Leserstimmen zu
Schwarzer Leopard, roter Wolf

Marlon James

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Nichts für zarte Gemüter aber ein muss für alle die endlich mal wieder innovatives Fantasy lesen wollen!

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Sucher, der Jäger mit dem besonderen Sinn, wird vor seine schwierigste Aufgabe gestellt. Er muss einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Seine Fährte führt ihn durch Wälder und Städte, zu Gestaltwandlern, Ausgestoßenen und Hexen. Aber kann er den Jungen retten und die Welten wieder in Einklang bringen?... (Klappentext) Triggerwarnung: Sexuelle und körperliche Gewalt, Missbrauch, Zirkumzision (Beschneidung) ❋❋❋❋❋ ">>Dies wird keine einfache Reise. Es sind Mächte im Spiel, Sucher. Es sind Mächte im Spiel, Leopard. Sie kommen morgens mit dem Wind oder manchmal auch in der höchsten Sonne, der Stunde des blendenden Lichts der Hexen. So wie ich wünsche, dass er gefunden wird, gibt es gewiss solche, die wollen, dass er verborgen bleibt...<<" (S. 181) Er hat keinen Namen und wird von allen nur "Der Sucher" oder "Roter Wolf" genannt. Dieser sitzt einem Inquisitor gegenüber - angeklagt für den Tod eines Jungen. Diesem Inquisitor erzählt er seine Geschichte - wie er zu dem wurde was er ist, wie es zu dem kam was passierte und weshalb es so enden musste wie es endete. Als LeserIn sitzt man mit dem Inquisitor am Tisch und lauscht dieser Geschichte. Eine Geschichte, die einem jungen Mann begleitet, welcher eine besondere Gabe besitzt, nämlich wie ein Wolf Gerüche aufzunehmen und diesen zu folgen, bis er den Besitzer dieses Geruchs gefunden hat. Diese Gabe führt dazu, dass er mit anderen angeheuert wird einen Jungen zu finden, welcher einst entführt wurde und nun schon seit drei Jahren vermisst wird. Ein Junge, welcher von großer Bedeutung zu sein scheint und den nicht nur er und seine Gefährten suchen. Während seine Truppe den Auftrag hat den Jungen lebend zurückzubringen, scheinen die Anderen nur seinen Tod zu wollen ... und die Zeit läuft. Hier betritt man eine völlig neue Welt des Fantasy, wobei das Worldbuilding selbst eher in den Hintergrund rückt, während die Atmosphäre afrikanischen Flair versprüht, jedoch dunkel und düster. Es ist als würde man in eine ferne Welt eintauchen, sich dabei durch das tiefste Afrika bewegen und dabei einer noch älteren Sage lauschen. Einer Sage über uralten Glauben, Riten und Legenden, in der einem Schattenteufel, Hexen, Gestaltenwandler und noch viele anderen Kreaturen begegnen. Man wandert durch Traumlande, Sümpfe und Steppen, Geisterwälder und Orte, die fast schon eine psychedelische Atmosphäre versprühen und man das Gefühl hat auf einem unheimlichen und bedrückenden Trip zu sein. "Ich wusste, dass ich die Nase hatte, wie Kava sagte, aber ich hatte nicht gewusst, dass ich einem Geruch folgen konnte. Selbst wenn der Leopard weit entfernt war, hatte ich ihn noch immer unmittelbar vor der Nase. Und Kava und seine Gerüche und die kleine Frau und die Rose, die sie in die Falten ihres Fleisches rieb, und den Mann und den Nektar, den er trank, und die Käfer, die er aß, zu viel Bitteres, wo er doch die Süße brauchte, und die Wasserschläuche und das Wasser darin, dass noch nach Büffel roch, und den Bach. Und mehr, mehr noch als das, und immer mehr, genug, um mich in eine Art Irrsinn zu treiben." (S. 70) Die Geschichte ist in sechs Hauptkapitel unterteilt: 1. Teil: Wie alles begann - Hier lernt man den Protagonisten kennen und so manch andere relevante Figur, wie z.B. den Leoparden. Man erhält ebenso Einblick in das Worldbuilding. 2. Teil: Die Suche beginnt - Der Auftrag wird angenommen, die Reisegefährten treffen auf aufeinander und die Reise zu dem Ort, an dem der Junge entführt wurde, beginnt. 3. Teil: Kongor - Die Stadt wo alles begann und endete. Reisegefährten verschwinden und ein neuer Gefährte betritt die Bühne, Geheimnisse werden gelüftet und doch bleibt so manches weiterhin im Dunkeln. 4. Teil: Vom Regen in die Traufe - Die Suche geht weiter, es kommt zu neuen Erkenntnissen aber auch zu neuerlichem Verrat und somit wieder zu überraschenden Wendungen. Man trifft auf alte Bekannte, während so manche Figur das Zeitliche segnet. Der Autor macht auch vor liebgewonnenen Figuren nicht Halt. Und schließlich endet die Suche. 5. Teil: Ein Lied eines Griot (vergleichbar mit Minnesängern aus dem Mittelalter), erzählt wie eine Geschichte, welche von der Rückkehr des Suchers in ein altes Dorf handelt. 