Leserstimmen zu
Das Tor

Basma Abdel Aziz

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Vorsicht geringfügige Spoiler enthalten - nein ich verrate nicht wies ausgeht und sollte trotzdem noch gelesen werden. Yahya war zur falschen Zeit am falschen Ort. Bei den schädlichen Ereignissen wurde er verletzt. Mit einer Kugel im Bauch wird er zuerst in ein normales Krankenhaus gebraucht, später holt man ihn von dort ins Militärkrankenhaus, welches dem Tor untersteht, und sämtliche Röntgenaufnahmen verschwinden. Die Kugel wird nicht entfernt. Und so findet er sich in der Warteschlange am Tor ein um einen Antrag auf Entfernung der Kugel in einem nicht staatlichen Krankenhaus zu stellen. Doch das Tor öffnet nicht. Ein Staat der sich gegen seine eigenen Bürger wendet. Verdrehung von Tatsachen, Lüg und Betrug. Dieses Bild zeichnet Basma Abdel Aziz in Das Tor. Es spielt im Nahen Osten, Land und Zeit wird nicht genau benannt, doch man kann wohl davon ausgehen, dass es aktuell ist. Denn im Mittelalter wurden Handys wohl nicht abgehört. Oder? Basma zeigt hier wie Religion und Staat Hand in Hand ein gesamtes Volk unter der Knute halten können und dabei nicht einmal wirklich etwas tun. Schön zu lesen ist es nicht, aber wichtig. Denn auch wenn es so ein Tor vermutlich nirgendwo wirklich gibt, bewegt sich die ein oder andere Regierung dieser Welt gefährlich nah in seine Richtung.

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Inhalt: In einem Land im Nahen Osten wird das Leben der Bevölkerung seit geraumer Zeit vom Tor bestimmt. Für fast alle Dinge des täglichen Lebens braucht man eine Genehmigung vom Tor, nur niemand weiß wie lange es dauert, bis man sein gewünschtes Dokument in Händen hält. Die Warteschlange vorm Tor wird länger und länger und niemand weiß, wann das Tor wieder seine Pforte öffnet. Wie verändert sich eine Gesellschaft, deren Leben von Genehmigungen und Dekreten abhängt? Leseeindruck: Schon allein die Kombination einer Dystopie mit dem Schauplatz des arabischen Raums, hat mich angesprochen. Geht es doch um Meinungsfreiheit in einem autoritären System. Wieviel Systemkritik steckt wohl in solch einem Roman? Sehr viel. Alle versuchen sich mit den neuen Regeln zu arrangieren, obwohl dies immer schwieriger wird, da ständig neue Bestimmungen hinzu kommen. Auch als Leser versteht man erst nach und nach das Ausmaß der Gesetze, obwohl man schnell die Willkür dahinter erkennt. Stück für Stück lernt man die Protagonisten kennen und merkt welch unterschiedliche Charaktere in der Warteschlange aufeinandertreffen und was sie verbindet: Niemand ist gerne Teil der Warteschlange, aber alle wissen, dass es ohne nicht geht. Man trifft auf einen Verfechter des Regims, auf religiöse Fundamentalisten, auf eine Lehrerin, die einfach ehrlich war, eine Mutter, die um die Gesundheit ihrer Kinder kämpft und einen jungen Mann, der eine Genehmigung für eine lebensrettende Operation braucht. Yahya ist sozusagen der Mittelpunkt des Geschehens, alle Figuren lernt man mehr oder weniger durch sein Schicksal kennen. Gerade an seiner Figur wird die Absurdität des Tores und dessen Macht immer deutlicher. Schritt für Schritt entfaltet sich das autoritäre System. Eine Verordnung wird durch die nächste ersetzt, ohne das man dafür nachvollziehbare Gründe erkennen kann. Obwohl das Regime hinter dem Tor immer willkürlicher handelt, steigt auch die Normalität. Das Warten in der Schlage gehört nun für viele einfach zum Alltag. Es hat mich wirklich erschreckt, wie schnell ein totalitäres Regime zur Gewohnheit werden kann. Der Erzählstil ist sehr nüchtern und distanziert, außerdem strotzt er nur so vor Verallgemeinerungen. Man erfährt nur von „den schändlichen Ereignissen“ ohne genau zu wissen, worum es sich handelt, außer, dass das Tor alle Informationen darüber kontrollieren will. Es wird von „dem Scheich“, „dem Direktor“ oder auch von „der Frau“ gesprochen. Viele Protagonisten bekommen kein eigenes Gesicht. Damit schützt sich die Autorin sicher davor angegriffen zu werden, da sie so wenige Dinge genau benennt. Ich brauchte allerdings einige Seiten, um mich an diesen eigenwilligen Stil zu gewöhnen. Lieblingsnebencharakter: Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein und doch hatte ich bei keinem ein klares Bild vor Augen, da man recht wenig individuelles über die einzelnen Figuren erfährt. Am meisten berührt hat mich das Schicksal von Umm Mabrouk und ihren Kindern. Sie kämpft auf ihre ganz eigene Weise, indem sie einen neuen Alltag im Umfeld der Warteschlange kreiert. Außerdem gehört sie zu den wenigen, bei denen sich in meiner Fantasie ein Bild von ihr gebildet hat. Fazit: Eine erschreckend zeitlose und gleichzeitig aktuelle Dystopie über das Leben in einem Überwachungsstaat. Der nüchterne Stil und verschachtelte Aufbau sind zwar anstrengend, aber trotzdem ist das Buch sehr lesenswert. Wer sich darauf einlässt, wird ganz besondere Lesestunden haben.

