Leserstimmen zu
Der Bär und die Nachtigall

Katherine Arden

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Ein Märchen für kalte Winterabende

Von: booksurfer

24.11.2019

Selten das ich mal etwas über die russische Mythologie lese aber dieses Buch von Katherine Arden hat mich direkt angesprochen und passt auch perfekt in die kalte Jahreszeit. Die Geschichte führt uns ins alte Russland in ein kleines Dorf oben im Norden. Hier glauben die Bewohner noch an Ihre alten Götter und mystischen Wesen. Dunja eine Amme in einem privilegierten Haushalt erzählt den Kindern Märchen und Geschichten über Magie, uralte Wesen und Väterchen Frost, den Winterkönig. Für die junge Wasja sind das aber nicht nur Geschichten denn sie kann all diese Wesen sehen und mit ihnen sprechen. Und was sie zu sagen haben, birgt großes Unheil denn etwas uraltes Böses ist in den angrenzenden Wäldern erwacht ... Zunächst hatte ich ein paar Schwierigkeiten in die Geschichte rein zu kommen, durch die vielen neuen russischen Ausdrücke, aber nach kürzester Zeit war ich dann Feuer und Flamme. Die Geschichte ist so liebevoll und detailgetreu erzählt, das man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Unsere Protagonistin Wasja ist ein unglaublich toller Charakter, den man von Beginn an in Herz schließen muss. Sie ist ein kleiner Hitzkopf, Wirbelwind und Frechdachs die es Ihrer Familie nicht leicht macht. Allerdings hat sie das Herz am richtigen Fleck und versucht es Menschen wie auch den mystischen Wesen immer recht zu machen. Die Mythologie bzw. die alten Wesen waren dafür verantwortlich, das die Geschichte für mich unvergesslich wurde. Viele dieser Wesen kannte ich gar nicht bis auf die Rusalka, dabei gibt es noch so viele weitere tolle Wesen. Etwa den Domowoi, ein Schutzgeist für Heim und Herd oder auch Wasila der Stall und Pferde schützt, um hier nur mal ein paar wenige zu nennen. Dann gibt es noch den Winter König der eine ganz besondere Stellung in der Geschichte einnimmt. Welche das ist? Das wird hier nicht verraten dafür müsst ihr das Buch selbst lesen. Diese Figuren erweckt die Autorin mit viele Liebe zum Leben und Wasja erlebt tolle Geschichten mit ihnen. Ein wichtiger Aspekt der Geschichte liegt im Thema alter Glaube und Traditionen gegen die orthodoxe Kirche. Denn erst als die Kirche Einzug in das Dorf hält, hat das Böse eine Chance nach der Macht zu greifen. Ein interessanter Kontrast, der hier gebildet wird und durch den die Geschichte nochmal einen besonderen Drive erhält. Der Schreibstil der Autorin ist einfach märchenhaft. Sie erschafft tolle Bilder die immer mit der richtigen Brise Spannung zersetzt einen unglaublich tollen Lesefluss ermöglichen. Sie erschafft eine dichte düstere winterliche Atmosphäre die dennoch vor Leben pulsiert. Es macht einfach Spaß Wasja auf ihrer Reise zu ihrem wahren Selbst zu begleiten und im Kampf gegen das Böse mit ihr zu fiebern. Da es sich hier um den Auftakt einer Trilogie handelt freu ich mich schon auf die nächsten beiden Teile und einen noch besseren Einblick in die russische Mythologie. Die richtige Lektüre für winterliche Abende!

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Märchenfieber!

