Leserstimmen zu
Das Versprechen des Bienenhüters

Christy Lefteri

(41)
(26)
(5)
(0)
(0)
€ 20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

... mit der Heimat im Herzen!

Von: CP

24.06.2020

"Das Versprechen des Bienenhüters" von Christy Lefteri ist ein stiller, einfühlsamer Roman, der den Leser einlädt, an einer ereignisreichen Flucht teilzuhaben. Vorsicht Spoiler! Nuri und seine Frau Afra verlieren durch den grausamen Bürgerkrieg in Syrien nicht nur ihre Heimat. Ihr gemeinsamer Sohn Sami wird kurz vor ihrer Flucht bei einem Bombenanschlag getötet. Der kleine Junge stirbt in den Armen seiner Mutter. Schwer traumatisiert machen Nuri und Afra sich auf den Weg, wobei sie zwar nie ihr Ziel, sehr wohl aber sich selbst als Menschen und Paar aus den Augen verlieren. Nuri zieht sich zurück in eine Schweinwelt, die ihn immer tiefer in einen gefährlichen, illusionären Strudel zieht, aus dem es fast kein Entkommen mehr gibt. Seine einzige Hoffnung ist die Erinnerung an seine Heimat Syrien. Afra hat sich nach dem Tod ihres Sohnes in der Dunkelheit verschlossen, sie erblindet. Ihr Ziel ist Großbritannien, wo die beiden einen Teil ihrer Familie wiederzusehen hoffen. Mit seiner hilflosen Frau an der Seite macht Nuri sich auf den Weg und hat wie Millionen anderer Flüchtender viele Stationen zu durchlaufen. Beide erleben Dreck, Kälte, Hitze, räumliche Enge und menschliche Verelendung. Sie erfahren Hilfe und Ablehnung, müssen aber auch erkennen, dass ihr Schicksal kein Einzelschicksal ist. Sein Wille, der Hölle des Flüchtlingselends zu entkommen ist es, der Nuri sämtliche moralischen Grenzen überschreiten lässt. Er stiehlt, arbeitet als Drogenkurier und mordet sogar. Leider aber wird Afra ein Opfer dieser moralischen Grenzüberschreitung. Trotz aller Widrigkeiten und Hindernisse gelingt ihnen die Flucht nach Großbritannien und die allmählich wieder einkehrende Ruhe offenbart Nuri und Afra die Chance, sich als Paar langsam wieder zu finden in einem neuen Land, einem neuen Leben. Christy Lefteri gelingt es, dem Leser eine neue, eine andere Sichtweise der immer noch aktuellen und oftmals kontrovers diskutierten Themen Flucht und Asyl zu vermitteln, ohne dabei in ihrem Schreibstyl kitschig, pathetisch oder gar anklagend zu wirken. Leider fehlt diesem/ihrem Styl m. E. phasenweise die Leidenschaft. Ich hatte leichte Schwierigkeiten, in das Buch rein zukommen, es hat doch etliche Seiten gedauert, bevor die Autorin mich mitnehmen konnte, darum auch nur drei von fünf möglichen Sternen. Christy Lefteri beschreibt die tief in jedem Menschen verwurzelten Sehnsüchte nach Heimat und Frieden (wohl dem, der beides hat!). Die Gratwanderung zwischen erforderlicher Empathie und notwendiger Sachlichkeit gelingt ihr gut und das ist es dann auch wohl, was diese fiktive Geschichte so authentisch macht. Menschen wie Nuri und Afra würden wohl lieber heute als morgen in ihre Heimat zurückkehren wollen, wenn sie die Möglichkeit hätten. Aber es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich ihre Heimat in der Erinnerung, im Herzen zu bewahren.

