Leserstimmen zu
The Story of John Nightly

Tot Taylor

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Großartiger Debütroman

Von: Silke Schröder, hallo-buch.de

07.11.2019

Tot Tayler, selbst Musiker, erzählt in seinem monumentalen Debütroman “The Story of John Nightly” die fiktive Biografie eines genialen Musikers, der an den Schattenseiten des Erfolgs verzweifelt und sein Talent vergräbt. Es scheint kaum glaubbar, dass diese Story nur gefakt ist, so überzeugend berichtet der Autor aus dem Leben seines Helden. Und so vertraut sind auch die Fakten aus der Popgeschichte, die er in seine Geschichte hineinwebt. Tayler erzählt, dass ihn eine Zeitungsnotiz inspiriert hat, in der über einen verstorbenen einsamen Mann berichtet wurde, der über 10 Millionen Pfund in bar in seiner Wohnung lagerte. Der chronologisch nicht linear erzählte Roman ist üppig angereichert mit Bebilderungen, Einschüben, Zitaten und Charts-Listen. So schafft es der Autor, den Geist der englischen Popmusik der sechziger und siebziger Jahre aufleben zu lassen. Schade ist eigentlich nur, dass die meisterhaft beschriebene Musik des John Nightly einfach nicht aufzutreiben ist.

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Der junge John Nightly ist ein fiktiver Popstar der im Swinging London Erfolge feiert. Die Story um ihn, seine Lebensgeschichte, füllt die 960 Seiten dieses unhandlichen Epos. Und wenn ich füllt schreibe, assoziiere ich Fülle, im positivsten Sinne. John, er ist ist einer von vielen Johns in diesem Opus. Er ist ein Glückskind, von Beginn an gelingt ihm alles, der Erfolg fliegt ihm zu, und das obwohl er genau „sein Ding macht“. Nie ist er gezwungen dem Kommerz zuliebe musikalische Kompromisse einzugehen. Er ist ein Genie voller Ideen, Tatendrang und in jeglicher Hinsicht im Flow. Dabei kommt er aus der Provinz. Auch diese wird, wie alles in DER STORY, detailiert geschildert, in kleinen Momenten die das Gesamtbild farbenprächtig und nachvollziehbar direkt greifbar machen. John hingegen bleibt intransparent, sein Verhalten, sein Genius, seine spätere Erkrankung, alles ist ein wenig mysteriös, nicht spooky, eher abstrakt, eben un(be)greifbar. „Es waren so enge Verhältnisse, wissen Sie – der Klavierlehrer war zugleich der Gewinner des örtlichen Piano-Smashing-Wettbewerbs.“ (Piano Smashing, war Anfang der 60er wohl fester Dorffestbestandteil, mit einfachen Regeln: Ein Klavier musste mit mit Vorschlaghammer so lange „gesmashed“ werden bis es durch ein vorgebenes Loch passte.) Das Debüt von Autor Tot Taylor reißt einen in diese Geschichte hinein und lässt die Leserinnen (Männer wie immer mitgemeint) nicht los. Es gibt, trotz vielfältiger Ausflüge in Vergangenheit und Zukunft und Beschreibung gartentechnischer sogenannter „Marginalien“, die den Kapiteln vorangestellt sind, keine Längen. Nur die Länge der Geschichte an sich und diese auch nur, weil Tot Taylor den Leserinnen Abschweifungen, Interessantes und Wissenswertes aus seinem immensen Fundus gönnt. Dazu benutzt er Interviews, Pressemitteilungen, Erzählungen der Begleiter John Nightlys und faszinierende Abhandlungen über Musiktheorie und Historie. Nie spricht John selbst, er ist Gegenstand der Erzählung, nicht ERzähler. Der feine Humor der ab und an durchblitzt würzt diese Gemengelage noch zusätzlich und die Fußnoten runden alles ab. Das braucht Zeit. Zeit, die sich potentielle Leserinnen mit Genuß gönnen sollten. Es ist weniger Lesen als vielmehr ein SCHWELGEN das Tot Taylor hier anbietet. Wer sich für diese Zeit, für Musik, für London und für die wunderschönen Bilder von Cornwall interessiert und bei George R.R. Martins Epos: „Das Lied von Feuer und Eis“ nicht schlappgemacht hat liest hier richtig. „The Story of John Nightly“ ist eine Erlebnis, das Mensch sich nicht entgehen lassen sollte. Berührend, tragisch, komisch, zum Haare raufen, eine fulminante Erzählung quer durch alles was dem Autor anm Herzen zu liegen scheint. Von Wissenschaft, bis zu Kunst, Astronomie: „… das vertonte Tagebuch eines auf Acid delirierenden Dorfpfarrers“ Die Bands der 60er, die das Nachkriegsgrau verblassen und vergessen ließen mit ihren Texten und Songs, die damals noch vor Optimismus strotzten und frei jeglichen Zynismus waren, leben in der Story wieder auf. Taylor transportiert das Gefühl, des Aufbruchs in die neue, bessere Zeit. Ein Aufbruch in eine wunderbare Zukunft … Schon der „Soundtrack“ zu diesem Buch ist es wert gehört zu werden, die Zeit, die erwähnten Musikstücke zu suchen und sich reinfallen zu lassen, sollte vorhanden sein. Wer kennt schon die Rooftop Singers? Bekannter ist da der Club der 27er, jene die die Drogen, den Ruhm und die unfassbaren Möglichkeiten zu Persönlichkeitsentwicklung nicht überlebten. Auch ihnen setzt Tot Taylor ein Denkmal, der Fokus aber liegt auf John Nightly, diesem jungen Mann der alles hat. Seine Geschichte ist stellvertretend für viele andere, eine Geschichte einer vergangen Zeit und verlorener Hoffnung. Vielleicht ist Johns Geschichte teilweise ein Bericht über das Leben des Autors. Ein geniales Aufflammen und Verbrennen, wenn Künstler, metaphorisch gesprochen, der Sonne zu nah kommen. So beinhalten diese, am Anspruch gemessen, wenigen Seiten eine Tour de Force durch Zeitgeschichte, menschliche Erungenschaften, Genies und Kultur. Grandioses Futter für Bibliophile.

