Leserstimmen zu
Jesolo

Tanja Raich

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"Jesolo" macht, was Bücher, was Geschichten machen sollen: es eröffnet neue Perspektiven. Teils überzeichnet aber immer treffend fällt die Autorin über unsere Rollenbilder her, die uns wie Glücksdämonen verfolgen. Witzig, schockierend und entlarvend zeigt "Jesolo" die Perspektive einer jungen Frau, die genau dorthin gelangt, wo sie nie hin wollte. Beissend witzig, böse und schnell.

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Jesolo, eine dieser Touristenhochburgen an der italienischen Adria, ist der Ausgangspunkt für Tanja Raichs gleichnamigen Debütroman. Andrea und Georg, beide Mitte Dreißig, sind schon seit ihrer Jugend ein Paar. Sie sind augenscheinlich glücklich miteinander, doch während sich für Andrea nichts an dieser Zweisamkeit ändern müsste, drückt Georg der Schuh. Er will heiraten, Kinder kriegen, ein Haus bauen, eben das, was man in diesem Alter klassischerweise so macht – ein Lebensentwurf, mit dem Andrea absolut nichts anfangen kann. Die Beziehung scheint festgefahren und Streitereien stehen auf der Tagesordnung, daran kann selbst die romantische Altstadt Jesolos nichts mildern. Doch nach dem letzten Urlaub dort ist alles anders, denn Andrea ist ungewollt schwanger. Für sie beginnt ein Spießrutenlauf durch Arztpraxen, Vorbereitungskurse und uralte Rollenklischees. Von allen Seiten prasselt es auf sie nieder: Wie glücklich sie jetzt sein solle, was für ein Wunder die Schwangerschaft darstelle und was für grundlegende Veränderungen ihr jetzt bevorstünden. Doch während Gregor nur noch mit der Planung des zukünftigen Domizils beschäftigt ist und sich mit dem Status des werdenden Vaters rühmt, wächst in Andrea nicht nur das Kind, das sie nie wollte, sondern auch die Angst vor der Zukunft. Tanja Raich (*1986), die sich in den letzten Jahren als Programmleiterin des Wiener Verlages Kremayr & Scheriau einen Namen machte, nimmt sich in JESOLO eines schwierigen Themas an: Moderne Frauen in veralteten Rollenbildern. Wenn man die Dreißig kinderlos überschritten hat, häufen sich die Fragen nach der Familienplanung. Bei Männern gilt es üblicherweise als nicht verwerflich, wenn sie noch nicht so weit sind. »Der Mann möchte sich eben noch austoben, er braucht seine Freiheit und hat später noch genug Zeit.« Frauen allerdings verstoßen gleich gegen mehrere alteingesessene Normen, wenn sie die Frage nach dem Kinderwunsch negativ beantworten – eine soziale Ungerechtigkeit, der Tanja Raich hier auf den Grund geht. Dies macht sie mit kurzen, präzisen Sätzen, die den zynischen, aber hilflosen Charakter der Hauptfigur sehr gut widerspiegeln. Andrea – früh von der Mutter verlassen und mit einem schwierigen Verhältnis zum Vater – braucht das Modell Familie nicht, um ihr Leben zu bestreiten. Sicher: In den teils unverarbeiteten Erlebnissen ihrer Jugendjahre liegt ihr innerer Zynismus begründet, und mit einer harmonischeren Familie wäre sie diesbezüglich vielleicht etwas entspannter. Aber sie ist, wer sie ist, und wenn sie in die glücklichen Gesichter der Werbefamilien schaut, wo die Mütter lachend die dreckigen Hosen ihrer Lausebengel waschen, oder die hart arbeitenden Väter sich an die gemachten Abendbrotstische setzen – in genau solch einer Vorzeigefamilie ist Georg aufgewachsen –, kommt ihr die Galle hoch. Zu Recht! Allerdings weiß sich Andrea auch wenig zu helfen und geht während ihrer Schwangerschaft nach und nach immer mehr Kompromisse ein. Raich führt uns in zehn Kapiteln – eins für Jesolo und eins für jeden Schwangerschaftsmonat – durch Andreas Kampf mit sich und ihrem Umfeld, benennt Ängste und Wünsche, beschreibt Gedanken und Träume und findet eindringliche Bilder, um zu zeigen, wie nah ihre Hauptfigur einer Ohnmacht ist, nur um den Rollenbildern gerecht zu werden. Ein intensiver und äußerst lesenswerter Roman.