6. Teil: Die Suche beginnt erneut - Fünf Jahr sind inzwischen vergangen und der Junge muss ein weiteres Mal gesucht werden. Diesmal jedoch aus einem anderen Grund und der Sucher hat sich dafür Hilfe von jemand völlig unerwarteten geholt. Dabei erhält man Einblick in die Vergangenheit und so manche Lücke wird geschlossen. "Nur einige hundert Schritte von uns entfernt erhoben sich aus einem Nebel, der so schwer war, dass er auf dem Boden ruhte, mit Bäumen so hoch wie Berge und langen Ästen, gespreizt wie gebrochene Finger. Sie kauerten zusammen, tauschten Geheimnisse aus. Ein Grün, so dunkel, dass es blau war. Die Dunkellande." (S. 309) In dieser Story ist der Protagonist umgeben von Intrigen, Geheimnissen und wilden Geschichten rund um den Jungen. Während er durch das Königreich reist wird er in blutige Kämpfe verwickelt, muss Gefahren bestehen und verliert so manchen Vertrauten. Zwischendurch wird geflucht, gevögelt und es werden viele Schädel gespalten. Der Protagonist selbst ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, zumindest war er es für mich nicht. Er ist ein sturer Klugscheißer, der immer nörgelt und sich in Selbstmitleid suhlt. Gleichzeitig erkennt man daran jedoch seine innere Zerrissenheit und das er nicht nur auf der Suche nach dem Jungen, sondern auch nach sich selbst ist und nach einer Konstante in seinem Leben sucht. "Doch ich verbringe die meisten meiner Tage alleine und die Nächte mit Leuten, die ich am Morgen nicht sehen will. Ich gestehe, wenigstens meiner dunkelsten Seele gegenüber, dass es nichts Schlimmeres gab, als unter vielen Seelen zu sein, selbst Seelen, die man vielleicht kennt, und dennoch einsam zu sein. Ich habe zuvor schon darüber gesprochen. Männer und auch Frauen habe ich getroffen, die umgeben sind von dem, was sie für Liebe halten, und doch sind sie die einsamsten Menschen in allen zehn und drei Welten." (S. 281) Die Story beinhaltet jedoch nicht nur die Thematik der Selbstfindung, sondern auch Homosexualität, die Frau im Manne, das Ritual der Beschneidung und der Glaube dahinter, allgemein das Erwachsenwerden und die Entdeckung der Sexualität (vor allem im 1. Teil des Buches) und der Kampf zwischen Matriarchat und Patriarchat. Was mich jedoch völlig begeistern konnte war der Schreibstil des Autors, denn dieser ist für mich unvergleichbar. Der Stil ist nahezu poetisch und kommt gleichzeitig derb daher. Eine Sprachgewalt, deren Direktheit mich abstieß und zugleich einen Sog auf mich ausübte, welcher mich bis zum Ende hin nicht mehr losließ. Als hätten sich Lew Tolstoi und Irvine Welsh zusammengetan und aus einer Feder geschreiben. Atmosphärisch, bildhaft und auch detailverliebt wie Tolstoi und derb und unverblümt wie Welsh. Doch genau dieser Schreibstil spaltet die Leserschaft. Zu derb, zu brutal und ekelhaft, um nur einige Bezeichnungen wiederzugeben. Ja, es wird viel geflucht und das F-Wort benutzt. Ja, es fließt Blut und das in rauen Mengen, Ja, es wird manchmal gevögelt und vor allem Gaysex ist hier vorhanden. Doch die Szenen werden nie explizit beschrieben, manchmal sogar nur angedeutet und manchmal nahezu poetisch. Da finde ich so manchen "Erotik"-Roman wesentlich schlimmer und abwertender, was die Beschreibung von sexuellen Handlungen betrifft. "Ich durchwühlte ihre fünf Gewänder, fand ihre Koo, teilte ihre Lippen nach West und Ost und ließ meine Zunge über die kleine Seele tief in der Frau zucken, die die Ku für einen verborgenen Jungen halten, der herausgeschnitten werden muss, obgleich sie in Wahrheit jenseits von Junge und Mädchen ist." (S. 146) Alle schreien sie nach Diversity, doch sobald diese etwas derber daherkommt und nicht so weichgespült wie in so mancher Romantacy, ist die Empörung groß. Ja, es ist definitiv Geschmackssache und natürlich sind Geschmäcker verschieden, was auch aus den meisten Rezensionen durchaus hervorgeht. Das ist auch gut so! Doch gerade deshalb verstehe ich es nicht, wenn dann LeserInnen ein Buch schlecht machen, es für "abartig" halten und man sich anhören muss, dass man nicht normal ist, wenn man auf derbe Ausdrucksweise, Blut und Gemetzel in Büchern steht. Wo bleibt da die Toleranz und Liebe zur Vielfalt in der Literatur und auch untereinander, wenn man schon befürchten muss von anderen LeserInnen als "abartig und krank" betitelt zu werden, wenn man blutigen Thrillern, derben Dialogen und härteren Szenen etwas abgewinnen kann? Des Weiteren sollte einem klar sein, wenn man ein Buch aus einem Verlag wie Heyne Hardcore liest, dass hier kein Kuschelkurs gefahren wird. So manche LeserInnen hatten beim Kauf wohl nur das wunderschöne und bunte Cover vor Augen, ohne auf Verlag zu achten und/oder sich eine Leseprobe zu gönnen. Dies wird dann vor allem klar, wenn man deren bevorzugtes Genre betrachtet, welches meist im YA- oder Romantacy-Bereich angesiedelt ist. Ich muss jedoch auch zugeben, dass der Klappentext und die nähere Inhaltsangabe eine etwas weichere Fantasystory suggerieren und dies von manchen Lesern und Leserinnen falsch interpretiert werden kann. Wer also klassische Fantasy und Romantacy bevorzug, sollte die Hände von diesem Buch lassen und gönnt Euch vor Kauf unbedingt eine Leseprobe. Fazit: Mich persönlich konnte das Buch begeistern und mit sich reißen. Jedoch nicht aufgrund des Plots, sondern vor allem durch den für mich völlig neue Schreibstil, welcher eine Sprachgewalt besitzt, die mich die Luft anhalten ließ. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gelesen. Die Atmosphäre, welche beim Lesen allgegenwärtig ist, ist dicht gewebt und entführte mich in eine afrikanische Fantasywelt und in eine Story mit tiefgründiger Thematik die ebenso mit Action und Wendungen punkten kann. Das Einzige was ich zu beanstanden habe ist, dass sich der Autor manchmal von seiner Detailverliebtheit allzu sehr mitreißen lässt und auch die Kampfszenen waren für mich langatmig, obwohl diese nicht mehrere Seiten füllen, wie bei manch anderen Büchern in diesem Genre. Dies ist übrigens der 1. Band einer Trilogie und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Bände. Bis dahin werde ich mir noch weitere Bücher des Autors gönnen, denn dieser hat es mit diesem Buch ganz nach oben meiner Favoriten-Liste geschafft. © Pink Anemone (inkl. Leseprobe und Autoren-Info)

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>>Komplett anders als gewohnt<< Obwohl jeder seine Vorlieben hat, ist man als Leser ja meist doch auf der Suche nach etwas Neuem, etwas, das alles vorherige in den Schatten stellt. Wenn mich jemand in dieser Hinsicht mehr als nur überraschen konnte, dann ist es Marlon James mit Schwarzer Leopard, roter Wolf. Der Stil ist von der ersten Seite an gewagt, laut und absolut überwältigend. Alles wirkte lange Zeit irgendwie verworren auf mich, aber nicht so, als wenn der Autor den roten Faden verloren hätte, sondern als wenn ich einfach noch nicht bereit wäre, die Geschichte richtig verstehen, mich darauf einlassen zu können. Es ist immer schwer Werke zu vergleichen, auch wenn ich es manchmal ganz gerne mag zu wissen, in welche Richtung eine Geschichte geht. Marlon James wird mit Größen wie George R. R. Martin und Tolkien in einem Atemzug genannt und das zu recht. Schwarzer Leopard, roter Wolf wird irgendwo zwischen Black Panther und Das Lied von Eis und Feuer eingeordnet, was der Story aber in meinen Augen nicht gerecht wird und ein falsches Bild verspricht – aber Geschmäcker sind natürlich unterschiedlich. Marlon James bewegt sich hier Meilen außerhalb der gewohnten Komfortzonen, brüllt Tabuthemen heraus und hat dadurch eine Geschichte geschaffen, die man zeitgleich lieben und hassen kann. >>Hardcore<< Dass dieses Buch unter Heyne Hardcore erschienen ist, sollte einen als Leser schon vorwarnen – wie bereits erwähnt nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund, doch das beschreibt es noch nicht annähernd. Gesellschaftskritische Themen werden in jeder Seite mit eingebunden und eine Triggerwarnung kann die Gewalt in der Geschichte nicht annähernd wiedergeben. Teilweise kann es einem willkürlich vorkommen, was mir aber nicht so erging. Es wird viel mit Sexualität, aber vor allem sexueller Gewalt gearbeitet, um auf die Macht, die dadurch ausgeübt werden kann, hinzudeuten. Der Fokus liegt hier natürlich auf der Mentalität Afrikas – was hier aber teils als Märchenhaft angekündigt wurde, schlägt manchmal in Sekundenschnelle in einen wahren Albtraum um. Marlon James schafft eine komplett neue Welt, Fantasyelemente, die ich bisher noch nicht gekannt habe und eine Welt, von der ich immer noch nicht weiß, ob ich sie annähernd erfassen kann. Durch den einzigartigen Stil, vielen verworrenen Elementen und all der Gewalt kann ich absolut nachvollziehen, dass viele Leser nichts mit dem Werk anfangen können. Wer aber merkt, dass auch nur ein Funke Interesse aufkeimt, sollte sich aber auf jeden Fall an dieser Geschichte versuchen und wer weiß, vielleicht entdeckt ein weiterer Leser eine Welt, die er sich niemals hätte erträumen können. FAZIT Marlon James hat mich mit seinem Werk Schwarzer Leopard, roter Wolf mehr als nur überrollt. Die Story hat mich geschockt, tief erschüttert, mitgerissen und wird mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. An Brutalität und Gewalt kaum zu übertreffen und dennoch konnte die Geschichte ihren ganz eigenen Zauber auf mich wirken – wahrlich einzigartig!