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Das Tor ist mächtig. Das Tor bestimmt das Leben der Menschen in einer Stadt des Orients. Die Einwohner haben für jegliche Veränderungen ein Formular einzureichen und sich nach den Wünschen des Tor‘s zu richten. Streng wird darauf geachtet, dass alles nach Plan läuft. Dazu gibt es Truppen die dafür sorgen, dass alles seine Richtigkeit hat. Und sie sehen alles. Wissen viel, verfolgen und beobachten, lauschen… (Ein Schelm der Böses denkt, oder Vergleiche zieht!) Yahya wollte nur nachschauen, was es mit den „Aufständen“ zu tun hat, die viele Straßen weiter angesagt waren. Noch auf dem Weg dorthin wird er von einem Schuss niedergestreckt und wacht in einem Krankenhaus wieder auf. Dort würde ihn der Arzt Tarik gerne operieren, doch das geht nur, wenn das richtige Formular von dem Tor genehmigt worden wäre. Eine Operation würde den kritischen Doktor seinen Job kosten. Denn bei dem Geschoss handelt es sich um eine Kugel aus einem Staatsgewehr. Doch solche Wunden darf nur das Militärhospital behandeln. Das Tor ist aber zu. Die Menschen stehen tagelang davor. Es hat sich eine elendig lange Schlange gebildet. Eine Frau wollte nur ein Brot kaufen und hat sich mit dem Verkäufer verkracht, ein Formular würde Abhilfe schaffen, dass sie wieder Brot kaufen kann. Eine Lehrerin hat eine Schülerin einen kritischen Aufsatz in der Klasse vorlesen lassen. Daraufhin muss die Lehrerin eine Unbedenklichkeitsbescheinigung unterschreiben lassen. Völlig absurde Dinge müssen bestätigt und bescheinigt werden. Auch Yahya muss sich mit seiner Schussverletzung in die Schlange stellen. Trotz Schmerzen harrt er aus… Menschen verschwinden aus der wartenden Menschenmasse und Reporter befragen die Ausharrenden. Es wirkt alles sehr beklemmend. Die Stadt ist ausgestorben und die Geschäfte teils geplündert, teils verschlossen. Der Schwarzmarkt blüht. Und immer mehr kann man seine Geschäfte in der Warteschlange erledigen. Der Glaube spielt dabei ebenfalls eine große Rolle. Gott bestraft die Ungläubigen... Was ich gelesen habe Mir viel der Einstieg in dieses Buch eher schwer. Das ist kein Buch, das man weglegen sollte. Kein Zwischendurch-mal-ein-paar.Seiten. Es sind die Zwischentöne in den Sätzen, die das Buch interessant machen. Vergleiche mit den Revolutionen in den arabischen Ländern, sind bestimmt beabsichtigt. Gut wäre es auch, würde man sich mit der Geschichte dort etwas auskennen. Verschleierte Kritik an den Systemen, der Willkür der Regime ist herauszulesen. Und doch hat mich das Buch nicht gefesselt. Es blieb stets etwas zu überfrachtet. Die vielen fremd klingenden Namen, die Situationen in den die Protagonisten (und das sind einige) stecken, sind nicht immer nachzuvollziehen. Die Autorin schreibt endlose Sätze, die man immer wieder lesen muss, um sie zu verstehen. Es fehlte mir der Zusammenhang und der rote Faden, der mich durch dieses Buch zog.