Lesen Sie weiter

Ich muss gestehen, dass dieses Buch länger bei mir lag, als es sollte. Immer wieder habe ich es zur Hand genommen, einige Seiten gelesen, wieder weggelegt. Ich kam mit dem Buch nicht klar, weil mir der Schreibstil zu nüchtern war. Aufgrund dieses Schreibstils konnte ich mir weder Nuri, noch seine Frau Afra wirklich vorstellen, konnte leider keine Verbindung zu ihnen aufbauen. Warum habe ich trotzdem weitergelesen? Irgendwie hat mich trotzdem etwas an der Geschichte berührt. Ich wusste, dass Christy Lefteri die Geschichte erzählt, nachdem sie als Freiwillige in einem Flüchtlingslager in Athen gearbeitet hat. So oder so ähnlich ist also das Schicksal der Menschen in Aleppo. Das war es, was mich hat dran bleiben lassen. Die Autorin berichtet über etwas, was tatsächlich jetzt, heute und morgen, auf dieser Welt passiert. Bereits die ersten Seiten ließen mich erschaudern. Nuris und Afras Sohn Sami wird getötet, Afra selbst erblindet. Dass sie ihr Leben aufgegeben hat konnte ich nur zu gut verstehen. Trotz Nuris zureden, ist sie zunächst nicht bereit, Syrien zu verlassen. Nuri muss mit ansehen, wie junge Männer, fast noch Kinder, einfach so erschossen werden. Er selbst wird aufgefordert, zur Waffe zu greifen, sich den Soldaten anzuschließen oder zu sterben. Das ist der Punkt, an dem er gegen den Willen seiner Frau entscheidet, zu fliehen. Wir, die wir hier gut behütet aufwachsen, vermögen das ganze Ausmaß des Grauens gar nicht zu erfassen. Mir zumindest fällt das schwer. Es fällt schwer, sich einzugestehen, dass genau dies hier auf unserer Welt, in Ländern, die gar nicht mal so weit von uns entfernt sind, passiert. Einerseits passieren derart schreckliche Dinge, dass man Afra schütteln möchte, weil sie zunächst nicht bereit ist, zu fliehen, andererseits kann ich, als auch sehr heimatverbundener Mensch, gut nachvollziehen, dass man bleibt, so lange es geht. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie verzweifelt man sein muss, um seine Heimat zu verlassen. Die Geschichte wird auf mehreren Ebenen erzählt. Ein Mal begleiten wir Nuri und Afra im Heute, sie haben England erreicht und sind dabei, einen Asylantrag zu stellen. Zum anderen begleiten wir sie mit dem Beginn kurz vor ihrer Flucht, über das Meer ins Flüchtlingslager nach Griechenland und weiter. Beide Erzählstränge haben ihre Berechtigung, denn nur durch die Rückblenden kann man verstehen, wie Nuri und Afra zu den Menschen geworden sind, die sie heute sind. Immer wenn der Strang wechselt, ist das letzte Wort des einen Erzählstrangs auch das erste Wort des neuen Strangs. So wusste man immer, wo man sich gerade befindet. Das hat mir sehr gut gefallen. Was ich gerne zugeben will ist, dass Christy Lefteri hier eine sehr wichtige Geschichte erzählt, die Einblick in die Seele der Menschen gibt, die vor Krieg und Tod fliehen müssen. Dennoch ist leider aufgrund des sehr nüchternen Erzählstils bei mir der Funke nicht übergesprungen. Ich vergebe 3 Sterne aufgrund der Aktualität des Themas. Empfehlen kann ich das Buch aber leider nur, wenn ihr eine nüchterne Erzählweise zu schätzen wisst.

Lesen Sie weiter

Ein wunderschön gestaltetes Buch, dessen Klappentext auf mich sofort Eindruck machte und rief „lies mich“. Das ich auf meine „Bewerbung“ auf das Rezensionsexemplar, im Random House Bloggerportal, direkt eine traumhafte Kiste, gefüllt mit dem Buch, einem Päckchen Tee und 4 dieser wunderschönen Teegläser erhielt, war dann nochmals ein Highlight mehr. Auf den Bienenhüter Nuri war ich sehr gespannt und auf sein Versprechen. Die kurze Info über das tragische Schicksal seines Sohnes Sami und der Ehefrau Afra, machten schon bewusst, dass es kein leichtes Buch werden würde. 348 Seiten über Krieg, Flucht, unerwünscht sein, Verluste und Traumata. Die Autorin Christy Lefteri hat all dies und noch viel mehr, durch die Sicht des Bienenhüters Nuri erzählt. Die Ich-Form macht es auf eine erschreckend reale Weise authentischer und führte das Leid der Vertriebenen und Flüchtenden deutlich vor Augen. "An diesem Ort sterben die Menschen langsam, von innen. Einer nach dem anderen sterben sie." Seite 269 Nuri ist mir eine sehr sympathische Figur geworden und auch seine Frau Afra. Ihr Miteinander, geprägt von Trauer, die sich versteckt hält und von keinem der beiden ausgelebt wird, ist trotz allem doch sehr harmonisch. Eine Art Zwist, der zwischen ihnen liegt und dem beschwerlichen Weg noch schwieriger gestaltet. Umso schöner war es, als erkennbar wurde, dass beide eben doch erkennen, dass es nur miteinander zu ertragen ist. Wie das geteilte Leid oder die doppelte Freude. Diese unfreiwillige Reise, aufgezwungen wegen nicht zu ertragender Zustände in der Heimat und der Erkenntnis, dass sie eigentlich nirgends willkommen sind, machen es nochmals trauriger. Ein stetiges Vorwärts ohne wirklich anzukommen. Gerade in den Auffanglagern kam das richtig zum Vorschein. Hier hat die Autorin ihre persönlichen Erfahrungen sehr emotional mit eingebaut und ich kann nur meinen Respekt bekunden an alle die den Mut und die Kraft haben, sich diesen Situationen zu stellen. Die Überschriften der einzelnen Kapitel sind etwas ganz besonderes. Sie bilden nämlich das Ende des vorherigen und der Anfang des neuen Kapitel. Ein fließender Übergang, der sich durch das ganz Buch zieht. Als genauso fließend habe ich auch Nuris Erzählungen empfunden. Selbst die Rückblicke in die Vergangenheit konnte ich gut zuordnen. Aleppo muss einst ein wunderschöner Ort gewesen sein. Voller Menschen mit Träumen und Wünschen. Was heute noch übrig ist von dieser Stadt und Land kennt man aus den Berichterstattungen. Brennende Trümmer, Ruinen, Elend und Leid. Hier hätte ich mir aber sehr viel mehr an Hintergrundinformationen gewünscht. Ein viel tiefer gehendes Erklären der Situationen und wie es soweit kommen konnte. Es muss dabei gar nicht ins politische abdriften, aber ich denke dass viele einfach nicht verstehen können, wie ein ganzes Land, in der heutigen Zeit solch einer menschenverachtenden Zerstörung und dem Krieg ausgesetzt sein kann. Etwas, dass mich richtig gehend gestört hat, waren die E-Mail-Nachrichten, die Nuri regelmäßig bekam. Gewiss sollten sie diesem unendlich traurigen Mann Hoffnung machen, aber mich hat es jedes mal aus Nuris und Afras Leben gerissen. Nuris und Afras Weg wären auch ohne diesen Cousin Mustafa gelungen. Ein für mich unnützer Charakter, es gab dafür so viele andere, ganz besondere im Buch. "Fort zum Mond, an einen anderen Ort, eine andere Zeit, eine andere Welt, überall hin, Hauptsache nicht hier." Seite 328 Die Sprache im Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist ungemein emotional, insbesondere die Erinnerungen bekommen sehr viel Raum. Die Zukunftsängste spielen auch eine immense Rolle, doch waren mir diese fast schon ein stückweit zu verharmlosend. Afra ist da allerdings richtig gut dargestellt. Ihre Erblindung eine Folge des Krieges und dem Verlust ihres Kindes, ist vielleicht auch eine körpereigene Schutzhaltung – man könnte es auch so sagen – ich will das nicht mehr sehen! Bei Afra und insbesondere ihre Dialoge mit Nuri oder anderen habe ich mich immer wohl gefühlt, auch wenn es nicht wirklich glückliche Gespräche waren. „Das Versprechen des Bienenhüter“ war für mich eine sehr traurige Erzählung. Vielleicht liegt es auch daran, dass all diese Leben und Schicksale ungewiss sind. Wo auch immer ihr Weg hinführt, es wird niemals mehr das Zuhause sein, was es einst war. Rezension verfasst von © Kerstin