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Inhalt: Keine Aufgabe kann so schwer sein, dass man am Ende gefrustet die weiße Fahne schwingt …. Oder doch? Genau mit dieser Einstellung geht Sucher als Jäger an seine Aufträge heran und doch muss er feststellen, dass sein neuer Auftrag alle von ihm fordert und das was er geben kann vielleicht nicht genug sein könnte. Auf der Spuren eines Dreijahre alten Vermisstenfall, begibt sich Sucher auf die Fährte eines Jungen in eine Welt, die unwirklicher, gefährlicher und magischer nicht sein könnte. Wird es ihm gelingen den Jungen zu finden und die Welten so zu retten? Meinung: Vorgewarnt von den anderen Rezessionen und Meinungen der Leser dieses Fantasy-Epos, war ich einfach sehr neugierig und wollte mir daher selbst eine Meinung zu diesem Buch bilden. Es filterte sich nach einigen Kapiteln und etlichen Ereignissen schnell heraus, dass es sich um Fantasy der „besonderen Art“ handelt und auch weshalb sich die Gemüter so streuen. Brutaler, magischer und gänsehauterzeugender Fantasie erwartete mich und auch wenn ich eher mit einer gewissen Abneigung einiger der Ereignisse betrachtete, so war ich nicht so sehr angewidert, dass ich nicht weiterlesen wollte. Mehrfach geschluckt und den Ekel verdrängt, hatte auch diese Geschichte ihr Vorzüge und überzeugte mit Fantasie und Spannung. Bei diesem Buch kann ich definitiv verstehen, weshalb sich die Meinungen in sämtliche Richtungen verstreuen, und auch wieso Entsetzen und Begeisterung so weit voneinander entfernt sind und nicht zueinander finden. ( zum Glück ) Klar viel es auch mir nicht leicht über manche Dinge und sehr strange Themen einfach so hinwegzusehen und es blieb so auch nicht aus, dass ich mich und meine Meinung/Einstellung zu dem Buch hinterfragte. Doch muss ich sagen, dass ich von einem Buch aus dem Heyne Hardcore Verlag nichts anderes erwartet habe und ich denke, dass der Verlag in diesem Reihenauftakt etwas verborgenes gesehen hat, was unser eins vielleicht verborgen bleibt, wenn man nicht hinter die düsteren Schatten blickt, die dieses Buch absolut vereinnahmen. Absolut gelungen ist der Mix aus Spannung, Fantasie und dem afrikanischen Flair, der bei der Handlung mitschwingt. Mythen und Geschichten werden zu einem realistisch - fiktiven Gemisch und haben mich sehr mitgerissen. Dennoch muss ich gestehen, dass dieses Buch mich nicht ganz losgelassen und somit auch nachdenklich gestimmt hat. Viel schwere Kost und Themen, die eigentlich in die Tabu-Schublade gehören, werden hier aufgegriffen, und wenn solche Themen einen nicht mitnehmen, dann weiß ich auch nicht. Fazit: Für meinen Teil kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin, dass ich mich nicht von den kritischen Stimmen habe abschrecken lassen und auch die Mut gefasst habe trotz umstrittener Themen mich der Geschichte anzunehmen, denn wenn man sich von der düster-magischen Stimmung mitreisen lässt und mehr als ein Auge zudrückt, erlebt man einen Fantasy-Epos der extrem besonderen Art.

