Leserstimmen zu
Das eiserne Herz des Charlie Berg

Sebastian Stuertz

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Lesevergnügen - absurd und herrlich schräg!

Von: kainundabel aus Siegen

04.04.2020

Bevor er zwecks Zivildienst und Verwirklichung seines eigenen Romanprojekts auf den einsamen Leuchtturm zieht, will Charlie Berg noch einmal mit seinem (Nazi-) Opa auf die Pirsch gehen. Am Ende ist nicht nur der kapitale Hirsch tot, sondern auch Opa und ein Wilderer bleiben auf der Strecke. Scheint zumindest so, und Charlie steckt bis Oberkante Unterlippe im Schlamassel. Nach dieser grotesken Eröffnung gewährt uns Sebastian Stuertz tiefe Einblicke in die Familienverhältnisse der Bergs: die Mutter Rita, die als Rita del Monte die Theaterwelt „beglückt“, der ewig bekiffte Vater Dito, seine kleine autistische Schwester Fritzi, die laut Ultraschall eigentlich ein Fritz werden sollte und „kaum größer als ein Meerschweinchen“ zu früh zur Welt kam, seine mexikanische Freundin Mayra, die den Drogendealer Ramon zu ehelichen gedenkt, Murat und Mozart, kurz M&M, Nonno, Nonna und andere mehr. Diese Konstellationen und Charaktere genügen eigentlich schon, um zu erahnen, welche Absurditäten und schrägen Einfälle den Leser erwarten. Vielleicht stellenweise etwas weitschweifig, aber höchst vergnüglich, humorvoll, charmant, wild, obszön, vulgär, immer höchst unterhaltsam nimmt uns der Autor mit auf eine Achterbahn der Gefühle in die Neunziger- und rückblickend in die Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Jede Seite hält neue Überraschungen und witzige Ideen parat, und der Leser kann sich nie sicher sein, dass alles tatsächlich so ist, wie es scheint. So wird der Roman zur prall gefüllten literarischen Wundertüte, die in diesen traurigen Zeiten von Corona für wohltuende Abwechslung und herzerfrischendes Lesevergnügen sorgt!

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Wilde Hirschgulascherzählungen

Von: amara5

03.04.2020

Charlie Berg hat einen sehr ausgeprägten Geruchssinn und es nicht leicht - die gescheiterten Künstlereltern sind nur mit ihrer eigenen Verwirklichung beschäftigt, die autistisch veranlagte Schwester ist ein wandelndes Zitatenlexikon und er träumt mit 19 Jahren von einer Freundin: Am liebsten die mexikanische Videobrieffreundin. Sein einzigster Lichtblick, um aus Piesbach zu entfliehen ist eine Zivistelle am Wattenmeer - doch da stellen sich so einige Hürden und Kriminalgeschichten wie der Tod des Opas in den Weg. Bei den Bergs gab es nach oder vor großen Reisen immer Hirschgulasch, um sich dann ausgiebig von dem Erlebten zu erzählen - die berühmten großen Hirschgulascherzählungen. Ein bisschen kommen mir die über 700 Seiten des Autors auch so vor: buntgewürftelte, viele Stückchen an ausschweifenden Erinnerungen und verschrobenen Charakteren, sehr detailliert ausgeweitet und verrührt. Und am Ende der Lektüre kann ich mich leider kaum noch an den Geschmack des Gulaschs erinnern. Sebastian Stuerz hat eine wunderbare Fantasie, kann tolle Sprachbilder, überraschende Wendungen und witzige Situationskomik entwerfen. Die Idee mit dem Geruchssinn, dem Literaturwettbewerb und den Charme der 90er-Jahre mit den Videotapes fand ich gelungen. Aber für meinen Geschmack gab es zu viele Einblicke in die Pubertät von Charlie, ein wenig mehr Zentriertheit und weniger vulgäre Begebenheiten hätten dem Roman besser getan. Der Autor hat viel Potenzial und ich bin gespannt, welche Geschichte er beim nächsten Mal 'kocht'.