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Sesam öffne Dich! Oder auch nicht ...

Von: Inge Held aus Bochum

09.05.2020

*Meinung* Für das wunderschöne Cover ist das das-illustrat.de verantwortlich. Mit dem Schreibstil bzw. mit der Übersetzung konnte ich mich durchaus anfreunden, ich fand die Sprache zeitgemäß und vor allem unkompliziert, aber alles andere als sachlich. Der Roman ist in sechs Abschnitte gegliedert, sodass man ihn zügig lesen kann. Jeder Teil beginnt mit einer Krankenakte über Yahya, ein 38-jähriger, unverheirateter Handelsvertreter. In dieser Dystopie geht es weniger um die einzelnen Charaktere, vielmehr um die Gemeinschaft als solche und die Gruppendynamik. Die Handlung konzentrierte sich auf die wartenden Menschen vor dem Tor. Das Individuum verblasst, alle ähneln einander immer mehr. Dieses Schicksal verbindet und lässt alle gleich werden. Das Schicksal jedes Einzelnen verliert an Bedeutung. Mich hat dieser Roman natürlich an den arabischen Frühling, aber auch an die ehemalige DDR erinnert. Die Geschichte spiegelt viele Details in einem Regime wider und fängt das Denken und Handeln der Bürger ein. Der Patient Yahya und sein Arzt Tarik stehen im Focus dieser Geschichte. Trotz - oder gerade wegen meiner kritischen Bewerbung, hatte ich mich sehr auf dieses Buch gefreut und siehe da, am Ende durfte ich zu meiner eigenen Überraschung feststellen, dass ich mit meinen Erwartungen gar nicht falsch lag. Das Tor ist wieder einmal ein Roman, der sensationell vermarktet wird, inhaltlich aber kaum der Rede wert ist? Falsch, denn Das Tor ist keine reine Dystopie, vielmehr eine Parodie auf den totalen Staat. Die Autorin macht sich über diejenigen Menschen lustig, die einfach alles befolgen und nichts hinterfragen. Wenn mir der Staat jede Entscheidung abnimmt und mich bevormundet, dann werde ich irgendwann nicht mehr in der Lage sein, selbständig zu denken und zu agieren. Dann werde ich nur noch glauben müssen. Und hier wird der Glaubensstaat aufs Korn genommen. Daher trifft die Aussage im Klappentext, die Autorin habe mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor die Natur eines totalitären Staates durchleuchtet, vollkommen zu. Das Tor ist eine Erfindung des Regimes und dann will man am Ende auch noch eine Mauer um die Wartenden bauen, zu ihrem eigenen Schutz. Ja selbstverständlich, hurra! *Fazit* Man muss nicht unbedingt jeden Scherz in Anführungszeichen setzen, manchmal reicht es schon aus, einfach mal zwischen den Zeilen zu lesen, aber dieses Buch sollte man unbedingt gelesen haben. Ich vergebe fünf Sternchen und ein Dankeschön an den Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar. © 2020 Frau-mit-Hut