Lesen Sie weiter

Das Versprechen des Bienenhüters

Von: Sharkeline

09.08.2019

„Das Versprechen des Bienenhüters“ ist ein Roman, der sich mit dem aktuellen Thema Flucht und Flüchtlinge auseinandersetzt. Die Protagonisten müssen aufgrund des Krieges aus Aleppo fliehen und werden dabei vom Lesenden begleitet. Dabei stehen sie nicht nur vor der Herausforderung bürokratischer Hürden, sondern müssen zudem auch gemeinsam als Ehepaar die Krise um den Verlust des Sohnes und die Flucht aus ihrer Heimat meistern. Sprachlich bleibt das Buch sehr flach (was vielleicht auch an der Übersetzung liegt?) und wird vor allem durch die aktuelle Thematik getragen. So erfährt der Lesende eine Menge aus dem „Alltag“ der Flüchtenden, dennoch bleiben einige der Handlungsstränge offen oder verworren. Vielleicht ist das aber auch mit Absicht gewollt, um das Chaos der Flucht zu beschreiben? Ein toller Übergang findet sich in jedem Kapitel: der erste Teil ist aus dem „aktuellen“ Leben, der Gegenwart, der zweite Teil jedes Kapitels ist als Rückblick geschrieben. Beide Teile sind jeweils mit einem gemeinsamen Wort verbunden - in der Gegenwart ist es das Schlusswort des Satzes, welches zugleich in der Vergangenheit das erste Wort des Satzes bildet. Somit wird eine Verknüpfung der Leben erkennbar. Im Klappentext ist zu lesen, wie das Ehepaar mit sich und ihren Gefühlen zueinander zu kämpfen hat - das wird im Buch jedoch aus meiner Sicht sehr wenig beleuchtet. Der Umgang der Beiden miteinander ist immer wechselnd zwischen total vertraut und abgekühlt - dabei aber nicht nachvollziehbar aus welchen Gründen. Fazit: Trotz der sprachlichen Einfachheit ein empfehlenswertes Buch, wenn man mehr über Hintergründe der Flüchtlinge erfahren möchte. Dieses Buch lebt auf jeden Fall durch die Aktualität des Themas!

Lesen Sie weiter

In "Das Versprechen des Bienenhüters" versucht die Autorin Realität und Fiktion zu einem Roman zu verbinden. Einerseits gibt das Buch einen tiefen Einblick in das (Seelen-) Leben von Menschen, die aus Syrien flüchten mussten. Andrerseits geht der Blick zu wenig in die Tiefe. Der ständige Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit macht es dem Leser schwer, bei der Sache - in der Geschichte - zu bleiben. Der Autorin gelingt es aber immer wieder, das Innenleben des Hauptprotagonisten Nuri und seiner Frau Afra überzeugend darzustellen. Aus meiner Sicht ein kontroversielles Buch, das zu lesen sich jedoch sicherlich für jene LeserInnen lohnt, die einen Einblick in eines der beherrschenden Themen der letzten Jahre bekommen wollen.

Lesen Sie weiter