Leserstimmen zu
Dunkelsommer

Stina Jackson

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Auf dem Fensterbrett starb schweigend eine Topfpflanze.“ Pos. 239 Lennart Gustafsson, genannt Lelle, fährt jede Nacht im nordschwedischen Sommer bei flach einfallendem Sonnenlicht den Silvervägen entlang, um jede noch so kleine und verwachsene Abzweigung zu kontrollieren, jede noch so entlegene verfallene Hütte zu überprüfen. Denn vor drei Jahren ist seine Tochter Lina verschwunden und die Polizei hat wohl nicht genau genug hingesehen. In der Nähe zieht Meja mit ihrer Mutter Silje ein, in der Hoffnung, hier endlich ein ordentliches Zuhause und Geborgenheit zu finden. Als der Herbst naht, die Nächte dunkler und länger werden, verschwindet ein weiteres Mädchen und die Schicksale von Lelle und Meja finden auf ungeahnte Weise zusammen. Von der ersten Seite weg fasziniert Stina Jackson mit ihrem Stil, klar und fließend, nüchtern und doch bildhaft und berührend. Die düstere Stimmung in Norrlands ausgedehnten Wäldern, die Ruhe und Einsamkeit spiegeln Lelles Seelenqualen wider. Seine Frau Anette hat sich von ihm getrennt, zu unterschiedlich sind ihre Herangehensweisen, mit dem Verlust der einzigen Tochter umzugehen und Trauer auszudrücken. Immer mehr zieht sich Lelle zurück, vernachlässigt Haus und Körperpflege, trinkt und raucht Kette. Nur noch wenige Menschen finden überhaupt noch Zugang zu ihm und versuchen, ihn aus seinem Selbstmitleid, aus seiner abgrundtiefen Verzweiflung herauszuholen. Mit jeder Fahrt, in jeder Nacht spürt der Leser die intensiven Gefühle, die hier so deutlich vermittelt werden, dass man das Buch am liebsten gar nicht mehr weglegen möchte. Neben diesem Handlungsstrang gibt es noch – in regelmäßiger Abwechslung – die Geschichte von Meja, deren Mutter ihre Liebhaber und Wohnsitze ständig wechselt und nirgends zur Ruhe kommen kann. Während die 17jährige in der neuen Nachbarschaft drei etwas sonderbare Burschen kennenlernt, wird am Campingplatz ein junges Mädchen vermisst. Für Lelle ist die Ähnlichkeit zu seiner Lina mehr als auffällig. Die Hauptfiguren, aber auch jene am Rande sind überzeugend und lebensecht beschrieben, Menschen, Natur und Gefühle stellen ein stimmiges Gesamtbild dar. Wahrscheinlich ist es gerade die ruhige Schreibweise der Autorin, welche die Stimmung so greifbar werden lässt. Dieser Roman besticht nicht durch Tempo und Hektik, vielmehr ist es die Zähigkeit der Suche – nach der verlorenen Tochter, nach einer „richtigen“ Familie -, die alles so authentisch wiedergibt. Ich wurde an einem Ort am Rande der Welt geboren, einem Ort, an dem Kälte, Dunkelheit, archaischer Wald und Stille herrschen. Ein Ort, an dem niemand ein Wort zu viel spricht, an dem die Einwohner scharf die Luft zwischen den Zähnen einziehen, statt mit Ja zu antworten. Ein Ort, den viele verlassen, aber den niemand vergisst. Jahre nach meinem Verschwinden von dort begann ich, mich meinen Wurzeln wieder anzunähern, durch das Schreiben. Bald schon wurde daraus eine Obsession, die gespenstische Landschaft meiner Kindheit mit einem neuen Blick zu entdecken, dem Blick einer Emigrantin. Um sie mir zurückzuerobern. Stina Jackson. Quelle: Produktseite bei Amazon Da kann ich nur sagen: gelungenes Debut! Von mir gibt es fünf Sterne samt Leseempfehlung!

