Leserstimmen zu
Der Araber von morgen, Band 4

Riad Sattouf

Eine Kindheit zwischen arabischer und westlicher Welt (4)

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Paperback
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Riad Sattouf setzt seine erfolgreiche Reihe fort und die Aufteilung seiner autobiographischen Erzählung auf viele Bänder scheint ein tragfähiges Konzept zu sein. Sein Erfolg gibt ihm recht. Im ersten Band schilderte er seine ersten sechs Lebensjahre in Frankreich, Libyen und Syrien. Die Jahre 1984-1985 sowie der im dritten Band verarbeitete Zeitraum 1985-1987 spielten sich für Riad hauptsächlich in Syrien mit kurzen Ausflügen nach Frankreich ab. Die kulturellen Unterschieden wurden in vielen kleinen oder größeren Aspekten beleuchtet. Der erste Band der Reihe "Der Araber von morgen" fing eigentlich recht harmlos an. Doch mit Riads Alter wird sein Leben merklich komplizierter und somit die Story (so leid mir das auch für den jungen Riad tut) spannender. Noch immer sind die Schilderungen durch Kinderaugen und Kindermund gefiltert, aber die Härte der Realität greift gnadenlos nach Riad: Einsetzende Pubertät, die offenkundige Entzweiung der Eltern und vor allem die Tatsache, dass er für viele Franzosen ein unerwünschter Araber ist und er von vielen Arabern als Jude wahrgenommen und beschimpft wird, macht sein Leben wirklich schwer. Zu Beginn des vierten Bandes der Reihe ist Riad zehn Jahre alt. Sein Vater Abdel hat eine Stelle als Dozent in Saudi-Arabien angenommen und nach fünf schwierigen Jahren in Syrien beginnt endlich die Emanzipation seiner Frau. Sie weigert sich, ihm nach Saudi-Arabien zu folgen und zieht mir ihren drei Söhnen in die Bretagne. Für mich wirkte über die ersten Bände schon wirklich unglaubwürdig, wie lange sie die "Spinnereien" ihres Mannes mitmachte. Während des geschilderten Zeitraums von fünf Jahren entfernt sich der Vater in jeder Beziehung von seiner Familie. Er wendet sich statt dessen seinem Glauben zu. Gleichzeitig hat Riad seine eigenen Probleme in der Schule (mehr mit den Mitschülern als mit der Schule an sich) und mit den körperlichen und sonstigen Auswirkungen der Pubertät. Da nehmen plötzlich Frauen und Mädchen einen für ihn neuen Stellenwert ein. Und dann stehen auch noch Besuche in Syrien an, die für Riad immer weniger erträglich werden. Wie bereits der Vorgängerband wartet dieser mit einem Cliffhanger auf, der die Zeit bis zur nächsten Veröffentlichung lang erscheinen lassen wird. In Riad Sattoufs Erzählungen spiegelt sich durch die Schilderung des Vaters ein Bild des Islams wieder, welches einige der leidlich bekannten Vorurteile zu bestätigen scheint. Es wäre interessant zu wissen, ob das Bild vor 20 Jahren ähnlich ausgefallen wäre, oder ob Sattoufs Erinnerungen auch vom Zeitgeist geprägt sind. Doch diese Frage wird selbst der Autor schwer beantworten können.

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