Leserstimmen zu
Dunkelsommer

Stina Jackson

(29)
(12)
(6)
(2)
(0)
€ 15,00 [D] inkl. MwSt. | € 15,50 [A] | CHF 21,90* (* empf. VK-Preis)

Als ich “Dunkelsommer” gesehen habe, musste ich dieses Buch einfach lesen. Die Schweden haben eine ganz besondere Art Bücher zu schreiben. Sie glänzen nicht vor Tempo, viel mehr baut sich die Spannung unterschwellig auf und wird begleitet von Unbehagen und einer unheilvollen Stille. Und genauso ist das auch hier der Fall. Anmerken möchte ich, das es sich in keinster Weise um einen Thriller handelt. Vielmehr handelt es sich um einen Spannungsroman, der vor allem auf der psychologischen Ebene unheimlich gut ausgearbeitet ist und sehr viel Tragik und Dramatik mit im Gepäck hat. Ein Roman der unglaublich bewegt, erschüttert und zum nachdenken bringt. Stina Jackson hat einen sehr einnehmenden, fließenden und bildhaften Schreibstil, der mich sofort gefangen nahm. Obwohl dieser Roman nicht mit Tempo glänzt, war ich nicht in der Lage dieses Buch aus der Hand zu legen. Es hat mich gepackt und ich war nicht mehr in der Lage loszulassen. Ich wollte und konnte es einfach nicht. Lelle und Meja haben mich so unglaublich bewegt. Sie sind mir mit ihren jeweiligen Schicksalen unter die Haut gegangen. All der Schmerz , die Hoffnungslosigkeit brach sich ihren Bann und ich konnte einfach nur völlig erschöpft zusehen, wie sie immer mehr zerbrachen. Wie das Leben sie auseinander nahm und niemand Ihnen zur Seite stand. Als Mutter konnte ich mich wahnsinnig gut in Lelle hineinversetzen. Ich konnte diesen Schmerz nachvollziehen. Aber noch schlimmer ist, das man nicht abschließen kann. Abschied der einen verwehrt bleibt, weil niemand da ist, von dem man Abschied nehmen kann. Es hat mir das Herz gebrochen, sein Leid mit ansehen zu müssen. Ich habe so gehofft, das er sie findet. Obwohl ich tief im Inneren wusste, das die Hoffnung vergeblich war. Und dann ist da noch Meja. Ein Mädchen das keinen Halt findet. Ein Mädchen , das sich an alles klammert, was ihr begegnet. Ein Mädchen, das so viel mehr verdient hat. Aber nie in den Genuss kam, dies auch zu bekommen. Auf eine Art und Weise verbinden sich diese Schicksale , die über Tragik und Dramatik hinausgeht und plötzlich ist alles anders. Stina Jackson hat die Charaktere wirklich wunderbar ausgearbeitet. Sie sind alles andere als perfekt und gerade deswegen auch so authentisch und greifbar. Man fühlt und leidet mit Ihnen und fühlt sich Ihnen einfach verbunden. Zudem erfährt man auch noch die Perspektiven von Lelle und Meja, was ihnen unglaublich viel Tiefe verschafft. Im ersten Teil des Buches kann man beide sehr intensiv und wahnsinnig gut kennenlernen. Man versteht wie gebrochen sie sind. Wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Besonders bei Meja hat mich das familiäre Umfeld wirklich schockiert und ich sah nichts als Egoismus und Selbstaufgabe. Deswegen hat mich auch Mejas Entscheidung nicht überrascht. Ich verstand sie sogar. Und ich hoffte einfach , dass sie die richtige Entscheidung traf, trotz diesem beklemmenden Gefühl, das ich verspürte. Man wird begleitet von einer sehr drückenden und unheilvollen Atmosphäre. Man spürt förmlich, dass sich da etwas zusammenbraut und wartet nur auf diesen Einschlag. Im ersten Teil des Buches hätte für mich die Spannung noch etwas intensiver sein können. Weil ich durch diese beklemmende Atmosphäre doch immer wieder nachdenklich gestimmt wurde. Im zweiten Teil schwoll die Spannung und Intensität konstant an und ich fieberte einfach nur ununterbrochen mit. Es gab Entwicklungen , es gab unglaublich viel Emotionen und nervenzehrende Momente, die mich kaum zu Atem kommen ließen. Stina Jackson hat einige Wendungen eingewoben, die wirklich gut gelungen sind. Auch wenn ich damit schon gerechnet hatte. Viel mehr hat mich der Antrieb dahinter wirklich bewegt und fassungslos zurückgelassen. Es lag mir wie Blei auf der Brust und ich bekam einfach keine Luft mehr. Es ist so von Tragik und Leid gezeichnet, das es mich einfach niedergerungen hat. Stina Jackson hat hier einen Roman geschaffen, der mich durchweg in Atem gehalten hat. Schwer, drückend und beklemmend. Ein Roman der unter die Haut geht und so viel erzählt über Verlust, Loslassen und Ankommen. Ein Roman, den man einfach lesen muss. Ein Roman, der nachhallt und der erst im Nachhinein seine Wirkung entfaltet. Fazit: “Dunkelsommer” ist ein Roman den man unbedingt lesen sollte. Ein Spannungsroman , der vor allem auf der psychologischen Ebene punktet und so viel Tragik und Leid mit im Gepäck hat. Da ist so viel Schmerz, Verzweiflung und Trauer. Ein Roman, der mich immer wieder aufschreien und nach Luft schnappen ließ. Er glänzt nicht mit Tempo. Aber das muss er auch gar nicht. Was dieser Roman mitbringt, ist so viel mehr, als man verkraften, als man verstehen kann. Für mich einfach ein absolutes Highlight.

