere und eine neue Figur, Ursula, wird eingeführt. Sie lebt in ehemaligem Wohlstand weit weg von dem kleinen Ort, kommt durch verschiedene Umstände aber gegen ihren allgemeinen Willen nach Vado. SPOILER Ihr Mann ist ein grober und gewalttätiger Widerling und ich hätte mir gerne etwas Besseres für sie gewünscht, beispielsweise den netten Kaptain. SPOILER ENDE Die beiden Protagonistinnen waren mir grundsätzlich sehr sympathisch. Maren wirkt sehr ruhig und geeredet und Ursula zeigt ihre starke Persönlichkeit dadurch, einige Qualen psychischer und physischer Natur auszustehen. Dennoch konnte ich leider keine Bindung zu den Beiden aufbauen, generell zu keinem der Charaktere, was sehr schade ist, denn zumindest Gefühle wie Angst oder Zorn sind sehr anschaulich dargestellt. SPOILER Dass die Beiden mehr als Freundschaft für einander empfinden, war mir schnell klar. Allerdings passte es für mich nicht wirklich in die Handlung, weil beide zuvor Beziehungen zu Männern hatten oder sich wünschten. Die Wandlung kam für mich einfach zu plötzlich. Vielleicht wollte die Autorin hier zeigen, dass auch auf dieser Ebene ein Umdenken in dem Ort hätte stattfinden können. SPOILER ENDE Vielleicht hätte eine andere Erzählperspektive der Geschichte gut getan und die Distanz zwischen Handlung und Leser verringert. Der Roman ist geschrieben aus der Sicht des allwissenden Erzählers. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum bis auf Absolem Cornet alle Figuren flach und unzugänglich wirken. Und angesichts dessen, wofür dieser Mann steht, ist das nicht positiv. Was mir gefallen hat ist, dass jede Figur andere Charakterzüge aufweist und man sie dadurch sehr gut voneinender unterscheiden kann. Natürlich sind ein paar freundlicher als Andere. Die Geschichte geht sehr langsam voran, leider verliert sich die Autorin öfter in Beschreibungen von Umgebungen oder Situationen. Etwas mehr Tempo hätte der Handlung bestimmt gut getan. SPOILER Spannender wurde es durch den Aspekt der Hexenverfolgung, welcher aufgrund der für den Roman gewählten Zeit, sehr passend ist. Irgendwann war es aber absehbar, wer potentiell wen anschwärzen würde. Das sorgte zumindest dafür. dass die Motive gut nachzuvollziehen waren. Ansichten die Hexerei betreffend, wurden sehr radikal dargestellt, wie es damals wahrscheinlich auch war. Diese sind sehr abschreckend und ekelerregend und zudem auch sehr absurd, sodass zumindest ich den Gedanken nicht verdrängen konnte, ob man für diese Thematik wirklich noch vom Aberglauben der Menschen reden kann und nicht schon von grenzenloser Dummheit. SPOILER ENDE Fazit: Der Roman klang unheimlich spannend, ist aber leider sehr zäh und konnte mich nicht wirklich abholen. Die behandelten Themen bieten sehr viel Potential und das rechne ich zu den positiven Aspekten. Nocheinmal lesen werde ich das Buch wahrscheinlich nicht, aber da es der Debütroman der Autorin ist, wünsche ich ihr viel Erfolg für weitere Romane. Jeder beginnt einmal.

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Historischer Hintergrund

Von: zwergspitzmaus

07.04.2020

Um diese Geschichte zu verstehen, empfehle ich, den historischen Hintergrund am Ende des Buches zuerst zu lesen. Diesen hätte ich mir zu Beginn des Buches als Einleitung gewünscht, um einige Figuren und historische Begebenheiten besser zu verstehen. Auf Grund des Klappentextes war ich sehr neugierig auf dieses Buch - welches meine Erwartungen leider nicht erfüllen konnte. Der reale Hintergrund der Hexenprozesse findet erst am Ende des Buches seinen "Auftritt" und dieser wird dann sehr schnell und ohne weitere Hintergründe "abgearbeitet". Auch die beiden Hauptakteurinnen Maren und Ursa werden für mich sehr einzeln behandelt und wenig in die Gemeinschaft, in der sie leben und die auch Einfluss auf ihr Handeln nimmt, einbezogen. So war für mich das Handeln der anderen Dorfbewohner von Vardo nicht immer nachvollziehbar oder erklärbar. Der Tod der Männer des Dorfes (welches der Anfang von allem ist) wird kurz abgehandelt und dann wird wenig darauf eingegangen, was der Verlust von so vielen Männern auf einmal für das Dorf, die Gemeinschaft und das alltägliche Leben praktisch bedeutet. Für mich insgesamt ein Buch mit einem tollen Ansatz und einem sehr interessanten historische Hintergrund, welches jedoch sein Potenzial nicht ausschöpft und teilweise sehr stückhaft bleibt.

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