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Andrea und Georg sind schon seit vielen Jahren ein Paar. Während Andrea noch keine Kinder will, ihr Leben genießen und auch mal um die Welt reisen möchte, bereitet Georg die Renovierung seiner Wohnung im Haus der Eltern vor, in die, wenn es nach ihm geht, auch bald Andrea mit einziehen soll. Im alljährlichen Urlaub in Jesolo wird Andrea bewusst, wie eintönig und kompliziert ihre Beziehung geworden ist, leben die beiden mittlerweile doch mehr neben- statt miteinander. Als Andrea dann ungewollt schwanger wird, beginnt für sie ein Leben, das sie so niemals führen wollte… Eindrücklich schildert Tanja Raichs Debütroman „Jesolo“ 10 Monate im Leben einer Frau, die sich durch eine ungewollte Schwangerschaft immer abhängiger macht und der althergebrachten Frauenrolle nicht entfliehen kann. Ihr gelingt damit ein höchst interessanter und nachdenklich stimmender Roman über familiäre und partnerschaftliche Beziehungen, der einen kritischen Blick auf längst überholt geglaubte gesellschaftliche Erwartungen an Frauen wirft. Der Roman ist aus der Sicht Andreas in Form eines inneren Monologs geschrieben und es schwingt stets eine leicht depressive und melancholische Stimmung mit. Als Leser taucht man tief in Andreas Gedankenwelt ein, kann ihre Zerrissenheit, Ängste und Zweifel spüren und nachvollziehen. Mit einem differenzierten Blick zeigt Tanja Raich, dass Andreas Zukunftswünsche und -vorstellungen nicht nur von denen ihres Partners abweichen, sondern auch einen gravierenden Gegensatz zu den gesellschaftlichen Erwartungen an eine Frau bilden. Ab einem gewissen Alter muss schließlich jede Frau an Heirat denken, Kinder bekommen und in ihrer Mutterrolle aufgehen. Ich mochte Tanja Raichs klaren Schreibstil sehr. Mit ihren kurzen, aufs äußerste zugespitzten und mit der richtigen Portion an Sarkasmus und Humor versehen Sätzen trifft sie den Nagel auf den Kopf. Ein anspruchsvolles, mutiges Buch mit durchaus feministischer Botschaft und ein sehr intensives Leseerlebnis, das lange nachhallt!

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Sehr gutes Buch

Von: Gizem

14.04.2019

Ich fange an mit dem Cover, es ist ein Gebundenes Buch aber trotzdem sehr handlich weil es sehr kompakt ist. Da das Buch nur 221 Seiten hat kahm man recht gut voran. Die Covergestaltung gefällt mir auch sehr gut, es zeigt Jesolo mit vielen bunten Sonnenschirmen. Das erste was mir aufgefallen ist war der Schreib Stil. Tanja Raich hat ein sehr Poetisches und außergewöhnliches Schreib Stil. Das Buch ist in der zweiten form geschrieben also spricht die Protagonistin mich an, in dem fall bin ich ihr Partner. Es sind viele Absätze vorhanden genauso wie die vielen Aufzählungen. Die Autorin hat die wörtlichen reden und die Dialoge so geschrieben dass man erst garnicht weis wer grad spricht, oder wer gemeint ist. Ich kann meine Gefühle zum Buch Gar nicht beschreiben, es war sehr ehrlich und realistisch, Ich bin noch 15 die Protagonistin ist 35 ich weis nicht wie es ist ganz viele Jahre in einer Beziehung zu sein in der man gar nicht Glücklich ist. Ich fands wirklich sehr Berührend es war nicht die Vergangenheit oder sowas was mich berührt hat sondern die Situation jetzt. Unsere Protagonistin wird vieles vorgeschrieben von der Gesellschaft z.B. es ist zeit Kinder zu bekommen, es ist zeit mit deinem freund zu heiraten und zusammen zu ziehen. Es war ein sehr besonderes Buch, ich würde es jeder zeit nochmal lesen wollen nur um mir selbst klar zu machen, wenn ich mal traurig sein sollte, hey es ist nicht alles Perfekt im leben trotzdem sollte man an sich denken und das tun was man für richtig haltest. Fazit: Das Buch ist Realistisch und Wahr. Ich bin der Meinung das man es lesen sollte. Ich hab eigentlich gar nicht viel von dem Buch erwartet aber es hat mich wirklich überzeugt. Falls ihr Lust auf eine Frauenroman habt mit viel Emotionen ist das Buch genau das richtige.

