Manchen Menschen schickt das Leben ein Wunder. Anderen schickt es die achtjährige Lupi.

Der TV-Moderator Jacob Chrissen führt ein Leben in Saus und Braus – bis er bei einem Helikopterabsturz seine Frau und seinen Sohn verliert. Dass er selbst nahezu unversehrt davonkommt, grenzt an ein Wunder. Doch Jacob sieht keinen Sinn mehr im Leben, und von Wundern hält er auch nicht viel.
Die achtjährige Lupi dagegen könnte dringend ein Wunder gebrauchen. Als sie Jacob trifft, steht für sie fest: Dieser Mann muss Gott persönlich sein! Wer sonst überlebt einen Sturz vom Himmel? Und so ist Lupi wild entschlossen, Jacob zu zeigen, dass das Leben schön ist – und die Welt ihn noch braucht.

»Was für ein Lesevergnügen! Mit ›Gott hat auch mal `nen schlechten Tag‹ hat Lucy Astner eine Geschichte geschrieben, die kein Auge trocken lässt – zum Lachen und Weinen gleichermaßen, für Jung und Alt, für Frauen und Männer! Wir freuen uns sehr, die Geschichte von Lupi und Jacob gemeinsam mit der Autorin auf die große Leinwand zu bringen!«
Max Frauenknecht & Benedikt Böllhoff (Filmproduzenten VIAFILM) (02. März 2020)

