Leserstimmen zu
Vardo – Nach dem Sturm

Kiran Millwood Hargrave

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Vardø, Norwegen, am Weihnachtsabend 1617: Ein unerwartet heftiger Sturm bricht über dem Meer aus und 40 Männer sterben. Die Frauen bleiben allein zurück und sich selbst überlassen. 18 Monate nach dem Sturm kommt Absalom Cornet, schottischer Kommissar, mit seiner norwegischen Ehefrau auf die Insel und soll für Ordnung sorgen - und die Insel von Zauberei sowie Hexerei befreien. Kiran Millwood Hargrave hat mit diesem Roman ein bedrückendes Portrait des 17. Jahrhunderts und der Rolle der Frau in dieser Zeit entworfen. Die Handlung ist nicht besonders spannungsgeladen, sondern schreitet eher bedächtig voran - es herrscht aber eine sehr fesselnde Atmosphäre, die den/die LeserIn in ihren Bann zieht. Themen wie Hexenverfolgung, Machtverhältnisse und Überlebenskampf werden authentisch geschildert. Zudem wird gezeigt, was ein "falscher" Glaube anrichten kann - und wie die Masse einzelne Personen mit sich reißt. LeserInnen erfahren zudem auch mehr über Norwegen - Essgewohnheiten, Landschaft, Völker (Sàmi). Nicht ganz überzeugen konnte leider die eingebaute Liebesgeschichte. Erzählt wird aus zwei Perspektiven, was durchaus ansprechend und packend ist. Die Stimmung in diesem Roman ist sehr düster und bedrückend, die Schreibweise poetisch. Besonders beeindruckend und zugleich verstörend ist, dass das Buch von wahren Begebenheiten inspiriert wurde und einen historischen Hintergrund hat - unter anderem ereignete sich im Jahr 1617 tatsächlich ein Sturm, der 40 Männern das Leben kostete. × Auf dem Klappentext des Buches steht, dass der Kommissiar erst 3 Jahre nach dem Sturm auf die Insel kommt - das stimmt allerdings nicht, da sich die ganze Handlung des Romans innerhalb von 3 Jahren abspielt: 1617-1620. ×

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Das Buch hat ein bisschen gebraucht um seine Faszination auf mich auszuüben, die ersten ca. 100 Seiten zogen sich, die leider recht oberflächlich beschriebene Maren die mir dazu noch total unsympathisch ist, erschwerte mir den Einstieg. Dann wurde das Buch zunehmend fesselnder und der beeindruckend intensive Schreibstil hat mich dann vollends ins Buch gezogen. Die Handlung ist nicht wirklich spektakulär oder spannend, allerdings sind die Charaktere sehr authentisch und mir ans Herz gewachsen. Toll war es die historischen Hintergründe die mir sehr gefallen haben, zu lesen, und wie sich dann am Ende alles zusammengefügt hat. Ein faszinierend, eindringlicher Roman, der mir sehr gut gefallen hat.

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Sturmbrausen

Von: wal.li

14.06.2020

Um Weihnachten 1617 wird die kleine norwegische Insel Vardø von einem starken Sturm getroffen. Die Frauen standen auf ihre Männer wartend am Ufer und mussten mit ansehen, wie die gestandenen Seeleute umkamen. Fast alle Familien sind betroffen. Einige - wie Maren - haben mehrere Familienmitglieder verloren. Vater, Bruder, Verlobter, die wie ausgelöscht sind. Zwar gibt das Meer die Toten zurück, aber das ist nur ein geringer Trost. Anstatt die Leichen aufzubahren und mit ihnen auf den Sommer zu warten, um die Erde für die Bestattungen aufbrechen zu können, würden die Frauen lieber gemeinsam mit ihren Lieben das neue Jahr begrüßen. Maren leidet sehr unter dem Verlust. Obwohl sie froh ist, dass Dimma, die Frau ihres Bruders da ist, fühlt sei auch etwas Neid auf die Schwangere. Doch Kristin ist eine Frau, die vorwärts denkt. Da große Hilfe von außen nicht zu erwarten ist, schlägt sie vor, die Dorfbewohnerinnen sollen selbst aufs Meer hinausfahren und die Netze ausbringen. Bald kommt ein neuer Pfarrer in den Ort, dem das Treiben nicht so gefällt. Und spätestens jetzt kommt ein Keil zwischen die Frauen, die einen, die zur Kirche gehen, und die anderen, die dies eben nicht für nötig halten. In ihrem ersten Roman für Erwachsene nimmt die Autorin ein Ereignis, welches tatsächlich stattgefunden hat, als Ausgangspunkt für ihre ungewöhnliche Geschichte. Im Jahr 1617 ist es durchaus ungewöhnlich, das die Frauen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Aus der Not heraus sind sie ihrer Zeit voraus. Doch nicht einmal im Dorf gefällt das allen. Mit den dramatischen Ereignissen um den Sturm beginnt das Buch, um dann recht behäbig weiterzugehen. Gerade, wenn man sich ein Urteil bilden will, bekommt die Handlung eine überraschende Wendung, aus der die ganze Kraft des Romans hervorscheint. Die Frauengestalten haben es wirklich in sich, sie strahlen förmlich. Wie schade, dass es Missgunst, Neid und Bigotterie gibt. Die Menschheit könnte so viel besser sein, wenn sie Positives einfach anerkennen würde, auch wenn es anders ist als üblich. Ein packender Roman, dessen wahrer Gehalt sich aus dem Klappentext leider oder zum Glück nicht erschließt. 4,5 Sterne

