Leserstimmen zu
Das Geheimnis der Seelenschiffe - Die Händlerin

Robin Hobb

Die Seelenschiff-Händler (1)

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EINE WELT, GANZ ANDERS, ALS ERWARTET Das coolstes und gleichzeitig komplizierteste Element dieses Buches sind die Seelenschiffe. Seelenschiffe werden aus einem bestimmten magischen Holz gemacht, Hexenholz, das besonders robust ist und das unter bestimmten Umständen eine Persönlichkeit entwickeln kann. In Schiffsform sieht das so aus, dass drei seefahrende Generationen derselben Familie an Bord sterben müssen, damit das Schiff „erwachen“ kann. Klingt irgendwie nekromantisch, ist es aber gar nicht. Die Familienmitglieder müssen nicht gewaltsam sterben, sondern einfach am Ende ihres Lebens an Bord gebracht werden, damit ihre Erinnerungen und Erfahrungen auf das Schiff übertragen werden können. So bleibt gleichzeitig ein Teil der Verstorbenen im Schiff erhalten. Seelenschiffe können, einmal erwacht, mit der Mannschaft kommunizieren und die Seereise besser lenken, weil sie Felsen, Untiefen und Windveränderungen eher spüren und entsprechend segeln können. Es sollte auch immer ein Familienmitglied an Bord sein, weil zwischen ihm und dem Schiff eine ganz besondere, tiefgreifende, emotionale Verbindung besteht, die nötig ist, damit das Schiff nicht verrückt wird. Wie das aussehen kann, erfährt man im Buch übrigens auch. Seelenschiffe können sich nämlich auch gegen ihre Mannschaft wenden und das Segeln erschweren oder sogar die Mannschaft töten. Hierbei hat mir besonders gefallen, dass der Weltenbau so meisterhaft eingepflegt wurde, das man zwischen den Zeilen lesen konnte, warum das Schiff verrückt geworden ist. Seelenschiffe werden von zwei Familien erbaut. Einmal eine Händlerfamilie aus Bingstadt und dann eine Familie aus der Regenwildnis, die das Holz stellen. Eine Händlerfamilie verschuldet sich meist auf Generationen, um ein Seelenschiff bauen lassen zu können, so wertvoll ist das Holz. Die Menschen der Regenwildnis sind sehr besonders, aber auch ausgegrenzt, weil die Regenwildnis – die eine eigene Buchreihe hat, leider unübersetzt – magisch und merkwürdig ist. Regenwildnisbewohner sehen nach normalen Standarts nicht sonderlich attraktiv aus, haben aber den Monopol auf magischen Gütern, die begehrt sind. Aus der Regenwildnis kommen auch die Seeschlangen, die intelligenter sind, als die Menschen ihnen zugestehen und sich mit Beginn dieses Buches auf die Reise machen, um sich an ihre Vergangenheit zu erinnern. FIGUREN, WOHIN DAS AUGE SIEHT Neu in dieser Reihe war, dass man weit mehr als eine Hauptfigur hat. Neben den einzelnen Personen der Familie Vestrit, die Althea, deren Schwester Keffria und Mutter Ronica, Nichte Malta und Neffe Wintrow, und Schwager Kyle Haven beinhaltet, werden auch Abschnitte aus der Sicht der Seelenschiffe Viviace und Paragon erzählt, ebenso erhält ein weiterer Seefahrer Brashen Trell seine Kapitel und der Pirat Kennit. (Kleiner Hinweis: Figuren deren Name mit K beginnt sind sexistisch.) Besonders spannend waren auch Kapitel über das „Knäul“, eine Gruppe Seeschlangen, die eine sehr schlechte Reputation bei den Menschen haben. Ihr seht, Figuren gibt es hier zuhauf, aber die Autorin hat sich alle diese Sichtweisen zunutze gemacht und auf vielen Ebenen das Geschehen abgedeckt, und mehrere Blickwinkel auf einen Konflikt gelenkt. Ich musste mich selber oft dabei ertappen nicht einfach jeden Mist, den gewisse charismatische Figuren mit scheinbar sinnvollen Argumenten vorbrachten, zu glauben. (Robin Hobb war meisterhaft darin sexistische Mikroaggressionen charmant zu verpacken.) Meine liebsten Figuren sind Althea und Paragon, die leider nicht ganz so viel Zeit in diesem Buch bekommen haben, weil ihre Geschichte noch am Anfang steht, während andere Figuren – wie Wintrow und Malta – einiges durchmachen müssen. Diese Fülle an Figuren hat auch zur Folge, das mehr als ein Handlungsstrang verfolgt wird und erneut kann ich nicht ganz fassen, wie die Autorin es geschafft hat, so viele verschiedene Konflikte in dieses Buch zu stecken. Es ist einfach wahnsinnig vielschichtig und ich bewundere, wie gut es gelungen ist, die Standpunkte einer Mutter, einer Tochter, die schnell erwachsen werden will und einer Matriarchin, die ihre Familie finanziell über Wasser halten muss, zu ein und demselben Thema abzudecken und so viele Meinungen verschiedener Generationen zu präsentieren. Dieses Buch zeigt, dass es nicht nur eine Schicht eines Konfliktes gibt und das jede Meinung gleich viel Wert haben sollte, denn wenn das nicht passiert, kann man hier lesen, was dann abgeht. Und das ist nur eine Seite der Handlung. Das Geflecht an Beziehungen und Beeinflussungen ist hier sehr dicht, aber dennoch verständlich, weil erneut jede Figur gut begründete Ziele und Sichtweisen hat und ich bin einfach nur begeistert. SPANNUNGSHÖHEN UND -TIEFEN Mein Problem mit diesem Buch war, dass der Anfang fantastisch war und es zur Mitte hin etwas abfiel. Zu Beginn lernt man natürlich vieles über die Welt und Dinge werden ins Rollen gebracht, die sich dann über die Handlung entwickeln. Das war spannend und aufregend, ich war wie in einem Rausch. Etwas vor der Hälfte akklimatisierten sich die Dinge dann und ich fand es schwerer an die Seite gefesselt zu werden. Das lag zum Teil auch daran, dass ich wieder zu sehr in die Figuren investiert war und von Fehlern nicht lesen konnte. Der Mittelteil war zum Entwickeln da, zum Situationen evaluieren, Fehler machen und auch daraus lernen. Das war irgendwo ein harter Prozess, weil ich ungefähr sehen konnte, wohin manche Dinge führen würden. Außerdem waren zwei der härtesten Szenen enthalten, von denen ich bisher gelesen habe. Ich dachte nicht, dass ich nach meiner Grey’s Anatomy-Abhärtung bei einer Fingeramputation so mitgenommen sein könnte. Oder wie eine Platzwunde genäht wird. Zum Ende hin wurde es wieder actionreicher, lang ersehnte Zusammentreffen fanden statt und das Buch hat nochmal eine Kehrtwende hingelegt, die ich nicht erwartet habe, die aber leider so logisch zu sein scheint. Das Ende hat mich nochmal richtig mitgenommen und ich bezweifle langsam, dass die Reihe an einem friedlichen Punkt enden wird. FAZIT Der erste Band der Seelenschiff-Trilogie besticht durch eine fantastische, vielschichtige Welt, die ich so noch nicht kannte, hatte aber im Spannungsbogen seine Schwächen für mich.

