Leserstimmen zu
Adler und Engel

Juli Zeh

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Das Leben ist kompliziert. Und nicht mehr lebenswert. Das jedenfalls findet Max. Der erfolgreiche Jurist von Mitte dreißig hat am Telefon den Selbstmord einer Freundin miterlebt. Warum hat sie das getan? Max war mit Jessie seit der Schulzeit befreundet. Nun arbeitet Max nicht mehr, kümmert sich um nichts mehr, hängt im Schockzustand herum und könnte genauso gut selber tot sein, findet er. Deshalb kokst er auch Tag und Nacht. Irgendwie muss man den Rest des Lebens ja ertragen. Zweimal die Woche hört Max nachts eine Radiosendung. Die hippe Moderatorin Clara nimmt Anrufe von Menschen entgegen, die von ihren Problemen erzählen. Eines Nachts ruft auch Max dort an. Clara erscheint ihm so vertraut. Er ist mehr als überrascht, als er Clara schließlich persönlich kennenlernt. Max versucht mit Claras Hilfe zu verstehen, was geschehen ist. Von seiner jetzigen Bleibe in Leipzig aus geht er zurück nach Wien, wo er lange Zeit gelebt und in einer großen Kanzlei für Völkerrecht gearbeitet hat. Er findet Querverbindungen, die ihn verblüffen. Wer kennt wen und in welchem Zusammenhang? Was hat das mit Jessies Selbstmord zu tun? Bildet er sich das alles nur ein in seinem Drogenrausch? Oder ist er am Ende psychisch krank? „Außerdem, sagt sie, gibt es zwei Seiten in mir. Die eine will Radio machen und den Leuten beibringen, wie scheißegal alles ist. Dass nur eine Sache ein bisschen Linderung von der großen, umfassenden Langeweile verschaffen kann: nämlich die Macht über andere Menschen. Ich fürchte, sagte ich, das weiß die Menschheit bereits. Dann sollen sie aufhören mit der Heuchelei, sagt Clara. Und die andere Seite? Meine andere Seite gehört Leuten wie meinem Professor. Was willst du von ihm? Er soll es mir schriftlich geben, dass ich nicht nur genauso intelligent bin wie er, sondern auch genauso rücksichtslos. Wem gegenüber, frage ich. Natürlich mir selbst gegenüber, sagte sie. Wahrscheinlich wirst du nicht antworten, wenn ich frage, wozu das gut sein soll. Ganz recht, sagt sie.“ (S, 220) Dieser Roman hat mich eingesogen von der ersten Seite an. Eine spannende Geschichte, die zuerst nach einer persönlichen Tragödie aussieht. Mehr und mehr verstricken sich aber die Handelnden zu einem mörderischen Geflecht unterschiedlicher Interessen und verborgener Identitäten. Nichts ist wie es scheint. Organisierte Kriminalität und internationale Beziehungen könnten dahinter stehen, schließlich befindet sich in Wien ein Sitz der UNO. Aber ist das nicht ein bisschen zu weit hergeholt? Juli Zehs allererster Roman bleibt spannend bis zum Schluss. Ein faszinierender Psychothriller, mit Witz und Raffinesse komponiert, atemberaubend bis zur letzten Seite!

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Verwirrend und grausam

Von: Xirxe aus Hannover

26.08.2019

Was für eine chaotische Geschichte, die da aus einer Teenagerliebe erwächst. Es geht um Drogenhandel und -schmuggel, geschickt vermischt mit den Kriegswirren auf dem Balkan und der danach folgenden Osterweiterung - das sind die unschönen Beigaben einer Liebesgeschichte die keine ist. Max ist verliebt in Jessy, die aber in Scherscha - der wiederum nur an viel Geld interessiert ist, an das er über Jessy heranzukommen glaubt, deren Vater ein Drogenhändlier im großen Stil ist. Max zieht sich zurück, wird ein erfolgreicher Anwalt im Völkerrecht und begegnet Jessy wieder. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als sich der Kontakt zu seiner alten Liebe intensiviert... Grundsätzlich keine schlechte Geschichte, wie hier das Grauen des Drogenhandels wie auch des Balkankrieges einem vor Augen geführt und beides auf übelste Weise zusammengeführt wird. Doch irgendwie empfand ich die Art in der Alles zusammenhing, ziemlich konstruiert. Nichts, aber auch überhaupt nichts wurde hier dem Zufall überlassen, alles war geplant und von bösen Hintermännern in die Wege geleitet worden. Es löst sich am Ende (wenn auch nicht in Wohlgefallen) zwar alles auf und die Zusammenhänge sind klar erkennbar, doch etwas weniger Konstruktion hätte für meinen Geschmack dem Roman sehr gut getan. So bleibt es im Rückblick für mich eine recht chaotische Geschichte mit noch chaotischeren Hauptfiguren. Sehr gut gefallen hat mir aber Anna Thalbach als Vorleserin, die Jessy für mich überdeutlich darstellte mit ihrer feinen, manchmal leicht abwesend klingenden Stimme. Auch der Part von Max gefiel mir - recht neutral, schwer zu entscheiden ob Mann oder Frau, genau richtig für diese Figur. Alles in allem also ok - wenn man Anna Thalbach mag ;-)

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Den Ich-Erzähler Max von einer Frau lesen zu lassen ist eine verwirrende, aber keine gute Idee!

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