Leserstimmen zu
Kaffee und Zigaretten

Ferdinand von Schirach

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Nachdenklich

Von: Diane aus Waldshut - Tiengen

23.05.2019

Ich war total fasziniert von dem Buch habe aber relativ schnell bemerkt, dass ich es nicht am Stück lesen konnte. Ich musste mir jemand suchen, der das Buch mit mir liest also gleichzeitig. Nach jeder Geschichte hatte ich so einen Diskutier- und Austauschbedarf. Absolut spannend und lesenswert.

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Dieses Werk unterscheidet sich gravierend von allen anderen Werken, die ich bisher von Ferdinand von Schirach kannte. Dies fällt schon sehr kurz nach Beginn der Lektüre auf, da – anders als sonst – keine Geschichte erzählt wird; auch handelt es sich nicht um eine Sammlung von Kurzgeschichten zu einem bestimmten Oberthema. Stattdessen erhält der Leser ein Potpourri aus Notizen zu politischem Geschehen, gesellschaftlichen Entwicklungen, besonderen Begegnungen oder Fällen des Autors und vielem mehr. So besteht das Werk aus zahlreichen Fragmenten, die viel über en Autor selbst preisgeben. Man erfährt von seiner Kindheit, von seinem Umgang mit den Spuren, die seine Familie in der deutschen Geschichte hinterlassen hat, von seinen ersten Berührungspunkten mit Jura und so weiter. Dementsprechend ist dieses Werk weniger für Schirach-Neueinsteiger als für Freunde seiner bereits zuvor veröffentlichten Werke zu empfehlen. Mir haben die vielfältigen Betrachtungen sehr zugesagt, auch wenn ich anfangs meine Schwierigkeiten hatte, in das Buch einzusteigen. Zu Beginn fehlte mir der rote Faden, etwas an dem ich mich hätte entlanghangeln oder orientieren können. Doch womöglich war das Ziel des Autors ein Stück weit zu verunsichern; den Leser aus der Reserve zu locken und ihn zum Nachdenken anzuregen. Mehrmals betont er, dass er genau diesen Effekt bei jedem Haneke-Film an sich gespürt hat und ihn das unglaublich beeidruckt hat. „Kaffe und Zigaretten“ stimmt einen sicherlich nachdenklich. Der melancholische Ton in Verbindung mit Nachrichten aus der letzten Zeit sowie Erfahrungen aus von Schirachs Kindheit und Rechtsfällen erzeugen eine ganz besondere Stimmung, die sich schwierig in Worte fassen lässt. Mir hat das Buch sehr gefallen, auch wenn ich anfangs nicht besonders angetan war. Von mir gibt es daher 4,5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung für diejenigen, die gerne auch mal ein persönliches Buch von von Schirach lesen möchten.

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Momentaufnahmen und Beobachtungen… Ferdinand von Schirachs neues Buch „Kaffee und Zigaretten“ verwebt autobiographische Erzählungen, Aperçus, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft ebenso wie um die großen Lebensthemen Ferdinand von Schirachs, um merkwürdige Rechtsfälle und Begebenheiten, um die Idee des Rechts und die Würde des Menschen, um die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu bewahren gilt, und um das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht. In dieser Vielschichtigkeit und Bandbreite der erzählerischen Annäherungen und Themen ist „Kaffee und Zigaretten“ das persönlichste Buch Ferdinand von Schirachs. (Quelle: Klappentext) „Irgendwann will sie wissen, warum er ist, wie er ist. Wie soll ein heller Mensch das Dunkle begreifen, denkt er. Er versucht es mit den Worten der Ärzte, sie hört zu und nickt. Depressionen seien keine Traurigkeit, sagt er, sie sind etwas ganz anderes. Er weiß, dass sie es nicht verstehen wird.“ – Kapitel 1, Seite 13, eBook Nach der beeindruckenden Kurzgeschichtensammlung „Strafe“ ist „Kaffee und Zigaretten“ mein zweites Buch des Autors Ferdinand von Schirach und konnte mich ebenso begeistern. Das herausstechende Merkmal ist hier wieder der Schreibstil: Klar und direkt ohne viel Drumherum, aber gleichzeitig so detailreich, dass man sich die verschiedenen Begebenheiten und Orte bildhaft vorstellen kann. In achtundvierzig übersichtlichen Kapiteln erzählt Ferdinand von Schirach viel Persönliches: Er schildert Erinnerungen an für ihn besondere Orte, unvergessene Begegnungen mit verschiedenen Personen und bestimmte Augenblicke aus seinem Leben. Vieles sind Momentaufnahmen – mit wenigen Worten verwebt er seine Eindrücke und Gedanken zu einer kurzen Geschichte. Neben persönlichen Erlebnissen gibt es auch einige Kapitel, wo er Beobachtungen schildert – z.B. interessantes zum Trend der Ausmalbücher für Erwachsene oder woher der Name „Magenta“ ursprünglich stammt. Die einzelnen Kapitel haben keine chronologische Ordnung, sie sind meist unabhängig voneinander angereiht. Dieses ist aber nicht verwirrend, sondern wirklich gut so, wie es ist. Die Kapitel handeln von u. a. von Würde, Einsamkeit, Herkunft und vielem mehr. Vieles ist interessant und regt zum Nachdenken an. „Die Würde steht nicht zufällig am Anfang unserer Verfassung, ihre Unantastbarkeit ist ihre wichtigste Aussage. Dieser erste Artikel besitzt eine „Ewigkeitsgarantie“, er kann nicht geändert werden, solange das Grundgesetz gilt. (…) Sie ist nur eine Idee, sie ist zerbrechlich und wir müssen sie schützen.“ – Kapitel 18, Seite 60, eBook Mein Fazit: Ein sehr beeindruckendes Buch. In achtundvierzig Kapiteln schildert Ferdinand von Schirach Begegnungen, Erinnerungen und Momentaufnahmen aus seinem Leben - ebenso seine ehrliche Meinung zu bestimmten Themen sowie interessante Beobachtungen – mal traurig, meist aber nachdenklich und auch ernst. Der Schreibstil ist brillant – schnörkellos, direkt und klar, dennoch detailreich und bildgewaltig. Ein besonderes Buch, das mir sehr gut gefallen hat!

