Leserstimmen zu
Schwarzes Meer

Caroline Eden

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Das schwarze Meer ist ein Binnenmeer zwischen Osteuropa, Südeuropa und Vorderasien; durch den Bosporus ist es mit dem Mittelmeer verbunden. Die Ukraine, Bulgarien, Rumänien, Georgien und die Türkei liegen am Schwarzen Meer; es war früh eine wichtiger Handelsweg und ist heute bekannt für beliebte Urlaubsorte. Das ist aber nicht alles: es ist auch ein sagenumwobener, mythischer Ort. Caroline Eden, die britische Journalistin, der wir schon ein wunderbares Buch über die Küche entlang der Seidenstrasse verdanken*, hat sich nun auf den Weg gemacht, einige Länder der Schwarzmeerküste zu bereisen, ihre Geschichte und ihre Essgewohnheiten einzufangen. Ihr Weg führte sie von Odessa in der Ukraine immer die Küste entlang über Rumänien und Bulgarien bis ins türkische Istanbul und Trabzon. Das ist kein reines Kochbuch – es ist ein Reisebuch mit Rezepten. Von Odessa bis Trabzon ist Caroline Eden gereist – mit Bus und Bahn übrigens, so hat sie viel vom täglichen Leben in der Region mitbekommen. Sie erzählt die Geschichte der Region, besucht Kulturdenkmäler, Museen, Menschen und natürlich auch Märkte und Restaurants. Sie hat gründlich recherchiert und auch historische Reiseliteratur gelesen; das ganze ist aber keineswegs trocken und theoretisch formuliert, denn es ist alles sehr persönlich geschrieben und die Geschichte wird immer in Zusammenhang mit den Menschen und ihren Schicksalen gebracht. Und mit ihrem Essen, natürlich. Abwechslungsreich ist das Ganze auch, denn sie berichtet mal über bewegende Schicksale, mal über historische Hinergründe und mal über die kulinaarische Entwicklung der besuchten Orte. Und wer sich weiter in die Geschichte der Gegend einlesen möchte, der findet am Ende des Buches ein sehr ausführliches Litaraturverzeichnis. Ein schönes Beispiel ist die Geschichte des polnischen, nach Odessa verbannten Dichters und Freiheitskämpfers Adam Mickiewicz: Er ging von Odessa aus ins bulgarische Burgas, wo er versuchte, mit der Türkei eine Armee gegen Russland aufzustellen, das sein Heimatland besetzt hatte. Erfolg hatte er keinen und starb schließlich in Istanbul an der Cholera. Caroline Eden war an all diesen Orten und ist seiner Geschichte nachgereist. Natürlich gibt es auch zu essen. Caroline Eden hat viele Menchen getroffen und sich Tipps für typische Gerichte und beliebte Restaurants geholt. Sie berichtet über jüdisches Leben in Odessa und serviert entsprechend zwei Varianten Vorschmack, in Rumänien hat sie an einem Feiertag an einem Stand Covrigi gekauft, süße, mit Marmalade gefüllte Hefekringel; und natürlich bekommen wir das Rezept. Es gibt blumigen Rosencocktail und geröstete Paprika mit Feta in Bulgarien und Istanbul und Trabzon warten nicht nur mit Schwarzmeer-Börek und Pilaw mit Maronen und Salbei auf, sondern auch mit gelbem Wodka, der den russischen Zuwanderern Instanbuls geschuldet ist. Die Rezepte sind spannend, denn obwohl die Reiseroute ja durch einige verschiedene Länder führt, kann man doch immer wieder Gemeinsamkeiten entdecken; die oft auch der Migration innerhalb der Schwarzmeerregion geschuldet sind. Es ist alles problemlos nachkochbar; die Zutaten in aller Regel gut erhältlich. Ciorbâ Constanta ist eine klassische saure Suppe aus Rumänien, normalerweise mit Fleischeinlage. Diese Variante beschränkt sich auf Gemüse: Fenchel, Zucchini und Kartoffeln, gewürzt mit Chili und Koriandersaat. Die feine Säure kommt von einer Portion Sauerkraut. Für Gogols eingelegte Pilze, ein Rezept aus Odessa, werden Champignons gekocht und marinieren dann in einem Sud aus Essig und Gewürzen. Fein als Vorspeise mit etwas Brot, man kann sie aber auch zu Eintöpfen und Salaten geben. Bei den türkischen Manti wird ein wenig geschummelt und auf Teighüllen aus dem Asiashop zurückgegriffen. Nicht ganz original, aber mit der Füllung aus Lammhack, Petersilie und Zwiebeln und mit den beiden Saucen – einer Walnussbutter und einer Joghurt-Knoblauch-Sauce – sehr fein. Knabberzeug – geht hier immer. Und diese rustikalen Stangen aus Bulgarien – Soleni Pruchki heißen sie – machen da keine Ausnahme: ein Hefeteig mit einem Anteil an Roggen für das Deftige, bestreut mit Kümmel, Mohn und Salzflocken – ich bin längst in die Massenproduktion gegangen. Noch einige Worte zur Optik: ein schönes Buch ist das geworden. Es punktet nicht nur mit vielen wunderbaren Fotos – atmosphärische Reisefotos ebenso wie authentische Food-Bilder – , sondern auch mit einer hochwertigen Aufmachung. Und nicht nur das Cover passt wunderbar zum Thema, auch der Schnitt ist stilsicher in blauschwarz gehalten. Fazit: Geschichte, Geschichten und Rezepte – Caroline Eden wollte ein Buch schreiben, mit dem man sich die Schwarzmeerregion erlesen, betrachten und auch erschmecken kann. Das ist ihr gelungen. Es ist ein Buch geworden, das man gerne von vorne bis hinten durchliest. Man erfreut sich an den Texten und den Bildern und nimmt dann auch gerne die Gelegenheit wahr, den Berichten mittels der Rezepte noch eine weitere Dimension hinzuzufügen.