Von: Kleinstadtfantasia

24.11.2019

Ich habe ja lange geliebäugelt bei diesem Buch, war sehr gespannt ob mich die Geschichte packen kann und OH MEIN GOTT... ich liebe es! Wir lernen die junge Wasja kennen, die die Geister der Natur sehen kann. Egal ob der Hausgeist aus dem Ofen in ihrem zu Hause oder den Stallgeist, der die Pferde beruhigt. Wasja lernt sie alle kennen, freundet sich mit ihnen an und bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Die Welt gerät aus den Fugen, wenn die Geister nicht genug Kräfte besitzen und sich zurückziehen. Wasja findet die Gründe dafür, basierend auf alten Volksmärchen. Wasja ist - anders als in normalen Fantasy-Büchern - nicht unbedingt die schönste. Sie wird hier nicht in den Himmel gelobt, aber ihr Charakter war so authentisch erschaffen, ich konnte nicht anders und habe sie vom ersten Augenblick an geliebt. Man lernt Vater, Brüder, gehasste Stiefmutter und noch weitere, wichtige Charaktere kennen. Der Glaube spielt hier auch eine sehr entscheidende Rolle und ich als nicht-religiöser Mensch, fand es manchmal als super erschreckend, wie sehr doch dieser Glaube beeinflussen kann. Der Priester in dieser Geschichte war gleich auf meiner Blacklist, aber es muss eben auch diese Charaktere geben. Die Geschichte spielt vor dem 15. Jahrhundert, Glaube ist hier ein fester Bestandteil der Menschen. Mit dem Erscheinen des Priesters in Wasjas Dorf ändert sich so einiges, es prallen alter und neuer Glaube aufeinander. Der Priester ist der festen Meinung, die Menschen müssten befreit werden von den Schatten dieser Welt, von den Geistern. In diesem Zusammenhang treten auch der Winterkönig und sein böser Bruder in den Vordergrund. Was es mit dem Bären und der Nachtigall auf sich hat, wird sehr schön beschrieben. Aber da ich an dieser Stelle spoilern müsste um es wiederzugeben, empfehle ich: bitte selbst lesen! Mich hat die Märchenwelt der Rus so sehr fasziniert, bisher hatte ich nie etwas in der Art gelesen. Und nun bin ich so hin und weg, dass ich es kaum erwarten kann bis die restlichen Bücher dieser Reihe auf Deutsch erscheinen. Mich hat das russische-Märchenfieber gepackt.

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Perfekter Lesegenuss für die kalte Jahreszeit!

Von: Game of Pages

22.11.2019

Das Buch ist mir schon vor einer Weile bei amerikanischen Booktubern ins Auge gefallen. Die waren allesamt begeistert und seitdem wollte ich es auch unbedingt lesen. Und mich konnte es zum Glück genauso überzeugen! Die Geschichte spielt im mittelalterlichen Russland und beinhaltet sowohl historische als auch fantastische Elemente. Genau diese Mischung hat es mir total angetan. Die Verstrickungen mit den russischen Märchen und Sagenfiguren haben mich sehr fasziniert und ich fand es unglaublich spannend mehr darüber zu erfahren. Durch den ganz besonderen, atmosphärischen Schreibstil der Autorin wurde dieses märchenhafte noch verstärkt und ich habe mich einfach nur in der Geschichte verloren. Wirklich, ich war während des Lesens nicht ansprechbar, weil ich so verzaubert war. Die Geschichte ist magisch und in meinen Augen etwas ganz besonderes. Hinzu kommt eine Protagonistin die stark ist und sich nicht von Männern oder gesellschaftlichen Vorgaben unterdrücken lässt, der egal ist was von ihr erwartet wird, die keine Angst hat und im Einklang mit der Natur lebt. Sie zeigt einfach, dass ein Mädchen alles sein kann, was es will und diese Botschaft hat mir sehr gefallen. Dadurch wurde sie für mich außerdem viel nahbarer. Man fühlt, leidet und freut sich mit ihr gemeinsam. Das Buch ist vor allem für die kalte Jahreszeit der perfekte Begleiter, denn es hat mich so in seinen Bann gezogen, dass ich manchmal das Gefühl hatte selbst in diesen kalten Wintern in diesem Dorf im Wald zu stehen. Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung, für jeden der Märchen, eine starke Protagonistin und ein winterliches Setting liebt! 5/5 🌟

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Ein Buch voller Magie, Liebe und Geheimnissen

Von: buchstabensarah

21.11.2019

Dieses Buch hat mich von Anfang an mitgerissen und verzaubert. Wasja ist eine tolle Protagonistin. Sie ist rebellisch, tapfer und mutig. Ihre Familie liebt sie bedingungslos und sie würde jederzeit ihr eigenes Leben für ihre Geschwister und Eltern geben. Sie ist anders als die anderen Frauen im Dorf und das weiß sie genau, bleibt sich aber bis zuletzt selbst treu und beugt sich nicht den Erwartungen der anderen. Man lernt Wasja von Kindesbeinen an kennen und wächst mit ihr auf, gruselt sich mit ihr, sieht die Geister mit ihr, kämpft und ärgert sich mit ihr. Dieses Buch ist voller Magie, Liebe und Geheimnissen, die nach und nach gelüftet werden. Definitiv eines meiner Jahreshighlights!