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Sein persönlichstes Buch heißt es laut Ankündigung des Verlags, also wurde ich neugierig, was Herr von Schirach über sich preisgibt. Ich vermutete, dass er stark raucht und viel Kaffee trinkt, wie der Titel sagt. Aber nichts dergleichen. Vielleicht hat er bei diesen Stimulantien geschrieben. Ich kann mich jedenfalls gar nicht erinnern, ob die Figuren oder der Ich-Erzähler raucht. Zwischen den Erinnerungen stehen spannende Gerichtsfälle. Diese Mischung ergibt sich, weil einige der Texte schon mal in Zeitschriften erschienen sind. Die Miniaturen sind wieder sehr originell und lesen sich in einem Rutsch weg, doch das habe ich nicht gemacht, damit ich das Buch mehr genießen konnte. Berührende, spannende, verblüffende Geschichten mit ein wenig Autobiografie des Autors. Alles in allem, hat es wieder großen Spaß gemacht den neuen Schirach zu lesen! Und kaum hat man zu Ende gelesen, möchte man sofort wieder vorne anfangen, denn viele der Texte regen zum Nachdenken an.

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Das Buch enthält viele persönliche Noten des Autors und ist somit ein einzigartiges Stück. Mir hat besonders gefallen, dass es nicht versucht Einfluss auf den Leser zu nehmen, sondern Raum für eine eigene Wertung lässt. Unterhalten und lehrreich zugleich. Lehrreich allerdings nicht im klassischen Sinne. Es regt eher dazu an, sich selbst Gedanken zu machen.

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Herausstechend an seinen Büchern ist der Stil: Er ist sachlich und manipuliert den Leser nicht, sondern er sagt, was er sagen möchte und überlässt es dann dem Leser, wie man sich dazu positioniert und was man daraus für sich zieht. Trotzdem oder gerade deswegen, bewirken die Geschichten viel beim Leser – sie lassen einen nachdenken, nachspüren. Dementsprechend überlässt er auch viel (Arbeit) dem Leser – man selbst entscheidet, wie viel man in das Buch investiert und somit wieder für sich herausziehen kann – denn es gibt auch viele Anspielungen und „Geheimnisse“, die Geschichten lösen sich auch nicht wirklich auf. Außerdem findet sich ein gewisser Humor, den ich sehr angenehm finde. Bei diesem Buch steht aber eine weitere Fähigkeit des Autor noch mehr im Fokus – und das ist, mit wenigen Worten, ganz viel im Kopf des Lesers zu bewirken. Mit einem Halbsatz, wird eine ganze Szenarien eingefangen; mit nur einem Satz, eine ganze Lebensgeschichte erzählt. Die Geschichten bieten viele Fragen, Gedanken, Anstöße, die das Potential haben, dass man sich selbst, seine Werte und Ansichten hinterfragt. Natürlich sind nicht alle Geschichten gleich stark, aber selbst die „Schlechteste“ ist immer noch wirklich gut. Alle bewirken sie etwas beim Leser und sei es ‚nur‘, dass man nach den tieferen Sinn sucht, denn der ist immer da. Wie Kaffee und Zigaretten, war dieses Buch wieder ein absolutes Genussmittel. Ich würde es definitiv weiter empfehlen.

