VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü
Linda Holeman »Das Mondamulett«

SPECIAL zu Linda Holeman »Das Mondamulett«

Herzergreifend und fesselnd

Linda Holeman
© Elcheshen's Photography Studio

Schlimm genug, dass Daryâ das einzige Kind ihres Vaters ist - und dazu auch "nur" ein Mädchen. Ihr Vater, Bauer in einem kleinen Dorf im afghanischen Hinterland, lässt Daryâ jeden Tag aufs Neue spüren, dass sie ein nutzloses Geschöpf ist, gerade so viel wert, einem Mann viele Söhne zu schenken und ihm in Demut und Gehorsam zu dienen. Doch an genau diesen Tugenden, die ein Mädchen erst vollkommen und zu einer möglichen Heiratskandidatin machen, mangelt es Daryâ. Sie hat den Eigensinn ihrer Großmutter geerbt, ist von einem unbändigen Wissensdurst und Freiheitswillen beseelt und vermag sich den tradierten Regeln ihres Heimatdorfes nicht zu beugen. Widerstrebend erfüllt sie ihre Pflichten im Haus, erträgt klaglos die Nörgeleien ihrer Stiefmutter und die harten Strafen ihres Vaters. Daryâ hat sich zu fügen, so wie es vor ihr Generationen von Frauen taten. Ihr weiterer Lebensweg ist vorherbestimmt, persönliche Freiheiten - und seien sie auch noch so winzig - stehen einem Mädchen in Afghanistan Mitte des 19. Jahrhunderts nicht zu.

Ein furchtbarer Fluch, den ihre Stiefmutter eines Tages im Zorn über Daryâ verhängt, raubt ihr jede Hoffnung auf eine Zukunft als angesehene verheiratete Frau: Nie soll Daryâ einem Mann ein Kind gebären - ein Schicksal, das, sollte es in Erfüllung gehen, einem Todesurteil gleich käme. Das Mädchen ist zwar schon lange dem Cousin ihrer Mutter versprochen, aber die Kunde vom verhängnisvollen Fluch verbreitet sich in Windeseile und dient dem zukünftigen Ehemann zum Vorwand, das Eheversprechen sofort zu lösen.

Eine solche Frau, sei sie noch so anmutig und schön, will niemand zu sich ins Haus nehmen. Nur mit viel Mühe gelingt es Daryâs Vater, seine Tochter an den Nomaden Shaliq zu verkaufen. Daryâ ist zutiefst unglücklich darüber, auf diese Weise aus ihrer Familie verstoßen zu werden, hofft aber zugleich inständig, damit auch dem Fluch entkommen zu können.

Das Leben in dem Nomadenlager ist hart für Daryâ. Alles ist ihr fremd: die Sprache, die Sitten und Gebräuche. Zudem ist Shaliq ein jähzorniger, grausamer Mann, der sie jeden Tag bis aufs Blut peinigt. Dennoch bemüht sich Daryâ, ihn zufrieden zu stellen und hofft, ihm einen Sohn schenken zu können. Aber Monat für Monat vergeht, ohne dass sich ihr Wunsch nach einem Kind erfüllt. Die Macht des Fluches scheint ungebrochen. Aus Angst um ihr Leben flieht Daryâ eines Nachts in das Dickicht der Wälder.

Nachdem das Mädchen viele Tage hungernd und voller Furcht durch den Wald geirrt ist, führt sie ein glücklicher Zufall zum Lagerplatz einer kleinen Karawane, die unter dem Kommando des Engländers David Ingram in Richtung Indien unterwegs ist. Daryâ fürchtet sich zwar vor dem weißen Mann mit den leuchtenden Augen, fleht ihn aber an, sie mitzunehmen. Er ist ihre einzige Rettung. David aber weiß, dass es verboten ist, einer augenscheinlich Ausgestoßenen zu helfen. Daryâs erbärmlicher Zustand jedoch erregt sein Mitleid, er ist beeindruckt von der Courage der jungen Frau, und so willigt er schließlich ein, sie sicher nach Indien zu bringen.

Während der langen, beschwerlichen Reise wächst zwischen beiden eine zarte Vertrautheit heran. Doch dann ist es Zeit, Abschied zu nehmen, so unerträglich die Trennung auch David und Daryâ scheint. Beide ahnen nicht, dass sich ihre Wege am anderen Ende der Welt, in London, noch einmal auf schicksalhafte Weise kreuzen werden und dass wahre Liebe jeden Fluch zu bannen weiß ...

In farbenprächtigen, wortgewaltigen Bildern breitet Linda Holeman das Panorama einer glanzvollen Epoche aus und zeichnet zugleich das faszinierende Porträt einer jungen Frau, die gegen alle Konventionen für ihre Freiheit und um ihr Glück kämpft.