Leserstimmen zu
Genau richtig

Jostein Gaarder

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Albert hat sich zufrieden in seinem erfüllten Leben als Ehemann, Vater eines erwachsenen Sohnes, Schwiegervater, stolzer Großvater einer elfjährigen Enkelin, Lehrer und Hobbyastronom eingerichtet. Die Diagnose einer unheilbaren Krankheit, die innerhalb kurzer Zeit zuerst zur Pflegebedürftigkeit, dann zum Tod führen wird, trifft ihn völlig unvorbereitet, während seine Frau Eirin auf einem Kongress in Melbourne weilt. Hals über Kopf verlässt er die Arztpraxis und begibt sich in die einsam gelegene Ferienhütte der Familie an einem Waldsee, dem zauberhaften Glitretjern, die so viele schöne Erinnerungen birgt. Mit Eirin ist er jungverliebt in diese Hütte eingebrochen. Zehn Jahre später stand die Hütte während ihrer einzigen Ehekrise zum Verkauf und die endgültige Inbesitznahme wurde zum rettenden Wendepunkt in ihrer Beziehung. Nun nutzt Albert das Hüttenbuch, um seine Gedanken zu ordnen und zu Papier zu bringen: "Ich stehe vor dem größten Aufbruch meines Lebens und verspüre kein Bedürfnis mehr, etwas für mich zu behalten." Eine freie Entscheidung 24 Stunden gibt er sich selbst Zeit, um sich darüber klar zu werden, ob er das Ende abwarten oder seine Freiheit für ein selbstbestimmtes Ende nutzen soll. Er schreibt für seine Familie, aber auch für sich selbst. Je länger die Nacht dauert, desto mehr gehen seine Überlegungen über ihn als Individium hinaus, hin zu den grundlegenden Fragen des Menschseins, des Universums und der Zeit. Nur knappe drei Stunden umfasst die vollständige Lesung des schmalen Romans auf drei CDs, denn es ist, wie der Untertitel sagt, „Die kurze Geschichte einer langen Nacht“ – oder „Eine kleine Erzählung über fast alles“ im norwegischen Original. Überwiegend ist es der Brief an seine Familie, nur selten wird die Briefform kurzzeitig verlassen. Nicht ganz so märchenhaft ist die Liebesgeschichte zwischen Albert und Eirin wie die in Josteins Gaarders unvergleichlichem Roman "Das Orangenmädchen", denn Albert verschweigt auch einen 27 Jahre zurückliegenden Ehebruch nicht. Sein Gedankensturm, sein Ringen um den richtigen Entschluss und die daraus resultierende Spannung haben mich jedoch durchgehend gefesselt. Eine überraschende Wende Mit dem Fortschreiten der Nacht verschwimmen die Konturen zwischen Realität und Traum. Als im Morgengrauen der alte, vermeintlich hellsichtige Mann mit dem weißen Bart wie eine biblische Erscheinung auftaucht, hatte ich kurz die Sorge, dass der Roman ins Mystische abgleiten könnte. Doch dann war es genau diese Begegnung, die die Geschichte zu einer ganz außergewöhnlichen für mich machte und mich zu Tränen rührte, ohne den geringsten Anklang von Kitsch. Thomas Loibl als kongenialer Sprecher Das sehr intensive Hörerlebnis verdanke ich zu einem nicht unerheblichen Teil dem herausragenden Sprecher Thomas Loibl, der den Text mit seiner warmen, klaren Stimme genau richtig liest. Vom ersten Satz an war er für mich Albert, mit seiner Verzweiflung, seiner Wut, seiner Wehmut, seiner Angst vor dem Verlust der Würde, seinem Schwanken, seinen philosophischen Exkursen und schließlich seiner wohlüberlegten Entscheidung nach einer langen, intensiv erlebten Nacht.

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Mit einer schrecklichen Diagnose beschäftigt sich Albert, als er in die einsam gelegene Hütte der Familie fährt. Dort, mitten im Wald, an einem See, macht er sich Gedanken darüber, was ihm seine Ärztin und ehemalige Geliebte mitgeteilt hat. Und lässt sein Leben Revue passieren, denn er möchte mit sich ins Reine kommen und schreibt alles nieder, was ihn beschäftigt. Die Geschichte von „Genau richtig“ klang für mich sehr interessant und nachdenklich, durchaus philosophisch. Dementsprechend war ich auf die nähere Ausführung neugierig. Gelesen wurde die gesamte Buchvorlage hier von Thomas Loibl gelesen, der eine angenehme, ruhige, aber dennoch eingängige Stimme hat. Entsprechend bedacht liest er dies auch, für mich hat die Stimme hier durchaus zur Geschichte gepasst, ich habe alles akustisch gut verstanden, hatte keine Probleme. Die Geschichte ist inhaltlich definitiv kein leichter Stoff, denn man merkt dabei, wie sehr Albert die Diagnose bewegt. Wie er sein gesamtes Leben aufführt, wie er seine Frau kennengelernt hat, etc. Was mir ein bisschen schwer gefallen ist, war die Familiensituation. Diese ging für mich nicht deutlich hervor, wer hier nun wie dazu gehört. Das hätte ich mir vielleicht ein bisschen deutlicher gewünscht fürs Verständnis, damit man besser mitkommt. Seine grundsätzlichen Überlegungen sind durchaus philosophischer Natur, er grübelt und überlegt, wie es nun weiter geht, schottet sich aber grundsätzlich von seiner Familie ab. Näher möchte ich hier nichts zur Geschichte erläutern, um nicht zuviel zu verraten. Es war für mich ein Ausflug in eine eher schwere Literatur, wenngleich ich diese angenehm vorgelesen bekam, dank dem Hörbuch. Die Gedankengänge sind durchaus nachvollziehbar, es ist aber eben keine einfache, gar schnelle Unterhaltungskost, sondern durchaus eine Geschichte zum Innehalten, die selbst zum Nachdenken anregt. Die Lesung selbst umfasst knapp 2 Stunden 50 Minuten, so dass man hier durchaus Zeit mit den Gedanken von Albert verbringt, diese nicht nur kurz abgehandelt werden. Für mich war die Geschichte interessant und durchaus mit interessanten Gedanken bzw. Ansätzen verbunden, lässt mich aber nicht in Jubel ausbrechen – um das mal so auszudrücken. Wer sich gerne und viel mit Philosophie beschäftigt, für den ist es sicher eine gute Art und Weise, dies erneut zu tun. Für mich war es in Ordnung, erneut würde ich die Geschichte aber nicht nochmal hören, einmal tut es auch. Entsprechend vergebe ich hier 3 von 5 Sternen, bleibe hinsichtlich einer Empfehlung unentschlossen.

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