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Leichte Lektüre

Von: derbuecherwald.blogspot.de

01.04.2020

Mir fällt es sehr schwer dieses Buch zu bewerten, weil es mir persönlich gut gefallen hat, ich mir aber vorstellen kann, dass viele es nicht mögen würden. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei "Das eiserne Herz des Charlie Berg" um eine leichte, aber mit über 700 Seiten relativ umfassende Lektüre handelt. Das Buch ist nicht besonders tiefgründig oder spannend. Auch der Schreibstil ist einfach, aber wie ich finde trotzdem schön und angenehm zu lesen. Ich persönlich lese gerne mal so eine etwas leichter zu verdauende Lektüre, die ganz entspannt durchlesen lässt. Ich kann aber auch verstehen, dass viele dies vermutlich als langweilig bezeichnen würden. Stuertz' Roman hat insgesamt wenig Plot, viel der Handlung geschieht in Rückblicken. Diese sind allerdings sehr interessant und es wird dadurch viel erklärt, was vorher nur kurz erwähnt wurde. Anfangs fand ich das verwirrend, weil ich immer Angst hatte, das auf diese Punkte nicht weiter eingegangen wird. Als ich dann aber gemerkt habe, dass das Buch in Abschnitte aus Rückblicken und eigentlicher Handlung aufgeteilt ist und in den Rückblicken all dies erläutert wird, konnte ich mit Spannung auf die Erklärung warten. Die Hauptthemen in " Das eiserne Herz des Charlie Berg" machen für mich den eigentlichen Charme dieses Buches aus. Denn es geht vor allem um Düfte (in Anlehnung an "Das Parfüm"), Liebe und Literatur. Auch wird auf das chaotische Familienleben von Charlie Berg eingegangen, das ich mir aufgrund des Klappentextes viel kaltherziger vorgestellt hatte. Die Geschichte spielt in den 90ern, sodass viele wahrscheinlich nostalgisch werden, wenn sie wieder von alten Videokameras mit Film oder Walkie-Talkies lesen. Dadurch wird der Story auch etwas die Geschwindigkeit genommen, weil die Charaktere nicht einfach jedem mal schnell eine SMS oder EMail schreiben können. Ein großes Manko war meiner Meinung nach, dass das Ende etwas plötzlich und knapp war. In wenigen Seiten haben sich alle Konflikte aufgelöst, die das ganze Buch immer wieder für Probleme gesorgt haben. Insgesamt muss ich sagen, dass "Das eiserne Herz des Charlie Berg" während dem Lesen eine angenehme Lektüre war, aber im Nachhinein habe ich das Gefühl, wenig davon mitgenommen zu haben und werde es wohl auch nicht nochmal lesen.

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Ganz ok

Von: Bababs

01.04.2020

Eigentlich war ich sehr neugierig auf dieses Buch weil ich den Autor gerne mag. Was ich las, war allerdings ein bisschen anders, als erwartet. Zunächst einmal ist der Stil des Autors mehr als ungewöhnlich, auf der einen Seite literarische durchaus interessant, auf der anderen Seite belanglos skurril und in einer Art, wie ich ihn noch nie gelesen habe. Leider konnte mich weder der Stil, noch die Handlung für sich einnehmen oder mir einen Weg zeigen, den ich hätte mit Sinn verfolgen können. Dieses Buch ist schlicht sehr speziell, der Sinn oft nicht immer begreifbar und dennoch ist es kein schlechtes Buch, es hat sehr schöne Passagen, gar wertvolle und dennoch bleibe ich als Leser eher ratlos zurück, welchen Wert diese Lektüre nach Beenden für mich darstellt.

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Familiengeschichten zum Hirschgulasch