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»Was ist Wahrheit und was Lüge?« 🐺🐯 Wow, was für ein Buch! Aufgrund der beträchtlichen Seitenzahl und anfänglichen Startschwierigkeiten hat es etwas länger gedauert, bis ich das Buch beendet habe, aber: Es hat sich mehr als gelohnt! Ich finde gar nicht die richtigen Worte, um dieses wunderschöne Cover und das liebevoll gestaltete Innenlayout zu beschreiben. Diese satten Farben, das Motiv - die komplette Aufmachung ist so schön, dass ich das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. 💜 Zugegeben, der Einstieg in die Story fiel mir etwas schwer, da man mit so vielen Charakteren, Namen, Orten, usw. regelrecht erschlagen wird, dass ich gar nicht mehr wusste, wo mir der Kopf steht. Auch die Welt, die Marlon James erschaffen hat, ist so unglaublich vielfältig, dass ich mich erstmal zurechtfinden musste, um völlig in diese abgefahrene Geschichte abtauchen zu können. Der Schreibstil ist derb, sehr direkt, zum Teil poetisch und manchmal etwas verwirrend. Der Autor nennt das Kind beim Namen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, ist schonungslos ehrlich und scheut auch nicht davor zurück, Dinge »auszusprechen«, bei denen viele wohl rote Ohren bekommen würden. Aber genau das hat mir besonders gut gefallen. Auf den Inhalt möchte ich gar nicht allzu sehr eingehen, da die Story um Sucher einfach viel zu umfangreich und sehr verstrickt ist. Nur so viel: Die Reise, bei der wir hautnah mit dabei sein dürfen, ist turbulent, aufregend, abwechslungsreich und war für mich überhaupt nicht vorhersehbar. Sobald ich in diese faszinierende und oftmals sehr brutale Welt eingetaucht bin, habe ich mich keine Sekunde lang gelangweilt. Besonders schön fand ich auch, wie Marlon James die vielfältigen afrikanischen Einflüsse in seine Geschichte eingeflochten und zu einem wahren Fantasy-Epos verbunden hat. Als besonders hilfreich empfand ich die jeweiligen Karten der Städte/Orte, die Sucher und seine Begleiter bereist haben und die Aufzählung der Figuren gleich zu Anfang, da man ansonsten ganz schnell den Überblick verloren hätte. Sucher ist ein ausgesprochen interessanter Charakter, der mir sehr sympathisch war. Er ist ehrlich, mutig, stur, eher in sich gekehrt und scheut keine Konfrontation, um für sich selbst und andere einzustehen. Er war eindeutig mein Lieblingscharakter! Leopard - der ebenfalls eine relativ große Rolle in der Story einnimmt - war meistens gut gelaunt, aber stellenweise auch sehr launenhaft. Der Grund für sein Verhalten wurde später zwar aufgeklärt, allerdings war er mir als Charakter einfach zu sprunghaft und wenig greifbar. Nichtsdestotrotz war auch er mir die meiste Zeit über sympathisch, wenngleich sich im späteren Verlauf die Wege von Sucher und Leopard des Öfteren getrennt hatten. Es gab noch einige weitere Charaktere, die mir sympathisch waren (Mossi, Sadago, die Mingi-Kinder, usw), allerdings werde ich diese nicht alle aufzählen, da das bei der schieren Menge an Protagonisten einfach den Rahmen sprengen würde. 🤭 Das Ende hat mich etwas verwirrt und mit vielen Fragen zurückgelassen. Wer ist Sucher wirklich? Was ist Wahrheit und was Lüge? 🐺🐯 Fazit: »Schwarzer Leopard, roter Wolf« ist eine brutale, vulgäre, phantasievolle, spannende und atemberaubende Geschichte, die so anders ist, als alles, was ich bisher gelesen habe. Dieses Buch wird euch schockieren und vermutlich anwidern. Es wird euch verwirren und sprachlos zurücklassen. Es wird euch aber auch verzaubern und euch eine völlig neue Welt eröffnen. Aufgrund des etwas schweren Einstiegs und des manchmal sehr verwirrenden Schreibstils ziehe ich einen halben Stern ab. »Schwarzer Leopard, roter Wolf« hat mich so sehr beeindruckt und unterhalten, dass ich gar nicht anders kann, als dieses Buch auf die Liste meiner Jahreshighlights zu setzen. Ich freue mich auf den nächsten Teil und kann es kaum erwarten, erneut in diese beeindruckende Welt einzutauchen! ❤️ 4,5/5 ⭐️ 🐺🐯 Vielen Dank an das Bloggerportal und an Heyne Hardcore, die mir das Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben.