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Cover: Das Cover zeigt aus der Vogelperspektive ein einsames Auto, welches im Dunkeln über eine Straße durch den Wald fährt. Es stellt einen guten Bezug zum Buch her, weckt direkt das Gefühl von Einsamkeit und hat schon etwas dunkles/ bedrohliches an sich. Mir gefällt es und es fällt einem definitiv ins Auge! Buch: Das Buch ist in der personalen Erzählperspektive geschrieben und in zwei Teile aufgeteilt. In dem ersten Teil werden zwei Handlungsstränge von Meja und Lelle wieder gegeben und im zweiten Teil kommt noch ein dritter des entführten Mädchens hinzu. Worum geht es? Lelle hat alles verloren. Seine Tochter Lina verschwand vor über drei Jahren spurlos und seine Frau hat sich von ihm getrennt. Seither fährt er jede Nacht im Sommer diese eine Straße ab, wo Lina zuletzt gesehen wurde, und gräbt in Verzweiflung fast wortwörtlich alles um, sucht dabei nach seiner Tochter, sich selbst und nach Erlösung. Doch plötzlich stellt die 17-jährige Meja, die neu in der Gegend ist, gewissermaßen sein Leben auf den Kopf. Und dann verschwindet auch noch in der beginnenden dunklen Jahreszeit ein weiteres Mädchen. Gibt es Parallelen zu damals? _______________________________________ Mich hat dieses Buch von den ersten Seiten an gepackt und gefesselt. Die Leseprobe habe ich damals schon verschlungen! Der Leser taucht ab der ersten Seite an mitten in das Geschehen ein und begleitet Lelle in einer Nacht auf dem Silvervägen, wo er - wie so oft - verzweifelt nach seiner Tochter sucht. Durch die gewaltige Atmosphäre, die sich auch durch das ganze Buch zieht, verspürt man direkt das Gefühl, dass man neben Lelle im Auto sitzt und die Landschaft mit ihren Ruinen systematisch durchkämmt; dabei ist die Verzweiflung zum Greifen nah. Das Buch ist gekennzeichnet durch Gefühle, der wahnsinnigen Atmosphäre, Dunkelheit und Trauer. Der Schreibstil ist sehr angenehm und locker und lässt einen das Buch nur noch schwer aus den Händen legen. Von Anfang an habe ich mit den beiden Protagonisten mitgefühlt und mitgelitten. Die Handlung von Meja läuft zunächst parell zu Lelles ab und auch sie würde man am liebsten in den Arm nehmen und einfach nur trösten. Der Mittelteil zieht sich leider etwas und die Spannung flacht ein Stück weit ab, trotzdem schafft die Autorin, den Leser hier zu fesseln. Im zweiten Teil, der für meinen Geschmack ruhig etwas länger hätte sein können, taucht noch ein dritter Erzählstrang auf und die von Lelle und Meja werden vereint. Gegen Ende hatte ich eine Vermutung, die sich als halb richtig entpuppte. Dennoch werden sehr interessante Fakten in dem Buch dargelegt, die mich oft zum Nachdenken gebracht haben. Fazit: Ein mehr als gelungenes Debüt für Stina Jackson! Ich habe das Buch mehr als gern gelesen und bin definitiv gespannt, was diese Autorin noch alles aus der Schreibfeder hervor zaubert.