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Ferdinand von Schirach ist Anwalt, Schriftsteller, Denker. Er ist mein Lieblingsjurist unter den Schriftstellern, mein Lieblingsschriftsteller unter den Juristen. Kaffee und Zigaretten ist ein sehr persönliches Buch. Es sind nicht nur Überlegungen zu Recht, Moral und Würde, sondern viele kleine Gedankensplitter, Erinnerungen an die Kindheit und Jugend, an Begegnungen, die ich geprägt haben. Er beschreibt einen weiten Bogen von Epiktet zu Michael Haneke, von Heisenberg bis Mick Jagger. Mandanten, Kollegen, Freunde, Familie, nichts scheint schwarz oder weiß, gut oder böse. Der Autor erzählt von sehr privaten Momenten, hellen und dunklen Seiten im Leben. Aus dem „ich“ wird ein „er“, als er von einem Ereignis mit Alkohol und Schrotflinte schreibt. Ausgehend von kleinen Momentaufnahmen verknüpft er Gegenwart mit Vergangenheit, historisch, politisch, gesellschaftlich. „Mein Großvater Baldur von Schirach war damals Reichsgauleiter in Wien……Vielleicht bin auch ich aus Wut und Scham über seine Sätze und seine Taten der geworden, der ich bin.“ Ferdinand von Schirach hat die Begabung, einen mit seinen so geradlinigen und unverschnörkelten Texten ganz eigentümlich zu berühren. Er wirft ganz gekonnt eine Gedankenmaschinerie in mir an. Kaffee und Zigaretten sind die täglichen Begleiter des Autors. Ich trinke meinen Kaffee immer klein stark und schwarz. Das Leben ist nicht immer so, an sich.

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Ein neuer Schirach, sein persönlichstes Buch, erschienen am 04.03.2019 bei Luchterhand Verlag. Für mich, als bekennender Schirach-Fan, Pflichtlektüre! Cover und Verpackung des Buches sind schlicht, aber hochwertig. In „Kaffee und Zigaretten“ erwarten den Leser 48 durchnummerierte Abhandlungen, teils sind es Kurzgeschichten, teils kurze Notizen oder Textschnipsel. Wie angekündigt, wird Schirach zunächst persönlich. Er verrät viel aus seinem Leben, spricht über Erlebnisse, Familie und Schwächen. Aber er bezieht auch Stellung, distanziert sich von Rechts. Überhaupt scheint mir Schirach in diesem Buch besonders melancholisch. Ich mag seinen auf das Wesentliche reduzierten Schreibstil. Unverkennbar - kurz und knapp, aber dennoch tiefsinnig! Mit diesem Buch habe ich mich trotzdem zwischendurch schwer getan. Nachdem Schirach von seiner Jugend und einem Kinobesuch erzählt, schweift er in Belanglosigkeiten ab, z.B. zu einer Analyse des Films „Der Schwimmingpool“. Weiter thematisiert er den Dokumentarfilm über das Leben dreier Anwälte- Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Maler. Wofür diese Seitenfüller? Mit Kapitel 5, in welchem Schirach den Vollzug der letzten Hinrichtung eines Mörders in Moabit beschreibt, hatte mich der Autor wieder erreicht. Eine Geschichte, wie man sie von ihm kennt, mit dem Aha-Effekt, der die grauen Zellen in Wallung bringt. Auch die Kurzgeschichte um Will Purvis hat mir gefallen. Im Prozess beteuert er seine Unschuld spricht einen Fluch gegen die Richter aus: „Ihr werdet alle vor mir sterben“. Interessant fand ich die Auseinandersetzung mit dem Thema Ehe. Stimmt nachdenklich. Mit anderen Episoden konnte ich weniger anfangen. Sie wirkten auf mich unvollständig, lieblos inszeniert, zusammengeschustert. Manchmal waren es nur Fakten, Ereignisse, die 50 Jahre auseinander liegen, wie z.B in Kapitel Neunzehn. War meine Erwartungshaltung zu hoch? Ist es das Phänomen „Bestsellerautor“ - schreiben und liefern im Akkord? Abgesehen von einigen beeindruckenden Geschichten, kommt dieses Buch in seiner Gänze qualitativ nicht an die vorangegangen Werke heran. Herr Schirach, das können Sie besser! Gut Ding will Weile haben. Wer dem Meister der Kurzgeschichten verfallen ist, für den ist „Kaffee und Zigaretten“ allemal lesenswert. Schirach-Neulinge sollten besser zu Werken wie „Schuld“, „Verbrechen“ oder „Strafe“ greifen.

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