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»Komm schon, Kumpel, mach die Tür auf! Oder willst du, dass ich nebenan auf die Klobrille steige und zu dir rüberklettere?« Jacob rüttelte an der Klinke, aber hinter der Tür blieb es still.
Jimmy war schon immer ein ruhiges Kind gewesen, so ruhig, dass es Jacob manchmal unheimlich war. Wie konnte ein fünfjähriger Junge derart lange stillsitzen, ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben? Kein Rascheln, kein Knacken, nicht einmal das Geräusch von Atemzügen drang aus der Kabine nach draußen. Wenn Jacob nicht die kleinen glänzenden Lederschuhe unter der Tür gesehen hätte, die Sarah
ihrem Sohn für diesen Abend gekauft hatte, hätte er schwören können, die Kabine wäre leer.
Vor ein paar Wochen hatte Jimmy sich schon einmal im Bad eingeschlossen, allerdings zu Hause und nicht in einer Hoteltoilette, die nach einer aufdringlichen Mischung aus Zitrusfrüchten und Rosenwasser roch. Jacob hatte Karten für eine Motocross Show gehabt, zu der auch Markus mit seinem Sohn kommen wollte. Aber Jimmy hatte sich beharrlich geweigert, die Badezimmertür zu öffnen. »Er fürchtet sich vor dem Motorenlärm«, hatte Sarah sich irgendwann eingemischt, obwohl er sie nicht darum gebeten
hatte.
Motorenlärm? Unsinn! Welcher Junge begeisterte sich nicht für fliegende Motorräder, explodierende Auspuffrohre und Schlammspritzer im Gesicht? Sarah hatte keine Ahnung von den Bedürfnissen eines fünfjährigen Superhelden!
Dennoch war Jacob am Ende ohne Jimmy zu der Show gegangen. Markus hatte er erzählt, der Kleine läge krank im Bett … Aber diesmal würde er nicht nachgeben!
»Also gut, Kumpel, du hast es nicht anders gewollt!« Zielsicher warf Jacob sein Sakko auf eines der Waschbecken und krempelte die Hemdsärmel hoch. »Ich komme jetzt rüber zu dir! Aber eins solltest du wissen: Meine Anzughose ist verdammt eng, und es könnte passieren, dass sie reißt, wenn ich
jetzt über die Wand steige. Dann muss ich mit einem riesigen Loch am Hintern zur Preisverleihung!« Er lehnte sich an die Kabinentür. »Und so ziemlich die ganze Welt wird vor dem Fernseher sitzen und sehen, dass ich die Bärchenunterwäsche trage, die deine Großmutter mir zu Weihnachten geschenkt hat!«
Jacob hielt einen Moment inne – und tatsächlich, er hörte es. Leise nur wie ein Flüstern, aber: Jimmy lachte! Jetzt war der Rest ein Kinderspiel! »Glaubst du mir etwa nicht?« Beinahe musste auch er lachen, aber er bemühte sich um einen mahnenden Ton.
»Mm-mm.«
»Mm-mm? Soll das Nein heißen? Du glaubst mir nicht, dass ich gleich zu dir rüberkomme?« Er klopfte an die Tür.
»Ich glaub dir nicht, dass du die Bärchenunterhose anhast.«
»Wenn du die Tür öffnest, beweise ich es dir!«, witzelte Jacob. »Du musst nur den Riegel zurückschieben und …«
In diesem Moment wurde hinter ihm die Tür aufgestoßen. Für einen kurzen Augenblick flutete ein Gewirr von Stimmen und klingelnden Telefonen aus der Lobby zu ihnen herein. Als sich die Tür wieder schloss, blieb nur das Geräusch von hohen Absätzen auf Marmorfliesen.
Jacob musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass es Sarah war. Als er es trotzdem tat, stellte er überrascht fest, wie umwerfend sie eigentlich aussah in ihrem kurzen schwarzen
Kleid. Wären sie nicht verheiratet gewesen, hätte er ihr vielleicht ein Kompliment gemacht. Doch die Umstände waren anders. Sarah war nicht hier, um ihm zu gefallen, und Jacob kannte sie zu gut, um den Blick misszuverstehen, mit dem sie ihn jetzt ansah.
»Steckt er immer noch da drin?«, fragte sie, und die Kälte in ihrer Stimme versetzte Jacob einen Stich.
Er musste jetzt schnell sein, das wusste er, sonst würde Sarah die Sache mit Jimmy an sich reißen, und dazu hatte sie kein Recht, nicht heute und nicht hier! »Dir ist schon klar, dass das die Herrentoilette ist? Frauen haben hier keinen Zutritt!«
Sarahs Brust hob und senkte sich unter der feinen Spitze ihres Dekolletés. Sie schien etwas erwidern zu wollen, stieß dann aber nur einen resignierten Seufzer aus. »Der Empfang ist vorbei, die anderen sind schon unterwegs. Der Helikopter wartet auf dem Dach, und Meggie sagt …«
»Wir sind gleich so weit, okay?« Seine Worte klangen schroffer, als er es beabsichtigt hatte. Warum nur war alles so kompliziert geworden zwischen ihnen? Er atmete tief durch.
»Tut mir leid. Jimmy und ich, wir … unterhalten uns gerade. Stimmt’s, Kumpel?« Unsicher ließ er seine Hand über die Toilettentür wandern, aber aus der Kabine kam keine Antwort. Ungehalten blickte er zu Sarah. »Sag Meggie, wir kommen gleich rauf.«
Sarah nickte und wandte sich wieder zur Tür, doch dann schien sie es sich anders zu überlegen. »Jacob?« Auf einmal hatte ihre Stimme etwas Sanftes, das ihm merkwürdig fremd vorkam. »Wenn Jimmy nicht mitkommen will, dann …« Sie hielt inne. »Ich kann mit ihm im Hotel bleiben. Oder wir warten zu Hause auf dich.«
Jacob kniff die Augen zusammen. Warum musste sie ihn schon wieder wütend machen? »Natürlich will er mit! Ich bin sein Vater!«
»Und ich bin seine Mutter!«
»Es geht aber heute nicht um dich, sondern um mich!« Er zuckte erschrocken zusammen, als er merkte, wie laut er geworden war.
Sarah sah ihn überrascht an. »Du denkst, es geht hier um dich und mich?« Sie schüttelte den Kopf und lachte ungläubig.
»Was ist daran so lustig?«
»Gar nichts.« Plötzlich sah sie ihm direkt in die Augen.
Dieser Blick, der ihm früher das Gefühl von Geborgenheit vermittelt hatte, das Gefühl, nichts falsch machen zu können, bohrte sich jetzt wie eine Pfeilspitze in sein Herz. »Er hat Angst, Jacob. Die vielen Menschen machen ihm Angst.«