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Großartig!,

Von: librovore,

29.11.2019

Das war mein erstes Buch von Marlon James und definitiv nicht mein letztes! Ich hatte, um ganz ehrlich zu sein, keinerlei Erwartungen an den Roman, ich wollte mich überraschen lassen und mich von der Fantasie des Autors tragen lassen - und das war eine ganz wunderbare Idee. Ich bin in diesem wahren Fantasy-Epos gänzlich auf meine Kosten gekommen! Zu aller erst möchte ich aber direkt eine Triggerwarnung aussprechen: Gewalt, sexuelle Gewalt, Vergewaltigung, sehr vulgäre Sprache, Kannibalismus. Ja, das Buch ist tatsächlich schwer zugänglich. Ich brauchte eine Menge Konzentration, um den Worten und der Geschichte zu folgen. Ja, es ist brutal und dunkel und manchmal widerte es mich an, aber es hat mich vollkommen in den Bann gezogen. Ja, die Sprache scheint auf den ersten Blick „komisch“, aber es passt so unglaublich gut zur Geschichte! Marlon James schreibt Dark Fantasy auf ganz hohem Niveau! Sprachlich hat er ein für mich absolutes Highlight geboten, jedes Wort trifft und sitzt tief. Die Konzentration darf aber nicht fehlen, denn an vielen Stellen ist es recht wirr. Durch die Sprache unterstreicht der Autor aber diese großartige Story um das mythische Afrika, den fortwährenden Okkultismus. Anfangs ist es, als wären die Fäden durcheinander, es ist verwirrend. Je mehr ich aber gelesen und in die Geschichte hineingefunden habe, desto mehr habe ich verstanden - die Fäden müssen nach und nach sortiert und an den richtigen Stellen zusammengebunden werden. In „Schwarzer Leopard, roter Wolf“ hat Marlon James ein einzigartiges Setting geschaffen, von dem ich mich hab verzaubern lassen - auch, wenn es brutal und gewalttätig war und oft weh getan hat. ⟫ Das Blau zog mich an. Leuchtend wie der Himmel und mit dunkelblauen Wirbeln wie das Meer selbst. Das Meer, aber nicht wie das Meer, eher wie das Meer der Träume. ⟪ Zitat S. 523 Es ist ein Afrika, von welchem ich noch niemals gelesen habe. Es ist dunkel, es ist mythisch, mysteriös, voll von fantastischen Figuren und Charakteren, es spielen dunkle und okkultische Mächte mit. Wir haben Wasser- und Mondhexen, Gestaltwandler, Blitzvögel und Ogos. Wir haben unseren Protagonisten Sucher, der keinen Namen mehr hat, dafür aber eine exzellente Nase, mit der er jede Person ausfindig machen kann. Sucher ist ein außergewöhnlicher Charakter, denn er wird zu keinem Zeitpunkt zu einem Sympathieträger, und doch kann man ihn auch nicht hassen. Während des Buchs habe ich ihn und seinen inneren Kampf mit sich selbst kennen gelernt, und trotzdem ist dort etwas, was ich nicht greifen konnte. Ist es sein Hass gewesen? Auf sich selbst? Oder seinen Vater, seinen Großvater? Hoffentlich kann ich das Rätsel in Band 2 lösen! Fazit „Schwarzer Leopard, roter Wolf“ ist gewiss nicht für jedermann, mich aber hat es vollkommen überzeugt! Marlon James schreibt Dark Fantasy auf hohem Niveau in einem dunklen und brutalen Afrika. Für mich ist „Schwarzer Leopard, roter Wolf“ ein absolutes Highlight im Fantasy-Bereich! Ich vergebe volle fünf Sterne! ,

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„Man sagt, du habest eine Nase.“ Sucher ist ein Verlorener. Von zuhause ausgestoßen gibt es kaum einen Ort, an den er gehen kann, denn als Angehöriger des Flussstammes ist er bei den benachbarten Gangatom nicht gern gesehen. Als er durch Zufall in einem kleinen Dorf auf seinen Onkel trifft und sich mit einem Jäger auf den Weg in den Dschungel macht, trifft er auf eine Sangoma – eine Hexe, die in ihm mehr sieht, als nur einen jähzornigen jungen Mann. Geschützt durch ihren Zauber können ihm Schwerter, Dolche und Äxte nichts anhaben und so macht sich Sucher, nach einem schweren Schicksalsschlag, dazu auf, seine Nase in die Dienste reicher Leute zu stellen. Als ein Sklavenhalter von ihm erfährt, zögert er nicht, Sucher und einige weitere Söldner auszuschicken, um nach einem Jungen zu suchen, der ihm gestohlen wurde. Doch bereits nach kurzer Zeit ist nicht nur Sucher klar, dass der Junge mehr ist als nur ein Kind … Meine Rezension enthält teilweise Spoiler – weniger zur Geschichte selbst, als vielmehr der Welt und den Wesen, die diese bevölkern. Doch ich denke, dass gerade bei diesem Roman, der eindeutig nicht jeden erreichen kann, eine gewisse Vorkenntnis von Nöten ist. „Meine Mutter darf das ganze Buch bis auf zwei Seiten lesen“, sagt Marlon James in seinem Nachwort. Da stellte sich mir doch kurz die Frage, ob seine Mutter nicht zwei Seiten des kompletten Werkes lesen darf, denn Marlon James