Lesen Sie weiter

Meinung Stina Jacksons Dübtroman "Dunkelsommer" ist kein Thriller im klassischen Sinne, sondern wirklich eher ein Spannungsroman. Das Cover hat mich gleich angesprochen, es vermittelt eine geheimnisvolle, düstere Atmosphäre in Schwedens Wäldern. Ich bin in das Buch nur langsam reingekommen, weil die Spannung sich nur langsam aufbaut und nicht viel passiert. Es hat anfänglich einige Längen. Erst im letzten Drittel wurde es richtig fesselnd und ich konnte das Buch am Schluss nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte besteht aus zwei Handlungssträngen, die sich am Ende zu einem verweben. Die verzweifelte Suche von Lelles nach seiner Tochter ist gut dargestellt und man kann gut nachvollziehen wie dieser sich damit selbst zugrunde richtet. Er lebt nur noch für diese Suche und verliert sich in dieser. Im zweiten Handlungsstrang geht es um Meja, die mit ihrer Mutter in diese verlassene Gegend zieht. Man kann gut mit ihr mitfühlen und versteht warum sie nicht schon wieder umziehen möchte und der neuen Beziehung ihrer Mutter skeptisch gegenüber steht. Zwischendurch wird man richtig wütend auf die Mutter, weil man den Eindruck hat, dass ihre Tochter nur eine untergeordnete Rolle in ihrem Leben spielt. Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Figuren sehr authentisch wiedergegeben worden sind. Auch andere Figuren im Buch sind ausführlich vorgestellt. Die düstere Atmosphäre, die duch das Cover schon vermittelt wird, zieht sich durch das ganze Buch und man hat die dunklen Wälder Schwedens vor Augen. Die Atmosphäre ist düster durch emotionale Momente im Buch und nicht durch körperliche Brutalität. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und es ließ sich flüssig lesen. Es ist keine Geschichte, die wirklich neu ist, aber dennoch hat sie ihre Berechtigung. Ab dem letzten Drittel hatte ich großen Lesegenuss, vorher war mir die Geschichte zu langatmig. Fazit Für mich hat dieses Buch 3,5 Sterne verdient, aufgrund des Endes, der düsteren Atmosphäre und der gut vermittelten Charaktere. Abzug bekommt das Buch aufgrund von einigen Längen im Buch, durch die man sich "durcharbeiten" musste.

