Leserstimmen zu
Ich bin Circe

Madeline Miller

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Circe, Tochter von Sonnengott Helios und Nymphe Perse sucht nach ihrem Platz in der Götterwelt, die sie aufgrund von menschlichen Eigenschaften nicht sonderlich Willkommen heißt. Schließlich wird sie verbannt, was sie erst zu ihrer wahren Größe als begabte Hexe führt und letztlich zu der Frage, ob sie sich mehr den Menschen oder den Göttern verbunden fühlt. Circe war schon immer eine meiner Lieblingsfiguren aus der griechischen Mythologie. Als fester Bestandteil der Fahrten des Odysseus war sie mir wohl bekannt und ob ihres wunderschönen Namens (auf Deutsch „Zirze“ ausgesprochen) oder ob ihrer Magie… vielleicht auch wegen beidem…hat sie mich schon immer fasziniert. So musste ich unbedingt ihre Geschichte neuinterpretiert von Madeline Miller kennenlernen. Fünfeinhalb Jahre liegen zwischen Millers erstem, erfolgreichem Bestseller „Das Lied des Achill“ und diesem hier. Als langjährige Dozentin für Latein und Griechisch bringt Miller beste Voraussetzungen mit, um sich in der mythologischen Welt frei zu bewegen. Nicht zuletzt deswegen wirkt die Geschichte ausgereift bis ins letzte Detail. Götter, die Menschen nur als Spielbälle betrachten und nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten leben. Menschen, die dem ewigen Ruhm hinterherjagen, der einzigen Unsterblichkeit, die sie kennen. Circe mittendrin und wir mit ihr. Alle Triumphe und Niederlagen, die sie erringt oder erleidet und die Wunder und Schrecken, denen sie ansichtig wird. Wir begleiten sie dabei und erleben hautnah, wie Circe aus ihrer anfänglichen Einfältigkeit lernt, aus ihren Erfahrungen klüger und stärker hervorgeht. Die Frage, ob sie letztlich selbständig und unabhängig ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Fest steht, dass Circe einen Weg bewandert, den keine andere je gegangen ist und die Einblicke und Gefühle, die wir von ihr als Halbgöttin, Hexe und Mutter bekommen, sind einmalig. Die ganzen Namen, die zumindest anklingen und Geschichten, die durch Erwähnung wieder in Erinnerung geraten, sind ein wahrer Schatz. Circe ist in alle wunderbar eingebunden. Unzählige Sagengestalten werden um sie herum zum Leben erweckt und wirken in ihren Charakterzügen sehr frisch und glaubhaft. Es macht Spaß, die alten Figuren ganz neu mit ihren Sehnsüchten und Betrübnissen zu erleben. Die Sprechstimmte von Ann Vielhaben, die mir bis dato unbekannt war, klingt weich und angenehm im Ohr. Ein wenig Gewöhnung benötigte mein Gehör schon, da die Leserin die Satzenden manchmal verschluckt und schon bei den ersten Sätzen musste ich noch einmal zurückgehen, weil ich nicht verstand, ob etwas gelungen oder nicht gelungen war. Im weiteren Verlauf fiel mir das aber nicht mehr negativ auf und es war alles zu verstehen. Ann Vielhabens Stimme ist sehr vielseitig und verändert sich je nach Sprechrolle. Ich liebe es, wenn sie etwas mehr Härte hineinlegt und dazu noch Spuren von Jähzorn und Wahnsinn. Zum immer wieder anhören!

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Die zauberhafte Geschichte der viel nicht beachteten und verkannten Zauberin Circe wird hier von Madeline Miller niedergelegt. Sie beschreibt das Schicksal einer vielleicht niederen Göttin, in jedem Fall eines Titanen Tochter, einer Teilnahmsvollen vor dem zur Bestrafung ausgesuchten Prometheus. Sie liebt und wird geliebt von Daidalos, nimmt fühlend Anteil an seinem Leben und Schmerz. Sie ist bringt mit Daidalos den schrecklichen Minotauros, Sohn ihrer Schwester Pasiphae und König Minos', auf diese Welt. Sie nimmt den verlogenen, neugierigen und geschichtenreichen Hermes wieder und wieder in ihr Bett bis sie ihn wegschickt. Sie wird die Herrscherin der Insel Aiaja, entdeckt ihren eigenen Kosmos, wirkt Zauber um Zauber und wird mächtig. So mächtig, daß man versteht, weshalb Zeus sie fürchtete. Und dabei ist sie unsicher, zerbrechlich wirkt sie, voll von Selbstzweifeln und ist von einer unbeschreiblichen Zartheit. Die Empfindsamkeit ist ihre Stärke. Und Circe ist erkenntnisreich. Sie lernt und versteht und lernt wieder, unablässig. Ihre Welt ist auf Aiaja ihre eigene, wer sie besucht, unterwirft sich ihren Regeln. Erst in Odysseus findet sie den Mann, Liebling der Götter, listenreich, siegreich, ruhmreich vor den Mauern Trojas, Kampfgefährte der besten Helden der Griechen, Schutzbefohlener der Athene, der Kopfgeburt des Göttervaters. Und sie findet in Odysseus schließlich den Sterblichen, der sie einen Sohn empfangen läßt. Dieses Kind ist es, das sie zu der werden läßt, die die Urfesten der Welt überwindet. Nur um ihren Sohn Telegonos eines Tages doch ziehen zu lassen, nur um ihr Kind loszulassen und den ganzen elterlichen Schmerz und die Angst und Ungewissheit zu empfinden. Sie ist die Mutter, die ihren Telegonos vor dem Zorn der schrecklichen Athene zu schützen vermag, nur um das Schicksal doch zu vollenden. So wunderschön Madeline Miller die Geschichte gesponnen hat, so zauberhaft stellt sie die Beziehungen ihrer Protagonisten dar und beschreibt trefflich die wechselhaften Charaktere und deren Gefühle. Das ist unbestritten ganz große Schreibkunst. Großes Kino, wie man sagt. Und doch ist es erst die Erzählerin Ann Vielhaben, die allem das Leben einhaucht, das sie brauchen und verdienen. Sie erst verleiht Menschen, Titanen und Göttern, Tieren Farbe, Gewicht, Form und Dimension. Und damit unmittelbare Relevanz. Sie macht die Geschichte erlebbar. Ann Vielhaben macht diese Geschichte wahr. Sie nimmt allen Zweifel an der Wahrhaftigkeit der wunderbaren Geschichte, der Götter, ihrer Niedertracht und Unsicherheit. Sie gibt Circe genau die richtige Zartheit und Stärke, ihre Widersprüchlichkeit und Konsequenz. Ich fiebere mit, bin verzweifelt und entsetzt, lache laut, schmunzle leise und bin tief ergriffen und ein Schauer löst den nächsten ab. Es gibt so viel zu dieser Erzählkunst in ihrer wundervollsten Form zu sagen; doch ich würde nie den Kern treffen können. Man muss es selbst spüren. Ann Vielhaben ist es, die diese Reise in die Phantasie in allen Schattierungen vergoldet. Sie macht Circe so wahr, wie sie nur sein kann. Sie ist Circe.

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