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Magischer winterlicher Roman 😊

Von: Vivian

20.11.2019

MEin grandioser Auftakt der Winternight-Trilogy von Katherine Arden. Der Schreibstil ist fast schon poetisch und ausführlich und passt perfekt zu der traumhaften Atmosphäre im Buch. Die Stimmung ist düster, geheimnisvoll und magisch und man kann die Kälte quasi spüren, das Buch ist also perfekt für die Winterzeit. Man merkt, dass die Autorin sich sehr viel Mühe dabei gegeben hat den Leser in die damalige Zeit eintauchen zu lassen. Man gelangt in eine Welt in der Frauen entweder früh verheiratet oder ins Kloster geschickt werden, in eine Welt in der man die Haus- und Waldgeister wie z. B. den Domowoi und den Wasila kennenlernt und den Konflikt zwischen der orthodoxen Kirche und dem heidnischen Glauben. Die Geschichte beginnt langsam und man sieht der wilden liebenswerten Wasja mit ihrem ganz eigenen Kopf beim aufwachsen zu. Sie hat eine beeindruckende Art und lässt sich von niemandem ändern oder einschüchtern, auch nicht von ihrer verängstigten Stiefmutter Anna, welche als einzige außer Wasja die Geister ebenfalls sehen kann. Anders als ihre Stiefmutter lernt Wasja ihre Gabe nach und nach und mit Unterstützung der Hausgeister zu entdecken und zu verstehen. Im Lauf der Geschichte baut sich immer mehr Spannung auf und durch die stetig wachsende Gefahr aus dem Wald, welche Wasja als einzige erkennt, kann man richtig mitfiebern. Die Spannung bleibt bis zum Ende erhalten, vor allem auch durch den immer wieder auftauchenden geheimnisvollen Charakter Morowsko, der während der Handlung nie wirklich greifbar wird. Das Ende des Buchs war absolut passend und lässt Raum für eigene Ideen wie es jetzt weitergehen könnte. Ein wunderschöner winterlicher geheimnisvoller Roman der einer meiner Highlights 2019 geworden ist, 5/5 ⭐.

