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SPECIAL zu Liz Trenow

Wussten Sie, dass Liz Trenow selbst aus einer Seidenweberfamilie stammt?

Interview mit Liz Trenow

Eine kurze Biografie:
Geboren und aufgewachsen bin ich in Sudbury, einer kleinen Marktgemeinde in Suffolk im Osten Englands, im Haus neben der Seidenspinnerei, in der mein Vater tätig war. Das Unternehmen wird seit 300 Jahren erfolgreich von derselben Familie geleitet und floriert heute in den Händen der 11. Generation.

Ich studierte englische und amerikanische Literatur, und nach einem Intermezzo als Skilehrerin in Kanada wurde ich Journalistin und arbeitete für Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen.

Als ich meinen Arbeitsplatz verlor, entschloss ich mich, die Chance zu ergreifen und meiner Leidenschaft für Literatur zu folgen. Ich absolvierte ein Masterstudium in Creative Writing und schrieb meinen ersten Roman Das Kastanienhaus.

Ich habe zwei erwachsene Töchter, und ich lebe mit meinem Mann, er ist Künstler, in Colchester, Essex. Am liebsten lese ich und singe klassische Chormusik.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich hatte immer schon mit dem Gedanken gespielt, und der Augenblick schien richtig, etwas wirklich Schwieriges auszuprobieren.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Aus der Familiengeschichte (die Seidenherstellung) und aus persönlichen Erfahrungen – jedoch auch Themen, die mich beschäftigen, z.B. Gleichberechtigung für Frauen und die Sorge um die Umwelt.

Welche Art von Geschichte schreiben Sie im Augenblick?
Mein nächster Roman handelt von den Weberfamilien im 18. Jahrhundert in London, als es rassistische Spannungen zwischen den französischen Hugenottenflüchtlingen (die damals zu Reichtum kamen) und den englischen Händlern gab sowie zwischen den Webereiinhabern und ihren Arbeitern. Es war eine Zeit der Aufklärung und des Ideenreichtums und einer wachsenden und wohlhabenden Mittelklasse. Es gibt viele spannende Parallelen zwischen dieser Zeit und der heutigen ethnischen und industriellen Ruhelosigkeit.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Einer meiner Lieblingsautoren ist William Boyd, hauptsächlich wegen der Ausdruckskraft seiner Prosa. Ich habe auch viel von anderen Autoren gelernt: von Rose Tremain, die mir den geschichtlichen Kontext näherbrachte; von Tracy Chevalier, die bewiesen hat, dass Textilien (Tapisserie und Quilts) einen faszinierenden Hintergrund für einen Roman bieten können; und von Kate Morton und Victoria Hislop, die mir die Darstellung generationenübergreifende Inhalte zeigten.

Welche Bücher haben Sie kürzlich gelesen?
Im Augenblick lese ich als Recherche für meinen aktuellen Roman nur Romane oder Sachbücher, die sich mit dem 18. Jahrhundert beschäftigen, beispielsweise Biografien des Künstlers William Hogarth und die London Tagebücher von James Boswell.

Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Das größte Glück im Leben wird einem zuteil, wenn man es fertigbringt, dass andere sich gut fühlen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Meine Lieblingsbeschäftigung ist Chorgesang – besonders mag ich Komponisten des Barocks, und Johann Sebastian Bach ist mein absoluter Favorit!

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
• In meinen Zwanzigern verbrachte ich drei Jahre als Skilehrerin in Kanada
• In den 1970ern war ich Feministin, und ich bin sehr stolz, dass meine jüngere Tochter nun für die Rechte der Frauen tätig ist.
• Vor zehn Jahren besuchte ich Syrien – die Notlage dieses warmherzigen und freundlichen Volkes tut mir in der Seele weh.
• Ich habe den Krebs besiegt: Es ändert deine Lebensperspektive.
• 2015 werde ich nach Indien reisen, um in einem Kinderheim zu arbeiten.