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Dunkelsommer

Von: Svanvithe

12.09.2019

„Es war das Licht, die Art, wie es stach und brannte und an ihm zerrte. Es legte sich über die Wälder und Seen wie eine Aufforderung weiterzuatmen, wie ein Versprechen auf ein neues Leben. Das Licht füllte seine Adern mit Unruhe und raubte ihm den Schlaf.“ (Seite 9) In einem abgelegenen Teil Nordschwedens verschwand vor drei Jahren Lina, die Tochter des Lehrers Lelle. Mit diesem Verlust kann sich Lelle im Gegensatz zu seiner Frau Anette nicht abfinden. Inzwischen ist seine Ehe zerbrochen. Lelle hadert mit Schuldgefühle, zieht sich von den Menschen zurück und fährt, statt soziale Kontakte zu pflegen, einsam jeden Sommer im Licht der nicht untergehenden Mitternachtssonne jene Straße - Silvervägen - entlang, wo er Lina an einer Haltestelle der einzigen Buslinie absetzte und sie zuletzt sah. Meja, siebzehn und damit so alt wie Lina damals, ist ebenfalls allein. Nach langen Jahren des Umherziehens kommt sie mit ihrer Mutter Silje, die sich bei ihrer Internetbekanntschaft Torbjörn ein sorgenfreies Heim erhofft, nach Glimmersträsk in Norrland. Das junge Mädchen wünscht sich einen Neuanfang, endlich ein eigenes Zimmer und einen Ort, an dem sie Zuhause sein kann, ohne sich um ihre Mutter kümmern und vor anderen verstecken zu müssen. Doch die Träume erfüllen sich nicht vollständig, die Sicherheit erweist sich als trügerisch. Silje kann nicht aus ihrer Haut. Erst die Begegnung mit Carl-Johan und seiner autark lebenden Familie auf einem Hof mitten im Wald gibt Meja Mut, mit Optimismus vorauszuschauen, all die Sorgen hinter sich zu lassen. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, reißen alte Wunden auf, und diese bringen neue Unruhe in das Leben von Lelle und Meja, die sich im Herbst bei Schulbeginn als Lehrer und Schülerin begegnen. Mit ihrem Debüt „Dunkelsommer“ ist Stina Jackson ein psychologischer Spannungsroman gelungen, der zwar Verbrechen beinhaltet, allerdings keine traditionelle Aufklärung, und der durch seine düstere bedrückende Atmosphäre besticht. Er zieht seine Kraft aus den friedvollen einprägsamen Naturbeschreibungen und lebt von einer ruhigen poetischen Bildsprache. Diese erzeugt eine schwermütige Stimmung, die glaubwürdig zur Thematik passt und zu keinem Zeitpunkt enttäuscht. „Dunkelsommer“ präsentiert ein in seiner Dramatik unangenehmes und berührendes Geschehen, schaut in die Abgründe des Bösen, offenbart das Gute und ist ein Wechselbad der Gefühle, angefüllt mit Ängsten, Trauer, Hoffnung und gleichzeitig hypnotischer Dunkelheit im Lichte des Mittsommers, die besonders im letzten Teil an Bedrohlichkeit zunimmt und durchaus Gänsehautmomente verursacht. Nicht nur äußerlich sind die Einwohner der wenigen Orte hier im nördlichen Lappland isoliert. Die Silvervägen erstreckt sich über viele Kilometer durch meist menschenleere Gebiete, vorbei an beeindruckenden Landschaften, Flüssen und Seen. Stina Jackson lässt verschiedene Lebensmodelle aufeinandertreffen, bei ihr existieren Menschen am Rand der Gesellschaft, auch jene, die nicht dazugehören (wollen). Die einen haben die Familie verloren, die anderen stellen die Familie bis zur Besessenheit in den Vordergrund, und dann gibt es noch diejenigen mit Familie, aber ohne haltende Bindung. Daneben wird die innere Vereinsamung greifbar. So bewältigt die Autorin mühelos die Aufgabe, die Empfindungen ihrer Protagonisten mit Tiefe darzustellen und den Leser emotional durch kleine subtile Mittel und Gesten zu erreichen. Denn „Dunkelsommer“ profitiert hauptsächlich von seinen komplexen Charakteren, vor allem Lelle und Meja, aus deren wechselnder Perspektive die Geschichte erzählt wird. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und haben doch einiges gemeinsam. Allein die Suche nach Lina ist das, was Lelle noch interessiert, getrieben von einer verzweifelten Hoffnung, wenigsten eine Spur von ihr zu finden, um abschließen zu können. Das Einzige, was er dabei entdeckt, ist seine Einsamkeit und die Erkenntnis, wie viel es davon überall gibt. Und Lelle ist wütend. Wütend über die Unbeholfenheit der Menschen, über ihre verängstigten und unsicheren Blicke. Wütend darüber, dass sie nichts wissen, dass sie ihm nicht helfen können und alle ihre Leben fortsetzen. Auch Meja ist einsam und führt einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen ihre psychisch instabile Mutter, die Tabletten und Alkohol braucht, um den Tag zu überstehen, nur die eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt ihres Daseins stellt und wenig Gedanken an die Tochter verschwendet, zugleich jedoch alles an Verantwortung auf Meja überträgt. Als Meja Carl-Johan kennenlernt, sich verliebt und zu ihm zieht, nimmt seine Familie sie auf, so dass das junge Mädchen zum ersten Mal etwas wie Zugehörigkeit empfindet. Sie akzeptiert, dass sich die Familie von den Gesellschaft fernhält, ja diese und moderne Technik ablehnt, sich selbst versorgt und damit beschäftigt ist, sich auf eine mögliche Katastrophe vorzubereiten. Meja verzichtet auf ihr Mobiltelefon und verspürt endlich die Kraft, anders zu werden als ihre Mutter. Sie will sie selbst werden. Aber es ist fraglich, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen hat, dies wirklich zu erreichen. Zwei Menschen, die auf der Suche sind, die hoffen und bangen, die jeder ein Ziel haben. „Dunkelsommer“ sieht unter die Oberfläche und beeindruckt mit einem Blick in das Innere…

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★★★★★ (5 von 5 Sterne) Inhalt: Mitsommer in Schweden: Wenn die Tage und Nächte verschmelzen, macht sich Lelle auf die Suche nach seiner Tochter Lina, die vor 3 Jahren spurlos verschwand. Seine Ehe ging in die Brüche, der Alkohol ertränkte seinen Schmerz – doch er will die Hoffnung nicht aufgeben, dass Lina noch am Leben ist. Meja und ihre Mutter ziehen nach Norrland. Meja kümmert sich um ihre psychisch kranke Mutter, doch als sie den gutaussehenden Carl-Johann kennen und lieben lernt, hält es Meja nicht mehr bei ihrer Mutter aus, und zieht kurzerhand zu Carl-Johann und seiner Familie. Meja versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen, doch mit der Zeit, fühlt sie sich bei Carl-Johann immer unwohler. Sie steht im Zwiespalt was sie tun soll. Als kurze Zeit später erneut ein Mädchen verschwindet, welches große Ähnlichkeit mit Lina hat, zweifelt Lelle nicht, dass eine Verbindung besteht. Als Lelle Meja kennenlernt, kommt er der Wahrheit sehr nah, doch merkt er nicht, dass beider Leben bald in Gefahr sein werden, denn die einzige Frage die Lelle beschäftigt: lebt seine Tochter noch ? Meinung: Ich war wirklich neugierig auf diese Geschichte, denn ich hatte nur gutes über das Buch gehört. Schon nach den ersten Zeilen war ich gefesselt und mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Nur anfangs war es leicht ungewohnt, sich die Nächte hell vorzustellen, da das Cover sehr dunkel ist und vieles im Wald spielt, was ich eher mit Dunkelheit verbinde – aber nach ein paar Seiten gewöhnte ich mich daran. Eine spannende Geschichte bis zum Schluss, die ich sehr gerne gelesen habe. Cover und Titel: Das Cover und der Titel passen eher zum Ende hin der Geschichte. Anfangs konnte ich es nicht recht in Verbindung bringen mit der Geschichte. Dennoch gefällt mir das Cover und der Titel sehr, sehr gut. Die Geschichte: Die Geschichte fängt eher harmlos an und baut dann nach und nach an Spannung auf. Das gefiel mir sehr, denn dadurch hatte man erst mal Zeit, die Charaktere besser kennenzulernen. Die Geschichte ist in zwei Teile geteilt und wechselt durch eine Sternmarkierung zwischen den Charakteren hin und her. Die Charaktere: Hauptsächlich dreht sich die Geschichte um Lelle und Meja, doch man lernt noch weitere Protagonisten kennen, und jeder scheint verdächtig. Der Schreibstil: Der Schreibstil ist einfach und ohne Probleme zu lesen, was mir wirklich gut gefiel. Man kann gut in die Geschichte eintauchen und hat keine Probleme zwecks schwieriger Worte. Fazit: Eine außergewöhnliche und spannende Geschichte bis zum Schluss, die ich wirklich nur empfehlen kann.