nimmt – um es freundlich auszudrücken – kein Blatt vor den Mund. Es wird nicht nur fast im Vorbeigehen gemordet, sondern auch Vergewaltigt und gefoltert. Die Welt, in die wir eintauchen – und bei mehr als 800 Seiten ist es eine sehr große Welt – ist nicht nur grausam: sie ist dramatisch brutal. Sucher befindet sich nicht auf der normalen Seite des Lebens, in seinem Geschäft sind Misshandlungen normal, weshalb wir auch in keiner Seite etwas über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Ngiki (wie die Welt, so denke ich, heißt) oder den Nordlanden (in denen Sucher lebt). Auch über die politischen Verhältnisse werden wir lange im Dunkeln gelassen und erfahren erst sehr spät, wer und weshalb König ist und wer mit wem im Krieg liegt (wobei man beizeiten denken möchte: jeder mit jedem!). Auch das Magiesystem dieser Welt ist grausam: Hexen und Hexer erhalten ihre Macht durch das Töten und Verstümmeln von Säuglingen (was nicht als tatsächliche Handlung geschieht, aber deutlich erklärt wird) und Vampire saugen nicht nur Blut, sondern vergewaltigen ihre Opfer und zerstören deren Seele und Verstand. In jeder Ecke herrscht Verzweiflung, Hass, Verrat … Und doch? Schwer zu erklären. Denn die ersten einhundertfünfzig Seiten waren beinah eine Qual. Die Brutalität der Welt und der innere Hass, mit dem Sucher zu kämpfen hat (und denkt nicht, das würde sich geben, nein, Sucher wird zu keinem sympathischen Charakter – nicht davor und nicht danach), haben mir schwer zu schaffen gemacht. Doch dann … entfaltet sich die Welt. Der Handlungsort weitet sich, die Nordlande erscheinen vor dem inneren Auge, die Städte – Malakal, eingeschlossen von mehreren Kreisen aus Schutzmauern, nach oben gebaut, um Platz zu sparen oder Dolingo, in den Bäumen schwebend und von unsichtbaren Mechanismen am Laufen gehalten – und die magischen Wesen – Omoluzu, die durch Blut gerufen werden und an der Decke gehen, als wäre es ihr Boden oder die Bunshi, die ihren Brustkorb aufbrechen und ein Kind darin verbergen kann – sind absolut einzigartig. Wir kennen alle die klassischen Fantasiewesen: Oger und Orks, Elfen und Feen, Zwerge und Halblinge – doch wer von euch kennt die Geschwister Asabonsan und Sasabonsan, zwei Wesen, von denen eines von Blut und das andere vom Fleisch ihrer Opfer leben? Das einweben dieser eindeutig afrikanischen Mythologie (wobei ich nicht weiß, in wie weit sich Marlon James von „tatsächlichen“ Sagen und Legenden hat beeinflussen lassen und wie viel seiner eigenen Vorstellung entspringt) ist so frisch und neuartig, dass es mich – ja, das kann ich so sagen – absolut begeistert hat. Dass die Geschichte dann nach dem ersten Viertel richtig an Fahrt auf nimmt, tat natürlich ihr übriges. Kommen wir nun zum Schreibstil. Welcher schonungslos ist. Wie weiter oben erwähnt frage ich mich, ob Marlon James wirklich seiner Mutter so viele vulgäre Ausdrücke zumuten würde – oder ob sie ihm nicht bereits nach Seite fünf den Mund mit Seife ausgewaschen hätte. Marlon James ist kein Clive Barker, der die große Brutalität seiner Romane in eine wunderbare Sprache verpackt und kein Colson Whitehead, der mit wenigen Worten große Geschichten umreißt: James will eindeutig polarisieren. Und das ist mein größter Kritikpunkt. Denn ich denke, dass der Autor absichtlich so vulgär schreibt, um den Leser zu schockieren – und das ist etwas, das mir nie zusagt. Denn liegt nicht viel größeres Können darin, den Leser mit sanften Worten das absolute Grauen näher zu bringen? Ein weiteres Problem für potentielle Leser könnte die James‘ Art sein, bestimmte Handlungsstränge nur anzuschneiden. Oftmals bleiben Dinge unausgesprochen und dem Leser – egal, wie aufmerksam er der Geschichte folgt und glaubt mir, nebenbei lesen bei diesem Roman ist nicht – somit ein großer Interpretationsspielraum. Nicht nur einmal stellte ich mir die Frage: was genau ist hier passiert?, nur um kurz darauf noch einmal zehn Seiten zurück zu blättern und erneut zu lesen. Das kann manchmal gut sein – ich liebe es, wenn Autoren mir nicht alles vorkauen – manchmal aber auch anstrengend. Zum Schluss seien wir ehrlich, oder? Dieses Buch ist grausam und wunderbar, vulgär und phantasievoll, überladen und spannend und noch so viel mehr – und ich bin absolut froh, es gelesen zu haben. Doch du, lieber potentieller Leser, sei dir bewusst, worauf du dich einlässt. Es wird wehtun, es wird dich anwidern, aber vielleicht wird es dich auch – so wie mich – ein bisschen verzaubern und deinen Horizont für all die Fantasy-Autoren öffnen, die nicht den ausgetretenen Wegen folgen.