Als ob er das nicht wüsste! Kam sie sich wirklich so viel schlauer vor als er? Natürlich fürchtete Jimmy sich. Aber deswegen musste man ihn doch nicht auf Samthandschuhen durchs Leben tragen! Die Welt war kein sicheres Spielzimmer, sondern ein Wirbelsturm, und die Kunst bestand darin, mit beiden Beinen fest in seinem Auge zu stehen. Er selbst hatte das viel zu spät erkannt, und Jimmy sollte es besser haben. Er würde ihn Schritt für Schritt in den Sturm führen. »Ich kümmere mich darum«, murmelte Jacob. »Kannst du das bitte mitnehmen?« Er deutete auf sein Sakko, das noch immer über dem Waschbecken hing. »Und dann sag Meggie, wir sind gleich da.«
»Wie du meinst.« Sarah seufzte und ging.
Als das Klappern ihrer Absätze verklungen war, legte Jacob noch einmal die Stirn an die Toilettentür. »Hey, Kumpel. Du bist doch noch da, oder?« Er klopfte dreimal und wartete. Es dauerte einen Moment, aber dann erwiderte Jimmy das Klopfen. Jacob war erleichtert. »Ein Glück! Ich hatte schon befürchtet, du wärst durch die Toilette verschwunden – dann hätte ich dir wohl oder übel hinterhertauchen müssen.«
Das leise Kichern aus der Kabine verriet ihm, dass er noch nicht verloren hatte. Er hatte noch eine Chance!
»Hör zu, Kumpel, ich …« Jacob hielt inne. »Ich weiß, dass du nicht gerne auf solche Veranstaltungen gehst. Und ich kann das verstehen, ehrlich. Ich finde diese vielen Leute selber ziemlich erschreckend.« Vorsichtig lehnte er sich mit der Schulter gegen die Tür. »Und genau deshalb brauche ich dich heute Abend, verstehst du? Ich kann da nicht einfach alleine hingehen und vor aller Welt diesen Preis entgegennehmen. Wenn wir vor dem Theater über den roten Teppich gehen, musst du an meiner Seite sein und meine Hand halten, damit ich mir nicht vor Aufregung in die Hose mache. Könntest du das tun?«
Einen Moment lang blieb es still in der Kabine, dann räusperte sich Jimmy. »Und Mama?«
»Was ist mit Mama?«
»Soll sie auch deine Hand halten?« Jacob schwieg verblüfft. »Natürlich soll sie auch meine
Hand halten«, sagte er dann. »Ich hab schließlich zwei davon, eine für dich und eine für Mama.« Er hörte, wie Jimmys Füße über den Boden scharrten, und dann, wie der Kleine tief Luft holte. »Ich will nicht, dass du diesen Preis kriegst.«
»Was?« Damit hatte Jacob nicht gerechnet. Er versuchte zu lachen, kam sich dabei aber ziemlich hilflos vor. »Aber wieso denn nicht? Ich habe hart dafür gearbeitet, und nicht jeder Moderator kriegt …«
»Weil du dann nach Amerika gehst«, fiel Jimmy ihm ins Wort. »Und Mama und ich bleiben hier.«
Jacob spürte einen Knoten in der Brust. »Hat Mama das behauptet?«
Eigentlich hatten sie sich darauf geeinigt, Jimmy nichts zu sagen, bis eine Entscheidung getroffen war. Warum in aller Welt konnte Sarah sich nicht an ihre Abmachung halten?
»Ich habe gehört, wie ihr euch gestritten habt«, antwortete Jimmy leise. »Vor dem großen Saal oben.«
»Gestritten?«
»Du hast gesagt, dass du den Job in Amerika nicht ablehnen kannst, wenn du diesen Preis bekommst.«
Verdammt, das war es also! Jacob schloss die Augen und ließ seine Stirn erneut gegen die kalte Tür sinken. »Ich gehe nicht ohne euch, okay? Wenn ich diesen Job in New York annehme, dann kommt ihr mit. Wir sind eine Familie!«
»Ich will aber nicht nach Amerika.«
»Natürlich willst du nach Amerika«, erwiderte Jacob.
»Amerika ist toll! Da gibt es Hamburger, die sind so groß wie Fußbälle.«
»Ich mag kein Fleisch, Papa.«
Wie bitte? Seit wann mochte Jimmy kein Fleisch?
Jacob räusperte sich. »Die haben sicher auch vegetarische
Burger.«
»Ich will trotzdem nicht nach Amerika. Und ich will auch nicht, dass du gehst.«
Jacob blickte auf die Uhr: kurz nach acht. Eigentlich hätten sie schon vor fünf Minuten im Freihafen landen sollen …
»Also gut.« Er hatte noch den Geschmack des viel zu süßen Champagners im Mund, den Markus auf dem Empfang ausgeschenkt hatte. »Wenn ich dir verspreche, dass ich nicht nach Amerika gehe, kommst du dann raus und begleitest mich zu dieser Preisverleihung?«
Jimmy zögerte. »Du versprichst es?«
»Ich verspreche es«, antwortete Jacob und wunderte sich, wie leicht es war zu lügen. Aber was hieß hier schon lügen? Jimmy war ein Kind, er wusste nicht, was das Richtige für sie alle war. Jacob würde
ihn schon noch überzeugen. Aber vorher musste er sich dieses Goldene Mikrofon holen. Man hatte es ihm viel zu lange vorenthalten.
Vorsichtig klopfte er ein weiteres Mal an die Tür. »Kommst du?«
Er hörte Jimmy seufzen, dann seine leisen Schritte und schließlich den Riegel, der zurückgeschoben wurde. Als die Tür aufging und sein kleiner Kopf zum Vorschein kam, musste Jacob lächeln. Er war eben doch sein Sohn. Allerdings sah der Kleine mächtig blass aus.
»Ich hab trotzdem ein bisschen Angst, Papa …«
»Ich weiß.« Jacob strich ihm eine dunkle Strähne aus dem Gesicht und legte dabei einige Zommersprossen frei. »Aber das brauchst du nicht. Weil ich nämlich bei dir bin.«
Jimmy verzog unsicher den Mund. »Du lässt mich nicht allein?«
»Ich lass dich nicht allein, versprochen«, flüsterte Jacob und ging vor ihm in die Hocke. Behutsam legte er die Hand auf Jimmys Wange und sah ihm tief in die Augen. »Ich halt deine Hand, und du hältst meine.«
Als Jimmy zögernd nickte, nahm Jacob seinen Sohn auf den Arm und trug ihn hinaus. Und zum ersten Mal seit Langem hatte er das Gefühl, dass tatsächlich alles wieder gut werden konnte.

Neugierig? Erfahre hier, wie es weitergeht.

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Lucy Astner
© privat

Lucy Astner:

Lucy Astner, Jahrgang 1982, lebt mit ihrem Mann und den gemeinsamen vier Kindern in Hamburg. Als Drehbuchautorin schreibt sie u.a. für Til Schweiger und Matthias Schweighöfer Kinokomödien. Ebenso erfolgreich ist Lucy Astner als Autorin von Kinderbüchern, z.B. mit der Serie um Polly Schlottermotz.

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