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Vielen Dank für das kostenlose Rezensionsexemplar! ʕ •ᴥ•ʔ "Die Tapferen überleben, die Feigen sterben im Schnee." (S. 371) ʕ •ᴥ•ʔ >> Inhalt << Zu Beginn des Romans wird Protagonistin Wasja im eiskalten Russland geboren. Ihre Mutter überlebt die schwere Geburt nicht und so kümmert sich das alte Kindermädchen Dunja um sie und ihre Geschwister Aljoscha, Sascha, Kolja und Olga. Sie erzählt ihnen alte, verbotene Märchen von Dämonen und Geistern. Doch Wasja weiß als einzige, dass die Geschichten keine Märchen, sondern echt sind. Denn sie kann die Geister sehen, die das Haus bewohnen und beschützen. Sie ist eine sehr ungestüme, freche und hitzköpfige Person, die sich nicht gerne an Konventionen hält und sich nicht in die Rolle der Frau fügen möchte. Schließlich entscheidet sich ihr alleinstehender Vater, dass es an der Zeit wäre, sich eine neue Frau zu suchen, obwohl er noch sehr an seiner geliebten Marina (Wasjas Mutter) hängt. Er ehelicht die als verrückt gesprochene Anna, welche ebenfalls Geister und Dämonen sehen kann. Als strenge Christin flüchtet sie allerdings lieber in die Kirche, statt sich mit ihnen anzufreunden - so wie Wasja. Sie freundet sich mit den Haus- und Waldgeistern an, bringt ihnen Essen und hält sie warm. Sie kann sie als einzige bewusst wahrnehmen und mit ihnen kommunizieren. Sie wird als Hexe beschimpft, wenn sie mit "der Luft" redet. Die Leute aus ihrem Dorf tuscheln, haben Angst vor ihr und meiden sie. Als dann noch ein berühmter Priester in das verschlafene Dorf kommt um Ikonen zu malen und zu predigen, fallen ihm alle um den Hals, werden immer gläubiger und vergessen ihre Hausgeister, die ohne den Glauben an sie nicht überleben können. Als Wasja älter wird beschließt ihre Familie, sie zu verheiraten. Ihr Vater, weil sie nun mal eine Frau und viel zu wild ist; Stiefmutter Anna hasst Wasja und will sie einfach nur loswerden. Allerdings ist Wasja ihrem Verlobten dann doch zu unweiblich und er verlässt sie, woraufhin Anna Wasja droht, sie ins Kloster zu schicken. Wasja flüchtet in den Wald, wo sie vom Winterkönig abgefangen und mitgenommen wird. Nicht nur er, sondern die ganzen Wald- und Hausgeister sprechen Wasja Prophezeihungen vom Untergang zu; die Ausmaße erkennt sie jedoch zu spät: Der Bruder des Winterkönigs ist erwacht und er braucht eine Hexe, um seine gesamte Macht zu entfachen. ʕ •ᴥ•ʔ "Aber nein, es ist wegen des heraufziehenden Sturms. Das erste Anzeichen ist Furcht. Das zweite ist stets das Feuer. Deine Leute haben Angst, und jetzt brennen ihre Feuer umso schneller." (S.176) ʕ •ᴥ•ʔ "Es liegt im Blut. [...] Man sieht es in ihrem Gesicht. Sie hat die Augen einer Hexe." (S.301) ʕ •ᴥ•ʔ >> Fazit << Der Anfang des Buches hat sich wirklich unglaublich in die Länge gezogen. Viele (vorerst?) unwichtige Charaktere werden bis ins Detail vorgestellt (man erfährt alles über ihre Schwester Olga, die nach einigen Kapiteln heiratet und nach Moskau zieht - dann ist nie wieder die Rede von ihr). Generell bin ich ein sehr detailverliebter Mensch und ich liebe es, wenn in Romanen richtig viel Atmosphäre aufgebaut wird - aber hier war irgendwann das Maß so voll, dass ich das Buch weglegen und nie wieder anfassen wollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es sich SO entwickeln würde. Ab etwas mehr als der Hälfte beginnt die Geschichte nämlich richtig Fahrt aufzunehmen. Wasja freundet sich mit den Geistern an und als Leser bekommt man sie alle wunderbar beschrieben: Wie groß sind sie, welche Haut- und Haarfarbe, was sie gerne essen und so weiter. Auch die Gespräche sind so schön geschrieben, dass ich das Gefühl hatte, in den Waldgeistern ebenfalls Freunde gefunden zu haben. Die Szenen gegen Ende des Buches (ich kann nicht sehr viel erzählen, alles würde nur zu sehr spoilern) sind wahnsinnig spannend und emotional geschrieben. Ich habe mitgefiebert, geweint und hatte Herzklopfen. Es war so gut, dass ich die letzte Hälte in einem Rutsch durchlesen musste. Die Charaktere sind alle entweder so gestaltet, dass man sie mag / Mitleid mit ihnen hat, oder sie abgrundtief hasst. Trotzdem sind alle schön ausgearbeitet und man erkennt die Entwicklung der einzelnen Figuren sehr gut, das hat mir sehr gefallen. Außerdem enthält dieser Roman so viele Lebensweisheiten, die man sich wirklich zu Herzen nehmen sollte. Alles in allem: Es lohnt sich dranzubleiben, auch wenn der Anfang sehr zäh ist. Das Buch hat mich sehr berührt und ich kann diese Welt einfach noch nicht loslassen. ʕ •ᴥ•ʔ "Dinge verändern sich nicht, Wasja. Sie sind, oder sie sind nicht. Magie bedeutet zu vergessen, dass etwas je etwas anderes war als das, was du dir wünschst." (S. 375) ʕ •ᴥ•ʔ