Von: Karin Elsen aus Fürth / Bayern

29.03.2020

Um es vorweg zu sagen: Dies ist kein Kochbuch, obwohl ich das Rezept von diesem Hirschgulasch gerne hätte. Der Hirschgulasch spielt eine zentrale Rolle in der Familie Berg – Del Monte. Aber dieses Buch ist auch kein Familienroman allein, obwohl sämtliche Familienmitglieder darin vorkommen: Die vier Großeltern, die beiden Eltern, Charlie und Fritzi, die beiden Kinder. Auf den ersten Blick scheint dies eine dysfunktionale Familie zu sein, der Vater ein kiffender Musiker, die Mutter Theaterregisseurin mit einem massiven Alkoholproblem, Fritzi ein Savant, die mit vier Jahren schon die städtische Bücherei durchgelesen hat. Und schließlich Charlie Berg der die Familie zusammenhält. Er kocht für die Familie, hält das Haus in Schuss, übernimmt die kleine Fritzi als die Mutter in ganz Europa Regieaufträge annimmt und der Vater sich tagelang in sein Studio für Musikaufnahmen einschließt. Er zieht mit Fritzi um ins Haus der Großeltern als die Großmutter einen Schlaganfall erleidet und übernimmt ihre Pflege. Dysfunktional doch irgendwie halten die Mitglieder doch zusammen, sind füreinander da im entscheidenden Augenblick, unterstützen sich bedingungslos. Und nicht nur strikt die mit verwandtschaftlichen Graden untereinander sondern auch die Freunde die fest zu dieser Familie dazugehören: Stucki, Ditos Freund und das andere Mitglied der Band Toytonic Swing Ensemble; Stuckis Stieftochter Malinche – Mayra; David, Charlies sexbesessener Schulfreund, Laura, die Bibliothekarin die Fritzi bei sich in der Bibliothek aufnimmt und sie alles lesen lässt. Also gut. Kein Kochbuch aber ein Familienroman. Was noch? Entwicklungsroman? Auf jeden Fall. Zwar kein Tumber Tor der sich zum Gralssuchenden Parzival entwickelt, aber vom schulischen Außenseiter in der Kindheit, der nur im Hause seiner Großeltern und mit Malinche zusammen unbeschwerte Kindheit erleben darf, entwickelt sich Charlie Berg zu einem Mann der die Fäden der Familie fest zusammen hält, Verantwortung übernimmt, über Leben oder Tod von geliebten Menschen aber auch von fremden oder verhassten Menschen fraglos übernimmt. Also gut: Kein Kochbuch aber ein Familien- und Entwicklungsroman. Ist es ein Roman über eine außergewöhnliche Gabe und Begabung? Charlie Berg hat eine Leidenschaft für Gerüche und Parfüms. Er hat ein außergewöhnliches Riechorgan, besser als die eines Spürhundes. Er kann die Düfte und Gerüche, die ihn umgeben zerlegen, aussortieren, sich auf einige wenige konzentrieren und sie akkurat wahrnehmen. Charlies Nase spielt im Roman eine Hauptrolle. Also gut: Kein Kochbuch aber ein Familien- und Entwicklungsroman und ein Roman über eine außergewöhnliche Begabung. Ist es ein Roman über den Literaturbetrieb an sich, wie kleine Selbstverlage funktionieren, wie Preise im Literaturzirkus manchmal vergeben werden (Bitte, lasst wenigstens den Nobel-Preis korrekt vergeben werden!) Die ganze Stadt fiebert dem Literaturfestival und -preis Text.Eval entgegen, die Lesungen werden mit großem Interesse allerseits verfolgt, sie sind ungemein wichtig sowohl für den jungen Literaten, der den Preis gewinnt als auch für den „Literaturpaten“ der das Werk des Debütanten fördert und unterstützt. Sebastian Stuertz ist mit seinem Debüt gleich in die Meisterklasse aufgestiegen. Die ganze Handlungsführung von der ersten zur letzten Seite, die Actionszenen, die Dialoge, die agierenden Personen, alles wirkt natürlich und logisch. Der Spannungsbogen erschlafft an keiner Stelle, noch wird er überzogen.

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Enttäuschend

Von: Bücherwurm

29.03.2020

Charlie Berg hat ein schwaches Herz und die feine Nase eines Hundes. Das einzige, was ihn seine Eltern gelehrt haben: Zwei Künstler sollten nie Kinder bekommen! Es sind die frühen 90er, Charlie will ausziehen, nicht mehr der Depp der Familie sein, der alles zusammenhält, während Mutter am Theater die Welt verstört und Vater wochenlang bekifft im Aufnahmestudio sitzt. Die Zivistelle im Leuchtturm ist zum Greifen nah – da läuft alles aus dem Ruder: Auf der Jagd mit Opa trifft ein Schuss nicht nur den Hirsch, sondern auch Opa. Und Charlies heimliche große Liebe Mayra, seine Videobrieffreundin aus Mexiko? Hat nichts Besseres zu tun, als den Ganoven Ramón zu heiraten... Ich fand die Geschichte interessant aber beim Lesen wurde ich leider enttäuscht. Der Schreibstil ist sehr verwirrend und das Buch ist schwer zu lesen. Leider konnte ich in die Geschichte nicht eintauchen und hatte keine große Lust es zu lesen.