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Inhalt : Ein nicht näher benanntes Land im Nahen Osten: Seit der Niederschlagung der Revolution brauchen die Bürger für jede noch so kleine Kleinigkeit in ihrem Leben – sei es die Überweisung zum Arzt oder die Erlaubnis, Brot zu kaufen – die Genehmigung des Staates. Um die zu erhalten, müssen sie sich vor einem riesigen Tor anstellen, das angeblich jeden Tag nur einer gewissen Anzahl an Anträgen stattgibt. In Wirklichkeit aber öffnet sich das Tor niemals, und die Schlange der Menschen, die in der glühenden Hitze warten, wird länger und länger, ihre Verzweiflung immer größer. Und doch will keiner von ihnen die Hoffnung aufgeben, dass das Tor eines Tages aufgehen wird ... Vita : Basma Abdel Aziz wurde 1976 in Kairo, Ägypten, geboren. Sie arbeitet als Künstlerin, Schriftstellerin und Psychiaterin, wobei sie auf die Behandlung von Folteropfern spezialisiert ist. In ihrer Heimat setzt sie sich unermüdlich für den Kampf gegen Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte ein. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Kairo. Meine Meinung : Wir befinden uns in einem nicht näher benannten arabischen Land im Zeitalter nach den sogenannten " schändlichen Ereignissen". Für die alltäglichsten Dinge brauchen die Menschen eine Genehmigung. Dafür muss man sich vor dem Tor anstellen. Da sich dieses Tor aber schon lange nicht mehr geöffnet hat, wird die Menschenschlange davor immer länger und länger. Hierbei lernen wir unseren Protagonisten Yahya kennen. Nach und nach erfahren wir, dass er bei den kriegerischen Aufständen angeschossen wurde und er für die rettende Operation eine Genehmigung braucht. Eine alte Frau, die in der Nähe wartet, braucht sogar für den Kauf eines Laibes Brot eine Genehmigung durch das Tor. Die Autorin beschreibt in erschreckender Weise das Leben in einem absolut totalitären Staat, in dem die Menschen geduldig Tag für Tag in der sengend heißen Sonne vor einem geschlossenen Tor ausharren. Unfassbar eindringlich beschreibt Basma Abdel Aziz die Willkür dieses Staates, der jederzeit und ohne Ankündigung die Regeln ändern kann. Gleichzeitig spürt man als Leser aber deutlich die Hoffnung der Menschen, dass sich das Tor doch noch für sie öffnet. Ich hätte mir vielleicht noch mehr Einblick in das Leben der Menschen gewünscht, so streifen wir aber nur die Schicksale der einzelnen Personen am Rande. Das Ende war für mich nicht ganz befriedigend, sondern hat mich mit vielen Fragezeichen zurückgelassen. Dadurch bleibt aber viel Raum für eigene Gedanken. Für mich war dieses Buch eine unter die Haut gehende Dystopie, die noch lange nachhallen wird. Ich vergebe hier die Höchstbewertung von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung. Einen ganz, ganz lieben Dank an die Verlagsgruppe Random House GmbH und das Bloggerportal für die kostenlose Zusendung des Rezensionsexemplares.