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„Der Bär und die Nachtigall“ ist der erste Band der Winternight-Trilogie und stammt aus der Feder von Katherine Arden. Dieser Roman bietet lesenswerte und intelligente Folklore im neuen Gewand, die sich spürbar vom Mainstream abhebt und den Leser in den Bann schlägt. „Es war Spätwinter in Nord-Rus und der Himmel düster vom Niederschlag, der weder Regen noch Schnee war. Die strahlende Februarlandschaft war vom trostlosen Grau des Monats März verdrängt worden.“ Zitat aus "Der Bär und die Nachtigall" von Katherine Arden, Seite 11. So beginnt Wasjas Geschichte - ein Roman mit historischen Elementen, der in ein wundervolles Wintermärchen übergeht. Der Schreibstil ist flüssig und das winterliche Setting wird auf atmosphärische Weise auf den Leser übertragen. Katherine Arden zeichnet in dem Auftakt ihrer Trilogie eine düstere Welt des alten Russlands, eingebettet in ein eisiges Setting. Ein russisches Dorf bildet eine atmosphärische Kulisse, die ihre ganz eigene Magie besitzt. Eisige Temperaturen, dicke Schneeflocken und tiefe Wälder erwarten den Leser im Rus – einem fast vergessen Reich voller Mythen, Legenden und Sagen. Die raue Magie des eisigen Settings versetzt den Leser in wohlige Winterstimmung, doch tief im verschneiten Wald lauern ungeahnte Gefahren. Die düstere Atmosphäre voller unterschwelliger Gefahr zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Wer hier eine rasante und nervenzehrende Story erwartet, wird enttäuscht sein. Die Spannungskurve steigt zwar immer wieder leicht an, insgesamt verläuft die Geschichte aber sehr ruhig. Die Autorin nimmt sich viel Raum für Details und eine realistische Darstellung der damaligen rauen Zeit. Die Welt ist im Umbruch, der alte Glauben prallt gegen den Einzug des Christentums. Haus- und Naturgeister weichen dem Glauben an Dämonen und verirrte Seelen, die es zu erlösen gilt. Im Fokus des Umbruchs steht die junge Wasja, die Tochter eines russischen Fürsten mit reichen Ländereien. Der Leser begleitet das Mädchen über viele Jahre hinweg. Wasja ist der Inbegriff von Freiheit. Wild, unbezähmbar und nicht in der Lage sich anzupassen, macht sie ihrem Vater das Leben schwer. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit rebelliert das junge Mädchen gegen das damalige typische Frauenbild. Schnell rückt sie in den Fokus der Kirche. Doch während der neue Dorfpfarrer nach der Erlösung von Wasjas Seele strebt, erhebt sich in den dunklen Tiefen der Wälder eine uralte Gefahr, die das gesamte Dorf auslöschen könnte. "»Was bedeutet das, hüte dich vor den Toten?« Der Leshy neigte das altehrwürdige Haupt. »Drei Zeichen. Das vierte sind die Toten«, antwortete er und verschwand. Um Wasja herum war nur noch Vogelgezwitscher und das Rascheln der Blätter." Zitat aus "Der Bär und die Nachtigall" von Katherine Arden, Seite 241. „Bär und die Nachtigall“ ist eine Geschichte weitab vom Mainstream, die einen unwiderstehlichen Sog auf den Leser ausübt. Ein eisiges Reich voller Mythen, Legenden uns Sagen wartet darauf entdeckt zu werden. Was Katherine Arden hier in der 420 Seiten umfassenden Geschichte vorlegt, steckt die Messlatte für die Fortsetzung hoch. Von mir gibt es für diesen zugleich düsteren und magischen Roman 4,5 Sterne. Eine klare Leseempfehlung für alle, die atmosphärische Geschichten abseits vom Mainstream mögen, in denen auf alle gängigen Klischees verzichtet wird.