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Einige Rezensenten haben schon bemängelt: Das sei keine richtige Fantasy. Auf die Idee könnte man kommen. Vom ersten Satz an entwickelt Schwarzer Leopard, roter Wolf einen erzählerischen Sog, der eher an Romane Ngugis, Marquez‘ oder Ben Okris erinnert. Kein Wunder, Autor Marlon James ist zuvor mit dem hervorragenden A Brief History of seven Killings in Erscheinung getreten. Schwarzer Leopard, roter Wolf kennt keine Exposition, kein World-Building im tolkienesquen Sinne, stattdessen eine Stimme, die Geschichte auf Geschichte türmt, und aus der sich erst langsam die Geschichte des „Suchers“ schält, des bisexuellen Ich-Erzählers, der nach dem Glauben seines Dorfes weibliche und männliche Merkmale in sich trägt, weil er die Mannbarkeitsrituale verpasst hat und nicht beschnitten wurde. Fantasy und Klassifizierungswut Nur durch die Augen dieser Figur, als deren große Fähigkeit sich bald eine besonders feine Nase herausstellt, und die nach diversen kleineren Aufträgen schließlich gedrängt wird, einen Jungen aufzupüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand, lernen wir die lose auf verschiedenen Mythen und geographischen Örtlichkeiten des östlichen Afrikas basierende Welt kennen, die mit allerlei magischen Wesen, viel Gewalt, explizitem Sex und vor allem einem erzählerischen Bilderreichtum aufwartet, der sich vor den besten Momenten Rushdies nicht verstecken muss. Eigentlich ist alles da. Magische Parallelwelt, Heldengeschichte, ungewöhnliche Städte, Reisen durch Wildnis. Warum spricht mancher Schwarzer Leopard, roter Wolf dennoch ab, „Fantasy“ zu sein? Ich kann es durchaus nachvollziehen. Besonders die High Fantasy hat uns daran gewöhnt, das Fantastische ganz im Sinne der verwalteten Welt zu denken. Es gibt Rassen und Klassen, und eine wohldefinierte Magie, die gewissen Regeln folgt, kurz, dass Fantastische ist von Tolkien über diverse RPGs bis Martin stärker durchsystematisiert als ein typischer Tag in einer deutschen Kleinstadt. Und auch wenn Fans an dieser Stelle gern widersprechen: Sogenannte Low Fantasy und Urban Fantasy weichen da stellenweise zwar von ab, gehen aber höchst selten wirklich einen ganz anderen Weg. Chaos als Prinzip Schwarzer Leopard, roter Wolf aber geht diesen Weg. Seine Welt funktioniert eher wie die des magischen Realismus, sie ist chaotisch, wird mit allen Mitteln der literarischen Moderne als chaotische „visualisiert“, und ihre Magie ist ungezügelt, gleichzeitig kaum greifbar und doch immer und in jedem Moment Teil der Welt. Aber auch die Schublade „magischer Realismus“ greift nicht, denn jener zeichnet sich ja gerade durch das enge Arbeiten an der realen Weltgeschichte aus, die durch magische Momente mit symbolischer Bedeutung gebrochen wird. Meist lässt Magisches sich sowohl übersinnlich als auch (kollektiv) psychologisch lesen. Schwarzer Leopard, roter Wolf aber spielt in einer ausgearbeiteten Parallelwelt. Klar IST das Fantasy, aber eben in einem Sinne, der gleichzeitig Genre-Zuordnungen bedeutungslos werden lässt. Starker Fokus auf Sex und Gewalt Zuletzt einige Schwächen: Was Kämpfe betrifft merkt man Marlon James die Faszination für klassische Fantasy an, hier sinkt das erzählerische Niveau regelmäßig – zumindest in der deutschen Übersetzung – ab, bis hin zu einigen Sätzen, für die man sich schämen möchte, wie etwa „Einer griff mich mit Schwertkunst an“ (S. 31). Das Ausmaß der Welt wirklich fühlbar zu machen, gelingt James nicht. Der Held ist zu stark, wenn er stark ist, und plötzlich schwach, wenn es der Plot verlangt. Die Reise von Stadt zu Stadt wird teilweise lapidar in Sätze gepackt wie, „Ich ging nach XY“, – man bedenke, durch unwegsame Wildnis voller Gefahren. Und trotzdem ist der Roman zu lang. James will zu viel erzählen, verliert sich dann auch noch in seinen Kampfszenen und Beschreibungen, so dass nach 800 Seiten gerade erst ein Drittel der Geschichte fertig erzählt ist, denn dem Plan nach handelt es sich um eine Trilogie. Da kann dann gerade der sprachliche Sog, der am Anfang so an das Buch fesselt, mit der Zeit auch ermüden. Zu viel Überbordendes wirkt irgendwann redundant. Und meine Fresse: Ich glaube ich habe noch nie in einem Roman so oft das Wort „ficken“ gelesen. Es steht mindestens einmal auf jeder Seite. Zwar spricht James über Sinnlichkeit, die in der Literatur oft zu kurz komme. Doch nein: Fast aller Sex ist hier gewaltsam, vieler nicht-konsensuell. Zahlreiche Nebencharaktere sind nur dazu da, vergewaltig zu werden. Eine Zeit lang akzeptiert man das als die generelle „Düsternis“ der Welt. Mit der Zeit wirkt es nur noch pubertär. James soll ein großer Fan von Mervyn Peaks Gormenghast sein. Dort könnte man sich abschauen, dass düster und beklemmend auch ohne dauerndes Blutvergießen und Vergewaltigungen geht.

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