Leserstimmen zu
Trotzdem

Ferdinand von Schirach, Alexander Kluge

(4)
(1)
(0)
(0)
(0)
€ 8,00 [D] inkl. MwSt. | € 8,30 [A] | CHF 11,90* (* empf. VK-Preis)

In der Kürze liegt die Würze - mit wenigen Worten, viel sagen - das beherrscht der Jurist und Schriftsteller Ferdinand von Schirach meisterlich. Wenn eben dieser nun auf sein Pendant trifft, könnte es interessant werden. Mit dem kleinen Büchlein „Trotzdem“, welches im Mai 2020 beim Luchterhand Verlag erschienen ist, bietet sich die Möglichkeit, als stiller „Zuleser“ an den Gesprächen zwischen Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach teilzunehmen. In diesen Tagen ist unser Alltag anders. Das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote, Maskenpflicht ... Das gesellschaftliche Leben liegt brach und die enormen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind nicht zu erahnen. Die Nachrichten überschlagen sich, Politiker versuchen sich zu profilieren, kurzum man hat das Gefühl, die eine Hand weiß nicht, was die andere tut. Hinzu kommt die sensationslüsterne Berichterstattung. In der Flut von Informationen suche ich die intelligente Auseinandersetzung mit der Thematik. Nun habe ich dieses Büchlein vom Luchterhand Verlag entdeckt, in welchem sich die Herren Schirach und Kluge mit dem Shutdown auf philosophische Art beschäftigen. Es sind Worte und Sätze, die nachdenklich stimmen und offerieren, dass es viele Möglichkeiten gibt, mit der Krise umzugeben. Kluge: „Es ist die Wahl zwischen Sicherheit und Freiheit.“ Schirach: „Ich glaube, das Virus hat uns an eine Zeitwende gebracht. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.“ (Auszüge aus „Trotzdem“) Kluge und Schirach setzen Ereignisse aus der Vergangenheit in Relation zur Gegenwart. Ich bewundere ihren Weitblick. Sie führen Argumente an, die nahe liegen und doch wäre ich im ersten Moment nicht drauf gekommen. Äußerlich ist dieses Buch klein, grau und unscheinbar. Es umfasst nur 80 Seiten. Schlägt man es auf und beginnt darin zu lesen, trifft man auf wortgewandte und scharfsinnige Dialoge, die zum Um-und Überdenken animieren. Es lohnt sich, zwischen den Zeilen zu lesen. Schirach: „Wir können offenbar alles, wenn Gefahr droht, das haben wir jetzt gelernt. Und warum sollten wir die Lehren nicht ins Positive wenden?...“ (Auszug aus „Trotzdem“) Ein lesenswertes Buch und ein schlauer Begleiter für unterwegs, praktisch im Handtaschenformat. Geschenkidee für liebe Freunde.