Lesen Sie weiter

Wenn man das düstere Buchcover mal genau betrachtet, erkennt man eine schnurgerade Straße, die rechts und links dicht bewaldet ist. Dort sieht man einen einzigen Wagen in der Dunkelheit fahren… Wie man später im Buch erfährt, sitzt in diesem Wagen Lelle, der seit drei Jahren jeden Sommer nach seiner verschwundenen – damals 17-jährigen – Tochter Lina sucht... Ein zweiter Handlungsstrang läuft anfangs parallel, verknüft sich aber im Verlauf mit dem ersten. Während der erste Handlungsstrang etwas träge dahinfließt und eine düstere Stimmung vorherrscht, tut sich bei der stetigen Suche durch Lelle eigentlich nichts.. Beim Lesen des zweiten Strangs hatte ich dann schnell eine Idee wie alles zusammenhängen könnte und ich lag richtig... Gut gelungen ist der Einblick ins Seelenleben der Menschen, die mit einem tragischen Verlust zu kämpfen haben oder ein regelrechtes Sozialdrama durchleben. Auch die Wahl der recht düsten Umgebung, die dann der unheilvollen Handlung den richtigen Rahmen gibt, passt zum Romaninhalt. Beide Erzählstränge sind gut zusammengefügt, weswegen ich insgesamt drei von fünf möglichen Punkten vergebe.

Lesen Sie weiter

Langsam und ruhig erzählt die Autorin hier einen Kriminalroman. Schaltet einen Gang runter beim lesen. Geniest den Schreibstil und die wirklich fantastische Erzählweise. Nordschweden mit der Mitternachtssonne die Lele dafür nutzt seine verschwundene Tochter zu suchen. Seit 3 Jahren gibt es keine Spur von ihr. Aber er kann nicht los lassen. Meja ist mir ihrer Mutter nach Norrland kommt. Glücklich ist sie darüber nicht. Glücklich war sie auch vorher nicht. Zerrüttete Verhältnisse treiben sie immer wieder raus. Und als es im Dunkel Herbst einkehrt verschwindet ein weiteres Mädchen. Dieses Buch hat mich sehr überrascht. Hatte gar nicht viel erwartet aber das Buch hat mich fasziniert. Vor allem der Schreibstil der Autorin konnte mich überzeugen. Die Story ist gut durchdacht und durch die unterschiedlichen Perspektiven abwechslungsreich. Ohne überzogen zu sein ist die Story glaubhaft geschildert und durch den Ort des Geschehens nochmal was ganz anderes. Kann das Buch sehr empfehlen.

Lesen Sie weiter

Vor drei Jahren verschwand die damals 17-jährige Lena an einer Bushaltestelle spurlos. Seither ist ihr Vater Lelle auf der Suche nach dem Mädchen. Seine Ehe mit Anette ging in die Brüche. Er selbst verfällt immer mehr dem Alkohol. Dann zieht Meja mit ihrer Mutter in das Dorf im schwedischen Norden. Lelles und Mejas Lebenswege kreuzen sich. Stina Jackson hat für ihren Roman „Dunkelsommer“ die Auszeichnung als bester schwedischer Spannungsroman erhalten. Und das zu recht! Dunkelsommer ist eine grandios erzählte Geschichte über Verlust und Obsession, über die dunklen Seiten im Menschen. In den hellen schwedischen Mittsommernächten liegt viel im Verborgenen. Seit Lenas Verschwinden traut Lelle niemandem. Die Suche nach seiner Tochter hält ihn aufrecht. Zwar gibt er beinahe sich selber auf, aber niemals die Liebe zu seiner Tochter. Genauso verzweifelt wie Lelle sich nach einer intakten Familie sehnt, strebt die junge Meja nach Beständigkeit und einem Ausbruch aus der CO-Abhängigkeit zu ihrer psychisch labilen und alkoholkranken Mutter. Je mehr in diese Geschichte eintaucht umso mehr ahnt man, in welche Richtung sich die Ereignisse entwickeln. Man hofft so sehr für Lena und für Meja, dass man falsch liegt. Stina Jackson konstruiert den Handlungsverlauf sehr geschickt. Nach knappen zwei Dritteln erfährt die Handlung eine Zäsur, ab da verläuft de4r Handlungsbogen geradewegs nach oben. Mir gefiel, dass dieses Buch nicht als Thriller sondern als (Spannungs)roman geführt wird. Die stark melancholische Stimmung, die Innenschau der Protagonisten, ihre Trauer, Hoffnung und Ziele, die Abgründe und vermeintlichen Idyllen machen einen Großteil dieses Buches aus. Eine vielversprechende Autorin, eine gelungenes Debüt. Bemerkenswert!