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Als ich “Dunkelsommer” gesehen habe, musste ich dieses Buch einfach lesen. Die Schweden haben eine ganz besondere Art Bücher zu schreiben. Sie glänzen nicht vor Tempo, viel mehr baut sich die Spannung unterschwellig auf und wird begleitet von Unbehagen und einer unheilvollen Stille. Und genauso ist das auch hier der Fall. Anmerken möchte ich, das es sich in keinster Weise um einen Thriller handelt. Vielmehr handelt es sich um einen Spannungsroman, der vor allem auf der psychologischen Ebene unheimlich gut ausgearbeitet ist und sehr viel Tragik und Dramatik mit im Gepäck hat. Ein Roman der unglaublich bewegt, erschüttert und zum nachdenken bringt. Stina Jackson hat einen sehr einnehmenden, fließenden und bildhaften Schreibstil, der mich sofort gefangen nahm. Obwohl dieser Roman nicht mit Tempo glänzt, war ich nicht in der Lage dieses Buch aus der Hand zu legen. Es hat mich gepackt und ich war nicht mehr in der Lage loszulassen. Ich wollte und konnte es einfach nicht. Lelle und Meja haben mich so unglaublich bewegt. Sie sind mir mit ihren jeweiligen Schicksalen unter die Haut gegangen. All der Schmerz , die Hoffnungslosigkeit brach sich ihren Bann und ich konnte einfach nur völlig erschöpft zusehen, wie sie immer mehr zerbrachen. Wie das Leben sie auseinander nahm und niemand Ihnen zur Seite stand. Als Mutter konnte ich mich wahnsinnig gut in Lelle hineinversetzen. Ich konnte diesen Schmerz nachvollziehen. Aber noch schlimmer ist, das man nicht abschließen kann. Abschied der einen verwehrt bleibt, weil niemand da ist, von dem man Abschied nehmen kann. Es hat mir das Herz gebrochen, sein Leid mit ansehen zu müssen. Ich habe so gehofft, das er sie findet. Obwohl ich tief im Inneren wusste, das die Hoffnung vergeblich war. Und dann ist da noch Meja. Ein Mädchen das keinen Halt findet. Ein Mädchen , das sich an alles klammert, was ihr begegnet. Ein Mädchen, das so viel mehr verdient hat. Aber nie in den Genuss kam, dies auch zu bekommen. Auf eine Art und Weise verbinden sich diese Schicksale , die über Tragik und Dramatik hinausgeht und plötzlich ist alles anders. Stina Jackson hat die Charaktere wirklich wunderbar ausgearbeitet. Sie sind alles andere als perfekt und gerade deswegen auch so authentisch und greifbar. Man fühlt und leidet mit Ihnen und fühlt sich Ihnen einfach verbunden. Zudem erfährt man auch noch die Perspektiven von Lelle und Meja, was ihnen unglaublich viel Tiefe verschafft. Im ersten Teil des Buches kann man beide sehr intensiv und wahnsinnig gut kennenlernen. Man versteht wie gebrochen sie sind. Wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Besonders bei Meja hat mich das familiäre Umfeld wirklich schockiert und ich sah nichts als Egoismus und Selbstaufgabe. Deswegen hat mich auch Mejas Entscheidung nicht überrascht. Ich verstand sie sogar. Und ich hoffte einfach , dass sie die richtige Entscheidung traf, trotz diesem beklemmenden Gefühl, das ich verspürte. Man wird begleitet von einer sehr drückenden und unheilvollen Atmosphäre. Man spürt förmlich, dass sich da etwas zusammenbraut und wartet nur auf diesen Einschlag. Im ersten Teil des Buches hätte für mich die Spannung noch etwas intensiver sein können. Weil ich durch diese beklemmende Atmosphäre