Lesen Sie weiter

Zum Inhalt: Seit Mitte März ist die Welt im absoluten Ausnahmezustand. Die Pandemie SARS-Co V-2 hält uns alle in AtemUnd natürlich stellt sich die Frage, ob dieser SHUTDOWN und der massive Eingriff in unsere persönlichen Grundrechte gerechtfertigt ist. Die beiden Juristen und Autoren Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge lassen uns mit „Trotzdem“ an ihrem Mailaustausch vom 30.03.2020 und an ihren Gedanken dazu teilhaben… Meine Meinung: SARS-Co V-2 bestimmt seit vielen Wochen unser aller Leben. Jeder von uns hat auf seine Weise mit Einschränkungen, Existenzängsten und vielem anderen zu kämpfen. Viele Menschen leiden besonders unter dem Kontaktverbot und den existenziellen Sorgen. Die Lage ist ernst und die von der Regierung verhängten Maßnahmen sind es auch. Wissenschaftler und Forscher haben jeden Tag neue Erkenntnisse zum Virus. Manche davon hebeln bisher bekannte Erkenntnisse wieder aus. Einen roten Faden bei der Bekämpfung des Virus gibt es nicht. Das macht es nicht leichter, die vielen Einschränkungen und die Ungewissheit, die mit allem einhergeht auszuhalten. Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gehen in ihrem Buch der Frage nach, wie sich die derzeitige Beschränkungen in unseren bisherigen Freiheiten auf die Zukunft auswirken könnten und nehmen ihre Leser mit auf einen geschichtlichen Exkurs zum Thema „Entstehung der Demokratie, Gewaltenteilung und persönliche Freiheit“. In diesem sachlichen und geschichtlich sehr detaillierten Gespräch erfährt der Leser viel über die geschichtliche Entwicklung und Entstehung von Rechtsstaaten und Demokratie. Eine Demokratie, wie sie sich im Mittelalter in den Köpfen von den Gelehrten der damaligen Zeit gedanklich entwickelte, war früher unvorstellbar. Sie war eine Utopie. Doch mit den damaligen Gedanken und Zielen war der Grundstein für die heutige Demokratie gelegt. Es war ein langer und beschwerlicher Weg. Aber er war möglich. Schirach: „Ich glaube, das Virus hat uns an eine Zeitwende gebracht. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche“ – Seite 58 Doch Schirach äußert sich gleichwohl auch kritisch zu den Maßnahmen: „Sicherheit ist uns näher als Freiheit. Das erklärt die hohe Zustimmung zu immer härteren Maßnahmen. Mich beunruhigt diese Tendenz“ – Seite 72 Und da kann ich mich ihm in vollem Umfang anschließen. Die Einschränkung der Grundrechte beunruhigt mich auch. Und der Umgang mit kritischen Stimmen ebenfalls. Achtsamkeit ist wichtig. In jedem Moment. Für uns alle. Einen Kritikpunkt habe ich allerdings, was das Buch betrifft: Ich habe etwas mehr „Stellungnahme“ von beiden Autoren zum aktuellen Geschehen erwartet. Der größte Teil des Buches behandelt jedoch die Geschichte der Demokratie und nur wenig das aktuelle Zeitgeschehen. Dennoch gibt das Buch auch Hoffnung, dass wir alle mit der Corona-Krise wachsen könn(t)en. Dass eine positive Entwicklung möglich ist, die jetzt vielleicht nur ein kleiner Gedanke in unseren Köpfen ist. Kluge: „Wir können offenbar alles, wenn Gefahr droht, das haben wir jetzt gelernt. Und warum sollen wir die Lehren nicht ins Positive wenden? Die europäische Idee wankt durch diese Krise. Die Solidarität zwischen unseren Ländern scheint es doch nur in guten Tagen zu geben. Aber wir können das ändern. Lassen Sie uns doch heute einmal so mutig sein wie die Verfassungsväter in Amerika. Wir könnten das Ruder herumreißen und uns endlich eine europäische Verfassung geben“ -Seite 74 Und vielleicht ist ja genau das jetzt möglich: ein Wandel in unserer Gesellschaft zum Besseren. Gemeinsam. Wie auch immer der aussehen wird. Ein Satz, den Ferdinand von Schirach ganz am Ende des Dialogs sagt, ist für mich ein absoluter Schlüsselsatz in der momentanen Krise: Schirach: „Wir können heute neu über unsere Gesellschaft entscheiden – nicht wie sie ist, sondern so, wie wir sie uns wünschen“ – Seite 74 Jeder von uns kann dazu beitragen, dass wir aus dieser Krise wachsen. Unsere Gesellschaft sich positiv weiterentwickeln kann. Und das gibt Hoffnung.

Lesen Sie weiter

Sehr wohltuend - dem Gedankenaustausch zu lauschen

Von: Lotta Ries aus Ingelheim

17.05.2020

Ich finde es sehr angenehm, ohne Polemik, ohne Be-/Verurteilung anders Denkender, unterhalten sich zwei belesene Seelen über das, was der "Virus Covid 19" freilegt in dieser Gesellschaft. Schön finde ich die Ausflüge in die Menschheitsgeschichte und in die Beleuchtung von §§. Ich habe heute wieder verschenkt. Kann übrigens auch TERROR empfehlen - brilliante Auseinandersetzung mit §§ - nichts im Leben ist einfach, alles ist komplex... und daher auch faszinierend. Danke für das Buch!

Lesen Sie weiter

"Ich glaube, das Virus hat uns an eine Zeitenwende gebracht. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche." (Seite 58) "Trotzdem" ist ein ca. 80 Seiten schmales Büchlein, in dem eine digitale Konversation zwischen Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge zur aktuellen Lage aufgezeichnet wurde. Sie gehen in diesem Gespräch darauf ein, zu welchen positiven Veränderungen die Corona-Pandemie in unserer Gesellschaft führen, wie sie sich aber auch auf unsere Freiheit auswirken könnte. Bei einer ersten Einschätzung zu diese Lage beziehen sie sich auf historische Ereignisse und Ansichten einiger großen Philosophen wie Rousseau oder Locke und geben unter anderem wieder, welche Voraussetzungen die getroffenen Maßnahmen erfüllen müssen, um in Bezug auf unsere Grundrechte gerechtfertigt zu sein. Die beiden Juristen schaffen mit diesem kleinen Büchlein eine sehr kluge Sichtweise auf die derzeitige Situation und geben einen optimistischen Blick in die Zukunft. Ein sehr aufschlussreiches und kurzweiliges Buch, das meiner Meinung nach noch etwas länger hätte sein können, da einiges unbeantwortet geblieben ist. Für mich aber dennoch eine sehr gute Lektüre zur aktuellen Thematik, die gute Denkanstöße gibt.

