Leserstimmen zu
Lieber Dietrich ... Dein Jürgen

Jürgen Werth

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„Ich habe ihm geschrieben. Einfach so. Weil er an uns geschrieben hat. Na ja, nicht wirklich uns. Seine Briefe und Gedichte aus der Haft waren für seine Eltern bestimmt. Für seine Verlobte. Für Mitgefangene. Und für seine Freunde. Aber einer von ihnen, Eberhard Bethge, hat sie später veröffentlicht. So sind sie auch Briefe für uns geworden. Für mich.“ So beginnt dieses berührende Buch. Es enthält etwa dreißig Briefe und Gedichte Dietrich Bonhoeffers, die in seiner zweijährigen Haft entstanden sind. Und diese Texte bewegt Jürgen Werth in seinem Herzen, und er stellt sich vor, er könnte Bonhoeffer antworten. In seinen Briefen tröstet Bonhoeffer seine Eltern. Er versucht das Beste aus seiner Haft zu machen, und schreibt mehrmals, dass er auch in seiner Gefängniszelle weiter arbeiten kann und es ihm gut geht. Anfangs geht er davon aus, dass er bald wieder entlassen wird, doch nach zwei Jahren wird er, kurz vor Kriegsende, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Jürgen Werth ist, wie Bonhoeffer, ein Dichter. Er geht oft nur auf ein oder zwei Aussagen in den Briefen ein und schafft einen Bezug zu unserer Gegenwart. Im Gegensatz zu Bonhoeffer weiß er, dass der mutige Pastor nie mehr in Freiheit sein wird. Manche Aussagen Bonhoeffers wirken in Zeiten der Corona-Krise merkwürdig aktuell. So schreibt er, „Die Situation als solche, d.h. der einzelne Augenblick, ist ja vielfach gar nicht so anders als anderswo, ich lese, denke nach, arbeite, schreibe, gehe auf und ab, - und auch das wirklich ohne mich wie der Eisbär an den Wänden wund zu reiben, - und es kommt nur darauf an, sich an das zu halten, was man noch hat und kann – und das ist immer noch sehr viel – und das Aufsteigen der Gedanken an das, was man nicht kann, und d.h. den Groll über die ganze Lage und die Unruhe in sich niederzuhalten.“ Dieses Buch enthält tiefsinnige und wertvolle Gedanken von beiden Schreibern, Bonhoeffer und Werth. Beim Lesen ist der Wechsel zwischen den beiden manchmal etwas schwierig. Dadurch, dass oft nur ein oder zwei Aspekte aus Bonhoeffers Briefen von Werth aufgegriffen werden, kommt in den Betrachtungen manchmal genau das zu kurz, was den Leser im Brief Bonhoeffers berührt hat. Fazit: Ein Buch zum Verweilen und Nachsinnen, mit wertvollen Texten von zwei christlichen Denkern und Dichtern. Trotz der Jahrzehnte, die die beiden Autoren trennen, überwiegt das Gemeinsame. Sehr zu empfehlen!

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Schon seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Dietrich Bonhoeffer. Um den 75. Todestag des Widerstandskämpfers herum habe ich »Lieber Dietrich … Dein Jürgen« mit gespanntem Interesse und großer Freude gelesen. Ich habe Bonhoeffer neu kennengelernt. Klar, ich kannte seine Briefe. Aber wie Jürgen Werth mir sie nahegebracht hat: sensibel, mit einer klaren und knappen Sprache, behutsam und nicht anbiedernd, entschuldigend, wenn's mal zu intim wurde, und theologisch deutlich - das ist ein Meisterwerk im Umgang mit Sprache. Ob es nun aus den Briefen an seine Eltern ist, aus den Briefen an seine Braut oder aus den Briefen an seinen Freund Eberhard Bethge: Immer weiß Jürgen Werth, wie weit er gehen darf. Und geht doch immer auch ein Stück weiter, um mir zu sagen und zu zeigen: Du verstehst Dietrich Bonhoeffer immer nur zu einem gewissen Stück. Ganz kannst du ihn nie verstehen. Immer wirst du Neues entdecken. Und es sind doch Dinge, die du schon hundertmal gelesen hast. Das ist die Kunst eines guten Autor, so zu schreiben. Jürgen Werth kennt Dietrich Bonhoeffer. Nach dem Lesen des Buches habe ich das Gefühl: die beiden sind Freunde geworden. Ach was: Die beiden sind Freunde. »Lieber Dietrich … Dein Jürgen« muss zu den Standardwerken der Bonhoeffer-Literatur gezählt werden. und wird es wohl auch bald.

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