doch immer wieder nachdenklich gestimmt wurde. Im zweiten Teil schwoll die Spannung und Intensität konstant an und ich fieberte einfach nur ununterbrochen mit. Es gab Entwicklungen , es gab unglaublich viel Emotionen und nervenzehrende Momente, die mich kaum zu Atem kommen ließen. Stina Jackson hat einige Wendungen eingewoben, die wirklich gut gelungen sind. Auch wenn ich damit schon gerechnet hatte. Viel mehr hat mich der Antrieb dahinter wirklich bewegt und fassungslos zurückgelassen. Es lag mir wie Blei auf der Brust und ich bekam einfach keine Luft mehr. Es ist so von Tragik und Leid gezeichnet, das es mich einfach niedergerungen hat. Stina Jackson hat hier einen Roman geschaffen, der mich durchweg in Atem gehalten hat. Schwer, drückend und beklemmend. Ein Roman der unter die Haut geht und so viel erzählt über Verlust, Loslassen und Ankommen. Ein Roman, den man einfach lesen muss. Ein Roman, der nachhallt und der erst im Nachhinein seine Wirkung entfaltet. Fazit: “Dunkelsommer” ist ein Roman den man unbedingt lesen sollte. Ein Spannungsroman , der vor allem auf der psychologischen Ebene punktet und so viel Tragik und Leid mit im Gepäck hat. Da ist so viel Schmerz, Verzweiflung und Trauer. Ein Roman, der mich immer wieder aufschreien und nach Luft schnappen ließ. Er glänzt nicht mit Tempo. Aber das muss er auch gar nicht. Was dieser Roman mitbringt, ist so viel mehr, als man verkraften, als man verstehen kann. Für mich einfach ein absolutes Highlight.

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Vor drei Jahren verschwand die damals 17-jährige Lena an einer Bushaltestelle spurlos. Seither ist ihr Vater Lelle auf der Suche nach dem Mädchen. Seine Ehe mit Anette ging in die Brüche. Er selbst verfällt immer mehr dem Alkohol. Dann zieht Meja mit ihrer Mutter in das Dorf im schwedischen Norden. Lelles und Mejas Lebenswege kreuzen sich. Stina Jackson hat für ihren Roman „Dunkelsommer“ die Auszeichnung als bester schwedischer Spannungsroman erhalten. Und das zu recht! Dunkelsommer ist eine grandios erzählte Geschichte über Verlust und Obsession, über die dunklen Seiten im Menschen. In den hellen schwedischen Mittsommernächten liegt viel im Verborgenen. Seit Lenas Verschwinden traut Lelle niemandem. Die Suche nach seiner Tochter hält ihn aufrecht. Zwar gibt er beinahe sich selber auf, aber niemals die Liebe zu seiner Tochter. Genauso verzweifelt wie Lelle sich nach einer intakten Familie sehnt, strebt die junge Meja nach Beständigkeit und einem Ausbruch aus der CO-Abhängigkeit zu ihrer psychisch labilen und alkoholkranken Mutter. Je mehr in diese Geschichte eintaucht umso mehr ahnt man, in welche Richtung sich die Ereignisse entwickeln. Man hofft so sehr für Lena und für Meja, dass man falsch liegt. Stina Jackson konstruiert den Handlungsverlauf sehr geschickt. Nach knappen zwei Dritteln erfährt die Handlung eine Zäsur, ab da verläuft de4r Handlungsbogen geradewegs nach oben. Mir gefiel, dass dieses Buch nicht als Thriller sondern als (Spannungs)roman geführt wird. Die stark melancholische Stimmung, die Innenschau der Protagonisten, ihre Trauer, Hoffnung und Ziele, die Abgründe und vermeintlichen Idyllen machen einen Großteil dieses Buches aus. Eine vielversprechende Autorin, eine gelungenes Debüt. Bemerkenswert!