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In einem arabischen Land stehen die Menschen Schlange vor einem Tor. Nach einem niedergeschlagenen Aufstand, sogenannten "schändlichen Ereignissen" hat das Tor seinen Wirkungskreis massiv verstärkt. Jeder einzelne in der Bevölkerung benötigt für immer mehr alltägliche Dinge eine Genehmigung und muss sich dafür vor dem Tor anstellen. Die Schlange wird immer länger, denn das Tor hat sich schon lange nicht mehr geöffnet. Die Menschen unterhalten sich mit den Wartenden vor und hinter ihnen und erfahren etwas von ihren Schicksalen und Hoffnungen. Da ist Yahya, der bei den Aufständen angeschossen wurde und auf eine Genehmigung für die rettende Operation zum Entfernen der Kugel wartet. Eine Mutter, die medizinische Hilfe für ihre Tochter erhofft, nachdem eine Tochter bereits gestorben ist oder eine ältere Frau, die eine Genehmigung zum Kaufen von Brot benötigt. Sie alle stehen geduldig, Tag für Tag und warten - auf den einzigen Ausweg, dass das Tor sich für ihr Anliegen öffnet. Der Roman handelt vom Leben in einem diktatorischen Staat. Durch die Herkunft der Autorin und die Beschreibung der Lage der Bevölkerung fühlt man sich trotz der abstrakten Darstellung an den arabischen Frühling und Ägypten erinnert. Das Tor ist ein Symbol für eine mächtige Staatsgewalt, die sich nicht in die Karten sehen lässt und willkürlich Regeln erstellt und die Bevölkerung in ihrer Freiheit massiv einschränkt. Gleichzeitig wird durch das Tor aber auch Hoffnung geweckt, dass das Stellen von Anträgen und das geduldige Warten vor dem Tor am Ende von Erfolg gekrönt sein könnten. Durch den Funken Hoffnung bleibt es in der Schlange ruhig, die Menschen verhalten sich geduldig und gesittet. Einzelne Personen und ihre Anliegen, insbesondere der verletzte Yahya, der dringend medizinische Hilfe benötigt und der Arzt Tarik, dem die Hände gebunden sind, da er sich nicht über das System hinweg setzen kann, um seinem Patienten zu helfen, werden exemplarisch vorgestellt. Es ist ein beklemmendes Buch, das durch das Tor etwas Dystopisches an sich hat, das aber dennoch erschreckend real wirkt. Die Geschichte steht symbolisch für alle Diktaturen, Theokratien und Staatsformen von Alleinherrschern, die einen Staat absolut lenken und seine Bevölkerung überwachen, unterdrücken und bei Nichteinhaltung der Regeln einzelne verschwinden lassen. Durch die Vielzahl der genannten Personen und Einzelschicksale kommt man keiner Person wirklich nahe, weiß zu wenig über ihren Hintergrund und ihr bisheriges Leben in dem Staat. Auch bleibt de Vorstellung des Tores, das Dekrete erlässt, aber niemandem Einlass zu gewähren scheint, sehr vage. Als Leser kennt man die Situation in der Warteschlange, über das alltägliche Leben der Bevölkerung erfährt man nichts. So fehlt die Vorstellung wie Staat, Militär, Religion, Medien und Wirtschaft miteinander verbunden sind und wie sich das Zusammenleben der Menschen gestaltet. Der Roman hört ohne Erklärung einfach auf und findet für mich keinen befriedigenden Schlusspunkt. Am Ende fehlten mir ein Ausweg und eine Vorstellung, wie es mit den einzelnen Protagonisten weitergehen könnte und welche Zukunft diese Staatsform haben könnte. Letztlich muss ein solches Unterdrückersystem auf eine Revolution hinauslaufen, Anzeichen dafür werden jedoch nicht gesetzt.