Lesen Sie weiter

Da ist dieses Mädchen. Das von seiner Mutter in die Einöde Norwegens quasi „verschleppt“ wird. Eine Mutter, die, vor allem wenn sie ihre Medikamente nicht nimmt, psychisch überaus instabil wird. Eine Mutter, die sich ein Leben „ohne Mann“ nicht vorstellen kann, die Versorgung braucht und die nun, wo der Körper verblüht und viele Türen bereits zugeschlagen wurden, sich mit Torbjörn behelfen muss. Der am Rande eines Sees einsam leb, nicht der sauberste Mann ist, aber wenigstens ein gutes Herz dem jungen Mädchen gegenüber zu haben scheint. Die, zum Glück, einen attraktiven jungen Mann vom Nachbarhof kennenlernt. Eine Aussteigerwelt, in die dortige Familie mit ihren drei Kindern nach eigenen Regeln und möglichst selbstversorgend lebt. In dieser Hinsicht, auch wenn der Leser lange nicht ahnt, was dieser Teil der Geschichte mit dem vor drei Jahren verschwundenen Mädchen zu tun haben könnte, scheinen Gut und Böse, Gefahr und Schutz eindeutig verteilt zu sein. Denn Torbjörn scheint weitestgehend gutmütig zu wirken, doch die ein oder andere Eigenart, der ein oder andere Blick, wenn irgendjemandem zuzutrauen wäre, dass er dunkel Seiten in sich trägt, dann scheint dieser Torbjörn dafür prädestiniert zu sein. Doch wie in vielem in diesem düsteren Thriller, in dem Jackson die bedrängende Atmosphäre und das „sich innerlich auflösen“ eines Vaters bestens nachvollzieht, bleibt nicht alles, wie es scheint. Auch wenn manches, wie die plötzliche Ahnung der Mutter des vor drei Jahren verschwundenen Mädchens, aus dem Nichts kommt und, zunächst, im Nichts auch wieder verhallt. Was zu Lelle führt. Ex-Ehemann und Ex-Vater, der seit jenem Tag vor drei Jahren, an dem seine Lina an einer Bushaltestelle verschwunden ist, die Sommertage Norwegens dazu nutzt, das rundum Tageslicht auszunutzen und jeden Ort, jede Hütte, jeden Weg neben der Hauptverkehrstrasse abzusuchen. Aber auch wenn er mit einem der Polizisten eng vertraut ist, außer ihm glaubt niemand dort, dass Lina noch einmal auftauchen wird oder ihre Leiche gefunden werden kann. Bis noch ein Mädchen verschwindet. Eine Touristin. Mit großer Ähnlichkeit zu Lina, wie Lelle findet. Und Meja, das junge Mädchen auf Torbjörns Hof, Entdeckungen machen wird, die sie selbst in große Gefahr bringen. Bis dahin, am Rande einer frisch ausgehobenen Grube stehen zu müssen. All das schreibt Jackson zwingend im Stil, mit klarem und konsequentem Verharren auf den äußeren Hoffnungen der Menschen im buch und deren inneren Bedrängungen, die jeder und jede der Protagonisten in sich trägt. Was nicht immer einfach im Lesefluss ist und hier und da einfach fast zu viel wird an düsterer Atmosphäre und zunehmender Verzweiflung, bzw. Weggleiten, was Mejas Mutter betrifft. Und dennoch den Leser gespannt beim roten Faden hält, denn es ist nicht schwer, sich in einen verzweifelten Vater hineinzuversetzen, dem seine äußere Erscheinung und die alltäglichen Pflichten des Lebens zunehmend entgleiten. Bis hin zur überraschenden und kaum vorherzusehenden Lösung der Hintergründe und des Schuldigen an diesem grausamen und zerstörerischen Geschehen. Eine anregende, spannende, psychologisch dichte Lektüre, die rundweg zu empfehlen ist.