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Ein Herz mit Sprung ....

Von: MonaLena

26.03.2020

Sebastian Stuertz hat es mit seinem Roman "Das Eiserne Herz des Charlie Berg" geschafft eine Lebens- und Liebesgeschichte auf seine ganz besondere Art und Weise zu erzählen. Der Leser wird mit in eine schon recht turbulent beginnende Gegenwart gezogen und kommt dann über die Vergangenheit wieder zurück an den Anfang und erlebt ein wahrlich unerwartetes Ende. Echt spannend, wie er das Leben seiner verrückten Eltern, der Großeltern und das seiner Freundin beschreibt. Kurz zu der Geschichte Charlie Berg ist mit seinem Großvater auf der Pirsch. Den Hirsch trifft er nicht, dafür trifft es den Schützen und den Großvater. Und plötzlich gibt es weder Leiche, noch einen toten Hirsch. Wir erleben mit wie Charlie Berg so wurde, wie er ist. Und wir sind uns nicht sicher ob wir Mitfühlen oder Lachen sollen. Ein ungewöhnlicher Roman von einem jungen Schriftsteller. Ich konnte mich mit der Zeit aber gut in seine besondere Erzählweise hinein finden. Es gab ein paar Passagen, die finde ich, hätten nicht unbedingt in dieser, manchmal schockierenden Sprache erzählt werden müssen. Aber mit Blick auf das Gesamtwerk haben sich auch diese Abschnitte gut eingefügt. Von mir eine Empfehlung für alle Leser, die dranbleiben wollen an einer Geschichte. Egal wie verrückt sie auch ist.

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Wildes Sammelsurium

Von: bobbi

25.03.2020

Im fiktiven Piesbach der 90er-Jahre versucht der 19jährige Charlie Berg trotz schwacher Herzgesundheit alles richtig und es vor allem besser als seine Eltern zu machen - und freut sich auf seinen Zivildienst auf einem Leuchtturm am Wattenmeer. Dort, so hofft er, hat er endlich Zeit, seinen Roman zu schreiben. Doch gleich im szenischen und filmreifen Bucheinstieg kommt sein Opa bei einem Jagdunfall auf sehr skurrile Art und Weise ums Leben. Und voller schräger und eigenartiger Charaktere geht Sebastian Stuertz' Debütroman über 700 Seiten auch weiter. Der Leser ist mitten in einem Coming-of-Age-Tagebuch und -archiv eines Jungen, der auch recht derbe und vulgäre Fantasien hat. Seiner autistischen Schwester versucht er in der Abwesenheit der Künstlereltern beizustehen und nebenbei noch seine unerfüllte Liebe in Mexiko zu gewinnen. Bei allem kommt ihm sein scharfsinniger und übernatürlicher Geruchssinn zugute - er kann Ereignisse anhand von Düften kombinieren. Mit einem Verbrechen schwingt der Plot ins noch Groteskere, gewinnt dabei aber auch an Fahrt. Der Roman erzählt in Rückblenden sehr viel von Charlies Kindheit und dem Charme der 90er-Jahre. Dies hat trotz individuellen Charakteren seine Längen - manches war mir zu detailliert geschildert. Sebastian Stuertz strotzt vor bunten Fantasien, schrägen Verwicklungen und filmreifem Einfallsreichtum, er springt zwischen den Genres sowie Zeiten und entwirft in einer poppigen Nuanciertheit das Heranwachsen eines jungen Mannes, der mir in seinen Emotionen und seiner mal hilflosen, mal zu abgeklärten Handlungsweise trotzdem unnahbar blieb. Meiner Meinung nach ein sehr unterhaltsames Debüt, dem 200 Seiten weniger und eine intensivere Konzentriertheit auf ein bis zwei Handlungssträngen gut getan hätte.

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