Leserstimmen zu
Es reicht.

Gemma Hartley

(1)
(0)
(0)
(0)
(0)
€ 18,00 [D] inkl. MwSt. | € 18,50 [A] | CHF 25,90* (* empf. VK-Preis)

»Du brauchst mich doch nur zu fragen«, sagte er, als er sah, wie ich mich abmühte. Es war eindeutig: Die Box stand im Weg und musste weggeräumt werden. Für ihn wäre es ein Leichtes gewesen, sie wieder nach oben zu stellen, doch hatte er sie lieber ignoriert (und war ihr aus dem Weg gegangen). Es war an mir, ihm zu sagen, dass er etwas wegstellen sollte, was er im Übrigen selbst herausgeholt hatte. »Genau das ist der Punkt«, sagte ich, inzwischen in Tränen aufgelöst. »Ich will nicht fragen müssen.« Männer verstehen das Problem nicht. Sie helfen und wollen entsprechend gelobt werden. Sie sind der Meinung, dass die Arbeit gleichberechtigt verteilt ist. Die unsichtbare Arbeit, die Frauen leisten, sehen sie nicht. Gemma Hartley stellt in ihrem Buch die Konzepte der "emotionalen Arbeit" und "mental load" vor und illustriert diese mit zahlreichen Beispielen aus Partnerschaft, Familie und Job. Wie konnte es so weit kommen? Waren sie und ihr Mann in dieses Muster nur hineingerutscht, weil sie die meiste Zeit zu Hause war? Als ihr Mann seinen Job verlor, stellte sie gerade ihre Manuskript fertig. Sie dachte, er könne ihr nun den Rücken freihalten. Pustekuchen. Wie kommt es, dass es immer ein bisschen besser zu werden scheint und man dann wieder in alte Rollenmuster zurückfällt? Nach einer schweren Geburt: "Ich bat Rob, die Entscheidung zu treffen, doch er weigerte sich glatt. »Ich weiß nicht. Du bist diejenige, die solche Sachen weiß. Du weißt besser als ich, was wir brauchen." Oft werde angenommen, es gebe ein "magisches Mutterwissen". Nein, sie hatte einfach ausführlich recherchiert, als sie erfuhr, dass sie schwanger war. Sind Frauen selbst Schuld? Beschwerten die Frauen sich über die Belastung, sei es ihr Fehler, dass sie alles an sich gerissen hätten, zu hohe Ansprüche hätten, zu kontrollierend wären. Dazu schreibt die Autorin: “Es ist wichtig, weil es mir hilft, mich reibungsarm um meine Familie zu kümmern.(...) Eine Menge tue ich dagegen zur Vermeidung von Störungen und Spannungen.” “Gebe ich die Märtyrerin, fällt die mentale Arbeit des Delegierens weg, dafür steigt aber meine Gesamtarbeitslast. Gebe ich die Nörglerin, muss ich jede Menge Gefühlsarbeit aufbringen, damit alle mitmachen.” Die Frau sei immer die Verantwortliche. Der Mann nur Helfer. Ihr fiele die Aufgabe zu, zu delegieren, zu erinnern, zu kontrollieren. Die Arbeit der Frauen solle immer mühelos wirken. Sie dürften nie zeigen, dass es anstrengend sei. Immer lächeln, damit die anderen sich nicht schlecht fühlten. Anerkennung gebe es kaum, denn für Frauen solle die Arbeit Belohnung an sich sein. Karriere Hartley geht auf die Präsidentschaftskandidatur von Hillary Clinton ein. Außerdem schildert sie Forschungen, die die unterschiedlichen Erwartungen an Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen untersucht hat. Den Druck, unter dem weibliche Servicekräfte stünden, betreffe in den USA besonders oft Frauen hispanischer Abstammung oder schwarze Frauen. Schwarze Mütter müssten ein perfektes Bild abgeben und seien oft mit der dem Vorurteil konfrontiert, dass sie Schuld an Kriminalität seien. In den höheren Etagen erschöpfe die emotionale Arbeit die Frauen und verhindere, dass sie Karriere machten. Wir können alles haben. Aber wollen wir alles haben? Haben Männer alles? Gewalt Immer den Frieden zu wahren, damit die anderen sich wohlfühlten, gehe auf Kosten der Frauen. Dies würde auch sexuellen Missbrauch und häusliche Gewalt begünstigen. Was wäre die Lösung? “Sie erzählt, wie sie ihm die Post überließ und diese sich drei Monate lang auf dem Tisch stapelte, bevor er sie öffnete. Darunter waren Bußgeldbescheide wegen Falschparkens, die inzwischen an ein Inkassobüro übergeben worden waren, und unbeantwortete Geburtstagseinladungen. (...) Sie erzählt mir sogar, dass ihre Tochter kürzlich eine Geburtstagsparty verpasst hat, weil sie sich nicht mehr um die Termine kümmert (die Terminplanung ist ganz klar Sache ihres Mannes).” “Karen Brody, Autorin von Daring to Rest (...) Auch sie hatte einige Jahre den Haushalt vollständig aus der Hand gegeben. Sie hatte alle Gefühlsarbeit fallen lassen. Sie verschickte keine Weihnachtskarten, kaufte ihren Söhnen keine neuen Klamotten, wenn sie aus den alten herausgewachsen waren, und kümmerte sich ausschließlich um den eigenen Terminkalender. Es kam vor, dass ihre Jungs nur Shorts im Gepäck hatten, wenn sie im Winter zur Großmutter verreisten.” Hartley dagegen will die Standards für ihren Haushalt nicht senken. Sie hält die emotionale Arbeit für wertvoll und vieles davon macht ihr auch Freude. Gemeinsam mit ihrem Mann findet sie einen Weg, der für beide funktioniert. Je gleichberechtigter eine Beziehung sei, desto glücklicher seien beide Partner. Fazit: Absolute Leseempfehlung! Ich konnte hier nur einige Stichworte bringen. Die Autorin dagegen gibt einen detaillierten Überblick über das Thema. Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem und berührt alle Lebensbereiche. Sie zeigt auch die Chancen, die sich Männern eröffnen, wenn sie Beziehungsarbeit übernehmen. Mit vielen Verweisen auf andere Bücher oder Artikel.

Lesen Sie weiter