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Die etwas andere Schwangerschaft

Von: Buecherseele79 aus Hochrhein

08.04.2019

Andrea und George sind seit der Schulzeit befreundet, ein Paar und mitterweile leben sie eher nebeneinander her als miteinander. George möchte dass Andrea ihre Wohnung aufgibt um zu ihm, in das Haus mit seinen Eltern, zu ziehen. Doch Andrea möchte kein Haus, keinen Kredit aufnehmen, keine Kinder und will ihr Leben selbstbestimmt genießen. Dann wird Andrea jedoch ungewollt schwanger und ihr ganzes Leben erhält eine Wende....die sie so nicht vorgesehen hat..... Dieses Buch ist absolut brilliant und ruft in so viele, verschiedene Gefühle in einem hervor. Der Schreibstil ist so ganz anders, man muss genauer mitlesen, aber ich bin nie durcheinander gekommen oder konnte der Geschichte nicht mehr folgen. Auch sehr interessant sind die Entwicklungen des Embryos zu einem Kind, die die Autorin in diesem Buch zusammenfasst und immer wieder einfügt. Die Geschichte wird aus Sicht von Andrea erzählt, mit ihr konnte ich viel mitfühlen, ihre Gedanken und Ansichten haben auch mich zum nachdenken angeregt und oft hatte ich einfach nur Wut im Bauch, denn auch wenn die Autorin gewisse Dinge vielleicht zuspitzt, Humor zufügt, in einem hat sie nun mal Recht - das Bild der Frau in der Gesellschaft muss überholt werden, hier müssen neue Ansätze her, die meisten Ansichten haben sich seit den frühen 50iger nicht geändert. Darf eine Frau heute überhaupt sagen dass sie keine Kinder möchte, dass sie vielleicht dieses Kind nicht behalten will? Was suggerieren uns Medien, Familie, Freunde, Verwandtschaft, Gesellschaft vor? Ist eine Schwangerschaft nur Friede, Freude, Eierkuchen? Ist Kinder bekommen und die Kinder dann großziehen so leicht und easy und welche Rolle spielen eigentlich die Väter? Wie hoch sind die Chancen dass eine Frau, mit Kind/er, wieder einen Fuß in die Gesellschaft, in ihren Beruf fasst? Sobald man schwanger ist hat man nicht nur körperlich mit sich zu kämpfen sondern erhält von jedem Menschen, ob man will oder nicht, Ratschläge, Hinweise, auf der einen Seite soll man sich schonen, auf der anderen Seite macht man nichts und ist faul, wieso wieder oder noch immer arbeiten, im Fall von Andrea wird ihr viel Zustimmungsrecht und ihre eigene Meinung genommen bzw. nicht mehr wahrgenommen und hier denke dass sich viele Frauen, in gewisser Weise, hier wiederfinden oder viele Aussagen, Ansichten, eigene Erfahrungen erkennen. Ich bin selbst Mutter und kann vieles aus diesem Buch verstehen, nachvollziehen, aus eigener Erfahrung zustimmen. Gleichzeitig denke ich dass dieses Buch nicht jedem gefallen wird, denn man muss hier schon einiges selbst reflektieren, sich auf dieses Buch auch einlassen können und natürlich gibt es Frauen die Kinder und Schwangerschaften als das höchste Gut ansehen. Auch das Ende ist offen, es endet als die Geburt bei Andrea sich ankündigt und somit bleibt jedem Leser es selbst überlassen wie er denkt dass es mit Andrea und George weitergeht. Es ist kein Buch gegen oder für eine Schwangerschaft, sondern dieses Buch zeigt auf was Frauen leisten, ob mit oder ohne Kind, was eine Schwangerschaft für sie bedeutet aber auch dass ein Umdenken in den Köpfen stattfinden muss. Mich konnte dieses Buch absolut überzeugen und mitnehmen, ich empfehle es daher nicht nur Frauen sondern auch den Männern und spreche eine klare Leseempfehlung aus! Ich bedanke mich beim Randomhouse Verlag, dem Bloggerportal und dem Blessingverlag für das Rezensionsexemplar.

