Leserstimmen zu
Wundersame Frauen

Theodor Fontane, Gabriele Radecke, Robert Rauh

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Dieses Buch ist wahrlich etwas für Theodor Fontane Liebhaber. „Wundersame Frauen“, herausgegeben von Gabriele Radecke und Robert Rauh, stellt elf Frauen vor, die Fontane auf seiner Wanderung durch die Mark Brandenburg kennenlernte. Der Leser wird an die Hand genommen und in eine Zeit begleitet, die rund 150 Jahre zurückliegt. Starke Frauencharaktere werden analysiert und würdigen so die Frauen, die im 18. und 19. Jahrhundert träumten, liebten und sich durch eine starke Persönlichkeit auszeichneten. Sei es die Schauspielerin Rachel Félix oder die Königin Luise von Preußen: Jede Frau hinterließ ihre besondere Wirkung bei Fontane, ganz gleich, ob sie aus dem Königshaus stammte oder zum normalen Volk gehörte. Eingeleitet wird das Buch, in dem die Herausgeber Fontanes Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ kurz bespiegeln und dabei vor allem herausstellen, dass Fontane auf den ersten Blick der Frauenfigur nicht allzu viel Beachtung schenkt. Sein Fokus liegt auf den männlichen Charakteren. Doch bei genauerer Betrachtung handelt es sich hier um einen Irrtum, wie sich anhand der Textuntersuchung herausstellt. Die Herausgeber gehen bei der Untersuchung wie folgt vor: Anfangs wird die Frau mit den wichtigsten Lebensdaten vorgestellt, sodass der Leser sich einen guten Überblick verschaffen kann. Angereichert wird die Vorstellung durch ein Foto. Im darauffolgenden Schritt wird die Begegnung mit Fontane erläutert und die nachhallende Wirkung anhand von Briefen, Tagebucheinträgen etc. bewiesen. Ein anderer Blickwinkel auf die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ist so garantiert und verleitet dem Text einen etwas anderen Charm. Mir gefällt die Herangehensweise der Herausgeber gut, denn durch die Rückblicke und die enge Analyse am Text, kann man die Gedankengänge schnell und leicht nachvollziehen. Als Leser sollte man Fragmente aus „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ kennen, den gesamten Text würde ich jedoch für das Verständnis nicht als zwingend notwendig voraussetzen – die gesamten Bände habe ich auch nicht gelesen. Theodor Fontane sollte jedoch ein Begriff sein. Ebenfalls die geschichtliche Einordnung. „Wundersame Frauen“ bietet die Möglichkeit tiefere Einblicke in das Frauenbild des 18. und 19. Jahrhunderts zu erlangen und ist daher für Leser, die sich für die Literaturwissenschaft begeistern können oder einmal in den Fachbereich schnuppern wollen, sehr geeignet.

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Anlässlich seines 200. Geburtstages rückt der Schriftsteller Theodor Fontane dieses Jahr stärker ins Blickfeld. Während in seinen Romanen Frauen eine zentrale Rolle spielen, sind sie in seiner Chronik „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ eher Randfiguren. Die Fontane-Forscher Gabriele Radecke und Robert Rauh wollten der Sache auf den Grund gehen und haben in diesem Auswahlband elf Frauenporträts aus diesem Werk zusammengestellt und sie durch einführende Kommentare und Hintergrundinformationen ergänzt. Sie stellen fest, dass wir manche Porträts in erster Linie Fontanes Interesse für die männlichen Zeitgenossen zu verdanken haben, zum Beispiel das der Gutsherrin Karoline de La Roche-Aymon, deren karitatives Engagement und Katholizismus der Dichter besonders hervorhebt. Bei Helene Charlotte von Friedland, die als Vorreiterin einer modernen und nachhaltigen rationellen Land- und Betriebswirtschaft galt, vermissen sie eine angemessene Würdigung ihrer Erfolge und Verdienste. Die Einführungstexte der Herausgeber gaben mir nicht nur Einblick in die Entstehungsgeschichte, sondern regten auch dazu an, mich mit kritischem Blick Fontanes Texten anzunähern. Ich fragte mich, warum der Chronist Königin Luise von Preußen nicht porträtierte, ihrem Denkmal jedoch ein Unterkapitel widmete, und las schmunzelnd, wie es Julie von Voß, die Mätresse Friedrich Wilhelms II., von einer Fußnote in den Haupttext schaffte. In diesem Band lernte ich nicht nur einen illustren Reigen von Schauspielerinnen, Mätressen und Kaffeehausbetreiberinnen, sondern auch ihre Wirkungsstätten und zentralem Schauplätze wie die Pfaueninsel, die Ruppiner Schweiz oder Köpernitz kennen, so dass ich Fontanes Reisestationen und dortigen Begebenheiten bildlich vor Augen hatte. Das Buch stellt sehr unterschiedliche Frauenschicksale vor und macht Lust, über einige Persönlichkeiten wie die exzentrische Schauspielerin Élisa Rachel Félix oder die Inselwirtin Elisabeth Friedrich mehr zu erfahren.

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