Wie würden Sie Ihren Roman in einem Satz zusammenfassen?
„Ein faszinierendes Patchwork aus Vergangenheit und Gegenwart, aus oben und unten, aus Hoffnung und Verzweiflung.“ (Quote von Daisy Goodwin, Autorin von Eine englische Liebe).

Was hat Sie zu der Geschichte inspiriert?
Zwei Dinge ganz besonders: Vor einigen Jahren besuchte ich eine Quilt-Ausstellung im Victoria and Albert Museum, in der 70 Quilts von 1700 bis heute zu sehen waren. Die Ausstellung erinnerte mich daran, in welch vielfältiger Weise Quilts Geschichten erzählen, und ich beschloss, eines Tages einen Roman zu schreiben, in dem ein Quilt eine „tragende Rolle“ spielt. Später, als ich die Seidengeschichte meiner eigenen Familie recherchierte, besuchte ich das Warner Textile Archive in Braintree, Essex, und stieß auf die „May Silks“. Das sind besonders schöne Damast- und Brokatstoffe, teilweise mit Gold- und Silberfäden durchwoben, handgewebt für die Aussteuer von Prinzessin May anlässlich ihrer Vermählung mit dem britischen Thronfolger im Jahr 1893. Die Seide selbst war hinreißend, aber die Geschichte dahinter war es, die mich am meisten faszinierte.

Worum geht es in Ihrem Roman?
Die vergessenen Worte ist mein zweiter Roman und handelt von Seide – vorwiegend deshalb, weil ich aus einer Seidenweberfamilie stamme, die seit 300 Jahren webt und dies bis heute tut.

Diese Geschichte wurde inspiriert von einem einzigartigen Stück Seide – gewebt für ein königliches Hochzeitskleid –, das in der Mitte eines Quilts entdeckt wird. Im Mittelpunkt des Romans steht das Geheimnis, wie Maria, eine arme Waise aus dem Londoner East End, die fast ihr gesamtes Leben in einer Irrenanstalt verbringt, in den Besitz dieser seltenen und wertvollen königlichen Seide kommt.

Der Quilt besitzt jedoch auch Symbolcharakter: Er trägt das Geheimnis eines vergessenen Lebens und ist selbstverständlich auch eine Metapher für die zusammengefügten Stücke aus Beziehungen, Wahrheiten und Halbwahrheiten, die unser Leben ausmachen. Der Roman handelt auch von der Machtlosigkeit der Frauen im frühen 20. Jahrhundert und davon, wie die Frauen von heute mehr Macht haben könnten, und dass die Wahl nicht immer leicht ist.

Für die korrekte Beschreibung der Details beim Anfertigen eines Quilts konnte ich mich glücklicherweise der Unterstützung einer international anerkannten Quiltschneiderin, Lehrerin und Autorin versichern: Lynne Edwards. Ihr Muster und die Anleitung für Marias Quilt finden Sie auf meiner Website (www.liztrenow.com) zusammen mit Fotos, wie einige Näherinnen diese in ihre eigenen Kreationen verwandelt haben.

Mir hat das Schreiben von Die vergessenen Worte sehr viel Spaß gemacht, und ich hoffe, Sie haben Freude beim Lesen.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Maria ist definitiv meine Lieblingsfigur. Sie war plötzlich da, begann in der ersten Person zu mir zu „sprechen“ und gewann während des Schreibprozesses an Kraft.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Wahrscheinlich die Szenen mit dem Prinzen, da Maria gleichzeitig ahnungslos und wissend ist; und diese Tatsache wollte ich in den Kontext einbauen, dass sie bloß eine Dienerin ist, und er der Prinz.

Carolines Fehlgeburt war aus einem anderen Grund schwer zu schreiben – auch ich habe diese Erfahrung gemacht, und darüber zu schreiben brachte unangenehme und schmerzhafte Erinnerungen zurück.

Die vergessenen Worte Blick ins Buch

Liz Trenow

Die vergessenen Worte

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