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Andrea (26) ging noch zur Schule, als Georg und sie sich vor 10 Jahren verliebten und ein Paar wurden. Bei allen wichtigen Ereignissen war er seitdem dabei, zusammen sind sie erwachsen geworden, kennen sich mittlerweile in- und auswendig und bilden für ihre Mitmenschen eine untrennbare Einheit. Im Gegensatz zu Georg möchte Andrea, die als Grafikerin arbeitet, (noch) keine Kinder, ebenso wenig will sie zu ihm ziehen - er hat eine Wohnung im Haus seiner Eltern. Als beide wie jedes Jahr in Jesolo an der italienischen Adria Urlaub machen, registriert Andrea, dass sich ihre Beziehung verändert hat. Denn sie erkennt, dass viel zwischen ihnen steht, sie sich besonders in ihrem ganz unterschiedlichen Alltag oft aus dem Blick verlieren, vieles lediglich reine Gewohnheit ist. Mehr noch: Sie hat sogar den Eindruck, dass sie und Georg sich fremd geworden sind und nur noch die Fassade eines glücklichen Paares bilden. Zu ihrem Schreck ist Andrea nach dem Urlaub schwanger. Im Gegensatz zu ihrer Umwelt ist dies für sie aber kein Grund zur Freude. Nach langen inneren Kämpfen entschließt sie sich jedoch, das Kind zu bekommen. Aber damit beginnt der Weg in ein Leben, das sie nie führen wollte: Sie willigt ein, zu Georg ins am Waldrand gelegene Haus seiner Eltern zu ziehen, sie nehmen einen Kredit auf und bauen die Wohnung weitestgehend nach seinen Vorstellungen um. Bei der Möblierung bringt sich seine Mutter stark ein. Den vielen gut gemeinten Ratschlägen ihrer Mitmenschen kann die Schwangere nicht entkommen und muss der Rolle einer werdenden Mutter gerecht werden, die ihr gar nicht liegt. Das Paar fügt sich in die Dorfgemeinschaft ein, fällt nicht auf, denn in ihrem neuen Alltag hat alles und jeder seinen Platz. Resümee: Andrea hält in der Du-Form einen inneren Monolog mit ihrem langjährigen Partner Georg. Dadurch wird nicht nur das Persönliche der Handlung, d.h. das individuelle Schicksal betont, sondern sie erhält auch einen emotionalen Anstrich. So fällt es dem Leser leicht, sich bzgl. Beziehung, Liebe, Muttersein, Familie in die Gedanken- und Gefühlswelt der 26-Jährigen hineinzuversetzen, sie nachzuvollziehen und zu verstehen. Beschrieben werden 10 Monate im Leben einer unabhängigen jungen Frau, die durch ihre ungewollte Schwangerschaft immer mehr in ein festgefügtes familiäres und soziales Schema gepresst wird. Die Handlung • beginnt mit dem Urlaub im italienischen Jesolo, in dem Andrea einiges in Bezug auf ihre Beziehung erkennt, • führt über die Schwangerschaft, in der sie einen Kompromiss nach dem anderen eingeht, • bis zur Geburt. Mit ihr endet der Roman sehr plötzlich und lässt viele Fragen offen. Andreas Wünsche und Vorstellungen von ihrer Zukunft decken sich nicht nur nicht mit denen ihres Partners, sondern stehen auch im Gegensatz zu gesellschaftlichen Erwartungen, Normen und Rollen: In ihrem Alter sollte man an Heirat und das Gründen einer Familie denken, sich auf ein Kind freuen und schließlich in der Mutterrolle aufgehen. An Andreas Beispiel zeigt die Autorin, wie schwierig bis unmöglich es heute immer noch ist, sich angesichts des familiären und sozialen Drucks als Individuum zu behaupten - zumal wenn der Partner andere Vorstellungen von der gemeinsamen Zukunft hat. Sich gut gemeinten Ratschlägen, der familiären Fürsorge und Vereinnahmung sowie den gesellschaftlich tradierten Normen zu entziehen, ist oft nicht zu schaffen. Auch Andrea hält dem Druck nicht stand, geht einen Kompromiss nach dem anderen ein, passt sich an, gibt damit immer mehr von dem auf, was sie selbst möchte, und existiert irgendwann nicht mehr als Individuum. Buchtitel und -cover verdeutlichen dies: Letzteres zeigt eine unendliche Reihe von einheitlich gestalteten Sonnenschirmen und -liegen am Strand (möglicherweise von Jesolo, wo der Roman beginnt). Sie stehen alle sorgfältig in Reih' und Glied - ein Ausscheren aus der Ordnung würde das harmonische Bild zerstören. Alles ist letztlich auf die Frage zugespitzt, wieviel Freiheit man bereit ist aufzugeben für ein sogenanntes sicheres und familiär sowie gesellschaftlich wohlgefälliges Leben. Oder ist man bereit, dem Druck standzuhalten und zu kämpfen, um seinen eigenen Weg gehen zu können - und sei es zu dem Preis, ein relativ sicheres familiäres und gesellschaftliches Netz aufzugeben und sich Repressalien auszusetzen? Steht am Ende dann das individuelle Glücklichsein? Diese Alternative wird von der Autorin allerdings nicht aufgezeigt, bestenfalls durch die Erwähnung von Andreas Mutter angedeutet. Fazit: Die am Beispiel von Andrea und Georg geschilderte Problematik kann auf viele Lebenssituationen übertragen werden: Es wird immer wieder Umstände geben, in denen individuelle Lebensentwürfe auf gesellschaftlich tradierte Normen, familiären und sozialen Druck oder Erwartungen von außen prallen. Der Betroffene steht dann vor der schwierigen Entscheidung, ob und inwieweit er Kompromisse eingeht, seine Ziele aufgibt oder zurückstellt.