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Das Buch stand schon vor Erscheinen auf meiner Wunschliste und ich war sehr gespannt. Die Autorin Basma Abdel Aziz hat hier eine interessante Dystopie erschaffen, die gar nicht mal so unrealistisch ist...Ich fand es sehr interessant und gut geschildert... Wir sind in einem Land im nahen Osten (vermutlich Ägypten) und es gibt ein Tor, das über alles entscheidet. Die Menschen müssen dort anstehen, um sich für ganz normale Dinge die Erlaubnis zu holen. Das Tor steht quasi für einen unterdrückenden Staat, für Gewalt und Diktatur, in der keine Selbstbestimmung mehr vorhanden ist. Die Menschen stehen dort in einer Schlange, in der Hoffnung, dass sich das Tor irgendwann öffnen wird, total abgefahren. Eine sog. Sicherheitsgarde achtet auf die Einhaltungen der Gesetze. Es ist heiß und bedrückend, die Schlange vor dem Tor wird immer länger. In diesem totalitären System versuchen die Menschen irgendwie zu überleben und wir lernen einige dieser Protagonisten kennen bspw. Yahya, der eine Kugel im Becken stecken hat und bald operiert werden müsste oder Ines, die eine Unbedenklichkeitsbescheinigung benötigt. Die Situation scheint immer aussichtsloser und verzweifelter... Das Cover ist sehr gut gewählt, es passt super zum Inhalt. Mir hat das Buch gut gefallen. Anfänglich fiel mir der Schreibstil nicht ganz leicht und ich musste erst mal in die Geschichte finden. Die Spannung steigt jedoch von Kapitel zu Kapitel und die Handlung bekommt einen roten Faden. Die junge Autorin und Menschenrechtlerin hat hier vermutlich die Revolution , die Aufstände und den arabischen Frühling thematisiert und somit eigene Perspektiven und Erfahrungen mit einfließen. Die Szenen vor dem Tor sind sehr bedrückend und düster. Es ist teilweise sehr bedrückend und der Gedanke, dass man in so einer Schlange stehen muss,um bspw. Zum Arzt gehen zu können ist schrecklich, ich konnte die Hitze und Enge förmlich spüren. Trotzdem hätte ich mir phasenweise mehr Szene vor dem Tor gewünscht. In dem Buch geht es auch viel um zwischenmenschliche Beziehungen der Protagonisten, die mir persönlich etwas blass geblieben sind. Fazit: Ein kluges Buch, sehr bildhaft und realitätsnah geschildert. Eine Geschichte um Unterdrückung und die Folgen von totalitäre Staatsformen. Von mir gibt es 4 Sterne.

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Dass dieses Buch im Jahre 2013 veröffentlicht wurde ist natürlich ebenso zufällig wie der Schauplatz in einem fiktiven arabischen Staat. Natürlich. Ein geschickt gewählter Schachzug der ägyptischen Autorin, um Niemandem auf die Füße zu treten. Die Schlange Die Idee der Dystopie ist schön schräg und über aller Maßen absurd. Vor allem, wenn es darum geht, eine Kugel aus dem Körper eines Menschen zu entfernen. Eine Kugel, die sich der Protagonist während der Unruhen eingefangen, die nie stattgefunden haben. Und damit zum Staatseigentum wurde, das nicht von einem x-beliebigen Arzt in einem x-beliebigen Krankenhaus entfernt werden darf. Das klingt nach willkürlicher Bürokratie. Und das ist gewollt. Und so warten die Menschen nicht nur für Stunden, sondern für Tage und Wochen. Das Traurige ist, dass eine solche Abstrusität wirklich vorstellbar ist. Es ist absehbar, dass es nicht wirklich um die Warteschlange vor dem Tor geht, sondern um die Menschen und die Beziehungen, die sie untereinander aufbauen. Und selbst das Tor als solches wird nur zur Randerscheinung und steht bis zum Ende lediglich symbolisch für die Bürokratie, die Willkür und die Unterdrückung. Allerdings bleiben die Figuren auf Distanz und berühren den Leser nicht auf emotionaler Ebene. Ich denke, dass diese “bürokratische Sprache” ein Stilmittel ist, um das Gesamtsystem besser darzustellen und die dargestellte Unterdrückung zu verstärken. Propaganda mit der einen Zeitungen und dem einen Fernsehsender wird ebenso dargestellt, wie massive Einschnitte in die Freiheiten des Alltags. Dabei überschreitet die Autorin bewusst realistische Grenzen, wodurch das Buch einen überzogenen, schwarzenhumorigen Anstrich erhält. Fazit Ich denke nicht, dass diese Dystopie in einem Atemzug mit Orwells 1984 genannt werden wird, aber “Das Tor” zeigt sehr eindrücklich, wie eine Unterdrückung der Bevölkerung durch Willkür und Propaganda vollzogen und von ihr erduldet wird oder besser werden muss. Der Sprachstil dürfte allerdings nicht jedem zusagen, so dass ich das Buch nicht grundsätzlich jedem empfehlen mag, zumal Dystopien für so manchen Leser etwas zu schwer sein dürfte. Wer allerdings gerne in düstere Zukünfte schaut, sollte unbedingt einen Blick wagen.

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