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Da ist dieses Mädchen. Das von seiner Mutter in die Einöde Norwegens quasi „verschleppt“ wird. Eine Mutter, die, vor allem wenn sie ihre Medikamente nicht nimmt, psychisch überaus instabil wird. Eine Mutter, die sich ein Leben „ohne Mann“ nicht vorstellen kann, die Versorgung braucht und die nun, wo der Körper verblüht und viele Türen bereits zugeschlagen wurden, sich mit Torbjörn behelfen muss. Der am Rande eines Sees einsam leb, nicht der sauberste Mann ist, aber wenigstens ein gutes Herz dem jungen Mädchen gegenüber zu haben scheint. Die, zum Glück, einen attraktiven jungen Mann vom Nachbarhof kennenlernt. Eine Aussteigerwelt, in die dortige Familie mit ihren drei Kindern nach eigenen Regeln und möglichst selbstversorgend lebt. In dieser Hinsicht, auch wenn der Leser lange nicht ahnt, was dieser Teil der Geschichte mit dem vor drei Jahren verschwundenen Mädchen zu tun haben könnte, scheinen Gut und Böse, Gefahr und Schutz eindeutig verteilt zu sein. Denn Torbjörn scheint weitestgehend gutmütig zu wirken, doch die ein oder andere Eigenart, der ein oder andere Blick, wenn irgendjemandem zuzutrauen wäre, dass er dunkel Seiten in sich trägt, dann scheint dieser Torbjörn dafür prädestiniert zu sein. Doch wie in vielem in diesem düsteren Thriller, in dem Jackson die bedrängende Atmosphäre und das „sich innerlich auflösen“ eines Vaters bestens nachvollzieht, bleibt nicht alles, wie es scheint. Auch wenn manches, wie die plötzliche Ahnung der Mutter des vor drei Jahren verschwundenen Mädchens, aus dem Nichts kommt und, zunächst, im Nichts auch wieder verhallt. Was zu Lelle führt. Ex-Ehemann und Ex-Vater, der seit jenem Tag vor drei Jahren, an dem seine Lina an einer Bushaltestelle verschwunden ist, die Sommertage Norwegens dazu nutzt, das rundum Tageslicht auszunutzen und jeden Ort, jede Hütte, jeden Weg neben der Hauptverkehrstrasse abzusuchen. Aber auch wenn er mit einem der Polizisten eng vertraut ist, außer ihm glaubt niemand dort, dass Lina noch einmal auftauchen wird oder ihre Leiche gefunden werden kann. Bis noch ein Mädchen verschwindet. Eine Touristin. Mit großer Ähnlichkeit zu Lina, wie Lelle findet. Und Meja, das junge Mädchen auf Torbjörns Hof, Entdeckungen machen wird, die sie selbst in große Gefahr bringen. Bis dahin, am Rande einer frisch ausgehobenen Grube stehen zu müssen. All das schreibt Jackson zwingend im Stil, mit klarem und konsequentem Verharren auf den äußeren Hoffnungen der Menschen im buch und deren inneren Bedrängungen, die jeder und jede der Protagonisten in sich trägt. Was nicht immer einfach im Lesefluss ist und hier und da einfach fast zu viel wird an düsterer Atmosphäre und zunehmender Verzweiflung, bzw. Weggleiten, was Mejas Mutter betrifft. Und dennoch den Leser gespannt beim roten Faden hält, denn es ist nicht schwer, sich in einen verzweifelten Vater hineinzuversetzen, dem seine äußere Erscheinung und die alltäglichen Pflichten des Lebens zunehmend entgleiten. Bis hin zur überraschenden und kaum vorherzusehenden Lösung der Hintergründe und des Schuldigen an diesem grausamen und zerstörerischen Geschehen. Eine anregende, spannende, psychologisch dichte Lektüre, die rundweg zu empfehlen ist.