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Once upon time … lang, lang ist es her, da las ich mit wachsender Begeisterung Märchen. Vorzugsweise mit keltischem Hintergrund. Alles wurde verschlungen: Mythen, Sagen, die griechische und römische Götterwelt, Michael Ende mit seinem „Trödelmarkt der Träume“ und den allseits bekannten Romanen, Astrid Lindgrens Märchen und Geschichten, Indianermärchen und -mythen. Mit Fantasy ging es weiter, Der Stein von Duncton, die Star Wars Saga, Stein und Flöte von Hans Bemman, quasi ein fantastischer Entwicklungsroman, hach es gibt wunderbare Literatur. Die Liebe zur Fantasy ist geblieben, an Märchen hatte ich mich irgendwann satt gelesen. Ersetzt wurden sie durch Magischen Realismus wie man ihn bei Gabriel Garcia Marquez oder in Allendes Geisterhaus findet. Offensichtlich bin ich mit dieser Liebe nicht allein, die verschiedenen Fantasy Genres boomen. Nicht nur dem Eskapismus geschuldet, der Sehnsucht nach der heilen Welt, dem Wunsch, dass Utopien Realität werden. Irgendwie sprechen diese fantastischen Geschichten die Menschen seit Jahrhunderten an, berühren sie im Innersten. Geben Hoffnung und Freude. Erzählen von Wünschen, Hoffnungen, dem Leben und dem Tod, von tiefer Tragik und leuchtender Freude. Sie machen Mut, ermächtigen Menschen sich aufzulehnen, sich für die Gemeinschaft zu engagieren und wärmen seit Anbeginn der Sprache an allen Arten von Lagerfeuern ihre Zuhörer. Katherine Arden führt in ihrem Debütroman „Der Bär und die Nachtigall“ diese schlichte, wunderschöne Poesie und Versprechung fort. Titel und Cover, das modern östlich, russisch anmutet, halten, was sie verheißen. Angesiedelt ist die magisch durchflochtene Familiensaga in „Nord – Rus“ irgendwann im 16. Jahrhundert. Die alte Dunja, gute Seele und Kindermädchen des adeligen Haushalts, die alle Märchen und Geschichten kennt wird zur Ersatzmutter der kleinen Wasja. Ihre Mutter, die Schwester des Moskauer Großfürsten Iwan starb im Kindbett und Dunja, deren Zofe, kümmert sich um die Kinder des verwitweten Bojaren (niederer Adel, es ist erfreulicherweise auch ein Glossar vorhanden) Pjotr Wladimirowitsch. Alles ist gut, bis Pjotr eine neue Frau mit in den Haushalt und ins heimelige Dorfleben bringt. Die verschreckte Christin Anna Iwanowa kann Wald-, Haus und sonstige Geister sehen, ist selbst ein wenig magisch begabt, fürchtet sich jedoch vor allem was sie sieht. Auch vor dem Domowoi, dem Hausgeist der an unsere Heinzelmännchen erinnert. Alles nicht kirchlich, gesellschaftlich akzeptierte, unkoventionelle löst bei ihr Panik aus, all, das jagt ihr Angst ein. So ist besonders Wasja in ihrer „ungebührlichen Wildheit und ihrem unmädchenhaften Benehmen Anna Iwanowa ein steter Dorn im Auge. Sie wäre viel lieber ins Kloster gegangen um ihren Frieden zu finden, statt mit Wasjas Vater verheiratet zu werden doch damals gab es keine Wahlmöglichkeiten gegen den Willen des Haushaltsvorstandes. Die Situation eskaliert als sich ein unwilliger Pope mit Sendungsbewusstsein und Ambitionen im Dorf und Haushalt der Familie einfindet. Schlicht und unaufdringlich poetisch schafft Katherine Arden Nähe zu ihren Figuren, zeichnet die damaligen Lebensumstände atmosphärisch bildhaft, zum mitfiebern und frieren. Woher der Glaube der damaligen Menschen an Hausgeister, den Winterkönig, die Rusalka und andere Gestalten kommt, ist leicht nachzuvollziehen, wenn man sich vorstellt in dieser Zeit zu leben. Dem Sog dieser Geschichte entzieht man sich nicht. Katherine Arden hat ein bezauberndes, atmosphärisches, berührendes Wintermärchen geschaffen. Ein Märchen, gesponnen aus russischen Mythen, das von Aberglauben und der schlimmen Kraft der Furcht, aber auch von Mut, Auflehnung, Stärke und dem Wunsch eines kleinen Mädchens, sich wider alle Konventionen Freiheit zu verschaffen und das als junge Frau alles auf’s Spiel setzt um sie zu erreichen, berichtet. Bestes Kopfkino, also mummelt euch in eure wärmsten Winterklamotten ein, trinkt Tee, zündet die Kerzen an und genießt dieses grandiose Debüt. Wunderschöne, seelenwärmende Lektüre für die kommenden kalten Tage. Ein weiteres Highlight 2019.

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