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Der junge John Nightly lebt im wilden London der 1960er Jahre. Es ist die Zeit der Rockmusik, der Stars und Sternchen und Nightly, gutaussehend und ein talentierter Singer und Songwriter, passt hier hin, wie die Faust auf’s Auge. Seine erste Single gefällt, wird vermarktet und ebnet ihm eine vielversprechende Karriere. Doch wo viel Licht ist, ist auch ein ebensolcher Schatten. Und in diesem versinkt er, als der Ruhm plötzlich verpufft, sich die Hörer abwenden und er in eine tiefe und langanhaltende krise versinkt und beginnt, sein Leben neu zu strukturieren und auszurichten. Als ihn Jahre später, Nightley lebt mittlerweile als Blumenzüchter in Cornwall, ein Produzent aufspürt, plant er ein großes Comeback mit dem ehemaligen Songwriter-Genie… Wow! Dies mag vielleicht ein wenig professioneller und unkritischer Ausruf sein, war aber meine erste Reaktion auf dieses voluminöse Debüt des Komponisten, Songwriter, Galeristen und Plattenproduzenten Tot Taylor. Denn auf knapp 1000 kleinbedruckten Seiten präsentiert er die fiktive Biografie eines Künstlers, die er mit so viel Liebe zum Detail und einer erzählerischen Verspieltheit darbietet, dass man geneigt ist, zu vergessen, dass es sich hier um Fiktion handelt. Denn deutlich merkt man dem Autor seine berufliche Vergangenheit an, gelingt es ihm doch virtuos, die fiktiven Anekdoten Nightlys so in einen realen historischen und popkulturellen Kontext zu integrieren, dass man sich nach diesem Buch nur schwer vorstellen kann, dass sich die Realität eigentlich anders abgespielt haben soll. So erleben wir hier eine alternative Geschichtsschreibung, die mit zahllosen (fiktiven) Plattenbesprechungen und Interviews angereichert ist, die Begegnungen mit real existierender Prominenz ausbreitet und deren Handlung in mehr als zehn Jahren vom Autor entwickelt wurde. John Nightly ist dabei eine Figur, die sich im Kopf Taylors aus zahlreichen ihm bekannten Personen zusammensetzt und ein spannendes Eigenleben entwickelt hat. Finanziell erfolgreich, ist seine Figur ein Mensch, der unfähig im zwischenmenschlichen Kontakt ist, dessen Kreativität ihn in seiner Kunst vorantreibt, während sie ihn menschlich weit zurückwirft. Eine spannende, in ihrer ausufernden Struktur nicht immer leicht lesbare Geschichte, bei der man letztendlich jedoch keine Seite, keine Zeile missen möchte! The Story of John Nightly (Originaltitel: The Story of John Nightly, London 2017) erscheint in einer Übersetzung aus dem Englischen von Ingo Herzke, Philip Bradatsch, Harriet Fricke, Stephan Glietsch, Bernd Gockel, Kristof Hahn, Norbert Jakober und Alexander Wagner als großformatiges, gebundenes Hardcover mit Lesezeichenband. Für mich schon jetzt ein moderner Meilenstein, ist The Story of John Nightly eine so lebendig geschriebene, detailverliebte und umfangreiche fiktive Biografie, die einen oft vergessen lässt, dass man es hier mit einem Roman zu tun hat. In seiner Erzählstruktur verschachtelt, ungemein komplex und inhaltlich in die Tiefe gehend, dabei nicht immer leicht lesbar, eher sperrig, aber jederzeit faszinierend und in seiner literarischen wie physischen Wucht erschlagend wünscht man sich an manchen Stellen, es gäbe John Nightly tatsächlich und man könnten seinen Liedern und seinen Geschichten lauschen! Christian Funke

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