Leserstimmen zu
Ruhet in Friedberg

Rudolf Ruschel

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Eigentlich haben Andi und Fipsi ein gutes Leben: beide schieben als Aushilfen beim Bestatter des kleinen Provinznestes eine ruhige Kugel. Andi studiert nebenher in Wien und träumt davon, ein großer Autor zu werden, während Fipsi Kriminalromane schreibt, aber nicht veröffentlicht. Doch als eines Tages ein Sarg mehr wiegt als er eigentlich sollte, hat Andi einen schrecklichen Verdacht: Will da einer der Kollegen heimlich jemanden verschwinden lassen? Und plötzlich stapeln sich die Leichen in der Leichenhalle von Friedberg…   „Ruhet in Friedberg“, der Debutroman Rudolf Ruschels ist eine schwarzhumorige, oftmals sehr makabre Kriminalgeschichte, die in ihren besten Phasen an die Brenner-Romane von Wolf Haas und die Fernsehserien David Schalkos („Braunschlag“, „Altes Geld“) erinnert. Denn Ruschels Friedberg wird von einigen ziemlich skurrilen Gestalten bevölkert. Neben Andi und Fipsi, den unfreiwilligen Helden der Geschichte, treffen wir Geri, den bemüht jugendlichen katholischen Dorfpfarrer, der seiner Jugendlichkeit mit dem Handy-Klingelton „I like to move it“ Ausdruck verleihen will und seltsamerweise ständig obszöne SMS-Nachrichten bekommt, den ersten Bestatter Macho, seinen Stellvertreter Gustl, den herzensguten, aber ziemlich dummen Hubsi und einige serbische Mafiosi.   Stilistisch ist „Ruhet in  Friedberg“ durchaus herausfordernd, denn ähnlich wie bei Wolf Haas, bei dem sich der Erzähler auch einmal direkt an den Leser wendet, erzählt hier der Erzähler seine Geschichte einem unbekannten Zuhörer (und damit auch seinen Leser*innen). Und dabei nutzt der Autor eben die Sprache des Volkes und nicht die Schriftsprache. Das führt zu Szenen wie dieser:   Wie der Gustl in das Zimmer seiner Mutter ist, hat er sie sofort gesehen. Ganz zusammengefallen, leblos und tot war sie. Früher oder später musste das ja passieren. „Du hast vergessen, die Orchidee zu gießen“, hat er gemault, aber nur in seinem Kopf. Wirklich gesagt hat er zu seiner Mutter nie etwas. Warum auch, zurück kam eh immer nur die selbe Leier.   Das ist ungewöhnlich, ich musste mich zumindest erst daran gewöhnen. Außerdem springt der Erzähler, dessen Identität erst ganz am Ende des Buches aufgedeckt wird, in der Geschichte immer wieder hin und her, was  gerade anfangs etwas Probleme bereiten kann. Aber schnell fügen sich die einzelnen Szenen wie Mosaiksteinchen zu einem klaren Bild zusammen.  Und so entspinnt sich eine schwarzhumorige, oft bitterböse Kriminalfarce, wie ich schon lange keine mehr gelesen habe.  Dabei geht es oft auch durchaus blutig zu, allerdings schildert Ruschel diese Gewaltexzesse nicht in allen Details, so dass das Buch nicht übermäßig brutal ist.   Es gibt immer wieder einmal Bücher, die aus dem Rahmen fallen, die anders sind und die Leserschaft überraschen. „Ruhet in Friedberg“ gehört für mich unbedingt in diese Kategorie. Ein Buch, auf das man sich einlassen muss, das einen dann aber auch wirklich sehr gut unterhält. Wer schwarzhumorige Geschichten mag, der kann hier unbesorgt zugreifen.

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Wer teilt sich mit wem ein Holzkasterl? Wessen Horizont ist kleiner als der einer Oblate? Andi und Fips sind Aushilfsträger beim Bestatter. Bis dahin, soweit normal und unverdächtig; doch was die kommenden Seiten flutet, sprengt meine Vorstellungskraft und beschert mir mächtig Bauchmuskelkater. Durch diesen österreichischen Krimi führt mich ein unkonventioneller Erzähler, der mich beim Lesen immer wieder direkt anspricht und so in die Geschehnisse mit einbindet. Seine umangestrengte Gelassenheit springt sofort auf mich über. Der Schreibstil ist flüssig und die Handlung temporeich. Ich sause durchs Buch, wie eine Kugel durch den Gewehrlauf. Der Humor in den Seiten ist gnadenlos schwarz, rabenschwarz und herrlich scharfzüngig. Ich habe keine Ahnung, ob ich bei einem Krimi schon so viele Tränen gelacht habe. Hilfe, dieses Buch gehört unbedingt verfilmt! Alleine die Namen der Figuren sind so absurd, dass ich zu keiner Sekunde ein Problem habe, sie auseinanderzuhalten. Am Buchanfang befinden sich winzige Steckbriefe mit den wichtigsten Darstellern, was sehr hilfreich ist. Ein einmaliges Lesen reicht aus und ich habe sie mir allesamt eingeprägt. Die Figuren sind fantastisch ausgearbeitet und ich sehe jeden deutlich vor mir. Das Lesen startet ein Kino Feuerwerk in meinem Kopf. Das Ende hat mich total überrascht und ich wusste bis zum Schluss nicht, wer dieses Desaster überleben wird. Normalerweise mag ich den passiven Erzählstil überhaupt nicht, doch hier stört er mich zu keiner Sekunde, weil er mich bestens unterhält. Verrückte Welt, ich weiß, aber so ist es. So andersartig dieser Krimi ist, ist es diesmal auch meine Rezension. Ich lehne mich zufrieden zurück, mit einem Zwinkern im Auge und noch immer zuckenden Mundwinkeln. Wer sich dieses krimihumorige Meisterwerk nicht gönnt, dem ist nicht mehr zu helfen. Ruhet in Friedberg, wird von mir mit 5 humorvollen Sternen von 5 und einer absoluten und unbedingten Leseempfehlung ausgezeichnet.