Lesen Sie weiter

Das Verschwinden des eigenen Kindes ist sicher eines der größten traumatischen Erlebnisse, die ein Mensch erleiden kann. Genau das ist Lelle widerfahren. Lina, seine Tochter ist von einer Sekunde auf die andere spurlos verschwunden. Lelles Lebensinhalt besteht seitdem darin, seine Tochter zu suchen. Doch nach nunmehr drei Jahren hat sich nicht die kleinste Spur ergeben. Zu dieser Zeit zieht Meja mit ihrer Mutter nach Norrland. Der Teenager hat es alles andere als leicht, da ihre Mutter mit zahlreichen Affären und noch mehr Umzügen immer wieder dafür gesorgt hat, das Meja kein geregeltes Leben hat. Jetzt scheint sie endlich angekommen zu sein, als ein weiteres junges Mädchen auf mysteriöse Art verschwindet. Kritik zu dem Roman “Dunkelsommer”: Die Rubrik der nordischen Krimis ist um eine Autorin reicher. Stina Jackson, geboren in Schweden und nunmehr seit vielen Jahren in den USA beheimatet, legt mit “Dunkelsommer” ihren ersten Roman vor. Inspiriert von einer Fernsehdokumentation über die endlosen Highways in Kanada, begann die Schriftstellerin einen Plot zu ersinnen. Dazu gesellten sich eine Figur und die Frage, wie ein Mann reagiert, den man das Liebste nimmt. Die Verzweiflung von Lelle ist sicherlich einer der stärksten Antriebsmotoren des Romans. Gerade zu Beginn lebt der Roman von der atmosphärischen Spannung, die Stina Jackson aufbaut und die sich durch das komplette Buch zieht. Im steten Wechsel erfährt der Leser mal etwas von Lelle, dann wieder von Meja. Hier zeigt sich die cliffhangerorientierte Prägung der Autorin. Leider gelingt es ihr nicht, die anfängliche Spannung über die gesamte Länge zu halten. Im Mittelteil fällt die Handlung ein bisschen ab, ohne aber jemals langweilig zu sein. Allerdings darf hier die Frage durchaus erlaubt sein, ob es sich noch um einen Thriller handelt oder ob der Roman nicht vielmehr ein Stück moderner Gegenwartsliteratur ist, der man ein spannendes Kleid angezogen hat. Daran ist überhaupt nichts verwerflich, zumal es Stina Jackson versteht, durch hervorragend herausgearbeitete Charaktere zu glänzen. Gerade die verwobenen Schicksale von Lelle und Meja besitzen eine Tiefe, dass es eine Freude ist, den Roman zu lesen. Immer wieder gibt es Szenen, in denen der Leser mit den Schlüsselfiguren fühlt und sich ihnen tröstend zur Seite stellen möchte. Stilistisch kann “Dunkelsommer” ebenfalls überzeugen. Die Autorin bedient sich einer bildhaften Sprache, die sowohl die Schauplätze, als auch die Protagonisten lebendig werden lässt. Dabei arbeitet sie aber mit Sprachbildern, die ein durchaus wachsames Lesen erfordern, denn dieses Werk ist sicher alles andere als ein nordischer Krimihappen für zwischendurch. Vielmehr ist es ein Roman, der Tiefe versprüht und dem man daher mit einer gewissen Aufmerksamkeit konsumieren sollte. Wer auf einen typischen Nord-Thriller hofft, der einen nägelkauend an das Buch fesselt, wird von “Dunkelsommer” vielleicht etwas enttäuscht sein. Stina Jackson legt einen Debütroman vor, der vom Tempo eher ruhig ist, der seine Stärke aus der Tiefe seiner Protagonisten zieht und der durchweg durch atmosphärische Schilderungen überzeugt. Wer meint, dass dies sein Beuteschema ist, der wird hier eine Autorin kennenlernen, die er mit Sicherheit im Blickfeld behalten wird, denn „Dunkelsommer“ ist ein wirklich sehr gut geschriebener und kurzweiliger Roman.