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Lesehighlight!

Von: Nicole aus Wien

01.03.2019

Es ist gerade mal Anfang März und ich traue mich zu behaupten, dass ich ein oder vielleicht DAS Lesehighlight des Jahres für mich gefunden habe. Vielleicht liegt es an meinem Alter (mit knapp 30 kommt man als Frau ja oft ins Grübeln), meiner Lebenssituation, meinen bisherigen Erfahrungen – vielleicht auch einfach all den Ängsten, die dieses Erwachsen werden und vor allem das Mutter werden (irgendwann mal oder vielleicht nie) mit sich bringt. Tanja Raich schafft es mit ihrem Roman „Jesolo“ auf knapp 221 Seiten all meine Gedanken, Sorgen und Bedenken über Beziehungen, Liebe, Mutterschaft niederzuschreiben. Dabei ist sie ehrlich, direkt und klar. Kein Schnickschnack. Manchmal folgen einfach nur unzählige Aufzählungen. Manchmal versinkt man in Traumszenen. Meistens ist man bedrückt. Wenn ich eines verstanden habe, dann ist es die Protagonistin: „Ist das alles in meinem Leben?“ „Ist dies das Leben, das ich führen will?“ „Bin ich je bereit für ein Kind?“ „Will ich überhaupt eines?“ „Wo steht man als Frau nachdem man Mutter geworden ist?“ und vor allem: „Ist es okay, wenn ich mich in all diesem Mutter werden – Haus bauen – Bausparverträge – Jesolo Urlaube – Gedankenkonstrukt verloren fühle?“ Dies alles gemischt mit der Liebe oder auch nur Gewohnheit zu einem Menschen, er immer 3 Schritte voraus ist und das perfekte gemeinsame Leben schon geplant hat. Die Autorin kreiert ein Leben, welches für viele die Erfüllung und bei mir nur Beklommenheit und einen Fluchtgedanken auslöst. So will ich das nicht. Ich will nicht jedes Jahr das gleiche Urlaubsziel, das gleiche Hotel, die gleichen Liegestühle. Ich will mich nicht den Erwartungen der Gesellschaft, des Umfeldes, der Freunde beugen. Und das Buch zeigt eines: Es ist okay, dass es nicht das ist, was ich will. Ich bin nicht die einzige, die sich so fühlt und ich darf und soll verdammt nochmal selbst entscheiden.

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