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Das Verschwinden des eigenen Kindes ist sicher eines der größten traumatischen Erlebnisse, die ein Mensch erleiden kann. Genau das ist Lelle widerfahren. Lina, seine Tochter ist von einer Sekunde auf die andere spurlos verschwunden. Lelles Lebensinhalt besteht seitdem darin, seine Tochter zu suchen. Doch nach nunmehr drei Jahren hat sich nicht die kleinste Spur ergeben. Zu dieser Zeit zieht Meja mit ihrer Mutter nach Norrland. Der Teenager hat es alles andere als leicht, da ihre Mutter mit zahlreichen Affären und noch mehr Umzügen immer wieder dafür gesorgt hat, das Meja kein geregeltes Leben hat. Jetzt scheint sie endlich angekommen zu sein, als ein weiteres junges Mädchen auf mysteriöse Art verschwindet. Kritik zu dem Roman “Dunkelsommer”: Die Rubrik der nordischen Krimis ist um eine Autorin reicher. Stina Jackson, geboren in Schweden und nunmehr seit vielen Jahren in den USA beheimatet, legt mit “Dunkelsommer” ihren ersten Roman vor. Inspiriert von einer Fernsehdokumentation über die endlosen Highways in Kanada, begann die Schriftstellerin einen Plot zu ersinnen. Dazu gesellten sich eine Figur und die Frage, wie ein Mann reagiert, den man das Liebste nimmt. Die Verzweiflung von Lelle ist sicherlich einer der stärksten Antriebsmotoren des Romans. Gerade zu Beginn lebt der Roman von der atmosphärischen Spannung, die Stina Jackson aufbaut und die sich durch das komplette Buch zieht. Im steten Wechsel erfährt der Leser mal etwas von Lelle, dann wieder von Meja. Hier zeigt sich die cliffhangerorientierte Prägung der Autorin. Leider gelingt es ihr nicht, die anfängliche Spannung über die gesamte Länge zu halten. Im Mittelteil fällt die Handlung ein bisschen ab, ohne aber jemals langweilig zu sein. Allerdings darf hier die Frage durchaus erlaubt sein, ob es sich noch um einen Thriller handelt oder ob der Roman nicht vielmehr ein Stück moderner Gegenwartsliteratur ist, der man ein spannendes Kleid angezogen hat. Daran ist überhaupt nichts verwerflich, zumal es Stina Jackson versteht, durch hervorragend herausgearbeitete Charaktere zu glänzen. Gerade die verwobenen Schicksale von Lelle und Meja besitzen eine Tiefe, dass es eine Freude ist, den Roman zu lesen. Immer wieder gibt es Szenen, in denen der Leser mit den Schlüsselfiguren fühlt und sich ihnen tröstend zur Seite stellen möchte. Stilistisch kann “Dunkelsommer” ebenfalls überzeugen. Die Autorin bedient sich einer bildhaften Sprache, die sowohl die Schauplätze, als auch die Protagonisten lebendig werden lässt. Dabei arbeitet sie aber mit Sprachbildern, die ein durchaus wachsames Lesen erfordern, denn dieses Werk ist sicher alles andere als ein nordischer Krimihappen für zwischendurch. Vielmehr ist es ein Roman, der Tiefe versprüht und dem man daher mit einer gewissen Aufmerksamkeit konsumieren sollte. Wer auf einen typischen Nord-Thriller hofft, der einen nägelkauend an das Buch fesselt, wird von “Dunkelsommer” vielleicht etwas enttäuscht sein. Stina Jackson legt einen Debütroman vor, der vom Tempo eher ruhig ist, der seine Stärke aus der Tiefe seiner Protagonisten zieht und der durchweg durch atmosphärische Schilderungen überzeugt. Wer meint, dass dies sein Beuteschema ist, der wird hier eine Autorin kennenlernen, die er mit Sicherheit im Blickfeld behalten wird, denn „Dunkelsommer“ ist ein wirklich sehr gut geschriebener und kurzweiliger Roman.

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