Lesen Sie weiter

Drei Jahre ist es her, dass Lelles Tochter in einem abgelegenen Teil Nordschwedens spurlos verschwand. Seither fährt er jeden Sommer im düsteren Licht der Mitternachtssonne die Straße ab, an der Lina zuletzt gesehen wurde. Nacht für Nacht sucht er verzweifelt nach seiner Tochter, nach sich selbst und nach Erlösung. Dann kommt eines Tages die siebzehnjährige Meja in der Hoffnung auf einen Neuanfang in Norrland an. Doch als sich die Dunkelheit des aufkommenden Herbstes über das Land legt, verschwindet ein weiteres Mädchen. Und Lelles und Mejas Leben werden durch dramatische Ereignisse miteinander verbunden, die sie nie wieder loslassen werden ... (Klappentext) ✺✺✺✺✺ "Die Mitternachtssonne würde die Menschen aus ihren Höhlen jagen und sie mit Sehnsucht erfüllen. Sie würden lachen und sich lieben und verrückt werden und sich Gewalt antun. Manche würden vielleicht sogar verschwinden." (S. 9) Norrland im Norden Schwedens besteht fast nur aus dichtem, dunklen Wald und irgendwo dort versteckt sich das Dorf Glimmersträsk. Im Sommer, wenn die Sonne niemals untergeht, fährt ein Vater in der Mitternachtssonne eine einsame vom Wald umgebene Straße entlang. Jede Nacht, bis es Herbst wird und die Nächte wieder dunkel werden. Jede Nacht, und das seit drei Jahren. Er heißt Lelle und seine Tochter verschwand vor drei Jahren spurlos, nachdem er sie an der Bushaltestelle auf dieser Straße mitten im Wald absetzte. Immer wenn er diese Straße entlang fährt ist Lina, seine Tochter, bei ihm auf dem Beifahrersitz und er unterhält sich mit ihr, als wäre sie noch hier und nicht verschwunden. Ihn plagen Schuldgefühle und Trauer, doch er fühlt noch etwas ... Hoffnung. Hoffnung seine Tochter Lina irgendwann wiederzufinden. Solange er diesen Funken Hoffnung spürt, wird er weiterhin nach ihr suchen. Immer, wenn die Mitternachtssonne scheint. Meja, ein 17-jähriges Mädchen zieht mit ihrer Mutter zu deren neuen Freund. Wieder ein Umzug und wieder ein Neuer für ihre Mutter. Diesmal verschlägt es sie nach Glimmersträsk und somit in die Pampa, wo man außer dichten Wald nichts vor Augen hat. Meja hasst es dort und sie hasst ihre Mutter, die immer nur an sich und ihre Lover denkt. Eine normale Kindheit kennt sie nicht, ein Zuhause hat sie nie gehabt. Sie wünscht sich nichts sehnlicher als eine Familie und ein geborgenes Zuhause und als sie Carl-Johan trifft scheint ihr Wunsch endlich in Erfüllung zu gehen. Und dann verschwindet plötzlich ein Mädchen. "Ihr Herz machte ein furchtbares Theater, obwohl sie gar nicht wusste, wovor sie am meisten Angst hatte, vor den Schatten zwischen den Bäumen oder vor den wilden Tieren im Wald oder vielleicht einfach vor der Einsamkeit." (S. 44) Hier begleitet man zwei Handlungsstränge aus der Perspektive der jeweiligen Figur. Lelle sucht seine Tochter und wir fahren mit ihm die Straße entlang, erkunden den dichten Wald, verfallene Höfe und gehen vermeintlichen Spuren nach. Lelle ist schwer gezeichnet, doch niemals gibt er auf. Im Grunde lebt er nur für die Suche nach Lina. Meja hat ebenso zu kämpfen, jedoch auf eine andere Art und Weise. Eine psychisch labile Mutter, welche