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Mit diesem Buch ist dem Prestel Verlag ein echtes Gesamtkunstwerk gelungen. Das beginnt schon mit dem wellenförmig bedruckten Einband und dem schwarzen Buchschnitt, zum einen farblich zum Thema passend, zum anderen schlicht elegant. Beim ersten Aufschlagen findet man eine schön gestaltete Karte der Schwarzmeer-Region. Karten machen mich persönlich sehr glücklich. Und noch glücklicher macht es mich, wenn ich auf der Suche danach nicht zum nächsten Atlas rennen muss. Desweiteren gibt im Anhang eine Literaturliste, die weitere Romane, Koch - und Reisebücher empfiehlt. Über den Band verteilt findet man viele großartige Bilder von traditionellen Gerichten, Märkten, Menschen und natürlich vom Meer. Einziger Wermutstropfen für mich ist das fehlende Lesebändchen. Nun ist aber auch nicht jeder so lesebändchenfanatisch wie ich. "Ein Reise - und Kochbuch" ist der Untertitel. Und das trifft es auf den Punkt. Caroline Eden, englische Journalistin mit Schwerpunkt ehemalige Sowjetunion und Südasien, reist von Odessa an der Schwarzmeerküste entlang bis nach Trabzon. Dabei durchquert sie die Ukraine, Moldawien, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Georgien. Alle Anrainerstaaten haben eine verwandte Küche, aber mit regionalen und landestypischen Besonderheiten. So ist z. B. die odessanische Küche geprägt von der ehemals großen jüdischen Gemeinde und den vielen intalienischen Zuwanderern, Warna ist eine Salzstadt, und Safranbolu bekannt durch die Safranproduktion. Im Buch finden sich daher Rezepte für Challah genauso wie für Spaghetti mit Fleischbällchen. Und natürlich unzählige Fischgerichte, wie an einem Meer zu erwarten. Caroline Eden achtet dabei sehr auf die Nachkochbarkeit der Rezepte. Allzu ausgefallene Zutaten werden durch möglichst ähnliche Produkte ersetzt. Neben den Rezepten erfahren wir etwas über die Sehenswürdigkeiten entlang der Route, über Menschen, die dort traditionellen Berufen nachgehen, Fischer, Imker, Köche. Die Ursprünge einiger Gerichte werden erforscht, die Herkunft der Zutaten. Man kann dieses Kochbuch also tatsächlich lesen. Und stellt fest, dass man sich plötzlich für Gerichte interessiert, die man beim ersten Durchblättern noch abgetan hat. Der Ansatz, Landesgeschichte über Essgewohnheiten zu erklären, ist nicht neu, aber hier besonders charmant umgesetzt. Ein wirklich wunderschöner Band mit umsetzbaren Rezepten, die auch weniger begabten Hobbyköchen gelingen sollten, und einer Unmenge an Informationen zu Land und Leuten. Großartig!

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Ein Buch, in dem viel Herzblut steckt, viel Arbeit und viel Leidenschaft. Man merkt die Neugier auf’s Reisen, neue Geschmäcker und Begegnungen mit Menschen. Die Texte sind schön geschrieben und die Rezepte fügen sich toll ein. Die komplette Rezension findet ihr auf "Cooking Worldtour".

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