Lesen Sie weiter

REZENSION – Wer sich mit den möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unsere Gesellschaft beschäftigen will, kann viele Bücher lesen. Empfehlenswerter ist aber die Lektüre des kleinen, im Mai beim Luchterhand-Verlag erschienenen Büchleins „Trotzdem“. Wie schon in ihrem ersten beeindruckenden Gesprächsband über „Die Herzlichkeit der Vernunft“ (2017) überzeugen auch diesmal die beiden Schriftsteller-Juristen Ferdinand von Schirach (56) und Alexander Kluge (88) durch Intellekt, Scharfblick und Weitblick. Das gerade in seiner Kürze und Prägnanz beeindruckende, auf knapp 80 Seiten festgehaltene Gesprächsprotokoll der beiden Juristen beantwortet Fragen von der Rechtmäßigkeit heutiger Einschränkungen bis zur Zukunft Europas. Das Corona-Virus schafft eine Zeitenwende, vermuten beide Juristen, die Zweierlei möglich macht - „das Strahlende und das Schreckliche“. Das „Schreckliche“ zuerst: Während manche einen „Shutdown unserer Grundrechte“ zu erkennen glauben, bleibt Schirach zuversichtlich: „Wir leben in Demokratien, wir haben eine Gewaltenteilung. Noch immer muss das Parlament entscheiden.“ Doch auch er warnt vor einer „Verfestigung autoritärer Strukturen“, an die sich die Menschen bald gewöhnen könnten, und fordert deshalb zwingend eine zeitliche Befristung jeder Maßnahme, die zudem vier Voraussetzungen erfüllen muss: „Sie muss einen legitimen Zweck verfolgen, geeignet, erforderlich und angemessen sein.“ Würde man zum Beispiel allen Menschen die Fahrerlaubnis entziehen, um Leben zu schützen und Tausende Verkehrstote pro Jahr zu vermeiden, wäre auch dies zwar legitim, aber nicht angemessen. Doch diese Frage scheint beiden Gesprächspartners eher unwichtig zu sein, weshalb sie sich stattdessen der weitaus interessanteren Frage nach langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unsere gesellschaftliche Entwicklung zuwenden. Wie das verheerende Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 die europäischen Völker von ihrem bisherigen Gottesglauben entfernte und dadurch zum beschleunigenden „Katalysator der Aufklärung“ wurde, indem rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen überwand, so kann auch die weltweite Corona-Pandemie unsere Gesellschaft auf einen neuen Weg führen. So könne kein Politiker in Zukunft behaupten, Klimaschutzmaßnahmen seien nicht zu verwirklichen, weil sie zu teuer sind oder die Gesellschaft zu sehr einschränken. „Wir können offenbar alles, wenn Gefahr droht“, folgert Schirach aus dem aktuellen Shutdown. Ähnlich der amerikanischen Verfassung, die 1787 ungeachtet der weit verbreiteten Sklaverei dennoch das Recht auf Leben und persönliche Freiheit forderte, sollten sich die EU-Staaten eine vorausschauende europäische Verfassung geben - mit dem Anspruch auf eine intakte Umwelt und der klaren Forderung, wirtschaftliche Interessen grundsätzlich den universalen Menschenrechten nachzustellen. Solche Forderungen seien nicht weniger utopisch, als jene der amerikanischen Verfassung. Dieses kleine, mit seinem grauen Einband so unscheinbare Büchlein „Trotzdem“, nicht einmal 80 Seiten stark, hat es wahrlich in sich: Einerseits ist es ein Protest, sich als Mensch nicht von Pandemie und Einschränkungen unterkriegen zu lassen, sondern an die Zukunft zu glauben. Andererseits ist es nichts weniger als ein eindrucksvoller Aufruf zweier selten kluger Köpfe, den Shutdown als eine einmalige Chance für einen sinnvollen Neuanfang, einen wohl überlegten und zukunftsweisenden Wiederaufbau zu nutzen, statt gedankenlos und allzu bequem die veralteten Strukturen mit ihren längst erkannten Mängeln wieder aufzunehmen.

Lesen Sie weiter