gerne mal ihre Psychopharmaka absetzt, immer nur an sich denkt und sich an ihre Tochter klammert und alle Verantwortung auf Meja überträgt, als wäre nicht sie die Mutter, sondern das junge Mädchen. Als LeserInnen sind wir dabei als Meja schon fast aufgegeben hat und schließlich Hoffnung schöpft als sie den charismatischen Jungen Carl-Johan trifft. Zwei Suchende, zwei Hoffende und zwei mit einem großen Ziel vor Augen, doch die Hoffnung zerspringt und das große Ziel zerbricht als wieder ein Mädchen verschwindet. "Lelle startete den Motor, fuhr los und ließ die verlassene Bushaltestelle hinter sich. Drei Jahre war es her, dass sie ihm hinterhergesehen und gelächelt hatte. Drei Jahre war es her, und er war auch heute noch der Letzte, der sie lebend gesehen hatte." (S. 21) Der Schreibstil ist flüssig und enthält eine unglaubliche Sprachgewalt. Hier trifft nordische Melancholie auf Beklemmung und bedrohliche Spannung und so tritt man ein in Schwedens dichte Wälder, erlebt die Mitternachtssonne und dies auf sehr düstere Art und Weise. Beide Perspektiven sind von Trauer aber auch von Hoffnung geprägt. Auf eindringliche Weise schafft es die Autorin die Gefühle der Protagonisten auf den Leser zu übertragen - man fühlt was sie fühlen und man wird ebenso zu einem/einer Suchenden und Getriebenen. Dieser Spannungsroman besticht aber auch durch die unglaublich atmosphärischen Naturbeschreibungen, welche Schwedens idyllische Dörfer und die Dichte und Weite der grünen Wälder noch nie so bedrohlich erscheinen ließen. Man spürt die Beklemmung auf jeder einzelnen Seite und trotzdem, bzw. gerade deswegen, reißt einem die Geschichte regelrecht mit. Man spürt, es ist etwas nicht in Ordnung, die Bedrohung ist ganz nah und trotzdem ist sie lange nicht greifbar ... bis man beim letzten Drittel des Romans angekommen ist und die Story durch einen dritten Handlungsstrang erweitert wird. Die Spannung steigt, die Bedrohung steht nun vor einem und die Neugierde ist entfacht. Gegen Ende hatte ich bezüglich des Täters zwar eine Vermutung, doch die Auflösung hielt trotzdem eine überraschende Wendung bereit. "Das Gefühl, gleichzeitig vor Angst zu zittern und sich nach ihm zu sehnen, verwirrte sie. Und sie erkannte, dass die Angst, alleine hier unten zu verrotten, größer war als die Angst vor ihm." (S. 248) Fazit: Dieser Spannungsroman hat mich von der ersten Seite an mitgerissen. Trotz dieser Düsternis und Beklemmung, welche mich während des Lesens umgab, wollte ich daraus nicht mehr auftauchen. Ich wollte bei den Protagonisten bleiben, um ihnen beizustehen, mit ihnen die Bedrohung finden und aus der Welt schaffen. So richtig spannend wird es jedoch erst im letzten Drittel des Buches und da war es für mich sowieso schon ein Ding der Unmöglichkeit dieses Buch zur Seite zu legen. Da schlägt die Melancholie nämlich in das Gefühl von Gefahr um, welches einem bis zur Auflösung nicht mehr loslässt. Kaum zu glauben, dass dieser sprachgewaltige und atmosphärischer Spannungsroman ein Debüt ist. Diese Autorin bleibt somit definitv auf meinem Radar. © Pink Anemone (inkl. Leseprobe. Autoren-Info und Lese-Soundtrack)

Lesen Sie weiter