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Anders als erwartet

Von: Uulika

14.06.2020

Nach einem Sturm finden 40 Männer im Meer ihren Tod, von nun an ist nicht mehr so wie es war im Dorf und für die Frauen. Vardo ist kein Buch das man mal so schnell liest. Es berührt einem beim Lesen und macht nachdenklich über eine Zeit, die schon lange vorbei ist. Die Autorin erzählt einfühlsam und berührend, ein Buch, dass man nach dem Lesen nicht gleich weglegt …

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Frauen unter sich....

Von: Sylvia B.

05.05.2020

Vardø ist ein Roman,über eine Gruppe von Frauen, die alle ihren Mann/Sohn/Vater.... verloren haben und sich nun autonom organisieren. Schnell stellen sie ihr Können der Gruppe zur Verfügung und das Zusammenleben gelingt immer besser. Doch dann kommt die Hexenverfolgung in ihr kleines Dorf und bedroht den Frieden.... Ein spannendes Buch über Loyalität Freundschaft, Liebe, Geheimnisse, Verrat und vieles mehr.

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Es lohnt sich

Von: Alja

01.05.2020

Diese Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. So etwas berührt mich dann meistens umso mehr. Ich finde dass das Buch trotz aufreibendem Thema sehr behutsam und ruhig erzählt wird. Es wird gut auf die Charaktere eingegangen und die Autorin lässt sich wirklich Zeit damit die Emotionen einzufangen. Ich denke dass es gerade am Anfang etwas zu langatmig werden könnte, aber man sollte unbedingt dran bleiben, es lohnt sich.

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Am Weihnachtstag des Jahres 1617 reißt ein gewaltiger Sturm, der aus dem Nichts zu kommen scheint, alle Fischer des norwegischen Küstenorts Vardø in den Tod. Nach der Starre des darauf folgenden Winters, in dem die verbliebenen Frauen um ihr Überleben kämpfen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Aufgaben der Männer zu übernehmen und auf Fischfang zu gehen. Maren, deren Verlobter, Vater und Bruder bei dem Unwetter starben, muss sich um ihre verbitterte Mutter, ihre Schwägerin und deren neugeborenem Jungen kümmern. Die Gemeinschaft der Frauen entzweit sich an der Gottesfürchtigkeit, die die Rolle der Frauen nicht in der Jagd sieht und misstrauisch gegenüber den Samen ist, denen auch Marens Schwägerin angehört. Hunderte Kilometer weiter südlich in Bergen, führt Ursa ein behütetes Leben als Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns. Eines Tages bringt der Vater einen großen und stattlichen Mann ins Haus. Der Schotte Absalom Cornet soll als religiöser Abgesandter in den Norden geschickt werden. Nach kurzer Zeit heiraten die beiden und reisen nach Vardø. Doch das Leben als Ehefrau in diesem abgeschiedenen Teil des Landes ist so ganz anders. Ursas einziger Trost ist die langsam aufkeimende Freundschaft zu Maren. Doch als sie herausfindet, dass Absalom ein fanatischer Hexenjäger ist und einige Frauen aus dem Dorf verdächtigt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Die Geschichte dieses Romans hat sich im 17. Jahrhundert tatsächlich so zugetragen. Eine Hexenverfolgung durch die Kirche, besonders unter den Ureinwohnern, den Samen, die mit ihren Runen und Figuren im alten Glauben lebten, ist historisch erwiesen. Dieser Hintergrund intensiviert den Leseeindruck, wenngleich ich anfangs etwas Schwierigkeiten mit dem ungewöhnlichen Schreibstil hatte.

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Vardø erzählt die Geschichte eines kleinen norwegischen Dorfs im 17Jahrhundert. Während eines Sturms verlieren fast die gesamte männliche Bevölkerung ihr Leben. Was macht dies mit den Zurückgeblieben? Die einen ziehen sich in ihren christlichen Glauben zurück, die anderen versuchen in den alten Riten der Sámi, den nordskandinavischen Ureinwohnern, Trost zu finden. Und dies spielt alles zu einer Zeit in der heidnische Bräuche ausgemerzt werden sollen. Anfangs habe ich etwas gebraucht um in das Buch hineinzukommen, aber im weiteren Verlauf hat es mir immer besser gefallen. Das Buch besticht nicht durch seine fesselnde Szenen und auch nicht durch seine sprachliche Gewalt. Vielmehr hat mich der schleichende Prozess der Geschichte interessiert und die Beschreibung des norwegischen Klimas. Zu sehen wie sich die Konflikte innerhalb der Dorfgemeinschaft steigern und sich Fronten verhärten, wozu Neid und Unverständnis führen wird hier sehr gut erzählt. Es ist definitiv ein Buch das mir im Gedächtnis bleibt und mich mit der Frage zurück lässt, ob in unserer heutigen Gesellschaft so etwas nicht mehr passieren kann.

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