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Es ist eine großartige Idee, Schiffen eine Seele zu geben. Und das meine ich nicht im übertragenen Sinne, denn Robin Hobb gibt in dieser Trilogie Schiffen aus Hexenholz eine Seele, eine Stimme und eine starke Familienbindung. +++ Familie +++ Damit wird auch deutlich, dass es sich wieder um eine eher ruhige Fantasy-Erzählung handelt, in der mehr die Beziehungen der Menschen untereinander im Fokus stehen als epische Schlachten exotischer Völker. Diese Art der Erzählung kann Robin Hobb außerordentlich gut, denn sie verleiht den einzelnen Figuren ein authentisches Gesicht. Sei es der von sich überzeugte angehende Priester oder das unbedarfte Mädchen, das sich unbedacht in Schwierigkeiten bringt – jeder Charakter hat seine eigene Individualität erhalten. Natürlich kann man den komplexen Beziehungen zwischen den Familien und Völkern ein wenig Familienclan-Kitsch vorwerfen und in gewisser Weise ist dies auch zutreffend, aber nie in dem Maße, in dem es störend über der Geschichte schwebt. Hobb kann einfach erzählen und versteht es, den Leser bei Laune zu halten, selbst wenn die Geschichte oftmals vorhersehbar erzählt wird. Das ist es auch, was die Geschichte um die Südländer jenes Kontinents ausmacht, den der Leser eventuell von dem Weitseher-Chroniken kennt. Aber auch wenn der Regenwaldfluss, Chalced und Bingstadt aus den anderen Trilogien rund um Fitz Chivalrik bekannt sind, so ist diese Trilogie vollkommen unabhängig verständlich. Sie liest sich vielmehr so anders, als wären die Welten nicht wirklich miteinander verbunden. Allerdings findet sich vieles hinsichtlich der stilistischen Erzählweise in dieser Trilogie wieder, wie sie auch schon bei den Weitseher-Trilogien vorhanden waren. +++ Fazit +++ Wer den ruhigen Erzählstil von Robin Hobb mag und auch die dargestellten Familienbeziehungen nicht als störend empfindet, der wird mit einer hervorragend erzählten Geschichte belohnt, die wieder eine gute Portion Fantasy mitbringt, ohne diesen Aspekt in den Vordergrund zu drängen. Es versteht sich von selbst, dass diese Trilogie in jeglicher Hinsicht offen endet und in den beiden kommenden Teilen weitererzählt werden möchte.

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