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Zugegeben: Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Vielmehr habe ich mich in die 90er Jahre zurückversetzt gefühlt, als ich - noch völlig grün hinter den Ohren - plötzlich einen Typen aus der Parallelklasse interessant fand, der mir vorher mächtig auf die Nerven ging. Aber weil ich ihn immer öfter auf dem Schulgelände sah, ich mich an seine Sprüche und seine Art gewöhnte, mochte ich ihn dann doch eines Tages. Aufgrund des ungewöhnlichen Schreibstils brauchte ich eine Weile, um in die Story abtauchen zu können. Ungewöhnlich heißt aber nicht gleich schlecht. Sondern einfach: ungewohnt, untypisch, anders eben. "Scheiße, hat sich der Andi gedacht, und gesagt hat er es auch [...] aber als dann der glasige Blick vom Andi den glasigen Blick vom Rebhansel Wirt getroffen hat, da ist es ihm wieder eingefallen: die Beerdigung, scheiße!" Weiß man aber irgendwann, wie herum der Fuchs den Hasen jagt - also, wie dieser Stil funktioniert -, kommt man viel besser mit diesem zurecht. Was man in diesem Krimi neben allerlei Leichen ebenfalls findet, ist schwarzer Humor. Einige Passagen habe ich mehrmals gelesen, weil ich sie echt witzig fand, wie zum Beispiel diese zwei hier: "Weil in einem Puff zu einer Hure Hure sagen, ist eigentlich wie am Bauernhof Schwein zum Schwein sagen [...] Normalerweise, wenn einer so ein Benehmen an den Tag legt, dann Securitys zack-zack und die Zahnbürste fährt am nächsten Tag ins Leere." (Pos. 2007) "Dann sagt der Chef so etwas wie: Mahagonisarg mit Messingbeschlägen, und Sie sagen: Fichte reicht. Und der Chef sagt wieder: Trauermusik vom Streicherquartett, und Sie sagen: Bocelli vom Band reicht. Am Ende sagt dann der Chef: 45.000 Schilling, und Sie sagen nix mehr. So eine Bestattung ist halt arg kostspielig." (Pos. 133) Die Protagonisten sind mir durchweg sympathisch. Jeder hat so seine Ecken und Kanten, keiner ist wie der andere. Und das ist auch gut so. In Friedberg hausen nicht nur die Serben und Mafiosi, sondern ganz "normale" Leute wie du und ich. Ein bisschen gaga hier, ein bisschen gaga dort. Jeder hat seine eigenen Probleme, mit denen er klarkommen muss, und bei dem einen klappt's, bei dem anderen eben nicht. Letzteres wohl eher häufiger, denn mit den Problemen kommen die Toten und mit den Toten neue Probleme. Ein Teufelskreislauf, bei dem der Autor keine Mühen gescheut hat, um den Leser damit bei Laune zu halten. Auf jedes gedankliche "Ach, du Scheiße!" folgte direkt ein "Oh, nein, bitte nicht!" Und jetzt muss ich etwas beichten, was mich selbst total überrascht hat: Mir fehlte das Lokalkolorit! Kein Witz! Normalerweise mag ich das überhaupt nicht in Krimis, aber ich hätte gern mehr von Friedberg gehabt. Zwar konnte ich mir anhand dessen, was der Autor mir quasi nebenbei mitgegeben hat, ein ungefähres Bild von den Örtlichkeiten machen, aber es war stets etwas Luft nach oben. Bitte mehr Provinz-Feeling beim nächsten Mal! Das Ende hat absolut alles, was ich bis dahin gelesen hab, in einen Sarg gepackt und drei Meter tief in der Erde verbuddelt. Es ist ein Ende in einem Ende in einem möglichen Ende. Irgendwie so. Man weiß plötzlich nicht, wo hinten und vorne ist und was eigentlich los ist. ABER - bitte nicht zu voreilig urteilen! - es passt nämlich zu dem, was der Plot hergab. Das macht jetzt vermutlich keinen Sinn, daher empfehle ich - nicht nur deswegen, auch sowieso - dieses Buch zu lesen. Persönliches Fazit: Wer gern einmal mit schwarzhumoriger Leichtfüßigkeit durch eine österreichische Provinz spazieren und erleben möchte, wie vom Schicksal gezeichnete Weggefährten in ihren rappelvollen Erdmöbeln eindrucksvoll abdanken, der möge Friedberg unbedingt einen Besuch abstatten. Dazu empfehle ich ein pfeifendes: "Always look on the bright side of life".

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